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Jüdische Rundschau · 1905-08-18 · Heft 33 (18.8.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 33 Seite 412 streiken und zusammenfassen: darum müssen wir gegen Jede I grosse Tätigkeit ausserhalb Palästinas sein. Nur wenn wir alle Kräfte einigen, das ganze Volk organisieren, dann werden wir schliesslich unserer Aufgabe gewachsen sein. Jetzt kommt man und sagt uns: es gibt ein Mittel, die Palastuiasache zu stärken; das ist, die Kräfte des Volkes von Palästina abzulenken! Diese Logrk verstehen wir nicht und anerkennen wir nicht! Dann müssen wir auch gleichzeitig folgendes wichtige Moment immer nicht vergessen: wozu desc ״Nebenarbeiten , dieser Ugandismus fuhren. Ein gutes Beispiel lieicrt uns Herr ־ Chasan. Herr Chasan, der von dieser Tribüne aus unser Land so beschimpft hat. hat am letzten Kongress von derselben Stelle folgendes gesagt: (liest im stenographische« Protokoll): Das Streben im Volke nach einem Staate in Palästina wird״ immer aufrecht bleiben ־und deshalb ist die Befürchtung nicht gerechtfertigt, dass durch den ostafrikauischcn Plan die Zionsidcc an Bedeutung verlieren könnte." (Gelächter, Pftii- Rufe.) An diesem Herrn Chasan sehen sie die Früchte, die Uganda gezeitigt hat! Sic sehen den direkten Ucbcrgang vom Ugandismus zum Territorial! stu u s. Wenn wir unsere Bewegung davon nicht befreien, so müssen wir noch viele solcher Früchte erwarten. (Lebhafter Beifall.) Mein Kollege Ussischkin hat hier ini Aufträge der 7.ionc- Zion eine Resolution beantragt. Diese Resolution entr * den einzigen Weg zur Heilung. Das ist der einzige Weg. den wir zur Gesundung unserer Bewegui'g von der zweijährigen Krankheit haben. (Lebhafter Beifall.) Wir. die wir diese Krankheit durchgemacht haben, sind vor einer abermaligen Infektion gesichert. Das ist. vielleicht, der einzige Trost. Öen ich. als Arzt, in der Uganda-Sache erblicken kam. Es kommen aber neue Anhänger: d;csc müssen wir vor der lnfektion schützen. Darum bitte ich Sie, diese Resolution anzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Nach Dr. Tschlcnov ergreift Herr Chasan das Wort. Der Kern seiner eiristündigeii■Ausführungen ist folgender: Unsere Bewegung ist im Stadium, ein Land zu suchen. Die Schwierigkeiten. Palästina zu bekommen, sind sehr gross. Das werden auch die Herren Zione-Zion zugehen. Die Landfrage ist unsere Lebensfrage. Wenn wir kein Laixl bekommen, degeneriert unsere Rasse, unser nationaler Organismus wird zerstückelt Das Objekt unserer Bemühungen soll nicht das Jüdische Land, sondern das jüdische Volk sein. Unsere Jugend sucht Arbeit. Sie, die ihr Blut auf russischen Schlachtfeldern vergesst, wartet nur auf die Gelegenheit. es für die Heimat zu vergiessen. Politische und praktische Arbeit in Palästina schliesscn sich aus. Wir reden im Namen der ökonomischen Interessen: Alles andere Ist Mystizismus und Romantik. (Grosser Beifall auf der Linken.) Sodann spricht Del. Stand, der gegen die Ausführungen Zangwills po!emis:ert und im Verlaufe seiner Rede betont, dass der Kongress wohl, wie der Präsident bemerkte, nicht nur ein Parlament, sondern auch eine Armee sei: dann aber müsse vor allem Disziplin gehalten, und cs dürfe recht gemeutert werden. De!. Wunderlich verweist darauf, dass auf dem letzten Kongress, als England, eine Weltmacht, mit den Zionisten in Verhandlungen trat, das jüdische Volk auf d'c Probe gestellt wurde, ob es sehen gelernt habe. Der heutige Kongress werde zeigen, ob wir’s gelernt haben. Man bedürfe des Ostafrikaprojektes schon darum, um von der Welt ernsf genommen zu werden. Abe r so n greift die Territorialsten ungemein heftig an, während diese ihn häufig durch Zurufe unterbrechen. Nach ihm spricht Dr. Stein, während dessen Rede es ebenfalls häufig zu Unterbrechungen und Reibereien zwischen den beiden Parteien kommt. Schliesslich verliest Redner eine Erklärung der territorialistischcn Minorität, in welcher es heisst, der ausserordentliche Kongress sei nicht kompetent und nicht berechtigt, in Bezug auf d:c Ostakikafragc irgend welche Beschlüsse zu fassen. Lärmszenen In der Nachtsltzung Am Sdilusse der 3. Sitzung des ausserordentlichen Kongresses über das Ostafrikaprolekt gab es eine brausend turbulente Szene, infolge deren die Leitung zwei Abstimmungen (Legitimationsausschussantrag •»ind