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Jüdische Rundschau · 1905-08-18 · Heft 33 (18.8.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No. 33 Seite 408 JÜDISCHE RUNDSCHAU sehes Gewissen, diesen Antrag entschieden abzulclinen und der Diskussion freien Lauf zu lassen. (Beifall und stürmischer Widerspruch). Präsident Dr. Nord au sc!reitet h erauf zur Abstimmung. Der Antrag aut Fortsetzung der bisherigen Diskussionsweise!wird mit einer di tickenden Mehrheit abgclchnt. Darauf erhebt sich ein tosender Beirall bei der Majorität und lauter Protest bei der Minderhe t. Grosse Unruhe und. Tumult. Die (Minorität protestiert immer heftiger. Delegierte schreien auf einander ein. Da es unmöglich scheint, die Verhandlung momentan fortznfiiliren, wird die Sitzung um |!i* Uhr aufgehoben. Nachmittags - Sitzung Um 3Vj Uhr eröffnet Dr. Nordau die Sitzung unter Bekanntgabe folgender Depesche: Von der Wüste des Stillen Ozeans sendet hcrzl ehe״ Gruss urd wünscht friedliche und erfolgreiche Arbeit Stephen W'ise. (Beirall.) Hierauf erklärt T c m k i n im Namen der Ziotie-Zion, dass dieselben auf die ganze Liste ihrer Redner verziehten und mit der Wahl von Ge11cralredr.cn! einverstanden seien. Die Gegner mögen soviel Redner aufstcllen als sic wolle.״. Das Wort erhält nun Delegierter Chasan (mit Beifall begriisst).■ Der Kongress geht zur Diskussion und Beschlussfassung über eirc wichtige Frage über, oder besser: über die wichtigste zionistische Frage. Wir werden auigcmidert. uns der Mehrheit zu fügen: die Forderung ist gerecht. Von verschiedenen Seiten ist wegen der Wahlen in Russland über die künstlich gemachte Mehrheit geklagt worden. Ich verlange, die Debatte zu eröffnen bezüglich der Wahlen in Russland; es muss festgestellt werden, wie es mit diesen Wahlen steht. Dr. Nordau: Die Mandate sind ordnungsmässig dein Legitimat onsausscl.usse zugewiesen worden und dieser wird nicht verfehlen, hier Bericht zu erstatten, sobald er seine Arbeit vollendet hat. Delegierter Shire: Hochverehrte Versammlung! Als englischer Delegierter will ich hier zur Opposition sprechen gegen die Ausführungen vytt Zaugwill. Herr Zangwill hat für die Annahme des Ostafrika-Projektes gesprochen mit Argumenten, welche seine Tendenz ganz verdecken. Er will, dass dieser Kongress das Ostafrika-Projekt aunehme. Als Fug-!ander sage ich Ihnen aber, dass, wenn wir dieses Projekt aunehmen, wir das englische Judentum in Gefahr stellen. Wenn auch• Herr Zangwili mit der Autorität eines bedeutenden Mannes zu Ihnen spricht, so sage ich Ihnen, dass seine Worte nicht massgebend sind; wem der Kongress das Projekt be- ״räbt. so wird das englische jüdische Volk dafür dankbar sein. (Beifallsrufe und lebhafte Proteste). Zur Besprechung des Ostafrika-Projektes hat sich in England ein Verein gegründet. In dem alle politisch.cn Parteien vertreten sind, und dieser Verein hat sich gegen das Projekt ausgesprochen. Ich komme zu dem zweiten Punkt von Zangwill. Wir müssen heute klarlegen, dass der Kongress nicht eine Veranstaltung des Judentums, sondern eine Veranstaltung des zlonistisehen Judentums ist. (Lang andauernder Beifall). Redner polemisiert, oft von lebhaftem Beifall und stürmischem Widerspruch unterbrochen gegen Zangwills Ausführungen. Er sagt im Verlaufe seiner längeren Rede: Herr Zangwill gibt uns sechs Argumente, warum wir seine Resolution annehmen sollen. In einem Argument sagt er: Uganda ist halt-way. ich sage: Es ist nicht der halbe W׳ e g. sondern der falsche W׳ e g und deshalb können wir die Resolution nicht anuehmen. Zangwill sagt: er wisse nicht, wann wir etwas erreichen können. Diese Frage hat sich schon jeder Zionist vor detn ersten Kongress gestellt. Wir kennen unser Ziel und werden es früher oder später erreichen. Wir brauchen nur an zufangen und das ״Wann" wird kommen. Zangwill spricht hier von der Armut von hunderttausend״! von Leuten, das ist Missbrauch. Ich meine nicht Missbrauch überhaupt, sondern in dieser Debatte. Die Zionisten sind her zusammengekommen, um zu denken und nicht von ihren Gefühlen zu sprechen. Eben deshalb, weil wir hunderttausenile armer Leute haben, sirfJ wir Zionisten, aber zu sagen, weif wir hunderttauseude armer Leute haben, müssen wir das kleinste Projekt amichntett. auch wenn nur wenig tausend Leute plaziert werden können, das ist eiuf.iclt ein Spiel mit Worten. Zaugwill sagt, wir müssten Uganda anuehmen, weil cs uns proponiert wird? Wir müssen zuerst bedenken, ob es gut ist für uns. Er sagt: •Wie wagen wir eine solche Offerte zu verwerfen, da wir so viel Armut haben. Urd er hat schon ein Ausnahmsgesetz geschaffen für die Armen, für das neue Land, welches er proponiert. Er sagt, die armen