Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 36 Seite 456_JÜDISCHE RUNDSCHAU tutenätiderung schloss Cowcn seinen mit stürmischem Beifall I aufcciiotnmcncii Bericht. ' Mr. L. J. Greciiberg. der sehr herzlicli empfangen wurde, ergriff nun das Wort zu einer Rede, aus der wir aus Gnir.deit des Raumes mir einen Auszug bringen Können. Nachdem er die Wichtigkeit des Zionismus und die Verantwortlichkeit des Kongresses dargclcgt hatte, fuhr er fort: Aus persönlichen Gründen war ich gezwungen. Basel vor dem Schlüsse des Kongresses zu verlassen. In niener Abwesenheit wurde ich zum Mitglied eines Komitees von sieben ernannt, dem die Leitung unserer Bewegung anvertraut ist. Ich bin mir der Ehre sehr wohl bewusst, die mir dadurch zuteil geworden ist. muss aber gestehen, dass ich mir noch mehr der schweren Bürde bewusst bin. an deren Last ich nun teilnehmen soll. Ich habe diesen Vertrauensposten angcnonimen, da ich glaube, dass jetzt nicht die Zeit ist, wo Zionisten sich der Arbeit entzehen dürfen, so mühevoll sie auch sein mag, und ich rechne auf den Beistand, die Langmut und das wohlwollende Vertrauen derer, durch die mir diese Aus- Zeichnung zuteil geworden ist. Ich fürchte, dass meine Wahl jpudieses Komitee einen weniger regen Anteil an der iiuiern Arbeit des englischen Ziotistenbuudes. mit dem ich seit seiner Gründung in Verbindung stelle, bcd.uten mu«: ich versichere Sie jedoch dass, obgleich ׳ich meinen Sitz im Aktionskomitee unserer Bewegung mit meinem Verbleiben im Aktionskomitee des Bundes ui vereinbar iiude. mein Interesse am W ecke des Landesverbands dadurch in keiner Weise h.einträchtigt werden wird.“ (Beifall.) Er aussertc sieh dann sehr witzig und gustreich über Nordnus Wort ״Sahbathkungress“ und fuhr fort: ״Her Sabbat ist Ruhe, und ich meine, dass wir wohl hoffen dürfen, dass, wenn der siebente Kongress auch nickt sofort Ruhe und Brieden in die Reihen der Zionisten bringt, er doch die Grundlage der liuigtnig über ein: Sache gelegt hat, die die Harmonie unserer Organisation ernstlich störte. Bevor ich aber auf diese Sache näher eingchc. muss ich hier protestieren gegen übertriebene — böswillig übertriebene - Behauptungen, die in d״r englischen Presse über die Vorgänge während des Zionistenkongresses erschienen sind. Ich habe immer mit Stolz der Ansicht gehuldigt, dass die Presse dieses grossen Landes einer! so hohen Begriff von ihrer Stellung und Würde hatte, dass sie unter keinen Umstünden die Wahrlutt der Sensationshascherei opfern würde. Und ich bin noch immer dieser Ansicht. Wenn dieser hohe Begriff aber aufrechterhalten werden soll, so ist cs klar, dass Redakteure und Leiter der Zeitungen in der Wahl ihrer Berichterstatter die grösste Sorgfalt ausüben müssen, besonders wenn es sich um Vorgänge im Ausjande handelt, wo es schw׳et ist solche Berichte zu kontrolReren. Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass in Bezug auf «den Kongress diese Sgrgfalt augenscheinlich nicht ausgeübt worden ist DAILY CHRONICLE war. denke ich. am meisten gu tadeln. Da wurden Geschichten von Handgenungen und anderen Ausbreitungen aufgetischt, von Versuchen, die Red-;icrbühnen zu stürmen, und von durch versammelte Raufbolde geleistetem Widerstande, die alle nur der Phantasie des Berichterstatters zur Schande gereichen. Eine andere Zeitung hetitelte in ihrem einzigen Berichte über den Kongress den betreffenden Artikel ..Zionistisches Pandämonium*'. Ich habe einige Erfahrung von öffentlichen polirschen Versammlungen in England, wo die Gemüter sehr erregt war n, und habe Szenen beigewohnt. die viel zügelloser waren und viel mehr an Pandämomum erinnerten, als die wildesten, die in Basel stattfauden, und die dort Versammelten waren nicht m!t der angelsächsischen Kaltblütigkeit zur Welt gekommen. Ich brauche Sie nicht an die vielen Ausschreitungen zu erinnern, die in diesem Lande vorgekonnnen sind. Ich brauche nicht auf die aufgehobenen Versammlungen — und blutigen Köpfe — h uzuwtssen. die zur Zeit der Com Law Agitation (Agrargesetze) so häufig waren, oder in!teuerer Zeit auf Larry Mack oder auf Mr. Lloyd Georges Flucht unter Poiizeischutz aus der Hintertiir des Rathauses in Birmingham. Im Parlament seihst sind in den letzten Jahren stürmischere Szenen vorgekommen als die. eße während des Zionistenkongresses stattfanden. Ga*/ kürzlich musste der Präsident die Sitzung atifliebeu. weil ein Minister beharrlic.lt von der Gegenpartei iiberscliriecn wur L\ und vor nicht geraumer Zeit hatten Tories, die sielt den Freuden der Tafel zu rückhaltslos hingegebeu batten, ein Schar* mutze! im Parlameutshausc. Diesem Grunde konnten jedem dis die Vorkommnisse während des Kongresses nicht z.ugeschriehen werden. Da lagen die Dinge anders. Manche urserer Dole* gierten konnten Basel nur erreichen, nachdem sie sich wochenlang den äussersten