OstafrikapHpjekt) auf die nächste Sitzung verschieben musste. Auf Leute, die an das Toben einer Menge um sich herum nicht gewohnt sind, mussten diese Szenen wohl einen kolossal aufregenden Eindruck machen, obwohl die Erfahrenen sich sofort sagten, dass nach dem Ausrauchen der Leidenschaften einige schärfere Massregeln dem Präsidium sofort wieder die Macht in die Hand geben müssten, wie es auch tatsächlich bei abgesperrter Galerie am Sonntag vormittag der Fall war. Etwa 20 De!cgierte im Saal, etwa 100 Gäste auf der Galerie waren an der erwähnten Szene bqteibgt. Schon bei den ersten Sitzungen über das Ostafrikaprojckt am Freitag war es stürmisch hergegangen. Aus der 120- Rednerliste wurden die wenigen Oeneralradner unter schweren Kämpfen gewählt Man fürchtete vieh aber der zielbewussten und energischen Leitung war es. gelungen, die Debatte trotz aller Erregung bis nach 2 Uhr verhältnismäss'g glatt abzuwickeln. Es war J£3׳ Uhr früh. Der Saal und die Galerien waren noch immer mit gespannt horchendem Publikum. dicht ge• füllt. Trotz der offenen Fenster unerträgliche Schwüle. Dr. Alex.;Marmor ek präsidiert und hält die Aufregung nieder. Der letzte Generalrcducr hat gesprochen. Bevor mail zur Abstimmung schreitet, bekommt Percy Baker das Wort zum Bericht des Legitimatiorisausschusses. Auch für 'diesen Bericht wurde Sturm erwartet. Unter den Zionistischsozialcn ytjd den Territorialsten herrschte grosse Aufregung gegen die Zione-Zion-Oiruppe (ungefähr 3C0 Mann), bei welchen angeblich das Wahlrcsultat künstlich beeinflusst wurde. W,;e cs damit stellt, kann aus dem demnächst erscheinenden Bericht des Legitimationsausscluisscs entnommen werden. Jedenfalls versuchten die Politischen und die Oppositionsgruppeu eine Debatte zu provozieren. Es sprachen drei Redner zur Geschäftsordnung, der Kongress lehnte aber durch Abstimmung dje Eröffnung der Debatte ab. Der vordere rechte Flügel des Saales war eingenommen von den Zione Zion, die während des Folgenden bis zulctzi kaum eine Bewegung machten. Auch die übrigen Delegierten hliebcn lange selbst ohne einen Zwischenruf ruhig sitzen. u»׳l die Szene spielte sich zwischen der radikalen Opposition, die etwa 20 Sitze ain äusscrstcii linken Flügel inne hatte, und der rechten Gallerieseite ab. sofort als der Kongress gegen Er- Öffnung der Debatte über die Wahlen gestimmt hatte. Etwa eine halbe Stunde schrie man aus Lcjbeskrättcn. dazwischen sang man russische Lieder, stieg auf Sessel, warf von der Galleric Flugschriften in den Saat und klopfte mit Stühlen auf den Boden. Dasselbe geschah auf der GaÜcrie. wo man noch Sukkurs holte und von wo aus noch etwa 20 Leute, meistens junge Mädchen durch eine Seitentürc in den Saal drangen und lärmen halfen. Zangwiil und Grecnbe.rg. die zur Beruhigung von der Tribüne herunterkamen, wurden auf die Schultern gehoben, aber das Toben hörte auch dann nicht auf. als das Bureau des Kongresses grösstenteils die Tribüne verüess und d:e Kronleuchter erloschen. Im Zwielicht der Wandlampen erscholl plötzlich der Ruf: Ussisclikin! und die Opposition machte geschlossen eine Bcwegung gegen die Tribüne hin. Man vermochte sie aufzuhalten, und nun ward unter den Zionc-Z׳on der Ruf: ״Auf die Tribüne!" laut und diese war int Nu von ihnen vollbesetzt. Endlich vermochten die besonnenen Elemente den allgemeinen Abzug im Dunkel zu veranlassen. Noch in der weiten Vorhalle des Saales gab es lebhafte. Szenen. Bis in den hellen Tag war das Kasino von Mcnschcnmassen in höchster Erregung belagert, von Schlaf war wohl hei den weivgsten mehr die Rede. Selbstverständlich war bei der nächsten Sitzung der ungestörte Verlauf der weiteren Verhandlungen gesichert. Die Sitzung endete mit dem Beginn dieser Szenen gegen 4 Uhr früh. Vormittags-Sitzung Die Abstimmung über das Ostafrikaprolekt. '■ Der Antrag des A.-K. lautete: I. Der VII. Zionisten-Kongress erklärt: Die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Baseler Programms, das ״die Schaffung einer öffentlich-rechtlieh gesicherten Heimstätte für das Jüdische Volk ln Palästina“ erstrebt, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbar- (ander ab. II. Der Kongress bcschliesst: Der Regierung Seiner britischen Majestät für das Angebot eines Territoriums fei Brltlsch-Ostafrika zu nt Zwecke der

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