Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-08-25 · Heft 34 (25.8.1905) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651428--02704-2659600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 423 1 n •» 1 » No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU ihm zwiefähig die Treue und ücfolgschcft zu leisten, die wir ui.serm Tliccdcr Herz! geleistet haben und über ,das (jrab hinaus wahren. Man kann eine eigene Meinung haben, kann sie üuss.eri! und verfechten und doch dabei der Leitung, die wir u.is selbst gesetzt, unverbrüchliche Treue wahre.!. Auch das ist ein Erbe von Herzl, das wir!acht auigeben wollen. Mit derselben Hingabe und mit noch grösserer Einmütigkeit als imseriti Theodor Herzl wollen wir dem neuen Führer folgen, den ׳das Vertrauen des Volkes auf seine Stelle berufen hat. Die Einigkeit der Partei ist im Baseler Programm und in seinem berufenen Vertreter, unserm selbstgcwäliltcn Führer, gegeben. Unsere Treue zum Pro-gratnni . wird. ihren Ausdruc!k finden in dem Gehorsam, de.) wir unserm *aeue.n P r ä s;i deuten entgegenbringen, und wir werden es nie ve rgessen, 'dass er an Hcrzls Stelle sitzt. Herzls Schlusswort zum sechsten Kongress, das er als politisches Testament uns hinterlassen hat. das Wolffsolm in unserer aller Namen schwörend an Herzls Grabe wiederholt hat: /נד. ינויגs־r. =אנ א*ג*:רך יר.״:י* ist die unerschütterliche Grundlage unseres Zionismus. Dies Programm wort wird uns leiten im scharfen Abwehrkampi mit den Gegiert! des Zionismus, ebenso wie bei der sachlichen Verständigung mit anders meinenden Gesinnungsgenossen. Auf diesem festen Grund und Boden stell! das Programm unserer neuen Lehmig, steht unser Programm, das wir nach besten'Kräfteii vertreten und verteidigen werden. •Former in re, stiaviter fn modo — aber sollten auch einmal in der Kampfcshitze die Worte w ider Wunsch und Erwarten ein wenig schärfer Werden, so ist uns doch um den Ausgang nicht bange, solange Zionisten auch Zidnisteu bleiben! Dann werden wir uns am Ende immer ,•wieder verstehen und gein einsam weiter arbeiten zum Gedeihen unserer Bewegung, d. h. zum W’ohlc unseres Volkes! Die Redaktion der JUEDISCHEN RUNDSCHAU. Nach dem VII. Kongress Ein Gebiet in Ostafrika wurde detn verachteten jüdischen Volke von einem der mächtigsten Reiche unter günstigen Bedingungen augeboten. Uhter brausendem Jubel, während der Kongress sich erhob, wurde das Angebot in Basel mit erdrückender Majorität abgelehnt. So epdete das grossmiitige Anerbieten Englands — ein seltsames Ende, würdig des Nachdenkens. Wer ein Verständnis hat für die Grösse, machtvoller Gefühle, der wird nicht ohne Ergriffenheit nach dieser denkwürdigen Sitzung aus dem Kongresssaal gegangen sein. Der Würfel ist gefallen, der Zionismus hat sich auf Jahre hinaus über die Richtung seiner Arbeit entschieden. Jetzt gilt es, die Lage zu erfassen, wie sic ist. und uns einzurichten auf die. nächste Arbeit. Was also sind die Ergebnisse des VII. Kongresses? Geht man die'Stimmen der Presse durch, dann muss in der Tat der Ausblick ein trostloser sein. Allgemein heisst es, mit Hcrzls Tode beginnt der Zionismus zu zerfallen. Schon der erste Kongress ohne Herzl hat wüste Szenen der Zwietracht gebracht, Parteien über Parteien haben sieh gebildet, Westeuropa scheidet sich von Osteuropa, für die nächste Zeit ist ein Ziehen nach zwei Richtungen innerhalb der Organisation zu erwarten. Selbst unsere Anhänger gehen beklommen einher und sprechen nicht gern vom Kongress. Einige v . Ilen segar, dass man vor der Ocfientlichkeit ihr. totschweigt. So aber steht es nicht. Mir ist der Kongress der wichtigste und zukunftsreichste seit dem ersten Baseler Kongress. Die Gefahr, dass wir zersplittern, war wohl vorhanden, aber der Kongress hat sie beseitigt. Einige Schlacken haben wir abgestossen; sie waren fremdes Metall, das, als wir die jüdischen Kräfte zur Prägung :euer Werte einselnnolzc1.