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Jüdische Rundschau · 1905-08-11 · Heft 32 (11.8.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ו No. 32. JÜDISCHE.RUNDSCHAU Seile 397 Regierung schon jetzt ein, und wird es auch jederzeit begünstigen» so lange sie nicht die Befürchtung hegt, dadurch die Invasion anderer Orossmächte zu fördern oder eine politische separat stlschc Bevölkerung dort grosszuzichcn. Es ist unsere erste und wichtigste Aufgabe, stets und überall in dieser Riehtung aufklärend zu wirken und zu betonen, dass die von uns erstrebte administrative Autonomie nichts rnit poli.־ tischen Separationsgelüsten zu tun hat. (Bravo.) Ebenso wichtig aber ist es für uns, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu beweisen, dass wir durchaus nicht irgend einer der rivalisierenden Qross!nächte in Palästina Vorschub!eisten; und das können wir leicht dadurch zeigen, dass wir einerseits die Juden türkischer Nationalität in Palästina bevorzugen, und andererseits bui den wirtschaftlichen Unternehmungen, an denen wir uns beteiligen, wie bisher, 50 auch in Zukunft keiner europäischen Grosstnacht eine überwiegende Stel'ung einräumen. (Lebhaftes Bravo!) Was die Arbeit der Chowewe-Zk>n in Misskredit gebracht hat, ist nicht *das Ziel ihrer Tätigkeit, sondern die Art und Weise, wie sie es zu erlangen suchten. (Sehr richtig!) Das prin7in d.'r Wühltätigkeit ist, falls di? Mittel nicht ganz ausserordentlich gewaltige sind, wie z. B. bei der J. C. A., nicht imstande, Grosses zu erreichen, um so weniger, wenn die Gelder piarios verzettelt werden, wie es bei den Chowewe- Zion-Vereinen bisher meist der Eall war. Die Palästinaarlv.-it der Zionisten bewegt sich in ganz anderen Gleisen a's die jener Vereine. Mitleid. Wohltätigkeit, persönliche Unterstützung sind hier fremde Begriffe, hier handelt es sich stets nur um Organisatinn. Beispiele, Versuch.?, Schaffung der Grundlagen für Privatinitiative. Beteiligung an grosszügigen wirtschaftlichen Unternehmungen. Mag auch manche Arbeit vergeblich sein, das, was cirschlägt, trägt hundertfach Früchte. Oder wäre es nicht von Gewinn für die zionistische Idee, wenn Kunst,*;״ werbe und Hausindustrie in Palästina zur Blüte kommen, wenn wir eine genaue Landesaufnahme besitzen, wenn von Juden gegründete ,und kontrollierte Fabriken, Bergwerke, öffentliche Arbeiten usw. in• Palästina entstehen, wenn die Abarbancll- Bibliothek sich wirklich in eine Nationalbibliothek umwar.delte (Händeklatschen.) und sich daran ein jüdisches Nationalmuseum und eine jüdische Akademie angliedcrte, (Händeklatschen), wenn jüdische Mittel- und Hochschulen den Jesuitenschulen Syriens Konkurrenz machen und neben Medizinern, Apothekern auch Beamte für die Türkei ausbilden würden, wenn von Zionisten begründete. landwirtschaftliche uni technische Anstalten, sowie medizinische Untersuchungsstationen Zeugnis ablegen von der Kuituriühigkeit nicht nur des Landes, sondern auch seiner jüdischen Bewohner? Sind dies wirklich klein• liehe Objekte und sind die Bestrebungen, das zu erreichen, wirklich unnütze Spielereien? Man gebe nur allen Zionisten, ja allen jüdisch fühlenden Juden einen Anteil an der Palästinaarhcit und das wird nach Schaffung der nötigen Zentralen in Palästina schon möglich sein —• dann wird nicht nur der ungesunde territorrialistische Spuk in unseren Reihen schnell genug verschwinden, sondern der zionistischen Partei werden noch massenhaft neue Anhänger entstehen. (Bravo, Händeklatschen.) — Dass aber eine solche Beteiligung möglich ist, dafür nur einige Beispiele. Jede grössere Ortsgruppe sollte Besitzerin einer Orangen-, Mandel- oder Olivenpflanzung sein; die Pläne dazu würden von unseren Fachmännern in Palästina ausgearbeitet, das Land durch sie gekauft und verwaltet werden, aber immerhin würde die Ortsgruppe durch die Kontrolle und später durch den Verkauf öder Verteilung der Produkte an die Anteileigner seiir enge Beziehung zu Palästina unterhalten müssen. — Ebenso sollte jeder wohlhabende Zionist allein °der familienweise