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Jüdische Rundschau · 1905-09-15 · Heft 37 (15.9.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 466 JÜDISCHE RUNDSCHAU NcL 37 nächsten Umkreises von Palästina verbietet, die politische , Tätigkeit halb lahmlegt. Cr tat das in dem Augenblick, als t an Hcrzls Stelle neue und ungeübte Männer traten. Schliesslich wäre das alles nicht so schlimm. Selbst die grosse Schädigung, 1 die der Kongress «ns dadurch gebracht hat, dass er in Deutschi land und den übrigen westlichen Ländern die Propaganda unter י der autochthonen Judenhcit sehr erschwert, wäre zu über- , w.ndcn. Aber wir müssen für die* Zukunft sorgen, damit es J so nicht weiter geht. Die Erregung in den deutschen Ortsgruppen zumal ist sehr tiefgehend, so stark, wie wir selbst es nie erwartet hätten. Und es muss vermieden werden, dass auf dem beschrittenen Wege fortgdiahreii wird, damit uns nicht das grösste Unglück von allen trifft: ein Missverständnis zwischen Ost und West. Besser ist es, das heute auszusprcchen wo.es noch Zeit ist, als nachher, wenn cs zu spät geworden ist. Es ist das Pflicht, aber auch Recht, da wir uns oft genug um das Verständnis unserer östlichen Brüder gemüht haben. Wir wünschen keinen Kampf, sondern den Eriedcn im eigenen Lager. Wir wünschen eine Beruhigung der Gemüter. Aber dazu ist letzt vor allem grosse Miiss-gung an? der anderen Seite von nuten; Deutschland stellt fiberwiegerd dem Zionc-Zion fern, dem muss Rechnung getragen werden. Der politische Zionismus muss wieder die Palme der Partei werden und bevor wir darüber nicht beruhigt sind, hat es keinen Sinn, den Zwiespalt wcgzuleiignen. Möge die unverm.fdiich gewordene Auseinandersetzung zu einem dauerhaften Prüden führen -■ aber nicht auf dem Boden der iMajnrisicruiig durch die ZahL sondern der allseitig(:» Erkenntnis, dass nur das unveränderte und uneingeschränkte Baseler Programm uns zu einen vermag. Dr. Friedemann. Befugnisse der Ortsgruppe Die letzten Nummern der JÜDISCHEN RUNDSCHAU bcnehteten über merkwürdige Vorgänge in den Ortsgruppen Hamburg und Posen. Die letztere hat (No. 34 S. 431) den Antrag des Vorstandes, dass die Ortsgruppe korporativ dem Aufruf des ״Verbandes politischer Zionisten“ beitretc, mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Die Ortsgruppe Hamburg hat (No. 35 S. 414) mit allen gegen 8 Stimmen eine von Dr. Victor cingebrachte Resolution politischen Inhalts angenommen, die nicht nur eine detaillierte Kritik der Leitung enthalt, sondern auch das folgende Resümee: ..Zur Wahrung dieser von Herzl vertretenen Grundsätze hält die Ortscrunnc* die Gründung eines besonderen Verbandes politischer Zionisten innerhalb der Bewegung für notwendig in der Hoffnung, dass der nächste Kongress zu einer alle Teile befriedigenden Bc- Schlussfassung gelangen wird.'' Diese Beschlüsse scheinen mir auf einer Verkennung der Stellung der Ortsgruppen innerhalb der zionistischen Organisation zu beruhen. Unsere Ortsgruppen sind in erster Reihe kleinste Zentralen (für die Agitation, sic sind dagegen gar nicht beruCcn zu selbständiger politischer Tätigkeit. Es ergibt sich dies u. a. schon daraus. dass d;c Ortsgruppen unter ihren Mitglied.ru stets Vertreter aller vor- sch'edenen im Zionismus existierenden Anschauungen gehabt j haben, und dass der Bildung besonderer Ortsgruppen vo!1 einer ausgesprochenen Schattierung (z. B. misrachistisehcr) I stets allgemein widersprochen wurd.7. Wohin würde cs auch i führen, wenn alle die vielen zum Teil recht kleinen Orts- 1 gruppaii mit politischen Aktionen den zu solchen allen berufenen Organen in die Quere kommen würden? Allerdings sollen innerhalb der Ortsgruppen die Mitglieder durch Vorträge. Diskussionen und Lektüre zu selbständigem politischem Denken erzogen werden. Die Erfolge dieser Erziehung hab..11 siel( vor allem bei den Wahlen zu Kongressen und Delegierten־ tagen zu zeigen. Und wenn es sonst einmal von W ichtigkeit tifir die Leitung der Bewegung oder wenigstens der Landsmamischaft sein mag. die Meinung zu erfahren, die in den einzelnen Gruppen vorherrscht (man soll die Wichtigkeit solcher Meinungsäusserungen nicht überschätzen, aber das Zentralkomitee hat solche schon selbst veranlasst. 