־, nur durch ein Missverstandnis in den Zionismus hiueiugerateii war. Sie waren nie Zionisten. Der Zionismus hat das H i s t o r i s c 11 e und Nationale gegenüber de m O e k 0 ־ n 0 m i s c h c 11 betont und f e s t g e I e g t. Das ist das grösste Ergebnis des VII. Kongresses. Das ist es auch, weswegen uns alle die tadeln, die seit dem Auftauchen des Ugandaprojektes von einer Mauserung des Zionismus i.1 ihrem Sinne gesprochen hatten. Wir haben uns dieses Tadels nicht zu schämen. Niemals seit acht Jahren war der Zionismus einlieblicher als gerade jetzt, niemals war er sicherer über Ziel und Weg Das Verdienst, den Kongress vor einer babylonischen Verwirrung bewahrt und überhaupt verhandlungsfähig gemacht zu haben, gebührt dem festen Zusammenschluss der starken Majorität. Man mag über ihre Anschauungen denken, wie man wolle, dieses Verdienst v, ir i man ihr w ohl lasse,!! müssen. Sie war die Angel des Kongresses, und nur darum ist der Zionisnms nicht aus den Angeln gegangen. Die starke Hand war es. die wir brauchten, und ich stehe nicht an. meinen Dank zu bekennen für den Mann, der mit zäher Hartr.äckigkeit, durch die Gewalt seines Willens, Disziplin in die schäumende Masse brachte, für den verhasstesten Manu des siebenten Kongresses, Ussischkin. Wir weichen h ma.tchem von ihm ab, wir haben ihm mehr als einmal scharfe Gegnerschaft gezeigt, aber wir danken ihm die Autrechtcrhaltung des VII. Kongresses. Darum muss jeder, und zumal sein sachlicher Gegner, die empörenden Angriffe zurückweisen, die ein gewisscr Zionist Dr. Grünhut gegen ihn i:1 der Presse erhoben hat. Ussischkin bietet Angriffsflächen genug. Aber diesem lauteren Idealisten, der nicht mehr und nicht weniger als ein Menschenleben der Arbeit für den Zionismus geopfert hat und opfert, nachzusagen, das er aus niedrigen Motiven des persönlichen Ehrgeizes gehandelt habe, das ist ein Verbrechen gegen alle wahrlieh nicht zu dicht gesäten makellosen Charaktere in einer politischen Bewegung. Ussischkin war ein Programm; und wo die führenden Männer kein Programm verkörperten, da wfar Zerrissenheit und Chaos. So hat man auch die Rolle der deutschen Landsmannschaft auf dein Kongress aufzufassen. Der trübe Pessimismus im Hinblick aui die Zukunft ist am stärksten und am begreiflichsten in Deutschland. Denn es muss gesagt werden: Kaum eine andere Gruppe war für die prinzipiellen Entscheidungen, die fallen mussten, so schlecht vorbereitet wie die deutsche. Kaum eine andere Gruppe ist darum jetzt so ratlos gegenüber der veränderten Sachlage. Lind doch können wir den Optimismus haben, dass auch bei uns die tiefe Zerklüftung der Meinungen sieh zum grössten Teil durch eingehende Diskussion der Grundlagen imscrer Bewegung wird Ausgleichen lassen. Dass diese Diskussion innerhalb der Ortsgruppen, die von etlichen unter uns schon seit langem stürmisch gefordert wurde, von gewichtigen Stimmen bisher stets verschoben und niedergehalten wurde, dürfte der Hauptgrund der jetzigen Misere sein. Jetzt ist die Auseinandersetzung ״״r* "ווידיווי ד

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.