Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seile 426 .1 (1ו »JSCUHN RUNDSCHAU, deren Standpunkt der Leitartikel in No. '3.1 vertrat — einiges cntgcgcnhaltcn, das mir von wesentlicher Bedeutung für eine richtige Würdigung der Tatsachen zu sein scheint, ohne dass ich heute eine Polemik gegen ־die Ausführungen richten wollte, die ich mir vielmehr für die Portsetzungen meines Artikels aufsparc. Ms ist tatsächlich richtig, dass die Syrkinschc (truppe von vornherei n die ausgesprochene Absicht hatte, den Kongress zu terrorisieren oder zu sprengen, zu dem Zwecke, eine Abstimmung über das Ostafrikaprojekt;1 tout prix zu verhindern. Pas lässt sich, wem nötig, durch eine ganze Reihe von Zeugen beweisen, da die Mitglieder dieser Gruppe sogar geflissentlich verbreiteten, sic würden unter Umständen sogar, um eine Panik 11crvorz.urufen, blinde Sei«י ss e abfeueru!! Pas sollte eiusehüchiernd wirken. Am Milde aber ist den Herren wohl doch die Einsicht gekommen. dass das nicht mir eine Brutalität, sondern dass cs änsserst töricht und sehr wenig zweckdienlich wäre. Weiter muss ich ־ bis zur entgegengesetzten Beweisliiliruitg ־ * die Redensart von einer ,.Gegonwartsarbeit ä la Uganda" aufs schärfste zurück weisen. Mit grossen Tiradcn v»ui ..Politik", ..Auto:׳or,׳c•‘ und ..Abhilfe der Judernnt“ und dergleichen mehr an den! Ziele zu arlnitcn. (vielleicht!) in zwanzig Jahren (vielleicht!) ebensovielc Tausende (d. 11. 1/- der gegenwärtigen j ä 11 r 1 i c 1t e n jüdischen Auswanderung aus Russland!) bi irgend ein Land in Afrika zu bringen. Von dein unsere Juden ausprobieren sollen, ob cs überhaupt kulturfähig ist ־••׳־ soll das etwa jetzt bei uns ״Oegcnwartsarbcit“ heissen urd der Preis sein iilr eine solche Zersplitterung unserer ohnehin 11*:*:i!uaTc11 Kräfte? Mir scheint, dass wir dann doch für eine Ocgcnwarisarbe’.t würdigere Ziele haben. Ms bleibt hei dein, was Prof. W a r b u r g in seinen Bemerkungen zum Bericht der Palästina-Kommission sagte: ..Man gebe nur allen Zionisten, ja allen jüdisch fühlenden Juden einen Anteil an der Palästinaarbeit — und das wird nach Schaffung der nötigen Zentralen in Palästina schon möglich sein — dann wird nicht nur der ungesunde territoralistischc Spuk in unseren Reihen schnell genug verschwinden, sondern der zionistischen Partei werden noch massenhaft neue Anhänger entstehen.“ — Doch darüber ein ander Mal mehr. Der energischen Zurückweisung bofarf noch folgende Bemerkimg des Herrn Dr. Jeremias bcz.üpk der dem Landerwerb in Palästina gezogenen Grenzen: ״Aber bei näherem Zusehen zerrinnt die schöne Illusion: die Feststellung des Begriffes ״rechtliche Sicherungen“ bleibt nämlich im Minzelfalle der Leitung überlassen." — So. so, Herr Doktor! So sah also Ihre frühere Loyalität gegen die Leitung aus, und so auch die jetzige! ״Unser König absolut, wenn er uns den Willen tut!* Mau wird sich das merken müssen! Ihr Vertrauen zur Leitung ist also in dem Augenblick dahin, wo die Leitung einen Kongressbeschluss auszuffthren Vollmacht hat, der Ihnen nicht zusagt. W i e nannten doch Sic und Ihre jetzigen Gesinimiigsgeiinsscn das früher einmal?? Zum Schluss bemerke ich, dass ich durchaus der Meinung bin und bleibe, dass die Krisis im Zionismus überwunden ist — der VII. Kongress hat uns die klare Interpretation des Baseler Programms gegeben, und er hat eine reinliche Scheidüng vollzogen zwischen Zionisten und Nicht- Zionisten! Pas war. was uns not tat! Penn in einer Bewegung körnen mir die erspriesslieh arbeiten, die c i n Ziel haben! Ms ist jetzt nur unser aller Pflicht, daraus die Kon- Sequenzen zu ziehen! Julius Becker. No. 