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Jüdische Rundschau · 1905-08-11 · Heft 32 (11.8.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 392 J Ü DI SCH E RJJNDSCH AU No. 32 Aufgabe. Palästina zu erlangen. wie ־die Japaner die bestimmte Aufgabe hatten. Port Arthur zu nehmen (Beifall auf der Linken.), wenn wir auch nur auf friedlichem ״nS*Je Aufgabe lösen wollen. Wenn die Mauern Jerichos bloss dadurch fielen, das wir in Trompeten hinein bliesen, besonders, wenn es unser eigenes Schofar ist. dann hätten \vnr Palästina schon längst Wenn Palästina durch Bcrcdsanikckit zu gewinnen wäre, wenn wir für jede halbe Stunde Redens auch nur einen Quadratfuss Landes bekämen, so hätten wir nicht nur Palästina, sondern die ganze Welt erobert. Aber unglücklicher־ weise müssen wir Generale und Admirale haben, liier ist unsere Schwierigkeit wieder der embarras de riclicsse. Wir haben wenigstens 9 Napoleons und 10 Togos und jeder hat einen verschiedenen Kriegsrat. In dieser Verwirrung tue ich, was la auch das A.-K. getan hat. ich gehe an das Grab unseres wahren Napoleon'und Togo und frage unseren Herzl. was wir machen sollen. Er Ist tot seine Taktik aber ist uns bekannt. Herr Dr. Nordau hat gesagt, dass 20 Shilling einem Piund gleich seien, und dass, wenn wir auch Herzl verloren haben, wir doch das entsprechende Kleingeld haben. Ich kann hierin nicht mit ihm übcrcinstimmen. Das Kleingeld für einen Napo־ ieon ist doch noch kein Napoleon. ln Herzls Eeldzugspfan war cs. irgend ein anderes autononies Land als Mittel zu seinen! Plane zu benutzen. Warum? Weil mit den gegenwärtigen Kräften alle andern Mittel erschöpit waren. Der Kongress wird vielleicht sagen: wir wollen warten bis zu der Zeit, wo wir die geeigneten Krüitc haben werden. Das ist eine ־Meinung, die Berücksichtigung verdient. Andere wieder werden sagen.* ja wir wollen warteil, und zunächst einige von unser 11 jetzigen wenigen Kräften hinausdrängen. Ich gratuliere ihnen zu ihrer Weisheit. Herzl war aber wie Togo für Tätigkeit, gleichviel wie gross sein Heer oder seine Flotte war. Es gab einen Moment, wo Herzl sehr nahe dran war. den Charter iiir Palästina zu erlangen. Es ist ihm aber nicht gelungen. Was war dann zu tun? Mao musste offenbar ein anderes autonomes Territorium in der Nachbarschaft Palästinas zu bekommen suchen. Dies versuchte er auch. So versuchte er das El-Arish Territorium zu erlangen. Aber das Unternehmen scheiterte. Dann erst kam der Gedanke eines autonomen Territoriums ausserhalb der Nachbarländer von Palästina. Kr musste sich entscheiden, ob er dieses Territorium ablehnen wolle, uni Kleinkolonisation in Palästina zu treiben. So sehnsüchtig sein Herz an Palästina hing, so musste sein Verstand sich nach Airika wenden. Da das Basler Programm lautet: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte ־ in Palästina, hat Herzl eingesehen, dass dies weder öffentlich-rechtlich noch eine gesicherte Heim statte bedeuten würde. (Beifall.) Welchen Weg er wählte, es war immer eine momentane Abweichung vom Basler Programm. Deswegen hat keine Partei das Recht, die andere einer Verräterei am Baseler Programm zu zeihen. ־ Ich habe mit dem tiefsten Respekt die Broschüre des Herrn Ussischkiri ..Unser Programm” gelesen. Ich freue mich, dass unsere Rasse so edle Idealisten, solche