Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3נ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3S5 einander, doch einigte man sich, als man sah, dass man keine grosse Expedition ausrüsten könne, sondern sich im Hinblick aui die zur Verfügung stehenden Geldmittel, au( das notwendige zu beschränken habe. Vor allem legten wir Wert darauf, dass die Expedition aus Männern bestehe, deren koloniale Erfahrung und dergn Ruf als unabhängige Leute über allem Zwciicl erhaben sei. und so viel die Wahl des Leiters der Expedition auf einen bekannten englischen Kolonialforscher. Major Gibbons, der schon mehrere grosse Expeditionen im tropischen Afrika erfolgreich durcheefiihrt hatte, deren Resultate in Buchform von ihm niedergelegt worden sind. Da durch diese Wahl für die Erforschung der politischen und allgemein geographischen Verhältnisse des Konzessionsgebietes genügend!?esorgt war, einigte man sich bei der Wahl des hauptsächlichen Begleiters aui einen Naturforscher. Alfred Kaiser, aus Arbon in der Schweiz gebürtig, der einen sehr grossen Teil seines Lebens in Afrika zugebracht hat. und besonders auch dadurch sich für diese •Expedition empfahl, dass er schon einmal das uns angebotene Konzessionsgcbict durchquert und seine Route in fcienauen Karten niedergeiegt hatte; er war also mit den lokalen Verhältnissen des in Betracht kommenden Landes so vertraut, wie cs bei den gegebenen Umständen möglich war. (Zwischenrufe: Warten Sie nur! Erneute Zwischenrufe und Unterbrechungen.) Präsident Dr. Nordau: Lassen Sie doch den Berichterstatter sprechen! Berichterstatter War bürg: Während Major Gibbons besonders ein Kenner der zentralafrikanischen Hochländer ist, besitzt Kaiser grosse EriaUrungen in Bezug auf die ostafrikanischen Hochländer nicht nur infolge einer mit Dr. Schüller und Dr. Schilling gemeinschanlieh ausgeführten Expedition in das afrikanische Stengebiet, sondern besonders auch durch eine längere Reise mit dem bcrühmten Afrikaforschcr Prof. Schwciniurth in die Hochländer von Erythraea bei Abessinien; da er sich ausserdem viele Jahre lang als Forsclnmgsreiscndcr in Ägypten und auf der Sinai-Halbinsel aufgehalten hat. so besitzt er auch gute Kenntnisse der wirtschaftlichen Verhältnisse arider resp. bewässerbarer Gegenden, während er andererseits in seiner mehrjänrigen Stellung als wissenschaftlicher Beirat der deutschen Nordwcst-Kamerungesellschaft auch mit der Produktionsuihig• keit des Wald- und Sawaimeugebietes Airikas sich hinreichend | vertraut gemacht hat. Schliesslich bemühten wir uns noch, l als freiwilligen Begleiter einen Zionisten und Kenner der! jüdischen Bevölkerung Osteuropas (Gelächter und Wider- Spruch), d. h. des für eine eventuelle Kolonisation hauptsächlich in Betracht kommenden Elementes, der Expedition beizugesdlcn. Wir hätten am liebsten als solchen einen praktischen Landwirt mit..esandt; ein solcher war aber in der Kürze der Zeit nicht zu erlangen, d. 11. wenigstens niemand, der sofort abkömmlich war und auch sonst den Anforderungen einer solchen Expedition entsprochen hätte. Unsere Wahl fiel deshalb auf einen Ingenieur. Herr N. W i 1 b u s c h e w i t s c h , einen Russen, der. seihst auf dem Lande aufgewachsen, sowohl als Sohn eines Mühienbesitzers als auch infolge seines Studiums besondere Erfahrung bezüglich der Wasserkräfte besitzt: auch hat er durch die Niederschrift der Ergebnisse einer technischen Studienreise nach Palästina hinreichend dokumentiert, dass'cr imstande ist. die vielen zerstreuten Eindrücke einer Expertise zu einem abgerundeten Gesamtbild zusammenzufassen. Seine Aufgabe war speziell, die technischen Fragen und Industriemöglichkcium des in Betracht kommenden Gebietes zu studieren. Wenn die Scblt1ssfr#'gcrum׳en seines Berichtes in manchen Punkten von Major Gibbons bcan- Standet wurden, so handelt cs sich dabei doch nur um solche tragen allgemeiner Natur, welche der eigentlichen Kompetenz von Herrn Wilbusclicwitscli nicht unterlagen: die Tatsachen und Schlüsse seines, die technischen Verhältnisse bchandc.’udcn Berichtes bleiben jedenfalls in vollem Umfange bestehen und wir können ihm nur dankbar sein, dass er uns so wertvolle ßrcicherutigen und Ve/vollstäiidigun.en der Ergebnisse dieser Expedition gebracht bat. (Beifall.) Mit der Entsendung der Expedition hat also die Tätigkeit der Kommission aufgehört; die Ergebnisse der Expedition wurden dem A.