Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-08-11 · Heft 32 (11.8.1905) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651426--02656-2659550
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ne. 32 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 393 3. Weil cs ausserdem die Rettung von Zehntausenden, vielleicht Hunderttausenden von wandernden Juden bedeutet und sie als eine orgauiserte jüdische Körperschaft auf eigenem Grund und »Boden erhalten wird. Diese jüdische Auswanderung ist eine konkrete Tatsache, jährlich verlassen hunderttausend das russische Reich. Warum sollen sie zerstreut und von fremden Zivilisationen verschlungen werden, welche ihr ganzes geistiges Wesen aus dem Geleise bringen? Sie werden zu einem gesünderen Leben herangezogen, körperlich und geistig, als in den übervölkerten Städten der alten und neuen Welt. Sogar die Herren Kaiser und Wilbusch geben zu, dass das jüdische Volk so v,ut wie irgend ein anderes fähig ist, einen blühenden eigenen Staat zu ti Iden. Sind wir denn weniger geschickt als die Leute, welche «in Sumpf und Wüste Venedig oder Australien oder N'eu-England oder sogar die Salzsee-Stadt gründeten? Dass diese Schöpfung die Er- Werbung Palästinas verzögern kann, ist möglich, aber die andorn Methoden sind nicht schneller und w\r hätten nicht den Trost der Selbständigkeit. 4. Weil wir von einem jüdischem Staate aus besser im- Stande sind, für den Zionismus zu arbeiten. Wir haben heute einige rührende Telegramme aus der Mandschurei erhalten. In einem jüdischem Staate werden w. r im Staude sein, unsere eigenen Geschäfte zu führen nur unterbrochen, wenn wir tüt England einzutreten hätten und nicht unterbrochen von irgend welchen Welthändeln. In unserem Staate werden wrr ungestört für den Zionismus 31 beiten, nicht nur direkt sondern auch indirekt, weil wir das bäuerliche und 1 iirtciielcineat aushildcn werden. Jas uns n Palästina nötig sein wird. In unserem Staate werden wir auch wieder lernen, uns selbst zu regieren. 5. Weil Sie. wenn Sie dem Sultan sagen, dass wir nur auf türkischem Boden arbeiten wollen, jeden Wettbewerb, jede Rivalität ausschaltcu und den politischen I’res Palästinas zu einer ungeheueren Holte emporschraubet!. 6. Mein letzter Grund ist der einfachste und der kürzeste, nämlich der. dass uns Uganda angeboten wurde und Palästina uns verweigert wird. (Grosser Beifall.) Der Kongress hat also eigentlich jetzt keinen praktischen rivalisierenden Plan. Wenn Sec das Ost-Afrika-Projekt ablehne:?, so werden Sie sich ireuen gerade so. als wenn Sie sich einen schlechten Zahn hattet: ziehen lassen: zu spät werden Sie steh erinnern, dass dies unser einziger Zahlt war! Die englische Regierung ist die einzLje in der Welt, mit der wir diplomatische Beziehungen haben. Wenn diese abge* schnitten sind, sind wir wirklich arm. Meine Damen und Herren! Sie sind alle literarisch geschult und keimen de Sibyllinischcn Bücher und w issen auch, was Shakespeare gesagt hat: Thcrc is a tide in the affa'rs of men Whicli taken at the flood leads on to fartune Omitted. all the voj־ages of lifc Are bound in shallows and in miseries. Das Leben rinnt uns in Gezeiten hin. Nützt Du die Flut, so trägt sie Dich zum Glück. Versäumst Du sie. so sinkt Dein höchstes Streben Stets in den Sumpf des Elends Dir zurück. Ich bitte Sic. darau zu denken, ehe Sie diese günstige Gelegenheit ablehncn. dass das die beste Gelegenheit ist, die das jüdische Volk seit 1800 Jahren gehabt hat. Bedenken Sie auch, dass viele unserer besten Zionisten zu Hause bleiben müssen, um ihre Hamiten gegen Angriffe zu schützen, weil sie Pogrome fürchten. Wir müssen vor den •iidischcn Massen der Verantw'ortlichkeit enthöbe:! sein, damit wir nicht auf unser Haupt die Blutschuld laden. Lehnen Sie aber dieses Angebot doch ab. so bitte ich Sie. das Basler Programm und ebenso die Statuten der jüd scheti Kolonialbank ungeändert zu lassen, damit wir mit Ihnen Zusammenarbeiten können, damit wir uns loyal der Majorität lügen können. In eine: geeigneteren Zeit werden hoffentlich unsere Ideen durchdrii gen־ und den Kongress be* herrschen. Ich frage Sie aber, wenn Sie zugebeti, dass die autonome Kolonisation doch ein Mittel sei — übrigens ist auch die Kolonisation ohne Autonomie ein Mittel, insofern, als sie Baueltntente schafft — wie dürfen Sie irgend ein Mittel, und sei es auch das kleinste, ablehnen, da wir in unserem engen Lager dir unsere so schwierige, fast hoffnungslose Arbeit so wenige Mittel haben? Lassen Sie. ich bitte Sie darum, die Möglichkeit bestehen, dass Sie. wenn alle anderen Mittel sich als nutzlos erwiesen haben, zu diesem Fels zuriiekkehren können, weil möglicherweise der Stein des Anstosscs zum Grundstein werden wird. אבן מעכו הבונים ד\~ה לךא3.