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Jüdische Rundschau · 1905-08-11 · Heft 32 (11.8.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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No. 32. Seite 390 JÜDISCHE RUNDSCHAU dieses Teiles der Propaganda und in Anbetracht der sorgfältigsten Pflege, bei der allein ׳er gedeihlich entwickelt werden kann, scheint es angebracht, zunächst einmal diese Lehre aus den jüngsten Ereignissen des VII. Kongresses zu ziehen. *b. Der VII. Zionistenkongress! III. Sitzung Freitag 28. Juli (vormittags). (Fortsetzung,) Die Rede Mr. J. L. Greenbcrgs: Der VI. Kongress beschloss gemäss dem Brieie, welchen Sir Clement Hill im Auftrag der britischen Regierung gesandt hatte, eine Kommission seitens der zionistischen Bewegung auszusenden, um mit dem High Commissioncr des Protcktorates von Ostafrika zu verhandeln und ein Territorium zum Zwecke der jüdischen Siedelung auszuwühlcn. das einer lokaten autonomen Regierung unterstellt werden sollte. Aber der Kongress unterlass es, die Mttel zur Aussendung der Kommission aufzubringen. was sofort grosse Schwierigkeiten verursachte: zwar war Dr. Herz! im Besitz einer Art von Vcrsprechen aus Südafrika bezüglich Fonds, die für ‘die Kommission genügt hätten, aber es wurde nichts daraus. Ebensowenig wurde etwas aus dem Versuch, den ich in London machte, ein kleines Syndikat zu bilde!׳, zur Ausrüstung der Kommission, in dem die Absicht bestand, dass die Beisteuernden zusammen mit dein Jewish Colonial Trust einen Anteil au dem Nutzen der eventuellen Konzession haben sollten. Die wohlhabenden Leute, an die ich mich wandte, begegneter/imr mit gemischten Gefühlen. Die Gewinnchance des Projektes überwog nicht das Unbehagen, mit einem zionistischen Plan .verknüpft zu werden, der auf der Anerkennung der nationalen Existenz unseres Volkes beruhte, während die Vorsicht, mit der sic stets an jedes Gcschäjt heranzutreten pflegen, ihnen .einen Platt verdächtig machte, au den die Zionisten nicht mir ihren eigenen Fonds herantreten wollten. So blieb die Sache bis zum Herbst 1903. Dann kam Charkow und die starke Agitation gegen den Plan und eben diese war es, die Dr. Herzl veranlasste, eine beträchtliche Modifikation des Anerbietens des Britischen Gouvernements zu erwirken. Anstatt die Kommission auszusenden, um die Regierung bei dem Aussuchen eines passenden Territoriums zu unterstützen, wurde ich beauftragt, die Regierung zu ersuchen, selbst das Territorium zu bestimmen. Ich gestehe ein, dass das ein Fehler war. und dass der volle Wert des Anerbietens der britischen Regierung dadurch verloren ging, und ich ging so weit, es Dr. Herzl nahe zu legen, dass er, wenn er nicht imstande zu sein glaubte, das ursprüngliche Anerbieten anzunelnnen. es besser für den Moment fallen lasse, um später au die Regierun׳r heranzutreten, wenn er die Kraft dazu gewonnen und die öffentliche Meinung dahin organisiert haben würde. Aber aus verschiedenen Gründen war Dr. Herzl ausser stände meinem Rate zu folgen und demgemäss trat ich an die britische Regierung in dem Sinne, in dem er es wünschte, heran. Das Resultat war, dass .am 25. Januar vorigen Jahres die Regierung uns nach der Beratuu:. einiger Abänderungen formell die 5000 Quadratmeter Meilen in dem Guas N’gischu Plateau anbot.. Dieser Vorschlag wurde dem Aktionskomitee am Anfang des verflossenen Jahres vorgelcgt und cs wurde beschlossen, eine Kommission hinauszuseuden, um dieses Gebiet zu untersuchen. Aber noch ־immer fehlten uns die Mittel für die Kommission, da nur eine kleine Summe von zirka 160 Lstr. zusammcngebracht war. ln diesem unbefriedigenden Zustand befand sich die Augelegenheit. als unser unvergesslicher Herzl 1111$ genommen wurde. Einige Wochen vor seinem Tode hatte er mir einen Brief mit Instruktionen geschrieben, in weichem er sagte: ״Ihr. meine Freunde, könnt jetzt eine Probe iür meinen Todesfall machen und die Geschäfte einstweilen ohne mich weiterführen.