Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 395 No. 32 JÜDISCHE RUNDSCHAU durch Hergabe seiner technischen Kräfte, mehrerer Dozenten, | für mehrere Vorlesungen aus dem Gebiete der technischen Wissenschaften, die Bezug auf Kolonisation haben. Ausserdem stellte das tcchnsche Institut Hörsäle und Dcmonstrations- Objekte, zur Verfügung. Unsere Kommission beteiligte sich persönlich durch seine Mitglieder und durch Hcrgabc von Demonstrations-Objekten, ferner durch Hinzuziehung mehrerer fachmännischer Kräfte, die Vorlesungen speziell über Palästina und den Orient hielten. Die Kurse waren zwar von 206 Personen besucht; leider aber waren unter diesen nur 50 Juden. (Hört, Hört!) Während der grösste Teil der Zuhörer ausser Studenten, der Köthcncr Bürgerschaft anaehörtc, waren von den jüdischen Zuhörern immerhin 15 von auswärts herbeigeeilt. Wenn also auch die Köthcner Kurse inbezug auf den Besuch noch viel zu wünschen übrig Hessen, so müssen sie doch immerhin als ein erster gelungener Versuch betrachtet werden, Akademikern in einer zugänglichen Form die• Wissenschaft über Palästina zu vermitteln. Wir nehmen an, dass ein zweiter Versuch in dieser Richtung, wie er soeben in Basel unternommen wird, von ,bedeutend grösserem Eriolgc gekrönt sein wird. Wir gewännen die Cberzeirdung, dass die Abhaltung von Ferienkursen ein mächtiges Mittel zur Verbreitung des Interesses a:t unserem Lande und unserer Idee bedeutet. II. Wir gehen nunmehr zur Berichterstattung über die 1)11־ terncli mungen wirtschaftlicher Natur über, bei denen wir drei grössere Gruppen unterscheiden: a) die Gruppe der eigenen Unternehmungen, b) von Vorbereitungen für Unternehmungen und c) O r g a n i s a t i o n von Unternehmungen. In die .erste Gruppen gehören: a. 8. Die landwirtschaftliche Erkundung itt K'einasien und Syrien, die vom Berichterstatter selbst int Oktober 190J bis Januar 1905 unternommen wurde. Diese Erkundung wurde von uns veranlasst in Verbindung mit der ״Deutsch-levaiitinischeti Baumwollgcsellschaft“ und hatte den Zweck, die Möglichkeiten der B a u in w o 11 k u 11 u r im südlichen Teile Kleir-asiens und in Nordsyrie« iestzustellen. Das Ergebnis war ein austührlicher Bericht, der unserer Bank übergeben wurde, sowie eine Sammlung zahlreicher Boden- und Baumwoilproben, die eine Analogie inbezug auf unser spezielles Gebiet, nämlich Palästina, gestatten. Im Anschluss daran fand ein mehrwöchiger Besuch Palästinas statt, bei dem ausser einer Reihe von laufenden Arbeiten, auf die hier nicht näher eingegangen werden darf, auch die Aussichten der Baumwollkultur näher studiert wurden. Uber diese ist nunmehr folgendes zu sagen: 9. Die Kommission unternahm auf Grund der Feststeilungen von Fachleuten, die ergaben, dass Baumwolle mit Erfolg in Palästina angebaut werden kann. Versuche zur Einführung dieser Kultur im Lande. Durch die Vertrauensmänner der Kommission wurden in verschiedenen Teilen Palästinas Vorsuche mit Baumwolle veranlasst, sowie auch in eigener Regie kleinere Mächen angebaut. Die Baumwollfelder versprechen einen befriedigenden Ertrag, und wir können wohl sagen, dass das erste Experiment in dieser Richtung als befriedigend angesehen werden darf. Wir werden selbstverständlich auch weiterhin der Frage der Ausbreitung der Baumwollkultur in Palästina unsere Aufmerksamkeit zuwendeu und sind überzeugt, dass dem Lände in dieser Kultur ein bedeutender Faktor wirtschaftlSchen Reichtums geboten werden wird. Im Laufe der hetdeu Berichtsjahre unternahm die Konimission vorbereitende Schritte zur Gründung einer iandwirtschaftlichcn Versuchsstation in Palästina. Vir haben schon mehrfach Veranlassung genommen, über die Notwendigkeit und Zweckmässigkeit einer solchen Gründung uns zu äussern, und weisen darauf hin, dass eine systematische Erschliessung eines Landes in wirtschaftlicher