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Jüdische Rundschau · 1905-08-25 · Heft 34 (25.8.1905) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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No. 3*4 Seite 434 JÜ DIS CHER UNPSCHAU die gefährlich-unkluge Tendenz der Bewegung in sich ein. Der jenseits jeder Vernunft stehende Standpunkt dieser Herren ist viel verwerfl eher, als der der Hvtziiolitiker. aus deren Theorien noch iniiner cn kleiner Rest bleibt, über dessen Wahrhaftigkeit zu debattieren ist: Die Polemik gegen gewisse Eigenschaften des assimilierten Judentums. Und hier kann ene fordernde Bewegung einsetzen in» Kampfe für die Assimilation. Natürlich erweisen sioh die Wunder der Assimilation als k״ ne zauberhaften Verwandlungen und sind nur dann rascher wirksam, wenn das Budget an schlechten Äusserlichkeiten nicht allzusehr iiberschr tten ist. Juden und Christen bleibt dann noch immer ein Stück gerne nsamei» Weges zur Engelhatfigkeit. Dass es solch iiberirJische Strecken gibt, damit werden sich Volksbeßliieker wie Herr Nordau und alle anderen Instanzen auf Erden zufricdengebeii müssen. Die Juden aber sollten ihr ״ganzes Denken nicht auf die Gegenwart und fernste Zukunft lenken, sondern auch dem näheren volle Kräfte leihen; den Weg von Palästina weg zu den abendlichen Städten schreiten, durch Selbsterz.el.ung zu jenen gelangen, die klug genug sind, gewisse Eigenschaften ihres Lcb.nskrcises. die sie seihst als kulturhii derude Elemente abgestreiit haben, klar zu erkennen und zu tadeln.״ .Also gehet hin. ihr ,.Volksbegliieker•‘. die ihr ..jeder Vermuu't har״ seid, und werdet, wie Leo Leipziger. Euer grosser Prophet! Was sollen Euch Talmud und Bibel, wo ihr doch die herrlichen Chansons und Couplets unseres grossen Lolo habt! Wozu lest Ihr Eure Zeitungen mit der ..gefährlich-unklugen Tendenz“ ־ abonnert Euch lieber auf das KLEINE JOURNAL, damit Ihr in einem Oemausclieh in dem kein Deutscher seine Sprache erkennen würde, gut unterrichtet werdet über die Liebschatten der Sängerin X. 11! U die Ehebrüche der Baronesse V. Wozu wollt Ihr strebend Euch bemühen, statt ..den Weg von Palästina weg zu den abendlichen Städten" zu schreiten, die umgekehrte Richtung einzuschlagen? Zieht lieber nach den ״abendlichen' *Städten, in denen cs immer noch Tingeltangels gibt, wo hier und da mal Lolos Lieder gesungen werden; was kann Euch J e h u d a H a l e v ־ל sein, wo ihr Lolo L e i p - ziger habt! Wandelt mt Lolo den ״Weg zur Engelhaftigkcit“ -und dann ded;ziert ihm zum Dank — — — Herzls ״Mauschel!" Mauschel. Mauschel. nimmt dich in acht! Bundisten und Zionisten Der Naprzal (Vorwärts) meldet aus Lida (Gouv. Wilna), dass bei der T r a u e r f c 1 e r für Theodor H e r z I die Sozialisten (Bundisten) die Synagoge umzingel teil, in dieselbe e indra tilge n. und! dass sich ein Streit entspann, in dessen Verlauf man zu R e v o 1vern griff. — Ein Sozialist, dessen Gesicht von einer Maske bedeckt war. bestieg die Kanzel und sprach gegen den Zionismus: daraufhin wurde der Tumult noch grösser. — Die Frauen, die in» Bethause waren, wurden ohnmächtig. M. B. J. ־— Die Bundisten waren die intimsten Bundesgenossen des Herrn S y r kin auf dem VII. Kongress! (Die Red.) Land ohne Volk Der sc't dem 1. Januar 1901 als Nachfolger des Fremdenhassers Williams in New-York amtierende Kommissär für Einwanderungswesen, Mr. Robert Walchum, wies i!1 einem Vortrage darauf hin. dass cs in Amerika Millionen Hektar Land gebe, das Arbeiter gebraucht, und ebenso M ll'.ot:on von Arbeitern, die Land brauchten. Das Problem bestehe 1:un darin, wie man diese aufeinander so angewiesenen Faktoren Zusammenhänge. Nach einem vom General-Kommissar der Immigrat'on Mr. Sargent in Washington genehmigten Plan soll als erster Schritt zur Lösung des Problems - auf KIKs!