*• — Im• Vordergründe dieser Instruktionen stand die Aus- Sendung der Kommission nach Ostafrika, und dasjenige, was ihm augenscheinlich von. erster Wichtigkeit schien, war unausführbar. Das jüdische Volk — bedenkt dies, brauchte ein wenig Geld. Man kante leicht erkennen, weshalb Dr. Her/l solchen Wert auf die Kommission legte. Wäre er nicht imstande Gewesen es zu tun. so wäre unsere Bewegung zum Gelächter der Welt geworden. Man hätte uns in der Tat mit Recht ״Visionäre*’ neunen können, indem der Kongress einen Entschluss von solcher Wichtigkeit gefasst hatte und unsere Leute diesen Beschluss durch nichts unterstützen wollten ais durch Applaus in Antwort ruif Gegnerschaft. Das Judentum war in einer schlimmen Lage. Herzl tot. und das Ost-Afrika-Projekt. welches mit einem Schlage den Status unserer Bewegung in den Augen der Welt als ein praktisches Unternehmen gestempelt hatte, den Spott unserer Gegner und das Mitleid der uns Zuneigenden, wegen unserer Impotenz herausfordernd. ..Dies Volk“, hätte es geheissen, ,.welches es unternehmen wollte. Palästina zu gewinnen, hatte auch heschlossen eine Kommission nach Ostafrika zu senden. Fs haue sich unfähig gezeigt, diesen letzten Beschluss auszufiihreti: welche Aussicht hatte es in betreff der ersteren?" Und die Welt, welche nicht mit Partei-Differenzen rechnete, welche kleine .Meinungsverschiedenheiten nicht in Betracht zog. würde nur einen totalen Zusammenbruch bei der ersten praktischen Arbeit, die an uns gelangte, gesehen haben. — Nun wohl. Er, der über Israel wacht, schlummert nicht, noch schläft er. und die Erlösung kam von einer gänzlich 1111־ geahnten Seite. Kin Christ, der unserer Bewegung sympathisch gegenüber stand, trug mich im Laufe einer Unterredung, wann die Kommission .״ach Ost-Afrika gehen würde. ..Wenn wir das Geld haben.“ erwiderte ich. Und nachdem er sich nach dem Betrag erkundigt hatte, sprach er von andern Dingen. Mit der Post des nächsten Morgens erhielt ich ein Schreiben von diesem Freund, in weichem er sich erbot, die ganze für die Kommission erforderliche Summe — eiuUe IM IO Lstr. beizusteiiern: und unser guter Freund Herr Moser in Bradford stellte eine Gäbe von 200 Lstr. zu meiner Verfügung. Mit diesen Beiträgen und der kleinen iriiher gczeichneten Summe waren wir imstande, die Kommission zu ernennen, welche aus Major Gibbons, einem hervorragenden englischen Forscher. Herrn Kaiser aus Arbon und Herrn In- £e;:iet1r Wilbusch bestand. Die Kommission brach von Base! am 25. Dezember des veri pnigcfieu Jahres auf, fuhr direkt nach Mombassa und dann sogleich mit der Eisenbahn nach der dem Territorium am nächsten gelegenen Station. Sie erfreute sieb, jedes nur mögliehen Beistandes von Seiten der britischen Autoritäten und verweilte etwas über 6 Wochen in dem Territorium. Major Gibbons hat anscheinend den grössten Teil des Territoriums gesellen, aber man kann die Prüfung von höchst provisorischem Charakter betrachten. Die Kommission kehrte Anfang April nach Europa zurück und der Bericht wurde einige Wochen nachher veröffentlicht, noch rechtzeitig iür die Sitzung des Aktions-Komitees in Wien. Der Bericht besteht aus -I Teilen und kann beim Jewish Colonial 'i'rust gekauft werden. Drei Teile bestellen aus den Emzelberichten der drei Teilnehmer der Expedition und der Vierte ist ein Kommentar des Major Gibbons, des Leiters der Kommission, zu den Berichten seiner Kollegen. Als Resultat berichtet Major Gibbons, dass das Territorium in Bezug auf Klima und sanitäre Zustände sehr günstig gelegen sei. aber dass seine agrikultureilen Aussichten nicht so 1kdeutend seien, wie es die Britische Regierung offenbar gedacht hatte, als sie ihr Anerbieten machte. Dennoch ist er der Ansicht, dass eine kleine Kolonisation von einigen Tausend Personen ausführbar sei, und dass das Territorium, abgescheu von einem kleinen Teil, ein für Viehzucht und nicht für Ackerbau ereignetes Land ist. Kaiser berichtete im allgemeinen, dass das Territorium für eine jüdische Niederlassung ohne Wert sei und seine Meinung über die Aussichten der Gegend ist pessimistisch, was Juden betrifft. Wilbuschs Bericht über das Territorium lautet ganz ungünstig, von jedem Standpunkt aus er hielt es in jeder Beziehung iür wertlos mit Ausnahme iür die Eiligehorenen und wilden Tiere. Gibbons iibte eine sehr scharfe Kritik an diesem Bericht und erklärte, die Schlussfolgerungen von •Wilbusch iür durchaus nicht zulässig. Es ist unmöglich, in einem Bericht wie diesem die Details eines voluminösen Reports ausführlich wiederzugeben, und es dari gercditerweise erwartet werden, dass ieder. der über diese luKrliwichtige Angelegenheit sein Votum ahgibt. sich selbst mit dem Inhalt der Berichte der Expeditionsteilnehmer bekannt gemacht hat, die in der WELT und anderswo pub'iziert wurden. Es möge genügen, hier initzuteilen. dass, als der Bericht von dem Aktionskomitee, das iut April dieses Jahres zusammentrat, durchberaten wurde, es der einstimmige Beschluss des Aktions-Komitees in Bezug auf den Bericht war. dem Kongresse zu ־ empfehlen, sich selbst nicht weiter mit dieser Frage zu befassen, wühl aber bei anderen Kürperschaf־ teil, die in jüdischen Angelegenheiten interessiert sind, a'nzutragen, ob sie ihrerseits diesen Ost-Atrika-Vorsciiiag aufzunehmen gewillt seien.

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