Entbehrungen unterzogen hatten. Manche, sagte man mir. legten viele Meilen mühevolle zu Luss zur;; •' hochgebildete Männer taten divuntergeordnetste Arbeit, um nur so viel Geld zu erwerben, um nach Basel kommen zu können. Und eine grosse Anzahl darunter war nur mit ihrem Leben davongekommen, der Schatten der ..Pogroms“ b״ über ihren Heimstätten und bedrohte das Leben ihrer Nächsten und Liebsten. Die Minderzahl, die sich irgend welchen Ausschreitungen hingab. kam nach Basel mt dem Gefühl, dass die erste Gelegeuheit, die tirscrem Volke gegeben werden sollte, den lebenden Tod. dessen tägliche und stündliche Opfir sie waren, zu mildern, verworfen werden sollte, .lene Minderzahl kam nach Basel mit dem schmerzlichen Gefühl, dass sie durch Mittel, die nicht die gerechtesten waren, zur Minderzahl gemacht worden waren. Wenn wir alle d.cse Umstände in Bericht ziehen, wenn wir uns sagen, dass die Mehrzahl eine lebhafte und in vielen Fällen last fanatische Furcht davor hegte, dass das Werk ihres Lebens vernichtet werden sollte, dass ihre Hotinungen. ilire Ideale, ihre BestrJnmgcu einen Schlag erhalten sollten, den sie nie wieder überwinden würden, und dass diese Mehrzahl bei der Abstimmung einen überwältigenden Sieg davongetragen hatte; wenn wir alle diese Umstände in Anbetracht ziehen, so können wir uns nicht über die Gefiihlsnusbniclie beklagen, die während des Kongresses stattfauden. Kein Berichterstatter, der seinen Lesern eine wahrheitsgetreue Schi!- derung der Vorgänge bieten wollte, hätte die Ausschreibungen, die etwa verkamen, übertrieben, sondern wäre bemüht gewesen, die lokalen Verhältnisse, die allgenuin bekannt waren, zu erläutern, ln der Tat ist das Gegenteil geschehen tmd der 1 Welt ist ein trügerisches Bild vorgelcgt worden, welches in i manchen Fällen, wo keine Bösw iil gkeit vorlag. das Resultat krasser und augenscheinlicher Unwissenheit war. (Schluss folgt,) ■ Aus der Bewegung Mainz. Der Vorstand d.r Zionistischen Ortsgruppe •Mainz erklärt eins!imm:g: I. Palästina ist und bleibt das 1111־ verrückbare Ziel des Zionismus. Als Mittel zur Erreichung dieses Ziels, dem wir mit allen politischen Mitteln zustreben, halten w:r auch eia nationale, autonome Sicdelung ג ui einem ausserhalb Palästinas gelegenen Gebiet für zweckdienlich und deshalb im Rahm-.n des Baseler Programms gelegen. * Vor Erlangung rechtlicher Sicherungen durch die Institutionen des Zionismus sind wir gegen jede fclofonisatmn in Palästina und gegen jede Förderung der Emigration dorthin. Wir haben jedoch■ Silbstverständlich gegen technische und Wissenschaftliehe Vorarbeiten für eine später öffentlich-rechtlich gesicherte Kolonisation nichts eiiizuwenden. 2. Der Vorstand der Ortsgruppe Mainz, missbilligt weiter einstimmig aufs schärfste das bisherige Wirken des Ingenieurs Ussisohkin im Zionismus. 3. Der Vorstand gibt schliesslich einstimmig der Erwartung Ausdruck, dass der Sitz, des Aktionskomitees und seiner Burcaux nach Köln, als dem Wohnort des gegenwärtigen PräslJenten des A.-K.. verlegt wird. Cassel. Am 2. September erstattete in unserer Ortsgruppe der Vorsitzende. Herr Victor Oppenheim. Bericht über du* Verhandlungen des 7. Kongresses. Der Referent stellte sich auf den Standpunkt des politischen Zionismus und brachte nachstehende Resolution ein. die nach längerer Debatte angcnommen wurde: 1. Die Ortsgruppe Cassel erklärt fest, auf dem Boden des Zionismus und des Baseler Programms zu stehen. Sie verwahrt sich entschieden gegen jede Beschränkung des Baseler Programms durch Beschlüsse, wie sie du Zione Zione auf dem letzten Kongress herbeigeführt haben. 2. Die Ortsgruppe Cassel missbilligt auf das schärfste das bislicrige Wirken des Ingenieurs Ussischkin im Zionismus. 3. Die Ortsgruppe gibt der b.stimmten Erwartung Ausdruck, dass der Sitz des Aktionskomitees nach Köln als dem Sitz des gegenwärtigen Präsidenten des A.-K. verlegt wird. Lübeck. Am 30. August wurde in einer zahlrc'ch besuchten Versammlung der hiesigen Ortsgruppe über <le!1 VII. Kongress Bericht erstattet. Herr Dr. Adler sprach über die Verhandlangen und Beschlüsse des Kongresses. Herr Eduard Joel iih.r die Lage vor und nach dem Kongresse tind Herr Dr, Land a 11 über Eindrücke und Erinnerungen an den K011gress. Folgende vom Vorstand erngebrachte Resolution wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. ..Die Ortsgruppe Lübeck betrachtet Z׳ou als unverrückbares Ziel unserer Bewegung; bedauert jedoch die grundsätzliche Ablehnung des Ugandavorschlages durch den VII. Kongress. Sic erblickt in der Beschränkung der Gegenwartsarbeit am* ■Palästina die Gefahr einer Rückkehr zur Kkänkolonisation und hofft, dass der midiste Kongress autonome Besudelungen auch ausserhalb Palästinas und seiner Nachbarländer als Mittel zur Verwirklichiing des Baseler Programmcs wi.der zulassen wird“