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Jüdische Rundschau · 1905-09-15 · Heft 37 (15.9.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. $7 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 463 Jich auch mehr Mitläufer, רהבגות -Zionisten gewonnen, als eigentliche politische Zionisten Darum ist es gut. dass der Kongress endlich stattgefunden hat, dass wir uns ein neues Parteiobe rhaupt gesetzt und unsere Zugehörigkeit zum politischen Zionismus durch die Kongressbeschlüsse nochmals bekräftigt haben. Damit ist die Zeit gekommen, um von neuem eine frischfröhüche Propaganda zu beginnen. . Wie steht es denn augenblicklich in den meisten Ortsgruppen? In Berlin, das bei weitem die grösste Zahl der Mitglieder, die rührigsten Vereine und die meisten Agitatoren in sich schlosst, war die Zeit zwischen * den beiden Kongressen zwar keine verlorene, aber verlören für die Arbeit im Sinne der Propaganda für den Zionismus. Wir geben zu, dass eine Reihe widriger Umstände mitwirkten, so die Erkrankung unseres hervorragcridsten Agitationsredners, unser Zusammengehen bei den üemeindewahlen mit einer völlig in Auflösung be* griffenen Organisation und neben vielen andern widrigen Umständen in Jüngster Zeit, noch die frivole Art, mit der ma:1 glaubte, durch die versuchte Sprengung des Bar- Kochha den Zionismus treffen zu sollen. Aber was von Berlin, gilt, trifft in L.־t\va$ anderm Sinne auf andere Städte nicht minder zu. Die Ortsgruppe Hamburg, die für die Propaganda durch den deutschen Delegiertentag und die daran anknüpfende öffentliche Versammlung die gewaltigste Treibkraft, die durch den Zuzug auswäroger Agitationsredner ־.*inen ungeahnten und umrehofiten Zuwachs erfuhr, hat ebenfalls keineswegs den Siegeslauf fortgesetzt, den es irn vorigen Sommer unter so günstigen Auspizien beginnen sollte. Uas liegt ebenfalls nicht an den einzelnen Zionisten, sondern an der durch die Streitigkeifen im eigenen Lager hervorgerufenen natürlichen Hemmung intensiver Propaganda, ln der ganzen so judenreichen Provinz Posen ist die einzige Ortsgruppe, die in dieser Richtung ihrer Pflicht vollauf genügt hat. Sehönlankc. In der Hauptstadt :der Provinz steht man kaum am Anfänge einer propagandistischen Tätigkeit, die der Grösse und Bedeutung der Poseiischen Gemeinde entspräche. In die Provinz ist die Propaganda kaum hinausgedrungen, und doch gibt es dort einen so uncn'dlieh günstigen Boden. Jetzt wäre die Zeit gekommen, unsern politischen Zionismus dort aufs Land zu tragen zur Annäherung): Aimez-vous aussi la fine Champagne, niadamc? Fürstin (schüttelt verneinend den Kopf und blickt sehr ernst durchs Fenster). Der Herr (der beide vom Sehen kennt — sie vom Tun zu Ascot und Deauville, ihn aus einer Berliner Premiere — beisst sich auf die Lippen und liest gespannt sin seinem Buche.) Theater־Direktor־, (klemmt das Eing)as ins Auge, betrachtet die Kognakflasche mit dem Ernst des Forschers): Hm ia, die Flasche .... (Nimmt einen Schluck.) Aber der Inhalt! Cest inerOdibile! Fürstin (lacht über den Schnitzer ein klein wenig). Theater-Direktor (fasst das als Entgegenkommen auf): On est tres mauvaisement (denkt nach) soigue datts tes wagous-Uts. Vous ne trouvez pas, mädanie? Fürstin (kurz und leise): Non, monsieur. Der Herr (findet in seinem Buche etwas Hochkomisches und lacht laut auf, errötet aber leicht, als ihn die Fürstin daraufhin zum crstenmale mit ihrem Bücke streift). Theater -Direktor (blickt ihn misstrauisch an). in einer Propaganda, die sich der konziliantesten Formen bedienen mag, ohne freilich den! Prinzipe des Zionismus durch Konzessionen an provinzielle Forderungen Eintrag tun zu dürfen.־ Und wenn wir vom Norden und Osten nach dem Süden und Westen blicken, so sehen wir gleichfalls keinen grösseren propagandistischen Eriolg-des Zionismus in den letzten zwei Jahren. Weder die grossen Judenzentren Frankfurt und! Nürnberg-Fürth weisen einen annähernd entsprechenden Erfolg auf, wie er vor dem sechsten Kongress im Zionismus etwas Selbst verständliches war, noch ist die Agitation dort aufs Land hinaus gedrungen, wo zahlreiche •kleinere und grössere Judengemeinden neben einander liegen. : Wenn so'der Zionismus‘nach aussen hin seit dem sechsten Kongress in Deutschland stillgestanden hat, so ist es doppelt unsere Pflicht jetzt kleine Dinereriäön׳ beiseite zu setzen und alles auf die Propaganda' zu verwenden, was uns an Kraft zur Verfügung stellt. Gewiss wollen wir die Selbstaussprache untereinander nicht vernachlässigen. Wir müssen uns weiter über'Mittel und Wege verständigen, die zum Ziele führen. Freilich darf nicht jede Ortsgruppe glauben, dass sie nun grade dazu berufen sei, durch eine Resolution den Zionismus zu ״retten.“ Man möge doch ein wenig Vertrauen zur Fiihrung haben. Wir müssen uns auch in die Geschichte des Judentums und des. Zionismus vertiefen und von dort neue Kraft schöpfen. Aber wir müssen daun von dort weiter zur Tat schreiten, zu lener Arbeit, die bei unsern Brüdern das jüdische Volksbewusstsein weckt und l:räftigt, um sie dann in die Organisation. aufnehmen zu können, die sich, auswachscn soll zu der vom Baseler Programm geforderten Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch geeignete örtliehe und allgemeine Veranstaltungen nach Massgabe der Landesgesetze Wir müssen auch in Deutschland die breiten Volks-!nassen gewinnen. Wir müssen von neuem jene intensive Agitation beginnen, die allein imstande ist, im Kampfe mit den’ Gegnern uns die einigenden Momente zu Gemüte zu führen, die allen Zionisten gemeinsam sind. Denn wir^lle sind politische Zionisten, und keiner von uns beansprucht vor dem andern einen patentierten Zionismus zu besitzen, mit einem Patent Fürstin (blickt mit zuckenden* Mundwinkeln, aber tiefernst in die Landschaft hinaus). ״ ׳ Theater-Direktor: Madame est frangäis«? Je Voudrais jurer dessus. Fürst! n: Non, monsieur. Theater-Direktor (der es dem Herrn dort in der anderen Ecke nun erst recht zeigen möchte): Pourtant vous parlez tr£s bien frangais-je m’en connais dedans. Fii rsti 11 (schweigt). (Pause). Der Herr (lacht in sein Buch hinein). Theater-Direktor (wird purpurrot): Gargong! .... (Klopft lärmend an sein Glas, der Bursche erscheint): Zahlen! Gargon: Bitte sehr — in Kronen oder Mark. Th ea te r-D i re k to r (grossartig): Egal — ich habe beides. Oa rgon: Alles zusammen macht achtzehn Kronen sechzig, bitte sehr. Theater-Direktor (gibt ihm eine Zehnernote): Sie brauchen mir nichts herauszttgeben. Pour-boire! . . Ja, sagen Sie, woher kenne ich Sie denn? Ga rgon: Bitte sehr, von hier. Tbeater-Direk tor: Ah |a — haben Sie mich

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