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Jüdische Rundschau · 1905-08-25 · Heft 34 (25.8.1905) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 34 wenn sic beschlossen wird, dann soll .sie auch erst am 1. Januar 1906 in Kraft treten. Geschieht dies, dann soll allerdings der ausländische Jude, der nach Russland kommen, dort sich auf halten oder reisen will, nicht anders wie jeder andere Ausländer behandelt werden. Brandstiftungen Breslau, 15 .August. Die zum Zwecke der Veranstaltung von Judenhetzen gegründete Organisation ״Czorwaja Sotnja“ legte in B i a 1 a bei Warschau eine Feuersbrunst an. 40 jüdisehe und 10 christliche Häuser wurden engeäschert; 4 00 Juden und 40 Christen sind obdachlos geworden. Friedenskonferenz und Judenfrage Zu der Meldung, dass Witte eine Konferenz mit mehreren amerikanischen Juden hatte, wird dem B. T. berichtet, dass die Konferenz mit den jüdischen Bankiers drei Stunden dauerte. Witte gab zu. dass 850 Gesetze beständen, die die Rechtsgleichheit der russischen Juden beschränken und verspraah, sich für die Aufhebung dieser Gesetze zu verwenden. Die Konferenz soll in kci;»eriei Zusammenhang mit russischen Anlciheabsichten stehen. Letztere werden vielmehr von Witte durchaus in Abrede gestellt. — Weshalb man es natürlich ebensowenig zu glauben braucht, wie an die Aufhebung der Juiiengesctze! Der FRANKFURTER ZEITUNG telegraphiert ihr Korrespondent aus New-York: Herr Jakob Schiff teilt mir mit, Minister v. Witte habe ilun in seiner jüngsten Unterreaung erklärt, die Russen seien nicht genügend entwickelt, um sich die Juden durch Gleichberechtigung zu assimilieren. Die Frage würde jedoch der Nationalversammlung vorgelegt werden, zu der die Juden das aktive und passive Wahlrecht bekämen. Herrjv. Witte, so meint Herr Scliiif. sehe offenbar die absurde Steilung in der Judenfrage ein. fühle sich jedoch machtlos. Die Anleihefrage sei in in der Unterredung überhaupt nicht berührt worden. Die PlaZ.crun״ einer russischen Anleihe in Amerika sei vor dem Friedensschluss unmöglich. Auch dann würden die jüdischen Bankiers sich ternhaite.1, falls die Judenfrage ungelöst bleibe. MO RN ING!*OST veröffentlicht iolgcnde Depesche aus Portsmouth (New-Hampslnrc): ln einer Unterredung hat Minister W i 11 c drei Gründe angegeben, welche nach׳ seiner Meinung die Sympathie Amerikas für Japan erklären. Erstens habe Japan Amerika zu glaubet; veranlasst, dass es ebensosehr •für Amerika als für sich selbst kämpfe, der zweite Grund sei der. dass Russland cs unterlassen habe, seine Angelegenheit vor das Forum der ganzen Weit zu bringen, der dritte Grund endlich sei die russische Judenfrage, welche die Juden in Amerika sich zu nutze machten, um die Sympathie der Amerikaner für Russland zu zerstören. Witte fügte hinzu, in der amerikanischen Presse werde in nächster Zeit eine Reihe von Artikeln veröffentlicht werden, die .1rn Laufe von wenigen Tagen die amerikanische Öffentlichkeit über die ganze Frage a u I k I ä r e n sollten. Er werde mit den hervorragenden Vertretern der jüdischen Rasse Zusammentreffen, um diesen Gegenstand mit ihnen zu besprechen. — Diese Besprechungen und die bestellten Pressproduktc des Herrn Witte werden nicht viel nützen, wenn man dabei glochzeitig in Russland die Juden weiterschlügt. Denn die Ursachen dieser ״Pogroms" braucht Herr Witte nicht erst zu verschleiern durch seine ״Aufklärungen‘*. Die liegen s o klar vor aller Welt, dass sogar konservative Zeitungen sie schon zugeben —• und das will etwas heissen bei der Russophilic unserer Konservativen! Zionistische Palästinakurse Am Tage nach dem Schlüsse des Kongresses begannen in den von der Universität Basel zur Verfügung gestellten Räumen die achttägigen Ferialh ochse hulkursc über Palästinakunde. Sie waren als wissenschaftliche Fortsetzung und Ergänzung der Köthener Kurse gedacht, die im Frühjahr d. J. von der Berliner Zionistisehen Palästiuakommission versuchsweise veranstaltet worden sind. Die Zahl der Teilnehmer betrug über 80. wovon reichlich drei Viertel auf russische Studenten und Studentinnen entfielen; den Rest bildeten Schweizer, Osterreicher und Reichsdeutsche. In Vorlesungen von 42 Gesamtstunden bemühten sich 9 Vortragende ein anschauliches Bild der geographischen, kulturellen' und wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas und seiner Vergangenheit zu entwickeln, sowie den Stand der heutigen Kolonisationsmethoden und der spezifischen Eignung und Siedelungsmöglichkeit des jüdischen Volkes zu beleuchten. Es lasen: Prof. O. Wa r bu r g - Berlin: Palästina und seine Nachbarländer als Kolonisationsgebiet (vierstündig); der greise Palästinaforscher Prof. Konrad Für rer- Seite 433 Zürich, dessen erstes Buah über das heilige