ein Stück Land in Palästina sein eigen nennen und durch unsere Fachmänner bewirtschaften lassen; und Angebote hierfür müssten unsere Vertrauensmänner machen und verbreiten. — Andere Gruppen •der Zionisten werden sich industriellen Aufgaben Irawenden,י sie werden Gesellschaften bilden zur. Errichtung von Mühlen, Odpressen, Ziegeleien, Zemcnäfabriken, Konservenfabriken, 'Brauereien, Brennereien, Stärkefabriken usw., hierbei unterstützt durch die Bank und die zionistischen Vertrauensmänner in Palästina. Auf diese Weise wird der jüdische ׳Einfluss in Palästina immer mehr steigen und schliesslich wird auch der nichtjüdische Teil der Eingeborenen, der ja schon jetzt grossenteils das Recht der Juden auf Palästina anerkennt, in stetigem Kontakt mit jüdischem Erwerbsleben, sich stillschweigend an die Klee gewöhnen, dass die Juden auch tatsächlieh wieder von ihrem Land Besitz ergriffen .haben. (Bravo, Händeklatschen.) Schon unsere bisher geringe Tätigkeit hat grossen Eindruck gemacht auf die nichtzfonistischc Welt, sowohl auf Juden als auf Nichtjuden. Viele, die unsern weiten politischen Ideen, d. h. der Erlangung Charters oder der administrativen Autonotnie fern stehen, erkennen . gerne die kräftige und zielbewusste Umsetzung unserer Ideen in die Praxis an, und tragen auch, dazu aufgeiordert, ihre Schcrflein dazu bei. Sie gehen zu, dass sie sich geirrt hatten, als sie vor Jahren dachteil, der Zionismus sei nur eine Seifenblase, die gehörig angcschwollen, zerplatzt ohne einen wesentlichen Rückstand zu hinterlassen, und beginnen cinzusehen, dass auch unsere Bewegung wie so viele ähnliche von idealen Gesichtspunkten ausgehenden Gcistesstimmungen, langsam aber sicher in die Bahnen einer zwar ruhigen aber um so erfolgreicheren Tätigkeit cinlenkt. (Bravo, Händeklatschen.) Also nochmals sei es betont, dass w ir unsere moralische Position durch systematische praktische Arbeit in Palästina ausserordentlich zu heben vermögen, dass wenn die Erfolge dieser Arbeit an sich in der ersten Zeit nicht sehr gross sein sollten, der in der Vermehrung des Ansehens unsere« Bewegung liegenufc indirekte Nutzen für unsere Bestrebungen von grösster Bedeutung ist. Also auch die rein politisch gestimmten Gesinnungsgenossen haben alle Ursache, unsere Palastinaarbeit als wichtiges Agitationsmittel aufs intensivste zu unterstützen. (Beifall.) In kurzen Sätzen festgelegt besteht unser — oder besser gesagt mein — Palästina-Programm in!folgendem: 1) Stärkung und Vermehrung des jüdischen Elementes in Palästina auf legalem unJ vertrauenerweckendem Wege, Erhebung und Kräftigung der in den Städten Palästinas darbenden Volksglieder durch Erziehung und Schaffung von Erwerbsgelcgenhciten. (Klatschen.) 2) Stärkung und Vermehrung dos jüdischen Einflusses ln Palästina durch Inbesitznahme oder Kontrolle aller wichtigeren ökonomischen Faktoren seitens jüdischer Korporationen und Personen mit Unterstützung der zionistischen Institutionen. 3) Schaffung eines Zentrums jüdischer Kultur in Palästina durch systematische Gründung und Ausbau aller hierfür nötigen Organisationen. (Bravo. Beifall.) *I) Erstrebung der fiir die Hebung Palästinas notwendigen Reformen in Bezug auf Verwaltung und Recht. (Beifall.) 5) Erstrebung eines Charters in Palästina auf der Basis administrative/־ Autonomie. (Lebhafter Beifall.) Wie Sie sehen, ist dieses unser Palästina-Programm, weit umfassender als die bisher aufgestellten. Dr. Kahn's kürzlich (in No. 28 der WELT veröffentlichte Leitsätze des Zionismus enthalten nur den Punkt 1 unseres Programmes, den wir wörtlich adoptierten und Herrn Ussischkius Programm ist im wesentlichen nur ein Agrarprogramm, während das unscrige in Punkt 2 sämtliche ökonomischen Faktoren umfasst und in Punkt 3 auch der Hebung der geistig?;n Kultur (Bravo!) in Palästina Rechnung trägt. (Trös hier.!) Die Punkte 4-5 unseres Programmes stellen die politischen Forderungen der zionistischen Partei dar, und zwar fordert Funkt 4 diejenigen I ׳1 I f t

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