34 Brief aus Rumänien Die rumänfsche Ausstellung 1906 Anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums der Regierung König Carols I. wird im Jahre 1906 eine allgemeine Aus- Stellung in Bukarest veranstaltet werden, an der alle Bewolmcr des Landes teilnehmen sollen, um die Fortschritte zu zeigen, die das Land in diesen vierzig Jahren gemacht hat. Aus diesem Anlasse versendet Herr J. B. Broc i n c r, Vorsitzender der ״Union Jüdischer Gemchrden" mehrere Rundschreiben an die Gemeinden und anderen jüdischen Institutiojicn mit der Aufforderung, an dieser Ausstellung teilzunehmen, um zu beweisen, dass die Juden ganz bedeutende Arbeit im Lande geleistet und sich demnach Verdienste um das Land erworben haben. Bei dieser Gc'egenhc t soll gezeigt werden, dass die rumänischen Juden das Recht haben, als ebenbürtige Rumänen betrachtet zu werden. Der General-Kommissar der Ausstellung, Mxmlnister Dr. C. Istrati, sagt in seinem Rundschreiben vom 17.Ah). Jutv über die Juden, sic mögen sich mit sämtlichen Akten, die sie z. B. von den versclredenen I.aiidesfiirstcn. Behörden oder von Konstantinipol usw. haben, ferner!11־: Schriftstücken, bctreffend die Vergangenheit ihrer Wohltätigkeitsverciuc und sonstiger Institutionen an der Ausstellung beteikgeu; sc sollen des weitern den Modus angeben, nach dem die Rabbiner und Schächter angesteül werden, und dabei die Schaffung eines inländischen Seminars ins Auge fassen, damit der Jüdische Klerus nicht nur der Landessprache ordentlich mächtig werde, sondern auch die Vergangenheit der Juden in diesem Lande kennen lerne. Der Kommissar fährt wörtlich fort; ״Wenn die Rabbiner nicht mehr aus Galizien und B c s s a r abien kommen, wenn die Juden iir ihrem Glauben nicht mehr von atavistischen oder fremdländischen Kulturen beeinflusst werden, sondern von der rumänischer, Hu ich überzeugt, dass die Annäherung zwischen uns und ihnen leicht und möglich werden wird, dass wir beiderseits verstehen werden, was unsere Aufgaben s'nd, um in ehrlicher und legaler Weise dem Wohle dieses Landes zu dienen." Ms wird also den Juden Gelegenheit gegeben werden, zu bcwe'scn, dass sie in Rumänien rieht erst seit wenigen Jahren ansässig sind, dass sie auf einer hohen Kulturstuie stehen und in hervorragendem Masse zur Mntwickiuiig des Landes beigetragen haben. In seinen folgenden Rundschreiben gibt Herr Brocincr verschiedene beachtenswerte Ratschläge. So z. B. kommen von den auszustcllcndcn Akten hauptsächlich in Betracht die sehr alten in hebräischer Sprache abgefassten des Benja min von Tudcla, welcher bereits im 12. Jahrhundert das Land bereiste und von den guten Verhältnissen der Juden berichtet, ferner offizielle und private Quellen des Landes wie auch der Türkei, die sich bekanntlich früher in die inneren Verhältnisse des Landes eingemischt!tat. D:c allermeisten Schriftstücke, die ausgestellt werden könneu, beweisen mit grosser Deutlichkeit, dass das jüdische Volk in früheren Zeiten mit einer fast väterlichen SorgiaU. ebenso wie alle anderen Angehörigen des Landes behandelt worden ist. Wir ersehen *ferner aus ihnen, dass d'e meisten heute hestellenden Städtchen den Juden ihre Entstehung verdanken, dass die Staatsobrigkeiten selber den sogenannten C11 acham-Bascha's der Juden grosse Gerichtsbarkeit über »hre Stammesgenossen gewährten, und manches andere voa grossem tatsächlichen Interesse. Wird durch diese Ausstellung eine regelrechte Sammlung und Ordnung dieser für die Gcsclpchtc der rumänischen Judenheit so wichtigen Aktenstücke veranlasst, so ist das allein schon ein nicht zu unterschätzender Gewinn. JÜDISCHE RUNDSCHAU