7. B. nach der Kölner Resolution), so ist es doch eben nur das tatsächliche Stimmverhältnis, das Interesse hat und dieses!ustzusteltcn und der l.etung mitzutcile». ist liier das Einzige, was innerhalb der Befugnis der Gruppenvorstände liegt. Aber ts kan״ pi,•ז י zulässig sein, die Ortsgruppe als solche aut eine bestimmte Politik festzulegen. Eine Gemeinschaft kann durch Mclulieitsbeschlösse cur innerhalb il.rer Zuständigkeit Verfügungen treffen, die die Minderheit bindm!. Beim Ankauf Von Büchern für die Vcrcii'sbibliotliek. bei der Auswahl von Rednern und ähnlichen internen Angelegenheiten mag die;Majorität entscheiden, politische Manifeste liegen eben nicht innerhalb der Befugnisse der Ortsgruppen und am allerwenigsten ist cs 711 rechtfertigen, wenn ein Gruppenvorstand BcschhissfassurgeJi zulässt oder gar selbst provoziert, die einer Minderheit den Anlass geben müssen, aus der Ortsgruppe auszutreten. Ein solches Verhalten würde mit Notwendigkeit zur Bildung mehrerer einander (statt den draussen stehenden Feind) bekämpfender Ortsgruppen an einem Ort rühren. Was soll man aber zu dem Posencr Beschluss sagen? Di.* Ortsgruppe als solche soll ein Mitglied des Verbandes politischer Zionisten werden. Zunächst sind unsere Ortsgruppen (mit Ausnahme der ins Vereinsregister eingetragenen Ortsgruppe Rcgcnsburg) keine Korporationen, sic können also nicht korporativ einem Verbände beitrctcu. Erheblicher fällt > ins Gewicht, dass auch ein solcher Beitritt der Ortsgruppe oder mit den feinen Grachten Hollands. Ucberall kenne ich Leute, die mich nicht kennen, und das ist so amüsant. Fürstin: Das lässt sich denken .... Weher kennen Sie mich? Der He rr: Vom Turf. Ich glaube zuerst in (100dwood. Ich sah Sic mit der Herzogin v. Devonshirc. Fürstin: Möglich . . . Sie kennen die Herzogin? Der Herr: Ich? Nein. Vom Sehen. Ich sagte schon, dass ich nirgends Attachen habe. Fürstin: Wie merkwürdig! Der Herr: In Ihnen erwacht jetzt der Wunsch, zu wissen, wer ich bin. Je voudrais jurer dessus, wie der Clown vorhin sagte . . . Lassen Sic mich lieber weiter ungezogen sein und meinen Namen verschweigen. Fürstin (zieht die Augenbrauen hoch, misst ihn flüchtig und lächelt): Das ist sehr drollig . . . Der Herr: Sie kennen so viele Botschafts-Sekretäre, Garde-Offiziere und andere mixed multitudc der Salons. Die haben alle Namen, glänzende Namen, alte Namen — es muss doch für Sie originell sein, einen Namenlosen zu kennen. Obwohl auch ich das Vergnügen habe, einen alten Namen zu tragen. Fürstin (beinahe liebenswürdig): Ah! Ich dachte es mir gleich. Man errät ja die Roture . . . Aber Sic haben recht: Ihr •Einfall, mit mir als Namenloser zu sprechen, ist originell. Es ist mir noch nie passiert. . Der Herr: Dann hin ich sicher, dass Sie mich nicht vergessen werden, auch wenn Sie mich nie Wiedersehen. Fürstin: Sic bilden sich gleich eine Menge ein. Der Herr: Nein, ich bin eigentlich sprachlos darüber, dass wir mit einander reden. ® Fürstin: Ich auch. Der Herr: Vorhin, als’der Hanswurst Sic belästigte, dachte ich mir: Wie kann ein Mensch so dumm und. geschmacklos sein, eine Dame wie Sie anzureden! Und dann war ich plötzlich selbst so dumm und ... . Fürstin: Geschmacklos? [ Der Herr: Sie verstehen mieli. Es ist mauvais 1 gen re. Aber in den Märchen muss das vorgekommen j sein, in den charmanten Märchen. Da wissen die Prin-; zessinnen auch nicht, wer der Fremdling ist. Und das [ ist offenbar das Hübscheste am Märchen.

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