Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 37 Seite 467 JÜDISCHE RUNDSCHAU zu dem genannten Verbände für di׳.* Disscnticrcnden ein zwingender Grund zum Austritt sein müsste. Wie denkt sich aber der Vorstand der Posener Ortsgruppe deren fernere agitatorische Tätigkeit? Es kann doch einem hmzutrctcndou Mitglicdc nicht verschwiegen werden, dass es mit seinem Sllntritt zugleich wenigstens indirekt Angehöriger' eines Verbandes wird, dessen Ziele s:incn Anschauungen vielleicht ganz entgegengesetzt sind. Soll etwa die ganze Propaganda der Ortsgruppe Posen nicht aitf die Gewinnung von Zionisten schlechthin, sondern nur von Zionisten der Posener-Hamburger Schattierung gerichtet sein? Und soll auch dies zur Einleitung einer besonderen Agitation durch andcrsdeukeixle Zionisten führen? Es wäre vielleicht an der Zeit, darüber nachzudenken, wohin die Wege führen, die die Führer der Hamburger und Posener Ortsgruppe cinzuschlagen beliebt haben. Lapidarius. Massenmeeting in London (Schluss) Greenberg fährt fort: Ich sagte, dass ich hofic. der siebente Kongress habe wenigstens die Grundlage gelegt zum vollen Verständnis einer Frage, die uns seit zwei .laliren beschäftigt hat. Ich hätte vielleicht sagen sollen: zwrf oder drei Fragen. Was Ostafrika aubetrifit. s<> sehe ich nicht die geringste Veranlassung, die Ansichten zu ändern, die ich häufig über dieses Anerbieten öffentlich ausgesprochen •habe. Ich zweifle nicht daran, dass, wenn der Kongress cs möglich gemacht hätte, dasselbe anzunehmen, dem Judentum eine Wohltat erwiesen worden und dass damit ein wichtiger Fortschritt in der Nationalisierung unseres Volkes getan worden wäre. M. Ussischkin sagt, in dem vom Präsidenten vorgelcscncn Briefe, dass kein Sieg und keine Niederlage zu verzeichnen ist. Ich kam! nicht mit ihm übercinstimmen. Er hat einen grossen Sieg augebahnt und durchgeführt und *den Schatten eines Gespenstes besiegt. (Gelächter.) Denn er und diejenigen, die mit ihm arbeiteten, huldigten dem Wahne, dass das. was sic zu bekämpfen hatten, eine Verdrängung Zions durch Ostafrika war. Ich bin dieser Ansicht stets feind gewesen und bin es noch fetzt. Ich leugne, dass eine solche Verdrängung jemals in Aussicht genommen worden ist und dass sic jemals hätte erfolgen können. Ausser in einigen vereinzelten Fällen, wurde Ostafrika niemals als unser Ziel betrachtet und ich habe nie die Furcht geteilt, die so viele beseelte*, dass Ostafrika die nationalen Bestrebungen unseres Volkes befriedigen würde. Das war das Gespenst: nun kommen wir zutn Schatten,!.ange vor dem Kong resse — sobald der Bericht der Expedition veröffentlicht wurde*— lag esaui der Hand, dass der Kongress vernünftigerweise zu keinem anderen Ent- Schlüsse kommen konnte als zu dem vom Aktionskomitee empfohlenen. Denn wir waren gebunden durch die sehr weisen B.dingungcn des Planes, die Herzl in seinem Briefe vom Dezember 1903 a!1 Sir Francis : Montefiore nicderlegte. Und die eine Bedingung, die die ganze! Zeit mangelte, war öffentliche Unterstützung für den Plan ent- 1 weder ausserhalb oder innerhalb der Reiben der Zionisten, j Ich glaube nichF, dass sie leugnen werden, dass ich wenigstens j mein möglichstes getan habe, um diese Bedingung ins Leben : zu rufen, wir wurden aber nicht so sehr durch Widerstand! geschlagen als durch Gleichgiltigkeit. Wir hatten den jiiaischcn Geist des Jüdischen Volkes überschätzt. Wir hatten seine Sehnsucht überschätzt, sich von den Fesseln eines blossen komm׳*ualen Lebens zu befreien und ein^n Anfang zu einem veredelnden nationalen Leben zu machen. Wir hatten seine Fähigkeit überschätzt, von kleinlichem Hader und persönlichen Rücksichten abzusehen um der so naheliegenden grossen Gelegenheit willen, der Welt durch etwas Grösseres. Höheres und Menschenwürdigeres als blosses Dulden unter Verfolgung und Bedrückung zu beweisen, dass wir berechtigt sind, ein selbständiges Volk