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Jüdische Rundschau · 1905-08-18 · Heft 33 (18.8.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 410 JÜDISCHE RUNDSCHAJJ No, 33 nicht geschaffen, der historische Moment nicht gekommen. Das jtid;sche Volk musste wandern, von Land 7.u Land• Wie kam es. dass wir uns heute vor einer Krisis bcfinden und was ist der Beweggrund, dass wir. obwohl das Uganda-Projekt nicht angenommen ist. doch vor der Eunzen indischen und hichtjiidischcn Welt erklären, dass wir Territorialistcn Weben. Weil wir das Laud nicht wählen, sondern weil wir zu diesem Land durch die historische Notwcndigkeit getrieben ward•:!! sind. (Unruhe.) Nach einem Exkurs über die Bewegung unter Pinskcr und Herz! rührt Redner fort: .... ״ Was aus dem Zion smus geworden ist, das wissen alle. Sie wissen, welche Lehren uns ׳die 7 Jahre gegeben haben. Die grosse Hidisehc Bourgeoisie, an die man sich doch ebenfalls im Namen der nationalen Idee wendete, hat unserem Rufe nicht entsproclKMi. weder in Deutschland, noch 11 England, noch in Italic:», noch in Oesterreich. Sic wissen, dass Herzl sich zuerst auf die jüdische Bourgeoisie verlassen hat. Er hat geschrieben: W r werden uns an die Reicheil wenden. Die Reichen haben nicht geantwortet. Der Mittelstand, der nicht auswänderte, der nicht auswandern kann infolge der ökonomischen und sozialen Sielhing, an die er gebunden ist. hat getan, was er tun musste. Lr hat in den Zion smus hineiugetragen. was in seinem Herzen sicli befand, die Kulturfrage. Auf allen Kongressen wurde von der jüdischen Jugend die jüd sehe Renaissance, die Kultur- (rage zur Sprache gebracht. Das war eine Idee nach dem Herzen des Mittelstandes. Dafür waren die begeistert, die nicht ganz •»different geblichen waren. Der Zionismus hat eine Bark, einen Nationalionds geschaffen. Sie wissen, w ie gross er geworden ist, welche gewü Eigen Mittel ihm zu geflossen sind. In d..־sor Zeit entstand im jüdischen Volk eine neue Bewegung. Die Auswanderung fing von neuem an. Der heruntcrgckommcuc .Mittelstand musste auswaiidern und zu Arbeiten: werden. Leider sind diese wandernden Massen liier nicht genügend vertreten, fliese neue Auswanderung geht nach Frankreich. England. Amerika und objektive Beobachter konstatieren wiederum, dass d.c Juden dort nur existieren, weil sie sich ausbeutcii lassen, (wohnen sie doch zu 11־ in einem Zimmer, w o sonst 2 Platz fii den). Sie konstatieren als etwas noch W ichtigeres, dass sie nur Produkt onsw eisen betreiben die täglich mehr dem Untergang geweiht sind, wie das Handwerk und die Kleim'abrikation. Die Juden haben also dort kene materielle Gegenwart und keine materielle Zukunft. So kam cs. meine Herren, dass das Proletariat sich an die Jtidenfrage geweidet hat. Das jüdische Proletariat ahnt, dass die jüdische Bourgeoisie sich assimiliert und assimilieren wird. Das jüdische Proletariat weiss aber, dass sein nationales Streben, sein nationales Schäften. dass alles möglich sein wird, wenn das grosse jüdische Volk, die Millionen von Juden auf eigenem Lande zu freier Entwicklung gelangt sein werden. So kam cs. dass das jüdische Proletariat, den! das sozial-ökonomische Element Hauptelement ist. gar nicht so leicht d e Frage beantwortet hat, wie es die Herren getan haben. Das jüdische Proletariat hat gesehen, dass diese Frage sich gar nicht so beantworten lässt, wie die Leute cs getan haben, für die die Frage der Auswanderung, die soziale Frage, die v rklichc Umwälzung, der Uebergang von einem ökonomischen Verhältnis in das andere nicht in Betracht kommen. Das jüdische Proletariat hat gesehen, dass Palästina ein Teil encs lebendigen Staates ist. dass es ein Organ in einem Organismus, in einem Körper ist. der sich wie alle Organismen betätigt und der es doch acht erlauben wird, dass man von ihm einen Teil wegreisst. Das jüdische Proletariat sagt, dass die Türkei doch ein Land;st. die nicht, wie zum Beispiel die englische Regierung oder die französ'schc oder eine andere, Kolonien hat. die nicht hesetzt sind. So. meine Herren, kam es. dass Sic von diesem heutigen Tage eine neue zionistische Organisation haben. Wir sagen, dass zur Lösung der Judentrage in den Z01־:ismus als Zentrum die soziale Frage der Juden, die wandern müssen, die aus Russland noch wandern werden, die Frago der jüdischen Arbeitermassen gestellt werden muss. (Links grosser Beifall. Hüteschwenkei; auf der Gallcrie.) Do. Tschlcnow: Geehrter KotwVsst Ich habe die Aufgabe iibcrnommoii, י liier als Gcneralrediier aufzutrctcii n'cht in der Erwartung, jetzt diejenigen, die bisher noch keine Meinung über diese wichtigste Frage haben, überzeugen zu können. Zwei Jahre sind verflossen, seit in unsere Bcwegung ein neues Wort, eine neue Idee eingeiiilirt wurde. I1n Laufe dieser Jahre lialven wir fast mir eines getan. w־r haben darüber diskutiert und gestritten. Unsere Literatur, unsere Sitzungen. Delegiertcntage — alle waren dieser Frage