Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 398 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 32 allgemeine» Reformen, deren Gewährung auch ohne Erteilung I spezieller Charter die ökonomische Entwickelung des Landes j beschleunigen würde, während Punkt 5 spezielle Verträge mit der Türkischen Regierung verlangt, durch die eine Massenkolonisation ermöglicht und ein sehr schnelles Aufblühen des Landes gesichert wird. (Klatschen.) Haben' wir erst diese Prograiwnpunktc in Wirklichkeit unigesetzt.» so sind wir am Ziel unserer Wünsche, und dann j wird eine schnelle Entwicklung von Palästina bald genug den י Einwand Zangwills und der Territorialsten widerlegen, dass man in der Türkei nichts machen kann. Vergegenwärtigen Sie sich doch den schnellen Aufschwung von E,yptcu, Cypern. Algier, Tunis nach Beseitigung der administrativen und juri-, stisclien Hindernisse: ja selbst an den noch heute türkischen Gebieten Samos und Libanon können sie erkennen, dass schon die Einführung einiger weniger grundlegenden Reformen geniigt, jenen friedlichen Ländern des Orients die alte Blüte wieder zu geben. Meine Herren, ein besseres und iür die Juden geeigneteres Siedelungsgebiet als Palästina linden wir so leicht nicht nur müssen wir arbeiten. Geld sammeln und Geduld haben, wollen wir zum Ziel unserer Wünsche gelangen. (Bravo! HedAd! Langandauerndes Händeklatschen und HedAd!) Deutscher Delegiertentag (Base!, 25—26. üuli 1905) Eröffnungsrede Dr. Bodenheimers . Werte Gesinnungsgenossen! Unter einem emilorten Banner vereinigen wir uns heute. Immer aufs neue durcliwühlt der Schmerz unsere Brust, wenn wir des teueren Toten gedenken, dessen leuchtendes Vorbild unsere Begeisterung entflammte und uns immer neuen Mut gab. in dem harten, oft entnervenden Kampfe für unsere Sache auszuharren. Der Schatten des kommenden Unglücks ',er- ו düsterte schon unsere letzte Tagung in Hamburg, doch hefiten wir zuversichtlich, eine gütige Vorsehung würde das Schreckliehe abwendetv .Wir honten es, weil wir/ nicht glauben konnten, dass der unerbittliche Tod diese kraftstrotzenden Glieder mit seiner scharfen Siche! im besten Mannesaffer dahinmähen könnte. Widmen wir dem grossen Toten den Zoll unserer Trauer. Dann aber wollen wir uns aufrichten und sein und unser Werk vollenden, in seinem Sinne, wie er von den Märtyrern von Kischinew gesagt, ״lasst uns nun unsere lebendige Sorge den Lebenden weihen." — Ueber unsere Tätigkeit im letzten Jahre ist kurz berichtet. Als man im Mai 190-1 auf dem Dclcgicrtcntag zu Hambürg beschloss, für die deutsche Organisation ein Zentralbureau in Berlin zu errichten,, geschah dies nicht zum wenigsten) aus dem Grunde, um dem Zentralkomitee, das mit der Ausbreitung unserer Bewegung immer mehr belastet wurde, erneu Teil seiner Arbeit?bzunehmen. Man wählte Berlin als Sitz dieses Bureaus, weil dort die stärkste Ortsgruppe unserer Organisation besteht und sich eine Anzahl tüchtiger und arbeitsfreudiger Genossen zusammenfindert, die diesem Bureau die Arbeit in jeder Beziehung erleichtern konnten. Das Zentralbureau sollte vor allem das ausführende Organ unserer Organisation scm. während das Zentralkomitee ihre oberste heschlicsscndc Behörde darstelltc. Dem Zentralburcau sollte der Verkehr mit den Ortsgruppen und Distriktsbureaux, ur.d späterhin mit dem an Stelle der letzteren getretenen Ortsgruppenverbänden obliegen. Der Verkehr mit ausländischen Organ!• satione» und mit der Zeut/alteitung der Bewegung blieb dem Zentralkomitee überlassen. Nichtsdestoweniger hatte auch das Zentralkomitee, besonders im Anfänge dieses Geschäftsjahres, als man an eilten Verkehr mit dem Zentralburgau noch nicht gewohnt war. eine ausgedehnte Korrespondenz mit den Ortsgruppen und ihren Verbänden zu führen. Aber je mehr man sich in den Ortsgruppen an das neu gegründete Berliner Bureau ifcwölmte. desto mehr trat an Stelle dieser umfangreichen und verwickelten Korrespondenz für das Zentralkündige ein ständiger, regelmässiger Briefwechsel mit dein Zentrajburcau. durch dessen Vermittlung dann allmählich die Geschäfte der deutschen Organisation vom Zentralkomitee geleitet wurden. Zwei Mal landen in diesem lnhre Plenarsitzungen des Zentralkomitees statt, beide Mal in Kölg. um! zwar im August 190-1 und am 23J24. April 1905. Da die 15 Mitglieder des Zentralkomitees in alleji Gauen, im Westen. Norden, Osten und Süden unseres Vaterlandes ihre Wohnsitze haben, da sic den verschiedensten Berufen