Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 452 JÜDISCHE RUNDSCHAU ... No. 36 L ' ‘"י . ". ' Vorträge über einzelne Fragen, z. B. Palästinavorträge in Betracht. Wir bitten diejenigen Herren, welche bereit sind, Vorträge zu übernehmen, sich direkt an uns zu wenden und folgende Fragen zu beantworten: 1. Thema. 2. In welcher (legend. 3. Z וו w e I c h e r Zeit. 4. Besondere Wünsche betreffs der W o c 1! e n t a g e. 5. Sind Sie bereit, einen Vortragszyklus zu übernehmen? Wir bitten auch die Ortsgruppenvorstände in diesem Sinne tätig zu sein. Der Redner erhält seine sämtlichen Auslagen ersetzt. Die Erledigung der Liquidationen erfolgt durch das Zeutralbiircau. Lehren des VII. Kongresses Dr. Kalmus, Hamburg. Kurz vor meiner Abreise nach Basel wünschte mir ein ..frommer“ Jude mit klingenden! Kamen zum Kongr.ss einen ..recht schlechten Erfolg.*' Fr erlniite das Ende der zionistisehen Bcwegu״,״. Sein frommer Wunsch ist nicht in Erfiillurg gegangen. Man mag zum Zionismus stehen, wie immer; man mag vieles was auf dem Kongresse geschehen und beschlossen ist. missbilligen: sovi.l ist unleugbar: Der VII. Kongress bewies von neuem die uncrschfitterliche Lebenskraft unserer Idee und die Dauerhaftigkeit der Organisation. Die Leidenschaften gingen Koch: Affekte wurden verschwendet; aber man bedenke, es handelte s ch um Lebensfragen des Jüdischen Volkes und alle Delegierten nlme Ausnali me erstrebten selbstlos das Beste. Der äusserste Flügel der Opposition kämpfte verzweifelt um Zugeständnisse an die Forderungen der Gegenwart, die grosse Mehrheit glaubte diese Forderungen aus idealen Rücksichten ablehnen zu müssen. Die glühende Liebe zum Volke auf der einen Seite, auf der anderen die trotz allen Überschwanges imponierende Palästina-Treue, waren di״ hochwertigen Motive der Kämpfe aut dem VII. Kongresse. Solange die Organisation auf schwachen Füssen stand, war es gefahrvoll, itmere Gegensätze vor der Öffentlichkeit klar zu stellen. Der Kongress hat gelehrt, dass dies nunmehr ohne Schaden für den Bestand des Ganzen geschehen kann. Die lange vorausgesetzte politische Parteibildmtg ist Tatsache geworden und Sie wird dem Gederhen der Bewegung keinen Eintrag tun. vorausgesetzt, dass nicht Ef i n e Partei ohne Gegengewicht rücksichtslos schaltet. Es ging in Basel das Gerücht um, dass ein deutscher Delegierter dafür agitierte, man solle nur waschechte Zionc-Zion in die massgebenden Stellen wühlen. Hätte er den denkwürd:gen Verhandlungen des Permanenz-Ausschusses brigewohnt, so hätte er gewusst, dass seine russischen. Parteifreunde ohne ihn diesen Grundsatz befolgten. M a 11 d c l s t a m m und J a s s i ־ nowski. im Zionismus ergraute Veteranen, wurden nicht mehr würdig erachtet, im grossen A.-K. zu bleiben, weil ihre Meinungen von der der Mehrheit abwichcn. Ein hervorragender russischer Schriftsteller musste aus dem gleichen Grunde von nicht-russischer Seite der Liste beigefiigt werden. Ein von der deutschen Landsmannschaft in Vorschlag gebrachter Zionist von unzweifelhaften Fähigkeiten wurde von den Machthabern filr das grosse A.-K. als unannehmbar erklärt, weil er den Mut gehabt hatte, sich von der Kongress-Tribüne aus als ״politischer“ Zionist zu bekennen. Es bedurfte grosser Mühen, um die herrschende Partei von der Unentbehrlichkeit politischer Köpfe, wie G reenberg, Cowen u. a. zu überzeugen. Am liebsten hätte man eben jeden Dissenticrenden ausgcschaltet. Das: . ging jedoch nicht, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil unter den Männern, die in West-Europa für die ob.rste Leitung in Betracht kamen, nur wenige auf dem Partcistaudpunktc der Zinne-Zion standen. Das landsmannschäftlicbe Prinzip hat auf dem Kongresse versagt. Für dl.