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Jüdische Rundschau · 1905-08-04 · Heft 31 (4.8.1905) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 386 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 31 ihrer unverbrüchlichen Treue für Kaiser und Reich. Dr. Boden• . heimcr. | Antwortstelegramm Basel de Cadincn, Schloss, 436 39/3$ 27/7 12'54. An den Vorsitzenden des Zionistenkongresses. Herrn Dr. Bodenheimer, Hotel Univers., Basel. Seine Majestät Kaiser haben den Hirldigungsgruss der Delegierten der deutsehen Zionisten gern cntgegcngenoninien und lassen dafür uanken. Im Allerhöchsten Aufträge von Tseh'rschky. Kgi. Gesandter. —I Aus der Bevveguijg ן— Zur finanziellen Seite unserer Bewegung (Im Aufträge der Ortsgruppe Nürnberg-Fürth). Das finanzielle Ergebnis des Zionismus ist sehr gering Die Einnahmen des N.-F. können nicht befriedige!!. Fs ist durchaus nöt'g. mit aller Kraft eine Besserung herbeizunihren. Zunächst muss — schon zu agitatorischen Zwecken ein genauer Status des N.-F. von Zeit zu Zeit veröffentlicht werden. absolut notwendig ist es. einige Monate vor Zusammentritt des Kongresses. Bis jetzt hat weder der Fin/.elne. noch der Kongress eine Kontrolle über den N.-F. Geradezu haarsträubend ist die Verringerung des N.-F. durch die Eiusammelstellcn. Mau nehme Spendenverzeiclm sse zur Hand, und man findet Abzüge unter ..Spesen" verzeichnet, die 10 pCt., ja 15. 2U. ja 35 pCt. betragen. Ist es denkbar, dass die Porti diese horrende Höhe erreichen? Nein, es gibt eben Vereine, die mit diesen ״Spesen“ ihre cigcn.cn Vereinsspesen decken. Dazu ist der N.-F. nicht da. Der N.-F. ist he l *cs Geld. Unter keinen Umständen dar! irgend ein Abzug gemacht werden. Wer dieses Geld einzusauunch! hat. gleich ob Gruppe, ob Einzelner, wird die geringen Portokosten tragen können. Armselig ist das Verkaufsergebtiis von Bankaktien. Lu! es zu heben, hat man die Sharemarken eingeführt. Nun ist es merkwürdig, wie die einzelnen Sharemarken-Zcntralen die Kosten der Aktien — shareweise bezogen 11, ־ die Höhe treiben. Wir haben bei uns einen Share-Klub gegründet, aber so hohe Preise von Berlin diktiert bekommen, dass wir vor Erledigung dieser Angelegenheit durch den Kongress keine Marke beziehen. Wenn die Aktie einen Wert von 20,4» Mk. darstellt, dann muss sie, durch Stempel und Porti bei Sharemarkenbezug verteuert, wohl 21 Mk. kosten. Von Berlin aus wurde sie uns zu fast 22 Mk. angeboten. Eine solche Verteuerung der Aktien, noch dazu für die ärmeren Schichten, muss unter allen Umständen hintangehalten werden. Basel. Bisher sind für das Jahr 1904; 1905 ׳'n den 12 Gruppenverbänden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland an Schekeln bezahlt worden: 1. Ost- und Westp r e u ss e n 3S4; 2. Posen 24$; 3. Breslau 386; 4. O b e r - Schlesien 414; 5. Berlin, Brandenburg, Pommern 1110; b. K g r. Sachsen, Hansestädte 5»6; 7. Hannover. Prov.'Sachsen 618; 8. Rheinland- Westfalen 374; 9. Mannheim, Hessen, Hessen- Nassau 807; 10. Süd baden 203; 1U Eisass- Lothringen 239; 12. Bayern 341. “ Rundschau — Aus Russland Eine merkwürdige Proklamation Der Generalgouverneur von Odessa hat eine Prokla- ־mation folgenden Inhalts erlassen: ..Er habe in der letzten Zeit eine grosse Anzahl anonymer Briefe erhalten, durch die gewisse Personen als Sozial sten und Revolutionäre bezeichnet werden. Derartigen Briefen lege er keinerlei Bedeutung bei, sondern lasse sie vollständig utibeachtet, da sic seines Erachtens in den meisten Fällen von Leuten her rührten. d׳c aus persönlichen Rachmotiven diese Anklagen erhöben. Er habe aber auch eine Anzahl Briefe erhalten, die von Juden geschrieben seien und durch die die Polizei beschuldigt werde, einen Angriff auf die Juden vorzybereiteu. Dies sei nach seiner Ansicht vollständig unmöglich. und er verspreche, dass die Regierung jedenfalls nichts Derartiges dulden werde. Er sei aber erstaunt, dass die Juden es wagen, an ihn zu schreiben, da die Juden selbst alle Unruhen in Odessa hervorgerufen hätten und da man nur in jüdischen Häusern bei den Haussuchungen Revolver, Bomben und verbotene Literatur finde. Die Proklamation schliesst mit den Worten; ״Ohne die Juden würde kein Belagerungszustand, keine Beuuruiugtnr.en, keine ״Knjäs Potcn1kin“-Affnire vorgekommen «ein, und trotzdem haben die Juden nunmehr die Frechheit, Anklagen gegen die Polizei zu erheben!" Die Proklamation stinkt vor Hass und Geifer. Es ist nicht unmöglich, schreibt die FRANKFURTER ZEldieso Proklamation in gewissen Kreisen Odessas zu Angriffen gegen die Juden aufgefasst Folgen der Proklamation 1 Wie die Proklamation des Gouverneurs im Publikum pewirkt hat. geht aus folgendem vom 28. Juli datierten Telegranirn des B. T. hervor: ״Aus Odessa wird gemeldet: Ein Warnbrief einer Gruppe von Bürgern an alle fremden Konsuln kündigt für heute. Freitag, Nacht einen grossen, von langer Hand vorbereiteten Aufstand gegen die Juc’en an, bei welchem Arbeiter und Soldaten gemeinsame Sache machen würden, und der mit Vorwissen der lokalen Behörden ,ins Werk gesetzt wird. Die Bürger fürchten, die Sache werde ungeheure Dimensionen atmelimen. Da sie ausser stände sind, ihr und ihrer Mitbürger Leben zu verteidigen. Liren sie die Konsuln. Vorstellungen zu erheben, da nur so ein UtHtick verhindert werden könne: ein solcher Aufstand würde gewiss lücht auf eine Judenverfolgung beschränkt bleiben.“ Glücklicherweise scheinen sei: die Befürchtungen bisher nicht bestätigt zu!sahen, Uoberfalle auf Juden Der BRFSLAU.ER MO RCiENZf: ITUN('1 wird aus Sosnowice gemeldet: ״Täglich kommen hier Uebcnälle auf Juden vor. Es ist die Ansicht verbreitet, dass die Urheber es darauf absehen, einen Judcnkr!wall zu provozieren.” Neue Jucenexxe«St in Süd-Hus^*״nci Der B. Z. AM MITTAG wird unfern! 30. Juli telegraphiert: Im Städtchen Ryschkanofki 11! Süd-Russland fanden So:m- «abend und Sonntag blutige Judutex/.esse statt. Anlass zu den Unruhen gaben Streitigkeiten zwischen Reservisten und einem jüdischen Händler. Das ganze Städtchen wurde demoliert, den Bürgern wurde Hab und Gut geplündert. D:e Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. soll aber sehr hoch sein. Die Polizei verhielt sich während der Exzesse vollständig passiv. Konfessionalismus und kein Ende Der SONNTAGSGRÜSS. ein evangelisches Blatt, schreibt — und die GERMANIA stimmt ihm bei —: ״Konfessionalismus und ke:n Ende. Unter dieser Spitzmarke wendet sieh die FRANKFURTER ZEITUNG gegen Errichtung eines katholischen Kinderhortes. Wir wissen, wie dieses Blatt sich auch gegen jede Betonung des evangelischen Standpunktes! namentlich in der Schulfrage. wehrt. In derselben Zeit nun, wo die uns hinlänglich bekannte« Blätter gegen jede Geltendmachung christlichen Glaubens ankämpfen, lesen wir folgende Notiz: ' Jüdische Bibliothek und Lesehalle. Hier ist kürzlich ein Verein zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek und Lesehalle gegründet worden. Derselbe soll die jüdische und hebräische Literatur, insbesondere auch die periodische, unter Berücksichtigung aller Richtungen den weitesten Kreisen unentgeltlich zugänglich machen. Der Verein zählt jetzt bereih» über 100 Mitglieder, und cs sind ihm so reichliche Geldmittel zugenossen, dass die Lesehalle bereits in den nächsten Wochen eröffnet werden kann. Dem Vorstand gehören u. a. an Herr Direktor Dr. Adler. Herr Dr. Rudolf Geiger, Herr Dr. W. Hanauer, Herr Dr. Kaufmann und’ Herr Fritz So״dheimer. Die Herren sind auch bereit, Neuanmddungen entgegenzunelimen. W ir haben gar nichts, wirklich gar nichts dagegen, wenn die Juden, ihren Souderstandpuitkt behauptend, jüdische Kraukenhäuser, jüdische Friedhöfe, jüdische Schufen, jüdische Bibliotheken, jüdische Bäckcrvcrciiie und Metzgereien haben. Aber wogegen w׳ir uns wenden, das ist die ungerechte Art der ״doppelten Buchführung". Während man bei den Juden mit einem Anfluge von sentimentaler Hochachtung die Betonung ihres Glaubensotartdpimktes als geistige, sittlich-religiöse Energie fe ert. verhöhnt man cs üi einer gewissen Presse gewohnheitsuüissig als Borniertheit, Rückständigkeit und Unduldsamkeit und Herausforderung, wenn Christen ihr konfessionelles Recht fordern.“ Es ist schwer zu sagen, oh es sich hier um Heuchelei oder Dummheit handelt. Wir haben gewiss keine Veranlassung die FRANKFURTER ZEITUNG in Schutz, zu nehmen; aber der Vorwurf, dass sie jemals jüdische Sonderbestrebungen unterstütze, ist etwas stark. Wenn mau übrigens diese katholischen der i i TUNG, dass | als eine Ermutigung 1 wird.

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