Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 396 JÜDISCHE c. Wir gelangen schliesslich zur letzten Gruppe der wirtschädliche« Unternehmungen unserer Kommission, als da sind:!6. Die Organisationsarbeiten für die Gründung einer Farm für die Kischinewcr Waisen in Palästina. Für diese Farm wurde ein passendes Terrain bereits ausgesucht und erworben. 17. Die Institution einer ölbaumspendc, die, wie es Ihnen allen bekannt ist. den Zweck verfolgt, auf den vom Nationalfond erworbenen Ländereien, die sch speziell für die Pflanzung von ölbäumen eignen, solche anzubauen. Diese Idee fand bis jetzt leider nur bei einem Teil der zionistischen Welt den gewünschten Anklang. Es haben sich speziell die deutschen Gesinnungsgwiossen für den Vorschlag interessiert, während er mangels einer geeigneten Organisation ausserhalb Deutschlands wenig Ausbreitung gefunden hat. Bis jetzt wurden annähernd 1500 Bäume gespendet, und wir werden in der Lage sein, im Laufe des kommenden Winters die erste Pflanzung, auf einem dem National fand von einem Gesinnungsgenossen geschenkten Boden, anzulegen. (Beifall.) Naclvdem nunmehr die Statuten für die ölbaumsperrde in unseren offiziellen Organen publiziert worden sind und nachdem die künstlerisch ausgestattete Quittung, die Sie dort an der Tür sehen können, hergestellt wurde, und später zweckentsprechend unter unseren Volksmasscn verbreitet werden, ist zu hoffen, dass diese hochwichtige Institution sich weitere Sympathion erobern wird. Hochverehrter Kongress! Aus unserem Bericht haben Sie ersehen können, dass wir Im Laufe der Berichtsze.'t uns Mühe gegeben haben, nach Möglichkeit aut den verschiedenen Gebieten der Wissenschaftliehen und wirtschaftlichen Erforschungs- und Erschliessutigsarbeit in Palästina tätig zu sein. Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass unserer ganzen Arbeit ein gross angelegter Plan und ein System zu gründe legen. Selbstverständlich wären wir nicht imstande, das Pensum unserer Arbeit zu erledigen, .wenn wir nicht eine Reihe von treuen und zuverlässigen Mitarbeitern in Palästina und ausserhalb desselben zur Verfügung gehabt hätten. Wir halten cs für unsere Pflicht, an dieser Stelle besonderen Dark den Herrpn: Agronom A. Aronsohn, Geologen Dr. M. Blankenhorn, Agronom E. Kraus, Herrn E. Saphir und Ingenieur Treidel abzustatten. (Bravo!) Bemerkungen zum Bericht von Prof. Dr. Warburg. (Warburg mit lebhaftem Händeklatschen empfangen.) Meine Herren! Nachdem Sie aus dem Munde des Herrn Dr. Soskin einen detaillierten Bericht über die Tätigkeit der Palästinakommission erhalten haben, erlaube ich mir zur Einleitung der Debatte einige allgemeine und dann auch noch einige programmatische Gesichtspunkte über die Aufgaben der Palästinakommission und der Palästinaarbeit überhaupt Ihnen vorzulegen, die, wie ich Ihnen gleich bemerken will, meine per- Sönlichen Ansichten darstcllcn. Freilich werden sie grösstenteils auch von den andern Mitglieder der Palüstinäkonimission vertreten, und gewiss auch von manchen MitglidJcrn des Aktionskomitees, jedoch wird jeder wohl das eine oder andere daran auszusetzen haben. Um so fruchtbringender aber wird hoffentlich die Debatte hierüber sich gestalten, während sich über die positive bisherige Tätigkeit der Kommission naturgemäss nur wenig wird sagen lassen. Nur das hoffen wir, •durch unsere zweijährige Tätigkeit erreicht zu haben, dass auch der enragierteste rein politische Zionist anerkennen wird, dass die Arbeiten, wie sie die Palästinakommission in Angriff genommen hat, für die Partei absolut nötig und unentbehrlich sind. (Bravo, Händeklatschen!) Sie vernachlässigen heisst nichts weiter, als sie auf die Zeit nach Erlangung des Charters verschieben; aber es ist klar, dass man dann nicht viel Zeit für langwierige Studien haben wird. Will man also nicht ein grosses Risiko laufen, indem man durch den Charter Aufgaben grossen Stiles