gewidmet Und wer sich bis Jetzt über sie noch % keaic Meinung geschaffen, dem werden jetzt die Reden am Kongresse nichts bcibringcn. Wem ich aber dizse Aufgabe übernommen habe, wenn ich dem Willen niemer Freunde gefolgt bin. so war es nur aus der Pilicht heraus, unseren Standpunkt hier klar zu inatficn• und jene Folgerungen zu defiliieren, die aus diesem allgemeine» Standpunkte folgen. Ich habe noch eine Pflicht, eine konkrete Frage zu behandeln, das ist eben das Uganda-Projekt. Ucbcr Uganda werde ich nicht viel sprechen müssen. Die Berichte, die uns Vorgelegen haben, die auch in der WELT publiziert wurden, haben diese Arbeit sehr erleichtert. Wie Sic w issen, sind in den Ber chten Unterschiede da. Nach dem günstigsten werden wir. •nach Aufwand der grössten Kräfte und Mittel, nach Jahrzehnten vielleicht 20M00 Seelen dort ansässig haben: nach dem Berichte von Prof. Kaiser kaum 500•! Seelen und nach dem letzten auch das nicht erreicl.cn können. Se werden sich alle wohl erinnern, welche Hoffnungen mit diesem Kongresse verbunden waren: welche Hoffnungen die Freunde dieses Projektes in unserem unglückseligen und hungernden Volke erweckt haben. W'as ist schliesslich das Resultat? Wenn wir Jahrzehnte lang Kräfte und Mittel anwenden, dann werden wir. im besten Falle ein Fiirttel, vielleicht eit Viertel desjenigen erreichen, was unsere F.migratimt aus Russland allein in den letzten Jahren jährlich liefert. Zinn Zionismus als solch, n hat es keine Beziehung. Man könnte denken: Die Mohltütigkcits- oder Emigrationsgesellschatten werden sfcli damit befassen wollen. Sie wissen, es sind Schritte in dieser Richtung gemacht worum. Herr Wolffsolm hat sehr breite Fühlungen mit alle!» (icseilsciiaficn ׳genommen und cs haben sich nur wenige gefunden, de and: nur beraten w(»Ilten. Das i.-t auch!eicht zu begreifen. Die Idee, auf d;e wir uns stützen, haben diese Gesellschaften nicht. Ohne eine solche sind K״!״nisatio!!sprojekte n!1 grosse;: S:i'c nie durchführbar. Also die wollen es auch nicht. Ls bleibt uns nur eines übrig: das Projekt dankend aMehr.eu. Herr Sltire hat gestern, meiner Me'ntmg nach, sehr u!1recht gehabt, als er die englische Regierung tadeln wollte, sic habe in ihrem eigenen Interesse dabei gebandelt. Mejnu Herren! Wir bauen den politischen Zion smus eben nicht nur auf dem Interesse des JuJenvolkes. sondern gcwisscrmassei: auf dem Interesse aller Völker auf. Wir wissen ja. dass man uns in manchen Ländern rieht sehr gern hat. Nur wandten die Volker bis jetzt nur eine Methode an. uns zu drücken und zu verfolgen. E»;g!aml ist das erste Volk, das verstanden hat, dass der beste Weg ist. dem Judenvolke zu seiner Hehnstfitte zu verhelfen. (Beivill.) Wir wollen hoffen, dass, was England verstanden, auch die übrigen Völker verstehen werden und dann würde es uns viel leichter sein, unser Ziel zu erreichen. Wir hoffen auch noch auf weiteres: wenn England cinsehen wird, dass wir mir in Palästina unser Ziel selten, wird es bei diesem Ziele uns behilflich sein, (grosser Beifall) und auch irrt Interesse des englischen Volkes. Also von Uganda haben wir ־nicht mehr zu sprechen. Wir wollen und können es nur m t tiefem Danke ableimen. Nun kommt Mister Zeugwill und fragt: Ich bin auch geneigt zu finden. Uganda sei nicht ganz für uns passend. Man könnte uns aber ein besseres, grösseres I and Vorschlägen: was werden Sie dam: antworten? Meine Herren! Die Autwort, glaube ich. hat -Mister Zangwill gleiehzeit'*g dann schon ittt Saale verstehen können- Ich werde sie aber jetzt, in! Namen aller Z! »ne-Zionisten. klar und deutlich ihm sagen: Nein! (Bravo!). Ein anderes Land wollen wir nicht m:d können cs nicht annehuicn. W a r u m? Um das zu begründen,!miss ich mich leider in eine tlicorvtische Erörterung jetzt einlassen. Ich muss unsern Standkunkt begründe:’, wenigstens kurz. Ich kann mich jetzt nicht so ausführlich, wie es das Thema erfordert, verbre ten. Aber wenigstens die Grundursachen will ich angeben. Der Kernpunkt unseres Pro1׳rammes ist. dass wir fi;- das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina schaffen wollen. Wie stellen Sie sich eine ..Heim- Stätte für das Volk" vor. denken Sie wirklich, dass ״:׳ das ganze Volk, das auf allen Erdteilen zerstreut ist. wieder in einem Punkt versamme’n werden? Eine solche Konzentration des ganzen Judenvolkes ist. wollen wir /»lassen, möglich. Das ist alter eite sehr weite Aufgabe, über die wir jet/i natürlich nicht diskutieren können. Aber unsere nächste Aufgäbe ist die. — eine Heimstätte für einen Teil des Volkes zu schaffen, aber eine solche Heimstätte und in einem solchen Lande, dass s c die Lage des ganzen Wilkes, aller seiner zerstreuten Teile, im Grunde ändern wird. (Bravo!) Das jüdische Vok lut zweierlei Leiden: cs leidet sittlieh und leiblich, politisch und national. Sc'tJem wir unser Heim verloren haben, sind wir überall in der Minorität, überall

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