Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 33 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 407 Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Der Jüdische Volkskalender für das Jahr I90506'׳ — 5666 — ist erschienen. Wir haben von demselben für die deutschen Zionisten I0Ü0 Exemplare übernommen und geben diese zun! c rmässigte|1 Preise von 50 Pig., bei Abnahme von mindestens 10 Stück für •10 Pig. ab. Bestellungen! sind ausschliesslich an den Verlag Jüdische Rundschau, Berlin N. 54, Auguststr. 49a, zu richten. Der VII. Zionistenkongress I. Verhaiidluiigitag — Donnerstag, 27. Juli 1905 Vormittags - Sitzung Trauer-Rede Dr. Nord ans. (Siehe .1. R. No. 31.) Nachmittags - Sitzung Pr״gran!m־Rede Dr. Nord aus.— Rechenschaftsbericht des A.-K.. erstattet von Architekt Oskar Marmor c k. ־— Diskussion über den Rechenschaftsbericht. (Siche J. R. No. 31.) II. Verhandln igstag. — Freitag. 2S. Juli 1905 (Ausserordentlicher Kongress) Vormittags• Sitzung Bericht der Ostufrika-Kommission. erstattet von Prof. Dr. War bürg. (Siehe J. R. No. 3!-) — Diskussion des Ostat'rika-Berichtes: Reden Greenfcergs und Zangwills. (Sielte J. R. No. 32.) (Fortsetzung) Nach Zangwill erhält Sir Francis Monteiiore das Wort. Sir Francis M 0 n t i i i 0 r e (lebhaft begrfisst): Ich halte es für eine grosse Ehre, der erste zu sein, der in absoluter Opposition gegen die Resolut: :1 des Herrn Zangwill sich befindet, ich habe auch die Ehre niitzuteilcn, dass ich der grossen nationalen Bewegung sehr ergehen bin, indem ich auf ein gut ausgedachtes Kolonisationsprojckt einen grossen Wert lege, und dem Vorschläge der britischen Regierung den grossten Wert beilege. Zur gleichen Zeit ist mein Herz zum heiligen Lande gewendet, welches immer das gelobte Land der Juden bleiben wird. Ich glaube, dass meine Ansicht mehr durch das Gefühl als durch bloss-־ Ycruuntterwägungen begründet ist, aber ich glaube auch, dass wir beides haben müssen. Es ist notwendig, um ein Land zu kolonisieren, dass der Boden sowie das Klima günstig sind, aber neben diesen Sachen ist es auch notwendig, dass e ne Liebe für das Land, weiches zu kolonisieren ist, besteht. (Hört, hört!) Wie gross die Liebe des jüdischen Volkes zum Lande seiner Väter ist. ist ersichtlich, wenn wir einen Blick werfen auf den Verlauf der Geschichte. Seit der Zeit, seit demjenigen Momente, als wir unsere Selbständigkeit verloren haben, hat das jüdische Volk siel, immer zum Lande der Väter gewandt. Wenn schwere Zeiten über das Judentum hereinbrachen, war cs uns ein Trost, wenn gute Zeiten kamen, so war die Liebe zun! Almcnlaude das Mittel, welches das Volk ztisammeuhielt. Noch bevor Ostafrika vor de!1 Kongress gebracht worden ist, war cs die Liebe für Zion, welche die Juden aus allen Lünder!! zu diesem Kongress hergebracht hat. ln Iriihcren Tagen haben sehr viele Juden den Wunsch gehabt, nach Palästina zu gehen, um dort zu sterben, Jetzt ist de Zahl derjenigen gewachsen, dk• den Wunsch haben, nach Palästina zu gehen, um dort zu leben. Vorsitzender Dr. Nordau: Ks sind 120 Redner fiir di Ostafrika-Frage eingeschrieben. Fs leuchtet Ihnen gewiss ei! dass nicht 120 Redner zum Worte kommen können. Wi würden für diese Angelegenheit allein mindestens 20—2 Sitzungen notwendig haben. Fs is: deshalb unmöglich, utv es ist der Antrag gestellt worden, dass die Redner sich letz ui 2 Sälen Versammeln und zwar die Pro-Redner in einet und die Contra-Redner im andern. und dass je 4 General redner. zusammen also S, gewählt werden, de Im Namen de ganzen Redncrreihe sprechen werde:!. (Proteste. Lärm.) ^r״^ex•. Marm orek: Fs ist ein Missverständnis memc Herren I Ich bitte um Ruhe, Herr Df. Sy rk in! Mein Herren! hören Sie zu. (Anhaltender Lärm.)