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Jüdische Rundschau · 1905-09-08 · Heft 36 (8.9.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 455 nennen, rtiemals die Absicht hatte, nach Territorien ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer zu suchen. Er trat mit der englischen Regierung in Unterhandlungen wegen El-Arish; nach Ostafrika fragte er nicht, dies wurde ihm angeboten. * » , Bel einigen uns:rer deutschen Gesinnungsgenossen, die zur Minorität gehörten, hat eine starke Erregung Ober die Beschlösse des VII. Kongresse Platz gegriffen. Bei genauerer Betrachtung sind allerdings die Differenzpunkte nicht bedeutend. Wenn ich recht verstehe, — die Herren drücken sich sehr wenig klar über diesen Punkt aus — sind sie nicht der Ansicht, dass cs notwendige Aufgabe des Zionismus sei, nach Territorien ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer zu suchen, was ja auch niemals in der Absicht Theodor Herzl's lag, wie Greenberg mitteilt, sondern sie fassen lediglich den nicht wahrscheinlich :<11 Pall ins Auge, dass eine Regierung unserer Organisation wieder einmal ein Angebot machen würde, und sie wünschen, dass in dusem Falle unsere Organisation das Angebot nicht a limine ablehnt, sondern prüft und den Wohltätigkeitsgesellschaftcn übermittelt. Da die Herren Dr. Kalmus u. Gen. mit der Ablehnung dis Ostafrikaangebotes einverstanden waren, ein anderes Angebot aber nicht vorliegt, so lohnt es sich gar nicht, hierüber zu streiten, u:n so weniger als Zangwill auf die Landsuche ausegegangen ist und a!)gewartet werden kann, ob er das Territorium findet, dass sich für seine Zwecre eignet. Er wird es nicht finden. Keine Meinungsverschiedenheit besteht darüber, dass unsere Leitung ־weiter bestrebt sein soll, auf dem Wege diplomatischer Unterhandlungen unsere Sache zu fördern. Was endlich die positive Arbeit in Palästina betrifft, so sind auch die Herren Dr. Jeremias, Dr. Kalmus u. Gen. rächt Gegner ledec^. Arbeit. Worin die Differenzen bestehen, das soK man aber nicht mit Schlagwortcn zu präzisieren suchen. Bei jeder einzelnen Arbeit wird zu erwägen &crn, ob sic zweckdianPich ist. Aber auch darüber werden wir einig sein, dass, je mehr die Juden in Palästina ein nützlicher und einflussreicher Faktor sind, desto besser es um unsere Sache stellt. Anstatt möglichst mit den Anhängern der Majorität Fühlung zu nehmen und den Versuch zu machen, für ihre abweichenden Anschauungen Beachtung zu erlangen,!halten es die Herren Dr. /crenrlas, Dr. Kalmus u. Gen. für das Zweckmässigste, separate Klubs zu bilden und eine Agitation gegen die Beschlüsse des Kongresses einzuleiten. Sie lassen Resolutionen gegen die Be- Schlüsse des Kongresses ann.hmen und veranlassen sogar ihre Ortsgruppen korporativ ihrem separaten Klub beizutreten. Ob dieses der richtige Weg ist, um Ihre Anschauungen zur Geltung zu bringen, mag zweifelhaft scheinen. Schliesslich werden sie die Anhänger der Majorität, die nicht gewillt s nd, die Errungenschäften des VII. Kongresses aufzugeben, zwingen, sich ebenfalls zu fraktionieren. Dazu liegt aber zunächst keine Veranlassung vor. Vielmehr darf man zuversichtlich hoffen, dass, wenn erst einige Wochen und Monate nach dem Kongresse verstrichen sind, die Erregung einer ruhigeren Betrachtung weichen wird. Neben den Resolutionen der Hamburger und Pqscner Ortsgruppe berührt doppelt sympathisch die Resolution, die der vornehme und ritterliche Greenberg in der erwähnten Vei- Sammlung einbrachte. Sie lautet: ״Das Meeting der Londoner Zionisten erklärt seine unverbrlichbche Absicht, zum Heil des Jüdischen Volkes für die Schaffung einer öffcm'lch-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina zu arbeiten und und ihr Ausserstcs zu tun, um die Beschlüsse des VII. Ziouistenkongresscs auszuführen? Greenberg empfahl diese Resolution mit folgenden Worten: ״Ich empfehle Ihnen diese Resolution auf das Herzlichste, und ich glaube, Sie werden sic mit Akklamation anuclunon. Aber ich bitte Sie, mehr zü tu;־.. Ich bitte Sic, sie n^clit nur nach dem Buchstaben, sondern nach ihrem Sinn auszuführen. Wo immer Sie es vermögen, suchen Sie die Unterschiede zu verringern, und das Gemeinsame zu vermehren.