Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 431 . Niedriger hängen! Wir veröffentlichen hier einen Brief, den Herr Dr. Grünhut aus Jerusalem ln der (antiziunisLschen) FRANKFURTER ZEITUNG zu veröffentlichen sich hemüssigt fühlte: .,Der VII. Zionisten-Kongress! Welch ein Klägliches Ende na hin er. Mit Von der frohesten Hoffnung geschwellten Segeln zogen wir in Basel ein: als Sehifisbriiehige verliessen wir cs. Ein Nat.onalkougress. ohne Nation! Seit dem VI. Kongress 1׳a'1m die Juden not Dimensionen au. wie sic nicht tragischer sein können. Man hätte billig erwartet, dass die Frage mindestens auf die Tagesordnung gesetzt werden würde. Aber nein! Als ob es keine Hmlgrationsfrage gebe! Die Judennot stand auf der Tagesordnung nicht. Wozu sollte aber dann d.־r blutige Ugandakampf. gibt cs ja doch ke׳ne Judenfrage! «Wir haben auf uns.“ sagte Wolifsohn. als er den Kongress geschlossen, ,.eine schwere Verantwortung genommen.‘־ In der Tat Schwer. Wie bitter enttäuscht werden die Zehntausend« im Osten sein, die hoffnungsvoll auf den Ausgang dieses, vielleicht letzten Kongresses blickten. Die ganze Schwere trifft aber hauptsächlich einen Mann, der cs verstand, die Majorität an sich zu reissen. Gegen diese war dann jeder Kampf vergeblich. Dieser Mann, der den Kongress beherrschte, ist der mehrfach auch in diesen Blättern genannte Herr Ussischkin. Unter den Gegnern Hcrzls war er der grösste und erbitterteste ־ aus rein persünhehen Motiven. Herr Ussischkin gehört einem Vereine an, ..Freunde Zions" genannt, der sich vor etwa 20 Jahren in Russland zu dem Zwecke gebildet hat. um in Palästina Ansiedelungen zu gründen. Indessen hat dieser Verein in der ganzen Zeit seines Bestehens blutwenig geschaffen, und das Wenige wollte auch nicht recht gedeihen. 11 zwischen trat der Hcrzlsche Zionismus auf. welchen zumal die grosse Masse osteuropäischen Juden mit unbegrenzter Begeisterung aufnahm. Vorderhand hatten nun die ,.Freunde Zions" nichts mehr zu tau. Neben einer so gcwalf-ger Aktion, wie sic Herzl sich vorzeichnete. war es ja lächerlich, sich noch weiter mit Klein- Kolonisation zu befassen. Das Volk mochte es gar nicht. Ussischkins Ehrgeiz, der nach Taten durstete, vor Herz! jedoch das Feld räumen musste, war tödlich verletzt. Das t'orderte Rache. Zwei erwünschte Gelegenheiten boten sich ihm dazu dar. Zunächst die!Enttäuschung, de Herzl in Konstantinopel vor dem VI. Kongress erfuhr. ״Zurück zur alten Methode“!, dachte Ussischkin. Gedacht — getan. Ja. er tat noch mehr. Eines schönen Tages tauchte er in Begleitung eiliger Parteigänger in Palästina auf und Hess vcrkün'dcn. dass er jeden, der eine gewisse Steuer entrichtet, zum Kolonisten machen wird. /Hier Herzen jubelten ihm entgegen, und aller Hände drängten sich mit ihren Gaben an ihn heran, umso mehr, als er heilig versicherte, dass er im Aufträge (!) Herzls handle. Hierauf Hess Ussischkin einen Kongress einberufen. dessen Eröffnung z u sa m m c n i i c I mit der Eröffnung des Kongresses in Basel. Herzl präsidierte dem Kongress in Basel. Ussischkin den! in Palästina. Herzl zerbrach sich den Kopf, wie nach Palästina kommen. Ussischkin war schon mit seinem Parlamente drinnen. Ja. noch mehr. Indem ein Dutzrand Normallehrer zu Professoren graduiert wurden, hat Herr Ussischkin mit einem Schlage Parlament und Hochschule im heiligen Lande geschaffen. Die 'zweite und erwünschtere Gelegenheit war Herrn Ussischkin das Ugandaprojekt. Die Annahme desselben zerstört ja sein ganzes, so mühsam aufgebautes Werk. Länger vermochte er nicht an sich zu halten. Er trat als öffentlicher Gegner Herzls auf. Aber gerade dieses inasslose Auftreten brachte ihn u m seine ganze Popularität im heiligen Lande. Nicht so in Russland. Das bewies der VII. Kongress. Ob die neue Organisation der Territorialisten. völlig ohne Mittel und von geringem Einfluss, etwas gegen ihn ausrielitcn wird, ist zumindest zweifelhaft. Unpolitisch war es. dass die Schöpfer dieser Organisation aus der Bewegung ausgetreten sind. Ob aber Herr Ussiscbkin, den die grosse Emigration völlig kalt lässt, imstande sein Wird. einen jüdischen Staat ohne das jüdische Volk aufz.urichtcn — von diesem Wahn wird ihn d^c Zukunft heilen. Leider fürchte ich aber, dass es ru spät, sein wird. P r a n k f 11 r t a. M. Dr. G