angehören, haben diese Zusammenkflnftc ihre besonderen Schwierigkeiten und die grossen Op'cr die einzelne Mitglieder hierbei bringen׳ ,müssen, stellen nicht unbedeutende Forderungen an die Selbstlosigkeit und Gesinnungstiiehtigkeit dieser Herren. Jedoch dürfte cs für die Zukunft nicht unbedingt notwendig sein, solche Sitzungen öfters im Jahre, cinzuberufen. da die einzelnen Mitglieder des Zentralkomitccs unter sich und besonders mit dem gcschäftsiührendcn Ausschuss zu KW« in regem brieflichen Verkehr stehen. Den Gegenstand der ersten Sitzung bildete eine freie Aussorachc über die durch den Tod unseres Führers geschaffene Situation. Es wurde ein Aufruf an die deutschen Zionisten beschlossen, zur Förderung des Nationalgcschcnkes für dessen Kinder. Sodann wurde die Einrichtung von 12 Ortsgruppenverbänden vorgenommen, da die bisherigen 5 Distriktsbureaux sich hei der Ausbreitung unserer Bcweguitf in Deutschland als unzureichend erwiesen haben. Es wurden die grundlegenden Bestimmungen für die Einrichtung des auf dem Dclcgicrtcntag beschlossenen Zentralburcaux in Berlin getrogen und dessen Vcrlü'.tnis zu den! Zentral-Komitee in Coln auf das genaueste geregelt. Scliliesslieh wurde auch die Frage der zukünftigen Gestaltung der Führung der zionistischen Bewegung einer eingehenden Erörterung utitcrzo'en. In der zweiten Sitzung, bei welcher 10 Mitglieder anwesend waren, wuede vor allem ein Aufruf ausgearheitet. der in No. 18 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU veröffentlicht wurde. Diese־ Aufruf sollte eine Grundlage ihr die Arbeit des VII. Kongresses bilden, eine Basis, auf der sich alle Strömungen im_deutschen Zionismus vereinigen könnten. Die vielleicht zu einfache Fornnd'crung war das «Ergebnis langer Debatten. Dieselbe fa!u auch den Bifail der Verfasser eines Flugblattes, welche die bisherige Politik eircr •scimfen Kritik unterzogen hatten. Obgleich der Aufruf in der Zionistischen Welt nicht allüberall die gleiche Zustimmung fand, bewiesen doch eine Menge eingelaufener Schreiben von Ortsgruppe!־ und einzelnen Personeti. die s׳ch mit ihm einverstanden erklärten, dass wir uns mit diesem Aufruf auf dem rechten Wege befanden. Es wurden sodann Beschlüsse über die Herausgabe eines Adressbuches eines A. B. C-Btiehs. irrte! über eine Neuees'ahung des Pressausschusses gefasst, dessen Tätigkeit einer lebhaften Kritik unterzogen wurde. Drei Beschlüsse bedürfen noch einer Erwähnt!!! ־, nämlich: 1. zu veranlassen, 'dass die Zahlungen für die Chaluka, srweit sie aus Deutschland kommen, durch die Auclo-Paletsinc Cornnanv bewirkt werden: 2. mit dem Verband deutscher Juden in Verbindung zu treten, um die Niederlassung jüdischer Akademiker in den Ost Provinz en. trotz der entgegengesetzten Bestrebung des Ostmarkenvcrcins «und des Marctikow׳ski-Veroins zu ermöglichen; 3. die Eintragung des Zentralkomitees als eingetragenen Verein durchzusetzen. Was die erste Anliegenheit betrifft, so konnten wir in dieser Sache leider einen Erfolg nicht verzeichnen, dagegen wurde ein Statut für das Zentralkomitee als eingetragenen Verein ausgearbeitet. Dieses Statut wurde dann allen Mitgliedern zur Begutachtung und, nachdem seine Fassung cudgültig testgestellt war. zur Unterschrift vor.elegt. Leider ist dasselbe unterwegs bei einem Gesinnungsgenossen, der verreist war. längere Zeit liegen geblichen, so dass die Eintragung vor den! Delegiertentag nicht mehr bewirkt werden konnte. Doch ist dasselbe jetzt mit allen Unterschriften versehen u.׳!d kann die Eintra fung sofort nach dem Dclcgicrtcntag machgeholt .werden. Ausserdem wurden auf der zweiten Sitzung des Zen- *tralkomitecs Beschlüsse gefasst über Schekelgelder, über einen Sonderabdruck der Rede Gronemamis über die Geigerscho Denunziation, ferner iiher Pelcgiertcutag. Presskomitee usw. Zum grossen Teil ist heute :.cbo!1 mit Hilfe des Zeutralhurcaus eine Ausführung dieser Beschlüsse bewirkt worden. Der geschüftsfiihreiule Ausschuss des Zentralkomitees un* tcrhielt mit den auf dem Hamburger DeUgicrteutag eingcsetztet! Spezialkumniissionen stüudi.e Beziehungen, forderte dieselben zur Berichterstattung auf und Hess es and! an Anreguugen jeder Art nicht fehlen, um die hier und da etwas säumige Kommission des letzten Delegiertentages zu regerer Arbeit anzuspornen. Das Zentralkomitee hatte im vergangenen Jahre eine grosse Korrespondenz mit verschiedenen ausserhalb des Zionismus stehenden Ot״anisationen zu führen, wie mit dem Zentralbureau \