zu blcib.n. Wir hatten das tiefe Brandmal unterschätzt, das Jahrhunderte der Entnationalisierung der Seele unseres Volkes eingebrannt hatten. Wir vergassen. dass das Zeitalter der Wunder vorüber ist. Wir glaubten, «lass der Zionismus das Jüdische Volk ergriffen hätte und dass der böse Geist des Ghetto ausgestossen wäre. Es blieb uns auch eine Hoffnung, dass un günstiger Bericht der Expedition noch andere Instinkte unseres Volkes berühren würde und dass uns diese dann geholfen hätten. Aber cs sollte nicht sein. Als wir also zutn Kongresse kamen, war nur noch der Schatten eines Ge. spenstes zu beschwören und die Majorität tat dies mit grossem Eriolge. Mit den Ansichten, zu denen ich mich bekäme, habe ich immer für die besten politischen Methoden in unserer Bewegung gesprochen und ich sah sofort eit!, dass die erste Aufgäbe meiner Gesinnungsgenossen war, das Urteil der Majorität, der u!1 v e r k e 1111 ba rle 11 Majorität, anzuerkennen. Denn für die. die für den Plan waren, stand doch kein grosses Prinzip auf dem Spiele. Demi wir waren ja nur über die Mittel uneinig, über das Ziel stimmten wir immer überein. Ich glaube, dass der ostafrikaniselic Plan uns diesem Ziele bedeutend näher gebracht hätte und dass dessen Nichtannahme das Wergwerien einer grossen Gelegenheit war. Es wäre aber verliJtiCTisvoller Wahnwitz gewesen, irgend etwas zu tun. wodurch die Mittel, unser Ziel zu erre:chcn. in irgend welcher Weise geschwächt worden wären, einfach weil ein einziges Mittel, von dem wir Grosses hofft; 11 und worauf wir Häuser bauten, von der Majorität nicht gebilligt wurde. Ich fürchte, dass manche, die für den ostafrikanischeu Plan waren, sich jetzt anderen Wegen zuwenden und danach trachten, irgend e׳nc neue Organisation zu gründen* deren Zwecke nicht sehr klar sind. Wenn sie Territorialisten sind — und es liegt mir viel daran, hier ganz richtig verstanden zu werden — wenn sie sich bereit erklären. Palästina ganz ausser acht zu lassen und sich zu bestreben, die jüdische Nation in irgend einem anderen Gebiete wieder aüizubauen. dann sage ich. dass sie mir ihre neue Oe- Fürstin: Finden Sie? Der Herr: Das Sprechen wird einem leicht. In der Gesellschaft redet man immer nur aus der Position heraus, die man einnimmt. Aber in einem solchen Falle kommen einem andere Worte auf die Lippen, uncr* wartete, nie gebrauchte, für die man gar nicht verantwörtlich ist. Fürstin: Eigentlich wahr. Der Herr: Wenn, ich es recht bedenke, reise ich seit fünfzehn Jahren in der Welt herum, nur um Sie zu י treffen, Madame. Fürstin (lacht): Mich? Sie hatte es in Goodwood bequemer. t Der Herr: Nein. Nicht gerade Sic. Ich habe mir natürlich nie ertaubt, *an Sic zu denken, obwohl ein letzter Knecht von der Königin träumen darf. . . Ich bin sehr schüchtern. Fürstin: Das merkt man nicht. Der Herr: Mit Leuten, denen man unterwegs begegnet, möchte ich nie in Berührung kommen. Fürstin: Pa haben Sie recht. Es gibt auf Reisen unmögliche Menschen, denen man kaum ausweicheu kann: Geschäftsleute, Pöbel, Juden . . . Der Herr: Wie meinen Sie? Fürstin: Alles durcheinander. Sie sehen, selbst der Herzog von Franken musste sich diesen Menschen gefallen lassen. Der Herr: Ja, cs ist schwer zu ändern. Die Bahnen müssen auch gewöhnliche Fahrgäste annelicrncn: ich glaube sogar, die erhalten die Baljnen. Aber wir, die wir das Seltene lieben, kommen dabei nicht atu unsere Rechnung. Fürstin: Sie sprechen mir aus der Seele. Der Herr: Und gerade das Reisen könnte so schön sein. Draussen jagt die Landschaft vorüber. Wie gut, dass man weitereilen darf. Es wird einem so wohl ums Herz. Gedanken, zusammenhanglos, hoch und frühlieh ziehen durch die Seele, wie der Vogelschwann da oben durch den blauen Himmel. Dann fehlt nur eine Frau, der man es sagen kann. Aber sie muss sehr stolz, sehr zart, sehr unnahbar sein, und sie muss die Melodie tiihlen können, die man in ihr erklingen macht