r ü n 11 u t aus Jerusalem." Irgend eine sachliche Bemerkung daran zu knüpfen, hiessc diesem aus Verdrehungen und Verdächtigungen niedrigster Art zusammeiigeflickteu Zeuge zu viel Ehre antun. W i r erwarten nur mit aller Bestimmtheit, dass Herr« Grün hut. der sich auf de in Kont^ress als ״״politische 11““ Zionisten bczeictvnotc. von seinen engeren Gesinnungsgenossen diejenige Abfuhr z 1 teil werden wird, die ein derartiger Ergu s verdient! •! Aus der Beweguijg ן Berln. Der jüdische Turnverein ..Bar*K0chba" verananstahet am Sonnabend, dem 26. August, abends 9 Uhr. eine Versammlung. Thema: Der VII. Zionisten Kongress. Referent: Redakteur Julius Becker. Lokal: D r ä s c I s Pest säle. Neue Priedrichstr. 35, Saal III. Gäste willkommen. Berlin, im Vcre11 Zionistischer Kaufleute ..Theodor• Herzl", sprach am Donnerstag, dem 17. August. Herr Redakteur Julius Becker über den VII. Kongress. Nach einer sehr Ichhaften Debatte gelangte mit grosser Majorität die folgende von Dr. Hey man 11 cingcbrachtc Resolution zur Annahme: ״Die am 17. August im Restaurant Simon statifindende Vor- Sammlung öcs Vereins Zionistischer Kauilcute ״Theodor Herzl“ hcgliickwiinscht den VIL Zionistcnkongrcss zur Wiederher- Stellung des reiiivn Baseler Programms und zur strikten Ablehmii'g jeder Kolonisntionstätigkeit ausserhalb Paläst1־!as und seiner Nachbarländer". Berlin. Der ..Verein Zionistischer Kaufleute. Thcrrdor Herzl". hat mit der Errichtung eines S h a r e - K i u b s, zum Vertrieb der Aktien der ״Jüdischen Kolonialbank’', begonneu und ladet die Berbncr Gesinnungsgenossen zu recht zahlreicher und reger Beteiligung ein. Anmeldungen erbeten au Pritz. Abraham. Lüneburgerstrassc •I U I. bei Lewinsky und a!1 ׳den allwöchcntlichu.i Vereinsabeiidag M’.ttwocli, 9 Uhr abends. Restaurant Simon, Gipsstrasse 12a. Posen. In der Sitzung am 19. August erstatteten die Herren Dr. Jeremias und Rechtsanwalt Dr. Kollcnscher ausführlichen Bericht über den Verlauf des Kongresses. Nach lebhafter Diskussion wurde der Antrag des Vorstandes, dass die Ortsgruppe corporati v dem Aufruf des ..Verbandes politischer Zionisten" beitrete, mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Auch die opponierenden Herren erklärten ausdrücklich. dass sie Gegner jeder Kleinkolonisation in Palästina seien. Den Delegierten wurde auf Antrag des Herrn A u c r* b a c h für ihre Mühewaltung und Berichterstattung der Dank vr Versammlung votiert. Schönlanke. 13. August. Heute wurde als Rabbiner für die h'esige Gemeinde Herr Dr. M. L. Bamberger- Würzburg gewählt. Vor der Wald hatte der Herr bereits erklärt, dass er n i c h t zu den Protestrabbinem gehört und dass er der zionistischen Bewegung sympathiso’1 gegenüber steht: auch von zionistischen Gesinnungsgenossen wurde Herr B. warm empfohlen. Der orthodoxe Rabbiner sollte ja eigent- Uch der natürliche Träger des Zionsgcclaukens sein und wenn viel־.־ von ihnen heute nach zehnjährigem Bestehen des Zionismus in Deutschland der Bewegung noch immer feindlich oder auch mir passiv gegenüber stehen, so ist des in den niesten Pallen durch Bequemlichkeit oder gar durch Heuchelei zu erklären. Hoffen wir. dass Herr Dr. Bamberger bei seiner Tatkraft für Erhaltung des religiösen Leh״us. auch der Malimmg des Propheten :ל*ד;*י עיין לא אהשי bereitwilligst wird Polgc leisten: sein: Gcmc:ndc, in welcher der Zionismus feste Wurzel gefasst hat. wird ihm dafür dankbar se׳n. (Ein orthodoxe» Oemcindemitglicd). Duisburg. Am Montag, dem M. d. M.. abends 9 Uhr. sprach in der Tonhalle Dr. Elias Auerbach (Berlin) über den V||. Kongress und seine Ergebnisse. Eine rege Diskussion knüpfte sich au die interessanten Ausführungen des Rcd״e׳s. dem neben Zutiniintme auch viel Widerspruch in seiner Auffassuug der jüngsten Ereignisse entgegentrat. P===r■״ Rundschau ׳== ~י== j Aus Russland Russland als Verfassungsstaat •Eigentlich lohnt cs nicht der Miil.c. au dieser Stelle Notiz, zu nehmen von der Komödie der ״öossudarstweunaja Dum־•", die weder die russische Judcufragc noch eine andere russische Präge lösen wird. Nur das Prinzip, dass der autokratisclie Zar sich überhaupt zu einer Art von Verfassung verstehen i i *"י י יי« י ״״׳■1«■■*י יי*•»» «?״■•»*■ ״׳■» r* •“*!* מ מייייי׳וו1י*״:ן* ׳«י״״ •ייר•״'**!“?!’״,״״•י״״ jmu'p ■1דע?!ע.*״*״ י?•"