Leute können nicht hiittahren nach Uganda, es ist der Platz für reiche Leute. Zangwill will die Zionisten bekehren, cs ist besser er bekehre die Jltdeu. die noch nicht Zionisten sind, anstatt die Zionisten zu bekehren zum Uganda-Projekt. (Beifall und Widerspruch.) Mr. Zangwill (von anhaltendem Bc/fall empfangen) bringt einige tatsächliche Berichtigungen vor. Dr. Slouschz spricht zunächst über die Gruppe, der er angehört. Nie hat die Gruppe der politischen Zionisten das Basler Programm verleugnet, nie hat sie gedacht, einen andern Zionismus zu habet:! Wir sind mit Zion! Wir haben die Uganda-Frage nicht geschaffen, der Kongress hat sie geschaffen. Wir sind als Gruppe der politischen z:onistische!1 Organisation vor den VI. Kongress getreten; wir haben uns organisiert gegen die Kulturfrage, gegen den unwahren Demokratismus und gegen verschiedene andere Bewegungen, welche den grossen Kongress bedrohten. Wir haben immer auf dem Prinzip gestanden, dass der Kongress das gesamte jüdisehe Volk vertrete. Josef Co wen (von andauerndem Beifall begriisst): Meine Damen und Herren! Ich will keine Rede halten, sondern ein Amendement zurtt Vorschläge Zangwills cinbringen. Mein Amendement lautet: ״Der Kongress beseliliesst, der britischen Regierung seineu Dank für das Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika zum Zwecke einer jüdöeheti Siedelung auszuspreclien. Der Kongress bedauert, dass dieses Territorium, wohin er eine Expedition zur Erforschung gesandt hat, für ungeeignet beiunden wurde für die Bildung einer solchen Siedelung. Der Kongress ist überzeugt, dass die zionistische Organisation, sobald immer eine Gelegenheit sch dazu ergibt. Ko- Ionisation mit örtlichen Verwaltungsrechten in Palästina und in seinen Nachbarländern unternehmen soll, und in Ar.bc- »rächt, dass die britische Regierung die zionistische Organisation anerkannt hat. hat er das Vertrauen, dass sie auch!'erner ihre guten Dienste zur Erreichung des Z;cles des Zionismus nicht vorcntlialten werde.” Die Resolution wird russisch übersetzt. Cowen i'ügt daun hinzu: Es sind diesem Kongresse zwei Möglichkeiten Vorbehalten: Die Majorität kann mit Gewalt über die Minorität hinwcggV1,׳en: die Minorität kann eine Obstruktion führen, die dem Kongresse stark schaden kann. Die Resolution ist eine F r i e d cns r e s o I u t i o n. Aber ich bin kein Friedensstifter um jeden Preis. Deswegen allein will ich meinen Vorschlag nicht vorbringe״. Was ich will, ist das ursprüngliche Basler Programm ohne Aenderung (Stürmischer Beifall), und ich glaube, wenn Sie für .meinen Vorschlag stimmen, so haben Sie das! Chasan (von Beifall begriisst): Das Basler Programm wird falsch kommentiert, und falsche Kommentare dürfen wir nicht zulasscn. Das Uganda-Programm ist nicht die einzige Frage. Wir sind zwei Jahre lang terrorisiert worden, durch Agitation und in Zeitungen. Unsere Prinzipien sind vor der nichtjüdischen Ocffentlichkcit verlacht worden. Unser Zionismus hat ein soziales Motiv: er ist eine Frucht der Judennot. Int Osten wird die jüdische Bourgeoisie auf alle Weise in ihrer Entwicklung gehemmt. Alle Parteien, alle Klassen von Juden leiden gleicherweise darunter. Das wäre anders, wenn wir eit: egenes Land und eine eigene jüdische Gesellschaft hätten. Die Juden in Russland sind die grosse Masse des jüdischen Volkes. Aber r.un ist die Zeit gekotnmen, da auch in Osteuropa kein Platz mehr für Juda ist. Wohin soll die Auswanderung gehen. In irgend ein eigenes, unabhängiges Land! Dem jüdischen Volk fehlt nicht Palästina; cs fehlt bloss ein eigenes Land. Palästina ist ungeeignet durch seine Regierung. (Heftiger Widerspruch.) Man vergleiche die Kolonisierung in Palästina mit der in andern, freien Ländern. Argentinien usw., wo man uns alle Erleichternden gewährt. Wir wissen cs ja: die türkische Regierung isi einer politischen jüdischen Bevölkerung Palästinas altgeneigt. (Heftiger Wider- Spruch:) Der Zionismus muss von dem PaSüstinaprinzip losgelöst werden. (S t ii rmisclier Widerspruch.) Man nennt uns deshalb Verräter. Aber die wahren Ve r r ä t e r am jüdischen Volke sind diejenigen, die uns das unerreichbare P a I ä s t i n a als einziges Ziel 11 i n s t e 11 e n. (Grosser Lärm.) Nach den 7jährigen erfolglosen Verhandlungen mit der Türkei kam das Angebot der cuglisd.cn Regierung: El Arish und Osfairika. Die englische Regierung ist daran interessiert. ihre weiten Landstreckei! zu kolonisieren. Es ist also möglich, dass wir im einen oder andern Lande eine Konzessin!! bekommet!. Der Zionismus ist in Palästina schwerer zu verwirklichen, als m mideren Landern. (Rufe: Autizionist!) Unter der jüdi-

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