herrlichen Traunier hervorbringt. Aber jedes Wort beweist, dass er nur ein Träumer ist und kein Togo. Sein Plan. Palästina zu erlangen, basiert auf zwei Voraussetzungen: der einen, die in ähnlicher Weise Dr. Nordau unseren! Herzl zugcschricben hat. über die aber Herzl hinausgewachsen ist, nämlich, dass Ussischkiri der Meinung ist. General Ussischkiri habe ein grosses Heer von Ussischkins hinter sich und zweitens, dass der Sultan der Türkei — ein Narr sei. (Gelächter.) Glauben Sie. dass der Sultan mit verschränkten Armen uns etwas wird nehmen lassen, was. er uns zu geben verweigert hat? Das ganze Europa kann den Sultan zu nichts zwingen. Wissen Sie. .dass in die jüdische Kolonialbauk in Jerusalem türkische Soldaten cindringen könnten und dass diese Baak, geschlossen werden könnte, wenn wir nicht die Möglichkeit hätten, die britische Flagge aufzuzielicji. Wir hören immer höhnisches Gelächter und Kritik über die Tätigkeit der britischen Regierung für den Zionismus, aber wenn die britische Regierung nicht wäre, so wäre der Zionismus überhaupt nicht im Stande, in Palästina etwas zu machen. (Beifall.) Um ein talmudisehcs Argument zu gebrauchen: Die Klein-Kolonisation in Palästina muss durch oder ohne politische Tätigkeit erweitert werden. Wenn wir keine politische Tätigkeit haben, so lassen wir das Basler Programm im Stich, wenn auch nur momentan. Aber auch nur dieser Moment w ird unsere Tätigkeit schwieriger machen, da der Sultan einsehen wird, dass er von uns nichts zu gewinnen hat. Aber wenn die Zione-Zionistcn anderseits sagen, dass parallc! mit der kolonisatorischen Tätigkeit in Palästina die diplomatische Arbeit fortgeführt werden müsse, so darf man nicht vergessen, dass parallel auch bedeutet, dass man in zwei entgegengesetzten Richtungen gehen kann: sie können entweder in einer Richtung gehen oder parallel der entgegengesetzten. Ich kann mich w mit zwei Fierdcn rascher nach einer Richtung bewegen, oder ich kann zwischen zwei Pferde gestellt werden; das eine Pferd zieht aber in der einen, das andere in der entgegengesetzten Richtung, so dass ich in Stücke zerrissen werde. Das ist unglücklicherweise die Lage in Palästina. Die Arbeit in Palästina ist der Diplomatie entgegengesetzt und die Diplomatie ist der Arbeit in Palästina entgegengesetzt. (Rufe: Sejir richtig und grosser Widerspruch.) * Diesem Dilemma stand auch unser armer Herzl gegenüber; entweder musste er die Tätigkeit in Palästina aufgeben oder die Diplomatie aufgeben und aus seinem politischen Instinkt heraus hat er sich entschlossen, die Tätigkeit in Palästina aufzugebeti (Beifall1 und Widerspruch) und den hochpolitischen Weg fortzusetzen: denn Herzl hatte damals schon die Krfahrung. welche Ussischkiri und wie ich fürchte, die Major tat der Zionisten überhaupt jetzt noch nicht besitzen: dass der Zionismus da ist. Bedingungen und nicht Dinge zu schäften. Wenn .wir meinen, dass cs unsere Aufgabe sei. ein Volk ökonomisch in künstlicher Weise aufzubauen. dann sind wir a;!i dem W ege zum Untergang, denn an dieser Klippe ist auch die JKA zu Grunde gegangen. Wenn die sämtlichen Millionen der Rothschilds und der Iiirsclt-Stiftung und sämtlicher Juden m einen Fonds zusanimengctan wurden, so würde cs uns dennoch misslingen müssen. Herr Ussischkin häuft e'ne grosse Anzahl von ideale:! Eigenschaften und sagt: wenn ein Volk dies meist alles besitzt, .so müssen alle seine Versuche, ein politisches Zentrum zu bi den. erfolglos bleiben.