-K• sofort vorgelegt, und die Kommission wurde, unserer Auslegut!/. ihrer Tätigkeit entsprechend, nicht weiter zusammengerufeii. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) (Fortsetzung folgt.) Nach Schluss der Redaktion eingetroffen. Der VII. Kongress (P r i v a 11 c 1 e g r a m nt d e r ’ J ü d i s c h e n R u n d s c h a u.V Basel den 2. August. 8 Uhr 54 Min. Die Nationalbibliothek wurde vom Nationalionds übernommen und erhält eine jährliche Subvention von 4000 Fr. Für eine Herzlstittung in Palästina sind 993 Pfund, «für das Nationalgeschenk an die Kinder Herzls 8000 Pfund bewilligt worden. Die Familie Herzis erhält ausserdem 10 Jahre lang ein jährliches Ehrengehalt von 4000 Kronen. Die Debatte über Landkauf durch den Nationalfonds, sowie der Bericht des A.-K• wurden abgebrochen: dem A.-K. wurde Decharge erteilt. Die Akten der El Arish-Expedition wurden der Palästinakommissinn überwiesen. Ausserdem sprach sich der Kongress für die Einrichtung regelmässiger Palästinareisen aus. Die Leitung der Bewegung xvird in die Hände eines Kleinen A-K. von 7 Personen gelegt. Ort noch unbestimmt. Die Leitung erhält einen besoldeten General- Sekretär, der am Ort des Präsidenten wohnen muss. Neben dem Kleinen A.-K. iungiert ein Grosses A.-K.. das aus?!״Mitgliedern besteht. Von der deutschen Landsmannschait wurden hierfür die Herren Dr. Bodenheimer, Feiwel, Grone mann und als Steinerne er pr. A. Hantke präsentiert. Beschluss darüber morgen. Der Kongress wurde um einen Tag verlängert. Die General- Versammlung der Bank beschloss, iure Tätigkeit aui Palästina und die Nachbarländer zu beschränken. Vorlesungen über Palästinakunde Anlässlich des Kongresses und im Anschluss a!1 ihn wird in der Zeit vom 3.—10. August 1905 ein Zyklus von Vorlesungen über. Palästina, insbesondere über die geographischen, wirtschaftlichen, hygienischen und staatsrechtlichen Verhältnisse abgclialtcn werden. Der Zionistischen Palästiuakommission ist es gelungen, die Mitwirkung von Gelehrten und Fachleuten zu gewinnen. Das Rektorat der Universität Basel hat für de Vorlesungen Räume der Universität zur Verfügung gestellt. Es werden lesen: Prof. Dr.' B e r t h o I e t (Basel): ״Die Siedclungsverhältnisse Palästiuas in aittcstamentlicher Zeit־*. Prof. Dr. Furrer (Zürich): ״Geographie Palästinas mit besonderer Berücksichtigung der Kulturverhfutnisse־‘. Dr. Hillel Joffe (Jaffa): ״Palästina in sanitär-hygienischer Hinsicht". Dr. Leopold Kahn (Wien): ״Türkische Bodenrechtsverhältnissc". Prof. Dr. Marci (Bern): ״.Ausgrabungen t11׳d Funde 3! Palästina" (mit Projektionen). Dr. Alfr. Nossig: ״Die moderne Agrarfrage und die mosaischett Agrargesetze". Dr. A .Sandler (Breslau): ״Die hygienischen Verhältnisse Palästinas“. Dr. Soskin (Berlin): ״Die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas“. Prof. War bürg (Berlin): ״Palästina und Nachbarländer als Kolonisationsgebiet". Dr. A. Ru pp in (Berlin): ״Sozialwissenschaftliches zur Kolonisatioustrage". Zu den Vorlesungen hat jedermann Zutritt. Zur Deckung der Unkosten wird für sämtliche Vorlesungen eine Gebühr von 10 Fr. erhoben. Telegramm Dr. Bodenheimers an den deutschen Kaiser An des Karsers Majestät, Berlin, Schloss. Die in Base! versammelten deutschen Zionisten senden Seiner Majestät ihren untertänigsten Huldigungsgruss mit der Versicherung