Beziehung ohne eine solche Versuchsstation unmöglich Ist- Wir war eh in der Lage, den hierfür er forderlichen Boden auszusuchen, sowie einen Teil der für d.e Gründung und Einrichtung notwendigen Mittel zu beschaffen. Die Errichtung der ersten landwirtschaftlichen Versuchsstation in. Palästina wird eine Epoche in der Geschichte unserer bisherigen Kolonisation bedeuten, denn sie wird ihr erst die wissenschaftliche und wirtschaftliche Grundlage schaffen, die ihr bis heute gemangelt hat. Ausserdem wird eine zukünftige Koionisationstötigkcit sich auf einwandfreie Ergebnisse aufbauen können, die ihr den Charakter einer planmässigen und systematischen Arbeit aufdrücken werden. Selbstverständlieh wird die Griidung einer einzigen Station noch lange nicht das letzte Wort in dieser Richtung bedeuten. Es werden später iür die verschiedenen Teile des Landes im Hinblick auf ihre verschiedenen Bedingungen besondere Stationen entstehen müssen. 11. Schliesslich gehört noch in die Kategorie der eigenen Unternehmungen wirtschaftlicher Natur die Begutachtung von verschiedenen in Palästina stattgehabten Bodenkäufen durch die Vertrauensleute der Kommission. Die Bedeutung solcher Begutaclnungen, besonders iür die wichtige Frage des Landerwerbs ist jedermann klar und so brauchen wir bei diesem Punkte nicht länger zu verweilen. b. Zu den Unternehmungen, die unsere Kommission vorbereitet hat. gehören die folgenden: 12. Wir nahmen Anteil in Verbindung mit unserer Bank an der Gründung der ״Paiüstina-Handels-Gescllschan‘* in Hambürg, sowohl durch persönliche Mitwirkung der einzelnen Mitglieder der Kommission an tfcn Gründungs-Verhandlungen, wie auch durch die Lieferung der erforderlichen wirtschaftlichen Unterlagen. Das Ergebnis dieser Arbeit war die Beteiligung unserer Kolonialbank mit 22 500 Mark an dieser Gesellschaft 13. Die Kommission nahm Anteil, ebenfalls in Verbindung mit der ״Jüdischen Kolonialbank**, an der ״Dcutsch-Levantinischcn Baumwoll-Gcscllschaft“. Diese Gesellschaft hat zur Aufgabe, die Baumwollkultur in Kleinasicu und Nordsyrien durch Regelung des Absatzes und Förderung des Anbaues zu entwickeln. Unsere ,Bank partizipierte an dieser Gesellschaft mit 25 OtKJ Mark, wofür sie die Zusicherung erhielt, dass auf der Baumwollstation, die zunächst in der Kilikischen Ebene gegründet werden soll, jüdische Arbeiter im Baumwollbau ausgebildet werden sollon. (Bravo!) Angesichts der von uns paralFel in Palästina unternommenen Baumwollkultur-Versuche ist wohl die Bedeutung einer solchen Beteiligung seitens unserer Bank einleuchtend. M. Einer ganz anderen Natur ist die durch die Kommission in Vorbereitung begriffene, ״Gesellschaft zur Einführung jüdischer Hauindustrie und Kunstgewerbe in Palästina“, die unter dem Namen ״Bezalel“ durch die jüdische Presse bekannt geworden ist und in zwei Vorträgen des Herrn Prof. Warburg während des Kongresses bekamit wurde. Diese Gesellschaft, die, wie aus ihrem Namen ersichtlich ist, die Schaiiupg von neuen Erwerbsmoglichkeiten iür die städtische und ländliche Bevölkerung zum Ziele hat, wird zweifelsohne einen kolossalen Einfluss sowohl auf die wirtschaftliche Lage, wie auf die Moralität der palästinischen Juden haben. Dieses Werk, welches seit einer Reihe von Jahren von dem Ihnen allen bekannten Bildhauer Professor Boris Schatz vorbereitet wird, wird in diesem selbst den berufensten und tüchtigsten Meister findet!. Wie Ihnen aus den Publikationen der Gesellschaft ״Bezalel" bekannt ist, begibt sich l’rof. Schatz demnächst nach Palästina, um mit der Ausführung des Werkes zu bcgituien. (Bravo! Händeklatschen!) 15. Endlich werden von der Kommission Erkundungen zwecks Bildung von Transport- und Bergwerksuntemehinungen in Palästina gemacht Der Charakter dieser Arbeiten gestattet vorläufig nicht, ausführlicher auf sie einzugehen.