Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 468 No. 37 JÜDISCHE RUNDSCHAU ginisation gründen mögen, denn unter den Zionisten ist kein Platz für sic und es wäre für uns besser, sie als offene Feinde ausserhalb uusere.r Rethen zu wissen, denn da sic innerhalb derselben als geheime Feinde gegen un.5cre Sache wirken.*) Wenn sie iedoch nur sagen wollen, dass sic. während wir nach Palästina als nach unserem Endziel streben, bestrebt snd, für das Jüdische Volk irgend eine Niederlassung mit autonomen Rechten zu erlangen, so scheint mir. dass ihr Platz :nner!1alb der Reihen der nationalen Körperschaft ist. Mit k$mstitutionellen Mitteln müssen sie diejenigen, die ihnen fc'.ndlieh gegenüberstehen, bekehren, aber sic müssen sich nicht von uns abwenden, um im (leiste des ״Shoolistirus" neue V'crbindungen zu stiften, neue Verbindungen, d.c den Zionismus nur schwächen können. Lassen Sie uns jedoch sehen, was sie Vorschlägen. Seit zweitausend Jahr.זז hat zum, erstem Mal eine Regierung dem jüdischen Volk ein Gebiet zur Niederlassung?»geboten: wann wird ein solches Anerbieten wiederholt werden. Wollen sie sich um ein anderes bemühe «? Mir scheint, dass ein solches Vorgehen sich sehr vom Anerbjeten der englischen Regierung lmtcrschcden würde. Mr. Z a n ß w i 11 scheint der Ansicht zu sein, dass die englische Rccierung ersucht werden sollte, ihr Anerbieten abzuändern. Du- R egierung hat jedoch volle Kenntnis von dein Ber'׳-' t über das von ihr aagebotene Gebiet: alle Umstände s:nd ihr bekannt; die Verhältnisse, die sic zu lindern suchte, sind nicht abgcändert worden. Wenn die Regierung ihr Anerbitten abäuderu will, so kann sie dies tun. und ich bin überzeugt, dass w■r einem solchen abgeänderten Anerbieten unser.» ehrerbietigen Dank entgegenbringen würden; wen» wir selbst auch dann j nicht handeln können, so werden wir alle Mittel ergräfen, die I uns zu geböte stehen, die den! Baseler P r o g r a m וזז c | nicht widersprechen und mit den Beschlüssen j dcsKongressesübcrcinstimnicn. damit eirt solches Anerbieten genügende Erwägung findet Ich glaube so- J gar zu wissen, dass nicht einmal Mr. Ussischj kin ‘dagegen sein würde. (Hört, hört.); Es ist aber etwas ganz anderes, nach einem Gebiete ausserj halb Palästinas oder innerhalb seiner Nachbarschaft zu trachten.! Uber diesen Punkt stimme ich ganz mit D r.; H c r'zl Q b c r c in; er wollte nie um irgend ein; *) Die Zionistisch-sozialistische Arbeiterpartei (d. h. die i terroristischen Territorialistcn. die mau nicht mit efen zionstreuen J ״Poale-Zion“ verwechseln wolle) hatten vor dem VH. Kongress; ihrer! Delegierten den Auftrag gegeben, auf dem Kongress durchj zusetzen, ״das der erste Punkt des Baseler Programms umgeändert und folgendcrmassen formuliert werde: ״Der Z;onis- ן mus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffent- lieh rechtlich gesicherten Heimstätte au! dem zu diesem Zwecke ן erworbenen Territorium.*' Diese Leute hatten also auch nach j Orccnberg kein Recht am Kongress teilzunchmcn und ihn gar j planmässig zu blamieren. Gebiet ausserhalb Palästinas oder seiner Nachbarschaft bitten und er tat es nie Wir baten um die Niederlassung in El-Arish. wir baten nicht um Ostafrika. Ich habe anderweitig gesagt, dass mit dem Verluste von östafrika die Verhältnisse des Jüdischen Volkes irgend ein; ander{: Niederlassung erfordern würden, bevor u׳ir unsere Nation in Palästina vor! neuem gründen können. (Beifall.) Ich glaube dies noch heute, obgleich ich natürlich hoffe, dass ich mich irre. Wenn jedoch diese Niederlassung ausstrhalb Palästinas oder seiner unmitlelbaren Nähe liegen soll, so sage ich. dass wir es nicht durch Bitten erlangen sollen, sondern durch die zwingenden Verhältnisse der Judenfrage. Für uns Zionisten ־ für alle, die sich dem Baseler Programm anschiiesse» ist unsere Pa’itik mit Bezug auf diesen Gegenstand klar. Wir wollen fiir das Jüdische Volk ein gesetzlich gesichertes, öffentlich anerkanntes Heim in Palästina gründe!