־• Da kein Volk auf der ganzen Ercc alle diese Eigenschaften besitzt, wie z. B. dass keine E person Gewinn machen dürfte durch den Verkauf von Land an Nichtjuden, oder dass unsere jungen Leute aus jeden! Land drei Jahre als landwirtschaftliche Arbeiter i!1 Palästina dienen sollen, deshalb sollte Herr Ussischkin sich von der Bewegung zuiückziehen. uud nicht Geld und Kraft seines Volkes w:- sdiwenden. Glücklicherweise sind solche Eigenschaften nicht uötig. Australien wurde mit Strähnigen gegründet. Es hat nie eine solche ganze Nation von Idealisten •im Laufe der Geschichte gegeben und sicher wir Juden sind es nicht. Unser Staat muss nicht aui Idealisten beruhen, sondern auf den! Katnpi gewöhnlieber Menschen um ihr Brot. Idealisten können bloss die Bedingungen geben: sic können Banner und Idee iiefer.o, sie können das Land gehen, die Freiheit und die Bedingungen für eine autonome Regierung — abej das ist alles, was irgend eine Macht auf Erden tun. kann. Sie haben keine Institut (»neu za schaffen. Sie brauchen sich nicht zu schämen, dass Sic nicht an jedem Kongress auf eine neue Kolonie oder eine neue Faktorei hin weisen können. Sic sind her. nicht um Dinge, sondern um Bedmgungai zu schaffen. Geben Sie dein Volk die Bedingungen. Es wird die Dinge schaficn. Alles was Sie zu tun haben, ist. zu zeigen, dass wir uns mit jedem Jahr den Bedingungen nähern. Dasselbe Missverständnis liegt der Idee zu Grunde, dass, wenn wir das ostafrikamschc Territorium atimihnien. wir Zionisten nicht die Mittel hätten, es zu entwickeln. Es wird sich von selbst entwickeln. Wir haben nur Bedingungen zu schaffen: keine Dinge. Und die wichtigsten Bedingungen haben \wr bereits geschaffen. Wir haben unserm Volk den Weg geebnet zu einem freien Leben auf freiem Boden. Die Meinung, wir müssten uns mit andern Körperschaften 'erbüiidcn. ist unsinnig'. Das würde eine zweite 1KA bedeute::. Das Volk muss den Staat gründen, nicht der Staat das Volk. So stimme ich mit Herzl iiberdn in der Ansicht, dass cn ostafrikanischcs Territorium als ein Mittel, um nach Palästina zu kommen, annehmbar ist. Ich gebe Ihnen 6 kurze Gründe an für meinen Entschluss: 1. Weil eine autonome Kolonie in Ostafrika bereits die Hälfte des Basler Programmes bedeutet. Es ist nicht Palästina selbst, aber <$ ist eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstatte. Man mag darüber streiten, ob es die wichtigere oder unwichtigere Hälfte sei', sicher ist es die schwierigere Hälfte des Weges. Ein Territorium zu erlangen, ist nicht schwer, aber die Selbständigkeit zu bekommen, nach 18 Jahrhunderte!! der Heimatlosigkeit wieder als eine Nation leben zu können das ist ungeheuer schwer. Und wenn wir diese Oelegeniie’t versäumen, so weiss ich nicht, wann wir eine neue haben werden. 2. Das Basler Programm verlangt die Stärkung des jiidisehen Selbstbewusstseins. Können Sie sich etwas denken, was besser diesem Zwecke dient, ais wenn eine jüdische Flagge über jüdischem Lande weht? Das wird Antizionisten und Nichtzionisten in Halhzionistcn verwandeln uud Halbzio!!:s:en werden bald ganze Zionisten werden. /

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