übernimmt. RUNDSCHAU____ Na | deren Tragweite man nicht kennt, deren Grundlagen man nicht studiert hat, so muss man sich schon vorher, d. h. jetzt, mit der Gesamtheit der praktischen Palästinafragen bekannt und vertraut gemacht haben. (Bravo, Händeklatschen!) Aber auch die Erlangung des Charters wird durch Inangriftnahme der jetzt schon möglichen wirtschaftlichen Arbeiten in Palästina sicherlich eher erleichtert als erschwert. (Sehr richtig!) Die Auffassung ZangwilLs, dass der Sultan, wenn Leute schon jetzt so dumm sind, für ihn zu arbeiten, sich hütein werde, ihnen Rechte zu gewähren,!eklet an einem logischen Fehler. (Bravo, Händeklatschen!) Sie würde richtig sein, wenn cs sich um ein kleines Arbeitsgebiet handelte, ich will sagen, um ein Gut, das schon jetzt völlig freiwillig ohne rechtlichen Kontrakt bearbeitet würde. Hier handelt es sich aber um ein ganzes Land, und was wir schon jetzt dort bcginnen können, ist im Verhältnis zum möglichen nur ein minimaler Bruchteil. (Selm richtig!) Hier gilt das Wort ״Der Appetit kommt heim Essen". (Bravo, Händeklatschen!) Sieht der Sultan erst, was wir können, und was wir zum Nutzen des Landes leisten, so wird er auch leichter unseren Wünschen zugänglich sein und ebenso die Mächte, die u!:s be׳ der Erlangung des Charters unterstützen sollen. (Klatschen.) Meiner festen Überzeugung nach können wir erst dann die Erlangung eines Charters erwarten, wenn wir die Grund’age;: wirtschaftlicher Arbeit in Palästina gelegt haben werden. (Lebhaftes Bravo und Händeklatschen!) auf die wir dann bei unserer politischen Arbeit hinweiseu können. Nur eine schon geleistete positive Arbeit kann uns den nötigen Kredit bei den verschiedenen Mächten verschaffen. (Brav״! Sehr richtig. Händeklatschen.) So lange wir nur unsora guten Willen beteuern ohne auf Taten weisen zu können, werden wir tauben s Ohren predigen und werden weder Glauben bei der Türkei noch Vertrauen seitens der Grossmächte finden. (Grosser Beifall.) Die Gegner dieser Ansicht suchen die Gcgcmvartsarbeit ' in Palästina als kleinlich zu entwehren und stellen sie dem schwächlichen Tun der Cliowcwe-Zion gleich; sie bestreiten, daas dieselbe unser Hauptziel, die Erlangung des Charters, wesentlich zu fördern vermöge, ja vielleicht sei sic sogar schädlich, da sic den Zionisten Erfolge vortäusche und sie so von der auf das Hauptziel gerichteten Arbeit ablenke. Aber ist es denn nicht eine allgemeine Wahrheit, dass man, bevor man eine Sache beginnt, sie erst studiert, und wenn man sie Reinigend erforscht hat, sie erst in kleinem Masse ausprobiert. (Bravo. Klatschen.) Der Rechtstitel, dass wir vor 2000 Jahren Palästina besassen, ist bei den Mächten a'11 sich und allein nicht wirksam genug, wir müssen uns dazu auch noch moderne Rechtstitel schaffen, und diese bestehen darin, dass wir den Beweis führen, dass w׳enn auch nicht de jure, so doch de facto Palüstina wirtschaftlich unserem Einfluss untersteht (Bravo, Händeklatschen.), und dass alle wesentlichen grösseren Fortschritte des Landes unserer Initiative und unseren ökonomischen Machtmitteln ihren Ursprung verdanken. (Bravo! Lebhaftes Händeklatschen!) Hier muss ich mich auch energisch gegen die zuweilen ausgesprochene Ansicht wenden, dass ohne Charter in der Türkei alles unsicher sei, und dass jede Arbeit daselbst durch einen einzigen Federstrich weggewisef.t werden könne. Ich will der türkischen Justiz durchaus keilt Loh’icd singen, dass aber flagrante Rechtsbrüche, wie Wegnahme von Immobilien, Schliessung von Fabriken, Aufhebung von Siedelungeu, Zer- Störung von Pflanzungen seitens der Regierung in dei Türkei häufiger Vorkommen, als in anderen Staaten, muss noch erst bewiesen wenden; und gegen Kriegszustände. Revolutionen, Bürgerkriege usw. niitzt ein Charter eben auch nichts. Dass das wirtschaftliche EiaJringvii der Judeai in Palänstina dbm Laude zum Vorteil gereicht, sieht die türkische /