־. Wir wollen nichts Geringeres uird wir wollen nichts anderes.״ (Bdfall.) In! weiteren begründet Greenborg, warum der Kongress die Methode der früheren Chowewe- Zion als untunlich abgclcbnt habe. ..Sie kennen den Beschluss, der einen Entwurf unseres Werkes bildet. Es ist jedoch äugensehe nlich unser erstes grosses Ziel, unsere Organisation zu stärken und unsere Reihen zu festigen. Denn w׳ j r haben tätig; Feinde, gemeinsame Feinde zu bc ־ kämpfen, was auch immer unsere politische n Ansichten sein möge». Niemand wunderte sich wohl über Herrn I.irrer Wof’s Zeilen im JEW1SH CHRONICLE vorige Woche. Er ist ein Vogel, der immer über einem Schiffe schwebt, wenn eh! Sturm im Anzüge ist (Heiterkeit), und als die iib.rtrichenen Behauptungen über den Kongress erschienen, regte er d.c Schwingen. Seine ersten Worte sind charakteristisch: ..Der Z.omsmus ist hoffnungslos bankrott!” Herr Wolf scheint cimgcrtnassen meschuggah zu sein, was Bankrott anhetrif:'.:. (Heiterkeit.) Vor c•.׳:rgeit Monaten schrieb er der ..Times” etliche Briefe, um zu beweisen, dass Russland bankrott sei. Jetzt sagt er. der Zionismus sei cs. Ich glaube, er irrt sich in dem einen sowohl wie in dem anderen Falle. Das schlimmste dab.i ist aber, dass Herr Wolf aus seinen eigenen Vorurteilen Meinungen zu machen scheint und dann höchst ärgerlich ist. wem! der einfache Umstand, dass er ein vernichtendes Urteil über etwas ausspriclit. nicht genügt, um seine Meinung zur Tatsache zu machen. Herr Lucicn Wolf sagte. Russland sei bankrott und er ist wirklich unwillig darüber, dass ts nicht sofort seine Fensterläden schlicsst: er betrachtet cs als eine Impertinenz von Russland, seinen Laden offen zu halten, nachdem er sein Vcrdanmiungsurteil erlassen hatte. (Heiterkeit.) Er sagt, dass w ir Zionisten ״wahnwitzig“ sind. Ich hätte gemeint, dass eil Herr, dessen angenommene literarische Begabung genügte, um seine Ernennung auf ein Jahr zum Präsidenten des Bundes Jüdischer Literarischer Gesellschaften zu rechtfertigen, einen weniger beleidigenden Ausdruck hätte wählen können und vor allem einen, der seinen eigenen geistigen Zustand in ein weniger helles Licht stellte. Er möge sich dieses Ausdruckes bedienen, wir w׳erden ihn nicht vergessen. Nun. dieser Herr Wolf — der Fürstin: Wer sind Sie? Der Herr: Ein Träumer, der vorübergeht. Fürstin: Sie sprechen anders, als unsere mixed multitude. Ich möchte wissen, wbr Sie sind? Der Herr: Vielleicht der Schelm von Bergen. Fürstin: Wer ist das? Der Herr: Befehlen Sie mir nicht, mich zu nennen, Fürstin! Ich möchte bis zur nächsten Station mit Ihnen plaudern. Dann steige ich aus und verschw inde. Wenn Sie eine Ahnung haben, was Märchen sind, muss ihnen das lieber sein. Dann werden Sie noch eine Weile an den Rätselhaften denken. Ich werde nie in meinem Leben etwas Schöneres erlebt haben. Es begann unter Scherzen und verlor sich in einem Traum. Ich w ar kein Herr, der irgendwie heisst, und Sie waren die ferne Prinzessin, nicht eine wirkliche Dame aus dem genealogischen Taschenbuch. Ich w ar der Windstoss, der über eine Harfe strich. Fürstin: Immer mehr will ich wissen, wer Sic sind. Der Herr: Sic werden mir zürnen; wenn ich es nach alledem sage. Fürstin: Ich werde Ihnen nur verzeihen, wenn Sic cs mir sagen. Rasch, rasch! Der Herr (entschlossen): Nun denn, ich Iltisse Kolm. Fürstin (verdutzt): So? . . . Das ist . . . (Blickt zum Fenster hinaus). Wo sind wir denn schon? . ... . (Drückt auf den Taster an der Wand.) Garcon (erscheint): Befehlen? Fürstin: Meine Kammerfrau wird Ihre Rechnung zahlen kommen. (Erhebt sich, nickt leicht mit dem Kopfe und verlässt den Speisewagen.) Der Herr (für sich): Das war vorauszuschcn . . . (der Zug bra.ust weiter).