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Jüdische Rundschau · 1905-08-25 · Heft 34 (25.8.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 424 JÜDISCHE RU nicht mehr aufzuhalten, un'd das ist gut so. Nur durch Klarheit kann es zum Verständnis und zum Frieden kommen. Um zwei Punkte wird sich der — hoffentlich friedliehe — Kampf der Meinungen drehen: Um die Landfrage und das System der Palästinaarbeit. In ,der Landfrage hat der Zionismus es endgiltig abgelehnt, Sich von seinem Ziele im Sinne des Territorialisinus durch die augenblickliche Judennot ablenken zu lassen. Und das mit Recht. Für die Judeiinot würde ein solches Abschwcnkcn des Zionismus von kaum füll!־ barer Bedeutung sein, für die endgiltige nationale Befreiung 'des Judentums aber wäre es der Todesscliritt. Unser alter Grundsatz, dass wir uns nicht beirren lassen dürfen, gilt mehr als je. Es hat sich ,darin nichts geändert. Aber auch zu der Mittelpartei, die auf dem Kongress sich zusammcnschloss, müssen wir Stellung liehmen. Sie nannte sich die ״politische“ Gruppe — ein unpassender Name, denn sie hat die Politik nicht gepachtet und kann ihren Gegnern, der Majorität, nicht das Recht abstreiten, sich politische Zionisten zu nennen. Sie nennt sich jetzt H c r z 1 k 1 u b — ein 1111■ passender Name, denn wir andern haben gute Gründe zu glauben, dass wir Hcrzl nicht weniger nahe stellen als sie. Es ist überhaupt eine peinliche Sache mit dem Streit um die wahre Nachfolge Mcrzls. nachdem sogar die Landsuchcr sie sich angemasst haben. Lieber sollte man diese Mittelpartei, die Palästina als Endziel, aber ein Territorium als Mute. wiu, die Utraquisten nennen. Sie wollen den Kelch in beiderlei Gestalt. Aber man kann nicht lange nach zwei Seiten hinken, und die Entwicklung der Dinge lässt sich voraussehen. Die Utraquisten verfechten vorläuüg eine Theorie. Solange das Land, das ein Mittel zur Erreichung Palästinas sein soll, nur in ihrem Programm existiert, und solange sie für diesen positiven Teil ihres Programms nichts tun können, wird ihre Opposition nur dazu füllren, die. Stimmung für Palästina abflaucn zu lassen. Ihre Anführer werden mit gutem Gewissen ihre Anhänglichkeit an Palästina betonen — aber die Angeführten werden auf ein Territorium dringen, denn die Masse kennt stets nur ein Entweder— oder. Für die feinen Unterscheidungen der Utraquisten ist sie taub, und so führt der Weg wider besseres Wollen zum Territorialismus. Haben wir nicht genug an dein Beispiel von Uganda, wo es genau so ging? In der Frage der Palästina-Arbeit liegt die Sache ebenso. Die ״Politischen“ betonen die Notwendigkeit der rechtlichen Basis unserer Palüstinaarbeiten — auch wir tun das. Aber sie haben eine gewisse Schärfe, einen gewissen Spott gegen die Gegenwartsarbeit In Palästina überhaupt, und so wird ,der Erfolg ihrer Kritik nur eine Abneigung gegen jede Arbeit in Palästina sein. Freilich, hier ist es nicht zweifelhaft, wem der Sieg zufallen muss. Wenn einer dafür wirbt, dass gearbeitet werden soll, der andere, dass nicht gearbeitet werden soll, 'dann muss auf die Länge der Jahre der siegen, der für die Arbeit wirbt und sich an die Arbeitbegiebt. ' Bass die politische Arbeit nach Möglichkeit weitergeführt werden muss, ist auch nach dem Programm der Majorität so selbstverständlich, dass darüber kein Wort zu verlieren ist. Unsere Palüstinakomtnission bürgt uns