• Wo sind di urdner? Hören Sie doch zu, bevor Sie schreien, der An trag soll heissen — (Lärm) ich bitte Sic, zu Ihrem Präsidenten so viel Zutrauen zu haben, dass Sic ihn zuerst ausreden lassen, die Herren benehmen sich ungebührlich. Der Antrag lautet: Sie sollen die Zeit der Mittagspause dazu benutzen, cvcntl. Gcneralredncr zu wählen; damit ist doch nicht gesagt, dass die Debatte geknebelt wird. Vizepräsident Dr. Mar m orek verliest, nachdem wieder Ruhe eingetreten ist, die Liste der Redner, welche sich f U r oder gegen eingeschrieben haben. Dr. Bode»heinier (von Beifall begriisst): Ich spreche i mich gegen den Antrag auf Wahl von Gcneralrcdnern in dieser Form aus. Die Frage, vor der wir jetzt stehen, ist de wichtigste, welche diesen Ko 11 g r e s s und auch den VII. Kongress beschäftigt. Geber eine solche Frage direkt bei Beginn der Verhandlungen, noch ehe überhaupt eine freie Diskussion siel! entfaltet hat. durch de Wahl von Generalrednern zu entscheiden, wird den Eindruck hervorrufen, als ob irgend eine Meinung, die hier im Saale vertreten ist. unterdrückt oder geknebelt werden sollte. (Stiirmische Rufe: Sehr richtig!) Ich bin überzeugt, dass dies nicht die Absicht ■des Päsidiums ist. Allein inan geht in dieser wichtigen Frage von der gebräuchlichen Ordnung der Geschälte im Kongress ab, die darin bestand, dass man zunächst de Meinung der .verschiedenen Landsmann* sc 11 alten anhörte und dass man den Führern der Landsmanrschaften Gelegenheit gibt, die Anschauung der Landsmannschait hier ausführlich zu begründen. Wenn wir jetzt die 12U Generalredner cn bloc versam* mein, so haben wir keine Garantie dafür, dass unter den Gencralrednern die Vertreter der sämtlichen Landsmannschaften und Fraktionell befinden. Ich mache Ihr.cn daher folgenden Vorschlag: Wir benützen dese!,aase von einer Stunde, um eine Sitzung sämtlicher Landsmannschaften und Fraktionen abzuhalten. Dort werden Ic rach der Bedeutung einer Landsmannschalt Generalredner gewählt. Ich bitte Sie daher dringend, den Antrag des Präsidenten abzulchncn und meinen Antrag anzunchmen, der dahingeht, den Landsmannschaften sowie den Fraktionen jetzt Gelegenheit zu geben, unter sch über die Wahl von Generalrednern zu beraten (Beifall.) Delegierter Tri et sch: Fs hat sich gezeigt, dass uuge-!führ 73 Redner gegen u!:d 25 für eingetragen sind. Ich beautragc daher, dass die Generalredner proportional diesen Ziffern zum Wort kommen (Nein!) Ich beantrage, weiter, dass nicht mehr als etwa 12 Generalredner gewählt werden und. dass die Redezeit von vornherein beschränkt werde, dass dadurch der Abschluss der Verhandlungen über den Uganda- Vorschlag heute noch erzielt werden kann. Wir d e b a tticren jetzt zwei Jahre über den Uganda-Vorschlag, sodass wir heute nicht nötig haben, unsere Meinung zu klären. Die Meinungen sind schon fertig. Ich beantrage daher über diesen Antrag sofort zur Abstimmung zu schreiten, damit wir Zeit sparen. Daun mögen die Pro- und die Contraredner Zusammenkommen und Generalredner wählen. Dr. Deiches: Ich beantrage, dass wir. bevor wir an die Wahl der Generalredner herantreten. zuerst zwei hervorragende Vertreter der Zinne Zion sprechen lassen, ebenso wie wir zwei hervorragende Vertreter der andern Richtung augehört haben, die Herren Green borg und Zangwill. Ich hoffe, dass sie mit derselben Geduld an״ehört werden, wie die andern. Dr. Sy r kin: leb finde es sehr merkwürdig, dass hier ein derartiger Antrag eiugebracht worden ist. Gestern ist e:n plumperer Versuch gemacht worden, die ganze Diskussion iibers Knie zu brechen oder es überhaupt nicht zu einer Disktission kommen zu lassen (Protestrufe, grosser Lärm). Heute haben es sich die Herren Zione-Zion. denn von dieser Seite geht der Antrag aus, beszer überlegt und wollen durch ein mehr parlamentarisches Verfahren die Diskuss'on abbreche״. Ich appelliere an das zionistische Gefühl aller Anwesenden und an ihre politische Verantwortlichkeit. Wir stehen vor einer üusserst ernsten histor sehen Tatsache, von welcher nicht allem die Zukunft des Zionismus abhängt, sondern vielleicht auch die weitere Gestaltung der jüdischen Geschichte. Niemals standen solche ernste Fragen vor einem Kongress wie jetzt und da soll die Dskussion abgebroci.cn werden? Darum schlage ich Ihnen vor, mindestens heute noch und vielleicht auch den dritten Tag des Kongresses die freie D skussion fortzusetzen in der Reihenfolge, wie die Redner eingetragen sind. Wenn wir nachher den Eindruck bekommen, dass die Diskussion cinigcrmasscn erschöpft ist, dass die Ansichten mehr oder" weniger geklärt sind, dann kann man die freie Diskussion abschneiden und Generalredner gleichsam zu einem Rösume der Diskussion aufstellen. Ich appelliere darum an Ihr zioiüsti-