•!und eine permanente Ausstellung sämtlicher Erzeugrisse der Vereinigten Staaten sowie ein Arbeitsnachweis- Bureau eröffnet werden. Mr. Walchorn konstatierte, dass, während der Staat New-York von Hunderttausenden Elender und Hungernder w i m - ru e 11. der mit allen Gaben der Natur reichlich g c - segnete Staat Texas von einem Umfang des Deutsehen Reiche׳־ im letzten Jahre nur 2297 Emigranten T.erauzutacken vermocht hat. Einstweilen wird die verteilende Ansiedelung der Ein- Wanderer mit privaten Mitteln und auf privatem Wege bctriebe»1״ Die besten Erfolge haben immer noch die Juden darin erzielt, ״bgle’ch auch sie in! Laufe des Jahres kaum DWG Glaubensgenossen aus dem grossen New-Yorker Ghettos er.ti’ernen konnten Um die Sprengung des Ghettos ein wenig zii beschleunigen, hat sich die Agricultural Aid Society von Milwaukee entschlossen, eine grosse jüdische Kolonie auf folgender neuer Grundlage zu errichten: Die Kolonie wird, nach dem System der Gutswirtschaft betrieben, d. h. die Kolonisten arbeiten auf der K״l״n'c als Tagelöhner. Ihr Lohn soll in Milwaukee 5 l)olk<ri die Woche betragen. Nach Ablauf eines Jahres wcrdui alle Arbeiter, welche sich bewährt haben, definitiv als Kolonisten installiert werden. Man hofft, auf diese We se viele Hunderte von Luftmenschen 7,u tüchtigen Kolonisten zu machen. Jüdischer Antisemitismus. Aus zuverlässiger Quelle wird uns berichtet: In der ״Krankenhaus-Kommission“ der Stadt Ratibor lOberselil.) wurde neulich über die auszuschreibende Assistentenstelle des städtischen Krankenhauses verhandelt. Der Herr Stadtverordnetenvor.'telier erklärte sch prinzipiell gegen die Anstellung eines jüdischen Assistenten. ..da ein solcher in eine schiefe Stellung zu den katholischen Einrichtungen käme.“ Dieser Herr Stadtvcrordueteiivorstcher von Ratibor heisst Cohn und ist der Führer einer jüdiscl.-antisemitsch-protestant sehen, scharf antiklerikalen Koalition. Wie ein Blick in die Inseratcnspalten der Eachblätter zeigt, werden jüdische Arzte weder in staatl dien, nodi provinzialen, z. B. Landesversicherungs- oder Irren-Anstalten angestellt, mich nur in verschwindernl wenigen Privat-Sanatorien. DassKommmmen mit judenfreien Vcrwaltimcskürpcrn Juden nicht annelimen. ist selhstverständ- »ich. Ratibor aber blet.t uns wieder einmal das schone Beispiel von J 11 d c 1» - B o y k o 11 üur c h J t» d e n. E. S. Dabei hie bt uns anderen Juden nur der eine Trost, dass diese Sorte von Juden immer mehr der allgemeinen Verachtung anlieimfäüt. auf die sie ein redliches Anrecht hat Antisemitisches Bubenstück I Aus Velbert meldet die FRANKFURTER ZEITUNG; Rolle Burscl.cn haben in der Nacht zum 10. August auf dem j ft d i s e 11 c 1: E r i e d 11 o f D e ti k m ä I e r bcsc h ä d i g t. Grabhügel zertrete n und anderen Schaden verübt. Auf die Ermittelung der Täter ist eine namhafte Belohnung ausgesetzt. - Diese christl o'.i-germauischcn Kulturtaten kommen also jetzt wieder im alten wöchentlichen Zyklus. Antisemitisches Bubenstück II Aui den» jüdischen Fried hoi in Rülzheim in der Pfalz wurden, wie der BERLINER LOKAL-ANZEIGER meldet, nachts eilige Grabdenkmäler zerstört und zahlreiche Gräber verwüstet. ־ Das ist die christlichgermanische Kulturtat aus dieser Woche. Nach einer sehe!!baren Besserung des christlichen Pöbels werden diese• Bubenstücke jetzt wieder zur ständigen Rubrik der Zeitungen. Kleine Mitteilungen Der Hilrsvercln der Deutschen Juden, der zur Linderung der ersten dringenden Bedürfnisse 3000 Mark nach S11 i t o m i r gesandt hatte, hat jetzt eine we tere Summe von 20 000 Mark dorthin überwiesen. ID 000 Mark davon sind eine gemeinsame Spende des Hiüsvere'ns der Deutschen Juden, der Grossloge für Deutschland V'III. U. 0. B. B. und des Hilfskomitees für die notleidende!» osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. und 10 000 Mark wurden dem Hillsverein der Deutschen Juden von den» London Committee of the Deput es of the British Jcws frenndlichst zur Verfügung gestellt. — Ferner fiat der Hilfsverein iiir die durch Eeucrbrunst heimgesuchten Gemeinden in Daugi und Bakscht in Russland 900 Mark bewilligt. Lustige Ecke Ein beredtes Zeugnis von der mikroskopischen Kleinheit des Verstandes, mit dem — »Echt nur nach Oxenstjerna die Welt regiert wird, sondern auch eine grosse Zahl von Ze*- tuugcn redigiert werden, finden wir in der BERLINER ILLUSTRIERTEN ZEITUNG. Dieses Blatt hat einen ״Briefkästen” zu dem speziellen Zweck der allgemeinen Belehrung eingerichtet. Am Kopfe dieses ״Br;efkaste!!s" heisst es uänilieh in fettem Druck: In unserem Briefkasten beantworten wir nur solche Fragen, deren Erörterung anregend und von allgemeinem Interesse Ist. Andere Fragen richte man an den Brietkastei» seiner Tageszeitung. Aionyinc Fragen werden n'cht beantwortet. Und diesem edelen Zwecke der ״Volksbiildnng” wird das Blatt in Nr. 3*1 u. a. durch d e folgende Notiz gerecht: t

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