Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651430--02755-2659653- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 454 ) Ü D IS CH ER U N OS CH AU________N0. J6 Organ dtr Zionistischen Vereinigung Dcutselilands für das Organ der zionistischen Familie Loewe, zuriiekgedrängte Oefühle gerict.11 auf den! Kongress in Wallung, und dies führte zum Protest gegen die Leitung der RUNDSCHAU, was nicht sehr gefährlich, aber auch zur Spaltung dty deutschen Zio״ nisten, was sehr bedauerlich ist. Dass nun die Absplitterung der politischen Zionisten nur als Folge eines augenblicklichen Missbehagens und nicht grundsätzlichcr Differenzen eingeschützt werden darf, geht zur Qenöge aus dem an unb.stimmten! Raisonnenient krankenden Dokument hervor, mit dem sie jüngst debütierten. Man kann sich kaum denken, dass der zionistischste Zionist nicht alles verurteilen würde, was hier von den politischen Zionisten verurteilt ist: Um iiherhaupt nicht zu reden von der sonder■• baren Form, in der das Ugaudaprojekt abgelehnt wurde: wenn Herr Ussischkin wirklich dazu fähig wäre, was ihm hier zugemutet wird, so wurden ihn wahrschJiiUch sogar die ortho* doxesten Oegner der Politischen im Stich lassen. Andererseits hat d.r Antagonismus zwischen denen, die prinzipiell jede Clegcnwartsarbeit perlmrrescieren und denen, die nicht mit zionistisch verschränkten Armen d.(m physischen Untergang niitzl.cher Stammesglieder Zusehen möchten, schon gar lauge geherrscht und sich schon gar oft geäussert, was man den Kem1.ru unserer Parf.-igeschichte nicht zu erzählen kraucht. Die scharfe Betonung dieses Antagonismus ist das einzige positive Moment, das geboten wird, tun die Existenz der politischen Zionisten zu rechtfertigen. Der neue VerbaiH mag infolge di.scs historisch berechtigten Widerstreites ebenso unvermeidlich sein, wie er im Gegenteil schädlich ist, er darf aber keineswegs sich auf das ebenso unkontroUicrbare wie traurige Geschwätz über den Charter stiitz.11, oder gar als letzten Trumpf cs ansspiclen. Man sollte es wirklich verschmähen, seine Positionen mit so wohlgemeinten, gerüchtartigen Verlautbarungen zu starkem, oder nur durch Wiederauftisclien sie zu propagieren; denn derartige Ausstreuungen sind im höchsten Grade geeignet, Ver- Wirrung in die Reihen der Gesinnungsgenossen zu tragen. Fs Ist peinlich, davon zu sprechen und am liebsten würde man es mit Stillschwcig.11 übergehen, wenn nicht in letzter Zeit diese und andere Entgleisungen auf dem Gebiete vorgcfallcn wären. Mit den der gegnerischen Presse entlehnten Konstruktionen von Krisen im Zionismus und ähnlichen, herzlich gewünschten Todesanzeigen sollten wir uns gegenseitig nicht rcgalicren; und auf diesem Felde unserer Tätigkeit wollen wir doch die stürmisch geforderte Innenarbeit lieber ruhen lassen. Dies altes musste konstatiert werden, so schmerzlich auch im übrigen d;T neue Kongressbcschhiss berühren mag, der sich mit bemerkenswerter Schärfe gegen Notstandsaktionen Jeglicher Art richtet Es ist eine lächerlich leichte Sache, mögliehst viele Arbeitsgebiete radikal zu negieren, und dann einen möglichst einfachen Arbeitsplan herzustcllen, zumal mau sich dadurch den Ruf eines guten Zionisten erwirbt. ,.Ussischkin,“ erklärt Herr Auerbach mit F.mphas״ ״war ein Programm“. Herr Ussischkin mag ein nach viel eleganteres Programm sein, als er in Wirklichkeit ist, aber das Rosse Programm gewährleistet uns gar nichts. In der deutschen Sozialdemokratie verkörpert Herr Belu*l ein Programm, den Radikalismus. Da gibt cs ״weder Zerrissenheit noah Chaos"; denn wer nicht pariert, der fliegt. Und doch ist es notorisch, dass Wunsch und Wille seiner Partei auf den Gang der Politik so gut wie keinen Einfluss iilicn. Demi in der Politik ist nicht das Programm entsch.fdend, sondern die Tat. * So ist auch das neueste Programm des letzten Kongresses scliliess'ich nur bis zum nächsten Kongress von Giltigkeit Das ist die tröstliche Genugtuung, die man beim nehmen