* Organisation wird cs selbstverständlich seine Geltung behalten, für die parlamentarische Gruppierung werden von ntm an höhere, von •der Landeszugehörigkeit liiutblüingigc Gesichtspunkte massgebend sein. Auf diese neue Konstellation war die deutsche Landsmannschaft nicht vorbereitet, and deshalb hat sie auf dem Kongresse zum ersten Mal eine durchaus untergeordnete Ro*l? gcspi.lt. Das deutsche Zentralkomitee hotte in bester Absicht, aber in Verkennung der auch in Deutschland bestehenden Gegensätze, bis zuletzt seine P.iiheitJiclie Stellungnahme d.r deutsci’i?11 Zionisten lierbei/.ufiihren gesucht und obendrein den Fehler begangen, sich über die wahre Stimmung im Lande zu täuschen. Die grosse Mehrheit der in Base! versammelten Delegierten aus Deutschland war nicht mit der ״Kölner Erklärung“ einverstanden, sondern bekannte sich zu dem Programm der Richtung M a 1! d c 1 s t a m ni. die seit Erscheinen des Warschauer Aufrufs den Parteinamen der ..politischen Zionisten“!führt. Eine neue Bestätigung jener Tatsache lieferte das Ergebnis der Neuwahl des Zentralkomitees, dessen nunmehrige Zusammensetzung ein klares Bild über das Süirkevcrbiiitnis der Parteien in Deutschland ii.tert. Weder ü l> c r den Verlauf des deutsehen D e I c g i e r t e 1.1 a g e s noch über die Wahl des ZentralkomiLes ist aber in de nt o t i i - z i e 11 e n ״O rpn der Zionistischen V e r e i 1t i - g11 n g für Deutschland“ bisher Bericht ers ta t te t.e) Die Handvoll der deutschen Zionc-Zion schloss sich naturgemäss, meist schon in F're bürg, dem russischen Block am während die gross.* Mehrzahl der Deutschen sich unablässig bemühte, mit den politischen Zionisten Russlands ein Zusatmr.eugelteu zu ermöglichen. Die Verhandlungen scheiterte!!, da diese in takFschcr Hinsicht schliesslich mit den Tcrritorialistvn gingen. Die Schuld lag daran, dass man viel zu spät an eine Einigung der politischen Zionisten aller Länder her uigetreten war. Bei gi!lügender Vorbereitung wäre es geluiigen, eine starke Mittclpartci zu schauen, aus Deutsehen, Russen, der schweizerischen, der böhmischen, der halben englischen Landsmannschaft und vielen andern. So aber waren wir und mit uns der grösste Teil aller Westeuropäer zur politischen Ohnmacht verurteilt, zumal die Mehrheitspartei im Gefühl ihrer Siegesgewissheit von Anfang an so unerbittlich vorging, dass die parlamentarisch ungeschälte russische Miuioptat zu Mitteln griff, die wir unter allen U m s t ä n - dm bekämpfen müssten. Mau wende nicht ein. dass die Obstruktion ja gleich zu Beginn des Kongresses einsetzte. Die Freiburger Beschlüsse lagen vor und man wusste, dass sie rücksichtslos zur Annahme gelang:!! sollten. Man trat weder in Verhandlungen mit den Territorialisten noch mit der Gruppe der Politischen. Die Zionc-Zion und ihre Mitläufer haben vor der Geschickte d'e Verantwortung zu tragen, sowohl für den äusseren Verlaut des Kongresses, wie auch dafür, dass d.'r Zionismus aus doktrinären OrüuJcn eine nicht unbeträchtliche Anzahl verirrter Volksgenossen dauernd verloren hat. Und hat das Maohtvotum der Majorität eine Einheitlichkeit der Bewegung geschaffen? Als notwendige Fo'ge ist bedauerlicherweise eine Konkurrcnz-Organisatiou entstanden, die uns wertvolle Kriiite entziehen wird, und die unterdrückte Minderheit der politischen Zionisten wird trotz aller Kongress!)esc 11 liisse iiircrlialb der zionistiscl.cn Bewegung ihren alten Standpunkt wrtreten. Ussischkin machte die beiläufige Bemerkung, dass nunmehr .,Zionc-Zion" and .,Zionisten“• identische Begriffe •) Ist in voriger Nummer geschehen. (Arm!, d. VerfA r* 1