פנה »Tosender Beifall und lebhafter Widerspruch). Bericht der Palästina-Kommission Wir lassen einen Bericht über den ausserordentliehen Kongress, der die O s t a f r i k a - F r a g e in negativem Sinne entschieden hat. in nächster Nummer folgen und gelben hier zunächst den* Bericht der Palästina-Kommlssion, der hi der Montags-Sitzung ,;von Prof. Dr. War bürg und Dr. S. Soskin erstattet wurde, während er gleichzeitig den Delegierten gedruckt vorlag. Montags-Sitzung (Vormittags) Bericht der Palästinakoimnlsslon erstattet von Prof. Dr. Otto Warburg. Auf den Antrag der Deutschen Landsmannschaft wurde bekanntlich auf dem VI. Kongress eine Palästina- Kommission eingesetzt, bestehend aus 3 Sachverständigen, deren Zweck in fünf Paragraphen festgeleyt wurde. Neben der Errichtung einer landwirtschaftlichen und technischen Versuchsstation, sowie eines landwirtschaftlichen uml technischen Auskunftsfnireaus, einer medizinischen Untersuchungs- Station und der Herausgabe einer Zeitschrift iür Palästina- Kunde, war der in § I festgclegte Hauptzweck: Die wissenschanliche und praktische Erforschung Palästinas und der für diese in Betracht kommenden Länder in wirtschaftlicher, technischer, rechtlicher und geographischer Beziehung. Bezüglich der Organisation der Kommission war die wichtL'Ate Bestimmung, dass sie ihre Aufgaben selbständig durchzuführen und dem A.-K. Bericht zu erstatten hat, und ferner, dass sie bei Beratung und Beschlussfassung über Angelegenheiten der P.-K. im A.-K. und den Jahreskontcrcnzeu mit beratender Stimme hinzu zu ziehen ist. Von Bedeutung ist nocli der Beschluss, dass die Kommission für 2 Jahre ein Budget von jährlich mindestens 15 000 Fr. erhält, sobald die unentbehrlichen laufenden Ausgaben gedeckt sind, aber nicht, bevor die Schekeleinzüge zur Deckung der unentbehrlichen laufenden Bedürfnisse hinreichen. Dass nicht nur zur Errichtung der verschiedenen Institute und für die Herausgabe einer Zeitschrift für Palästinakunde, deren Selbsterhaltung ,doch aui absehbare Zeit so tjut wie ausgeschlossen ist, sondern auch für die wissenschaftliche und praktische Erforschung Palästinas etc. erhebliche Geldmittel nötig sind, Hegt aui der Hand. Denn ein Bücherstudium über Palästina kann unmöglich die Unterlagen für wirtschaftliche Untersuchungen schaffen, deren wir bedürfen. Wir brauchen genaue Untersuchungen über das Land, in geologischer, agro-, nomischcr, meteorologischer Beziehung, wir sollen die Absatz- Verhältnisse in Palästina und die Bedürfnisse der dortigen Bevölkerung studieren, wir müssen die besten Märkte für palästinische Produkte ausfindig machen, ur.d die dort gebrauchliehen Geschäftsüsancen kennen lernen, um die Erntebereitung und die Art des Versandes den Erfordernissen der einzelnen Märkte aupassen zu können; wir wollen die einzelnen in Palästina angeführten Produkte studieren im Hinblick darauf, ob sie sich nicht dort selbst in konkurrenzfähiger Weise herstellen lasse*!, alles Dinge, die man nur durch Reisen, Studien an Ort und Stelle, Konferenzen mit im praktischen Leben stehenden Leuten, sowie vor allem durch Versuche und Experimente erfahren kann, nicht aber am Schreibpult in der Heimat. So ging denn auch im Jahre 1904 ein Mitglied hinüber, um für verschiedene brennend? Fragen in Palästina und den NacMaTländern die nötigen Untersuch un^n arrzustellcn, und auch #mst blieb die Kommission stets Ln der regsten Verbiudung mit Palästina, gründete dort meteorologische Stationen und befasste sich auch mit der Einleitung der in unserem Programni geforderten grossen Organisationen. Die Tätigkeit der Palästina-Kommission in Europa bestand im wesentlichen darin, eine Reihe der uns von Palästina

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.