Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 37 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 464 veder auf das Politische noch auf den Zionismus. Auch ist der Zionismus durch kein Patent gegen; Nachahmutu» geschützt. Wer minderwertiges Fabrikat al$ Zionismus ausgibt, wird eben keinen Absatz finden. Nur den gan* zen yolfen Zionismus mit seine! grosszügigen Politik wollen wir propagieren, die Zukunft im Auge behalten i und Gegenwartsarbeit treiben, deren erster und wichi tigster Punkt heute für die deutschen Zionisten ist: Pro- [ pagandä. Denn je weiter der Zionismus sich aus-; breitet, um so grösser ist die Grundfläche, auf der er | aufbaut. Und je fester der Zionismus im Herzen und Haupte jedes Neugewonnenen und jedes alten Anhängers _ wurzelt, desto fester ist die Grundlage, auf der wir bauen. ’ ,Der Narr am Wege, der uns bei insemi Zuge nach Zion spöttisch zuruft: ״Geh!“ gibt uns wider Willen den besten Rat. Ja, wir wollen gehen, rüstig weiter j schreiten in der Richtung nach Zion, das nicht im Monde : liegt und nicht im Meere, nicht am Pole und nicht am j Aequator, sondern in jenem Palästina, wo unser Volk ן erwachsen ist zu seiner Grösse, wo es die Kultur schuf, die eifie Kulturwelt umzugestalten imstande war. Der Zionismus ist auf dem Marsche. E 1 j a q 1 m. (Wird fortgesetzt.) Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. { 1. Der Jüdische Volkskalcnder für das Jahr 1905/06 — 5666 — ist erschienen. Wir haben von demselben für die deutschen Zionisten 1000 Exemplare übernommen und geben diese zum ermässigten Preise von 50 Pig. bei Abnahme von mindestens 10 Stück für •10 Pig. ab. Be- Stellungen sind ausschliesslich an den Verlag Jüdische Rundschau, Berlin N. 54, Auguststr. 49a zu richten. 2. Wir beabsichtigen für den Winter 1905/1906 eine möglichst vollständige Liste von Herren zusammenzustellen, die bereit sind, ausserhalb ihres Wohnsitzes Vorträge zu halten. Es kommen in erster Reihe natürlich Agitationsvort rage, daneben aber auch Vorträge über einzelne Fragen, z. B. Palästinavorträge in Betracht. *! nicht auch im vorigen Monat bedient — wie ich (triumphierender Rundblick und starke Betonung) mit dem Herzog von Franken reiste? Gareon (lacht): Freilich! Sie waren allein da mit dem Herzog. Fürstin (betrachtet den Direktor sekundenlang) Theater-Direktor (für sich): Aha! . . . (Laut zum Burschen): Ja, wir waren allein, der Herzog und ich. Garcon: Er war nachher sehr böse. Theater-Direktor (wiegt sich ahnungslos auf seinem Stuhle): Ah? Davon weiss ich ja gar nichts. Garcon: Ja, der Herr Adjutant hat mir’s gesagt, wie er die Rechnung gezahlt hat. Der Herzog ist nach der allgemeinen Speisestundc gekommen, damit er allein sein kann — und da haben Sie sich zu ihm gesetzt und ihn angesprochen. Fürstin und'der Herr (blicken mit Anstrengung in die Landschaft hinaus, um nicht zu lachen). ' Theater-Direktor (gereizt): Das mussein Irrtum sein. Garcon: Bitte, sehr, nein. Der Herzog hat mich sogar höchst eigenhändig gefragt ... Theater *Direktor: Nun, was? Garcon: Ich weiss nicht, ob ich es sagen darf. ־ ״ r .* ' י Wir bitten diejenigen Herren, welche- ״bereit sind, Vorträge zu übernehmen, sich direkt an uns zu wenden und felgende Fragen zu beantworten: 1. Thema. 2. In welcher Gegend? 3. Zu we 1 eher Zeit? ׳ ' 4. Besondere Wünsche betreffs der Wochentage. ' 1 5. Sind Sie bereit, einen Vortragszyklus zu übernehmen? Wir bitten auch die Ortsgruppenvorstände in diesen! Sinne tätig zu sein. Der Redner erhält seine sämtlichen Auslagen ersetzt. Die Erledigung der Liquidationen erfolgt durch das Zentralbureau. Politischer Zionismus Die Abstimmung über Uganda auf den! VI. Kongress war vorüber, als mich Dr. Herzl zu einer Besprechung rufen Hess. Er sagte mir: ״Ich werde niemals nach Uganda gehen. Ich j habe die schwersten Tage meines Lebens hinter mir, denn ich war gezwungen für eine Sache aus politischen Rücksichten einzutreten, der ich innerlich ganz fern stehe. Es gibt Augenblicke, in denen man vor dem Mittel nicht zurückschrecken darf. Eine Ablehnung des Anerbietiiis ist politisch unmöglich. Aber die Expedition wird kein günstiges Resultat bringen. Und dann werden wir der englischen Regierung sagen: Zwei Ma! brachten wir vergeblich grosse Opfer, jetzt verhelft uns zu dem. was wir erstreb:n.״ (Er nannte dabei bestimmte Forderungen.) . Bei dieser Unterredung war, wenn ich mich recht erinnere, Dr. Bodenheirncr zugegen, auch zu einigen anderen näheren Freunden äusserte sich Herzt im gleichen Sinne. Möglicherweise werden auch jetzt noch einige Leute sagen, dass Dr. Herz! die Ergebnisse des letzten Kongresses gebilligt hätte. Es ist das auch ziemlich gleichgültig, denn niemand kann mehr als Schreiber dieser Zeilen wünschen, dass Herzl ein Eigentum aller Zionisten bleiben und nicht •nach seinem Ableben von Parteien als Aushängeschild benutzt werde. Aber sein Name ist in den verschiedensten Formen in die Debatte dieses Blattes geworfen worden und deshalb sind wir es seinem Theater-Direktor: Sagen Sie.es nur! Ga r con: Der Herzog fragte nach Ihnen.; Theater-Direktor: Natürlich! . . ’ Welche Worte gebrauchte Seine königliche Hoheit? Garcon (zögernd): Er fragte mich: ״Wissen Sie vielleicht, wer der zudringliche Mensch war?“ Theater-Direktor: Sie sind ein Dummkopf! Garcon : Bitte sehr, bitte sehr!.. . , Theater-Direktor (steht rasch auf und verlässt den Speisewagen, ohne sich nmzuehen). Garcon (brummt): Selber einer! (Räumt ab und geht in die Küche.) Fürstin (lacht bis zu Tränen). Der Herr: Ich habe mich königlich unterhalten. Fürstin (lacht ruhiger).; Der Herr: Da ich Sie, Madame, iind ihn kenne. . . Fürstin (blickt ihn sehr erstaunt an, schweigt ein Weilchen, indem sie überlegt, ob sie dem Fremden Rede stehen solle; doch er macht keinen schlechten Eindiuck, und sie spricht endlich mit zögernder Neugierde): Wer ist dieser —־ Herr? De r H e r r: Ein Berliner Theater-Direktor. Possierlicher Mensch. Ich glaube übrigens nicht, dass er so dumm ist, wie er sich benommen hat.