dafür, dass diese Grundsätze beachtet werden. In ihr liegt, darüber kann sich niemand mehr täuschen, das Schwergewicht unserer Bewegung, von Jetzt an auch das führende Wort in der Leitung. Ueber NDSCHAÜ . . dem theoretischen Streite der Meinungen stellt sie mit der ruhigen Sicherheit dessen, der positive Arbeit leistet. Der Streit der Meinungen wird noch einige Zeit weitergehen, aber er wird sich um diese Axe anzuordnen haben. Still und unscheinbar, von den Ahnungsvollsten kaum beachtet, vollzieht sich indessen ein grosses Oeschehen: Der Zionismus beginnt sich 711 erfüllen, das jüdische Volk fängt an, von seinem Lande wieder Besitz zu ergreifen. Elias Auerbach. Danksagung Seit dem Kongresse ist mir eine so grosse Anzahl von Glückwünschen von Gesinnungsgenossen, Freunden, Korporationen, Vereinen und Verbindungen aus den verschiedensten Ländern zugcgangen, dass es mir unmöglich ist, jedem einzeln zu danken. Diese vielen Beweise von Liebe und Vertrauen geben mir die Zuversicht, dass ich für meine zukünftige Arbeit im Zionismus die nötige Unterstützung finden werde. Herzlichen Dank und Zionsgruss an Alle. Köln a. Rh. David Woliiso 1111. Der VII. Kongress Eine Erwiderung. Der Arf.kel von J. Becker, der in der vorigen Nummer unter der gleiche״ Überschrift ersch.en, ist zwar gut geme.nt und lässt insbesondere die Absicht, möglichst objektiv zu bleiben, unverkennbar hervo'rtreten. Auch gibt er, wohl als erster in der zionistischen Presse, eine .1m wesentlicher, richtige Situationszcichnung, die dem Fcm^iehcnden die eigenartige Parteigruppierung und vieles von dem äusseren Verlauf und sachlichen Ergebnis des Kongresses klar zu machen geeignet ist. Nur sind die Territorialistcn gar zu schlecht gemacht, und vor allem ist es tatsächlich unrichtig, dass die äusserste Linke ״von vornherein" die Absicht gehabt habe, den Kongress zu terrorisieren oder zu sprengen. Auch diese Wilden sind bessere Leute, als sie scheinen oder scheinen wollen. , Doch nicht Ehrenrettung der Territorialistcn oder ihres Standpunktes ist hier beabsichtigt. Wir politische Zionisten legen vielmehr Wert darauf, die Situation nach diesem Kongress so darzustelien, wie sie, von unserem Gesichtswiukel gesehen, erscheint. Die einzige Genugtuung, die wir vom Kongress heim nehmen konnten, bereitete uns die Tat- Sache, dass es gelungen ist, die Organisation zu erhalten. Aber das Tütigkeitsprogramm, das positive wie das negative, das dieser Kongress der Organisation vorge/c.ebnet hat, ist weit entfernt, uns mit Befriedigung zu erfüllen, hat uns vielmehr die dringende Notwendigkeit vor Augen geführt, mit allen parlamentarischen Mitteln auf eine andere Zusammen- Setzung des nächsten Kongresses hinzuarbeiten. Bedauerlich, tief bedauerlich muss auch für diejenigen, die nie für Uganda geschwärmt haben, die Form bleiben, in der dieses Projekt atgelehut wurde. Bet cutvger Überlegung muss jedem klar werden, dass es ein trauriges Defizit an politischer Konsequenz war, wenn der VII. Kongress denselben Vorschlag, den der VI. im Prinzip für diskutabel erklärt hatte, nunmehr prinzipiell für indiskutabel erklärte und dann, nachdem er so den früheren Kongress desavouiert hatte, dennoch für die Ablehnung auf den ungünstigen Expeditionsbericht sich berief. Schlimmer konnte das erste politische Debüt, das der Zionismus

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