“ Hans Block. Massenmeeting in London Wie überall, ist auch in England die Zeit nach dem Kongress eine sehr lebhafte. Es entspricm dem hochentwickelten politsehen Sinn der Engländer, dass die Entgegennähme des Berichtes dtr Delegierten in gross angelegten, der breitesten Oeffentüchkeit zugänglichen Versammlungen stattfindet. Wie gross die Spannung war. mit der dem Bericht über den siebenten Kongress cntgcgcngeschcn wurde, zeigt die massenhafte Beteiligung, welche das am 19. August von der English Zionist Federation veranstaltete Meeting aufwies, welches in der Great Asscmbly Hall, die schon oft der Ort denkwürdiger zionistischer Versammlungen war. stattfand. Mit der Verlesung der eingclaufenen Briefe tiurch den Sekretär A. Val. Fmkcnstein begann die Tagesordnung. Prof. Dr. Gastcr, der von England abwesend war. bedauert Lbliaft. an der Versammlung nicht tcilnelinien zu können. Er ist der sicheren Zuversicht, dass sich alle Kräfte zur Erreichung des Zieles des Zionismus. ..der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für' das jüdische Volk in Palästina*', verölten werden. Auch Miss Carme! Goldsmid, d!e Tochter des verstorbenen Obersten Albert Goldsmid. die als Rednerin für den Abend fungieren sollte, jedoch am Erscheinen verhindert war. erklärt siel: in ihrem Schreiben von den Resultaten des Kongresses höchst beiried'gt. Der Kampf^ zwischen Majorität und Minorität sei nun zu Ende. Für die Zukunft sei Einigkeit aller Kräfte zu erwarten. Der Vorsitzende J. Cowen teilte sodann mit, dass von Wolffsolm (stürmische Hochrufe) und Ussisciiki;: Briefe eingelaufen seien und bringt, nachdem er den Versuch einer Demonstrationsmaclie bei der Namensnennung des letzteren streng gerügt hatte. Wo!ffsohns Brie; zur Verlesung, in dem besonders der Satz bemerkenswert ist: ״Der VII. Kongress hat unsere Ansichten über den Zionismus geklärt. Er hat nochmals das Baseler Programm als die Grundlage uuscics. künftigen Strebens proklamiert.“ Ussischkin teilt in seinem Briete seine Ansicht über den gegenwärtiger Stand des Zionismus und die künftig zu Listende Arbeit mit und hofft, dass der eingetretene Friede in den zionistischen Reihen, den er mit allen Kräften aufrechterhalten will, auf den! achten Kongresse greifbare Resultate eines gemeinsamen Zusammenarbeitens zeitigen werde. Der Vorsitzende J. Cowen ergreift nun das Wort und schildert zunächst seine persönlichen Eindrücke vom Kongress. Wir alle, sagt er einleitend, haben unter dem grossen Verluste« während des vergangenen Jahres gelitten., aber niemals wurde dieser Verlust so schwer empfunden, wie während der Kongrcsstagc. Es war vorauszusehen, dass der VII. Kongress ein, schwieriger und erregter sdn werde, und ich glaube, ohne die dort zutage getretetenen Differeizen zu unterstützen, cs wäre viel schwieriger gewesen, den Frieda! und die Einigkeit wieder hcrzustcllen. hätte nicht de Erinncrung an unseren grossen Führer, der durch s.ine machtvolle Persönlichkeit manche stürmische Sitzung zu einem friedlichen Schlüsse brachte, über sein Grab hinaus versöhnend gewirkt. Gnven bespricht nun die Vorgänge am Kongress und die bekannten zwei Resolutionen. E r habe in Basel gelernt, dass unser Volk, wie alle anderen, nur den geraden und o f f c ji c n Weg verstehen und gehen wolle, und der könne nicht über Afrika nach Palästina, führe 1!.' Als er für die Aussendung euer Kommission zur Erforschung Ugandas gestimmt habe, sei er .von vornherein überzeugt gewesen, dass der Zienismus als solcher nie dieses Projekt hätte ausfiihren können, sondern nur private jüdische Institutionen. Unser Vo’k und unsere Kräfte können n u r nach Palästina zielen: Neben der Arbeit, de wir ausserhalb Palästinas für dasselln; leisten, werde gleichzeitig nach den in d:r zweiten Resolution niedergelegten Grundsätzen im Lande selbst praktische Arbeit geleistet, was keineswegs ein Abgehen von unseren politischen Prinzipien bedeute, vielmehr allen Zionisten, mögen sie nun für praktische oder mehr für politische Arbeit sein, ein gemJnsames ’ Arbeiten gestatte. Mit der Schilderung der Oeneralver- Sammlung der Nationalbank und der vorgenommeueu Sta-

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