Land vor genau 40 Jahren erschien: Geographie Palästinas mit besonderer Berücksichtigung der Kulturverhältnisse; der Berner Univcrsitütsprofessor Dr. Marti: Ausgrabungen ur.d Funde in Palästina; Prof. Bert holet von der Universität Basel: Die Siedclungsverhältnisse Palästinas in alttestamentarischer Zeit; Dr. S. So s k in ־ Berlin: Die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas; Dr. Sandler- Breslau: Die hygienischen Vcrhältnisse Palästinas: Dr. Leopold K a h n ־ Wien: Bodenrechts- Verhältnisse in der Türkei; Dr. Alfred א o ssi g ־ Berlin: Die moderne Agrarfrage und die mosaischen Agrargesetze; der Redakteur der ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ Dr. Arthur R u p p i n - Berlin: Sozialwisscnschaitliches zum Zionismus. Eingcleitct wurden die Vorlesungen mit einer Ansprache Professor W'arburgs über ihren Zweck und Bedeutung und einem Dank an die alte Universität Basel für ihr weitgehendes, freundliches Entgegenkommen. Die Schlussrede des greisen K o tt r a d F u r r e r bot Gelegenheit zu einer glänzenden Ovation für den begeisterten christlichen Verfechter des zionistischen Ideals. Übrigens vertraten auch die beiden anderen nichtjfldischen Dozenten B e r t h o- 1 e t und Marti sehr warm den zionistischen Standpunkt. Streik im Cheder Wer noch gezweifelt hat an der Fähigkeit altjüdischcr!11־ stitutionen, seih dem modernen Geiste zu assimilieren, den muss der neueste St׳eik eines Besseren belehren. Nach einem Bericht aus Tomaschow (Gouv. Petrikau) ist im dortigen Cheder (jüdische Talmud-Schule) ein Schülerstreik ausgcbrochcu. Bisher wurde in der Zeit von irüh 7 Uhr bis abends 8 Uhr. mit nur einstiindiger Mittagspause, unterrichtet. Die Herren Schuljungen waren mit d.eser Urterrichtserteilung nicht zufrieden und streikten. Sie verlangten, dass der Unterriciit nicht vor 9 Uhr morgens beginne und abends nicht nach 6 Uhr geschlossen werde. Die Mittagspause soll mindestens 2 Stunden dauern. Und was taten die Lehrer? Ein Teil von ihnen gab nach und der andere musste nachgeben, denn die Streikenden schlugen die Fensterscheiben bei den Lehrern ein. welche nicht naaligebcn wollten. Der jüngste Streikende soll 6 Jahre und der Älteste ganze 12 Jahre alt sein. — Dass sogar die Chederjugend vom revolutionären Geist bereits soweit angefressen ist, wird manche unserer Gesinnungsgenossen mit heiligem Entsetzen erfüllen. Aber — bei aller Lächerlichkeit dieser Lappalie gibt das Gcscliichtchen doch mancherlei zu denken. Und wie uns scheinen will, ohne dass man diese Jungenstreiche ernst zu nehmen braucht, in einigermissen er- 1ficulicher Richtung. Lolo als Erzieher Im KLEINEN JOURNAL des Herrn Leo Leipziger, das man auch hier und da die ״Jüdische Kreuzzeitung“ nennt, findet sich folgender Erguss über den VII. Kongress, der wert ist, aus der Fülle ähnlichen Gefasels als jüdisch-germanisch-assmiilatorische Kulturblüte feinster Art besonders hervorgehoben zu werden: ״ln Basel wird jetzt — wie wir in unserem Sonnabendsblatt bereits nfitteilten — zum siebenten Male der Judenstaat gegründet. Palästina oder Ostafrika ist jetzt die Frage. Einige Versammlungsteilnehmer scheine!:! sieh hierbei um die auch für jüdische Parlamente verbindliche Mahrung. die Krone nicht in die Debatte zu zehen, wenig zu kümmern und griffen die Person Nordaus I. heltig an. So scheint er denn diesmal zu den Vielsprachigen nicht in jener für alle verständlichen Sprache gesprochen zu habon, wie am dritten Kongress, da er das Wohlwollen, das die christliche Welt dem Auswarderungsgedanken entgegenbringt, ״einen der wertvollsten Aktivposten“ nannte, und vom ״grossen Kredit des gegebenen Momentes“ sprach. Zu e nem Konkurs, bei dem es. wie bei solchen Geschäften üblich, den Schuldtragcuden am wohlstcn ergeht, scheint es damals noch nicht gekommen zu sein, denn rcgclmassig wie die Hundstage, kehren diese Debatten wieder, dieselben Fragen werden erörtert und immer wieder dieselben Antworten in Form euer Frage gegeben. Der Zionismus mag eine weniger lächerliche Bestrebung sein, weiui er unter orientalischen Juden propagiert wird, oder seine Opfer aus döm Piuhl galizischcr Kultur direkt nach palästinensischen Kolonien verschickte, in Mitteleuropa bietet er das unerfreuliche Schauspiel. w־io täppische Hände an dem 2U0Ujahrlgen Grab eines entsahlafenen Volkstums kratzen und er dient — trotz oder wegen seiner kaum phraseologischen Bedeutung — in Ländern, wo die Phrase eine Grossmacht ist, zur Ermutigung , assim lationsfciiidlichen Strebeus. Die Worte acs Herrn Nordau, ״de Juden mögen nicht in den einzelnen Staaten aufgehen. > sondern stets Juden bleiben mit dem Ziel Palästinas“, schliessen JÜDISCHE RUNDSCHAU

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