konnte. Insofern s'nd wir andern doch optimistischer veranlagt, als der Sprecher des Verbandes der politischen Zionisten; de״n dass die Organisation erhalten würde, war 1111 s sclbstvcrstündlich; wir hielten sie fiir stark. Allerdings darf man sie nicht fiir zu stark halten, ols oh sc unzerbrechlich wäre. Gerade die Vcrbändler, die fiir den Fortbestand der Organisation so ängstlich zitterten, sollten sich doppelt hüten, sie durch neue Fraktionierung zu gefährden. Diese einfache Ucberlcgung würde vielleicht die einen dazu veranlassen, die grimmige Oppositionsmaske abzulegen, die andern hingegen davon abhaltcti, den Schmollwinkel der Exspektantenbank zu besetzen. Wenn man nicht von Kindesbeinen die Luft iieu-preussisclier Kulturrenaissaiicc, sondern altenghsehcr Freiheit geatmet, so begreift man dies:s Pilichtgebot politischer Bildung. Herr Greenberg hat es bewiesen . . Tubal. Ussischkin und Greenberg Heinrich Sachse schreibt in No. 35 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU: ״Ussischkin und Greenberg . . . sind neben Woliisohn Bürgen dafür, dass d.r grosse politische Zug in der Bewegung, der von Herzl ausgeht, nicht erlahmen soll.“ Da d׳ese beiden Männer jetzt noch mehr als früher in den Vordergrund treten, so w.rdcn ihre folgenden Aciisserungeii allgemein interessieren: In der in London von der English Zionist Federation einbcru'.'enen Massenversammlung vom 19. August verlas Mr. Cowen einen Bri.-f Ussischkin’s, der in Ucbersctzung folgender-!nassen lautet (uth entnehme d<esen Briet und die nach folgenden Vorgänge dem JKWISH C11RONICLE vom 25. August): ״An meinen Kollegen im A--K., Mr. Joseph Cowen, London. — Sie erbitten meine Meinung über die gegenwärtige Situation im Zionismus und unsere künftige Arbeit. Hier bähen Sie mein.‘ kurze, aber klare Antwort. Wir müssen;«lies vergessen, was in den letzten zwei Jahren vorbei. Der VII. Kongress brachte uns zu derselben Situation, in der wir uns vor dem VI. Kongress befanden, als der Bürgerkrieg begann. Weder ich oder diejenigen, welche zu mir hielten, siegten auf den! Kongress, noch wurden Sic und Ihre Freunde gcschlag.n, sondern Zion siegte über Uganda. Erez Israel schloss für alle Zeit fremde Länder aus. Sie, Herr Cowen und Herr Grc.nberg, verstanden dieses wohl, Sie stimmten für die Freiburger Resolutionen und zeigten uns dadurch, wie teuer Ihnen Palästina ist und wie sehr Sie wünschen, den Frieden in unserer Bewegung wiederherzustellen. Sie mögen versichert bleiben, dass ich alles tun will, was ich kann, um meinerseits den Frieden fiir alle Zeit aufrecht zu erhalten, und hoffe, dass wir zusammen, Hand in Hand, arbeiten werdet!. Aber Friede allein genügt nicht. Wir müssen positiv arbeiten. Wir haben sehr viel während der letzten zwei Jahre ver-!oren, und unsere Arbeit muss energisch betrieben werden. Verschiedene Weg führen nach Jerusalem und keiner darf vernaoliläsisgt wvrdcn. Weitere Unterhandlungen mit den verschicdeucn Regierungen zur Unterstützung unserer Bestrebungen in der Türkei, Verhandlung.n in der Türkei selbst zur Erlelcbteruug unserer Arbeit in Palästina, Vermehrung und Stärkuug der wirtschaftlichen und kulturellen jüdischen Elemente in Palästina, die grosse nationale Propaganda in allen Teilen des jüdischen Goltis, die Verbreitung uoJ!Entwicklung der hebräischen Sprache und Literatur —• das ist das Minimum unseres Programmes. Ich hoffe, dass die sieben Mitglieder des Engem A.-K*. und die 53 Mitglieder des Grossen A.-K. alle ihre Kraft dem Zionismus widmen werden und dass der Achte Kongress fühlbare Resultate ihrer Tätigkeit zeigen w׳ird: grossen Sic alle unsere Freunde und Anhänger und sagen SD Ihnen, dass unsere Devise von jetzt an ist: ״Friede und ziel-!!:wusste Arbeit.“ So schreibt der politische Zionist Herr Ussischkin. Aus der Rede des Herrn Greenberg interessiert die Mitteilung, dass Theodor Hcrzh was w־ir nie bezweifelt haben, im Gegensatz 7.u denjenigen, die sich heute zu Unrecht seine ״Getreu.n" 1