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Jüdische Rundschau · 1905-08-04 · Heft 31 (4.8.1905) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 384־ JÜDISCHE 30, Juni des Jahres und Sic müssen cs also dahin ergänzen. Sie werden sich vielleicht interessieren,_ den Stand der Schekeleinzahler 5n den verschiedenen! Ländern kennen zu lernen. Ich glaube aber Ihre Zustimmung zu finden, wenn ich diese Zalilen 1bloss in der ״Welt” publiziere. Vize-Präsident Walflsohn. Die Mitglieder des Le־׳ gftimationsausschusscs werden ersucht, sich sofort im Kongressbureau zu versammeln. Das Wort hat Herr Ussischkin. Ussischkin (spricht russisch) setzt in ruhiger Weise auseinander. Üass der Zionismus auf dem Basler Programm beharren müsse, wie auf einem rocher de bronce. Die Ausführungen Ussischkins werden von den Terroristen und den ..Politischen” wiederholt stürmisch unterbrochen. Es gelingt Vize-Präsident Wolffsohn nur schwer, die Ruhe wicderherzuslellen. Dr. Weitzmann übersetzt — auch L>ege11 ihn als Übersetzer wird von der. gleichen Seite der gleiche Lärm gemacht —. Der Inhalt der Rede des Herrn Ussischkin war folgender. Wir müssen der Verirrung, die herrscht, ein Ende machen. Meine Freunde und ich können es nicht dulden, dass solche Verletzungen des Basler Programms stattfinden, wie sie stattccfundcu haben und wir schlagen die Annahme folgender Resolution, die von den zionistischen Zionisten beantragt wird, vor: ..Der VH. Zionisten-Kongress erklärt: Die Zionistische Organisation hält an dein Grundprinzip des Basler Programms, das die ..Schaffung einer öffentlich rechtlich gcsicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina” erstrebt, unerschütterlich fest und leimt — sowohl als Zweck, wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. Der VII. Zionistenkongress bringt in Erinnerung und betont, dass laut § 1 des zionistischen Organisationsstatuts ..die zionistische Organisation diejenigen Juden umfasst, welche sich mit dem Programm des Zionistenkongresses einverstanden .erklären־־ und macht die Leitung der Organisation für die Durchführung dieser Bestimmung verantwortlich. ־ (Grosser Beifall und W iderspruch.) Dr. Nord au: Von mehreren Seiten wird der Einspruch erhoben, dass der Antrag Ussischkin nicht an dieser Stelle zu verhandeln sei. da es sich jetzt um den Bericht des A. K. handle. Ich möchte Herrn Uss schkin ersuchen, seine Resolution auf den morgigen Verhandltmgs'ag (d. i. d. Ostatrikakongress) aufzuschieben. Ussischkin beharrt auf seinem Antrag. Dr. Nordau gibt hierauf Herrn Dr. א ossig das Wort zum Berichte des A-K-, während dessen langer Rede fast niemand zuhört, der Kongress sich aber allmählich beruhigt. Dr. Syrkin (z. Zt. Sozialist) remonstriert gegen die Erklärung des Präsidenten, spricht weiter, aber nach einigen Erklärungen meint Präsident Dr. Nordau: Ich will Ihnen ein Mittel angeben, ihren W illen durchziisetzcn. Beantragen Sie ein Misstraucns.votum gc:en mich. Wenn es ertc'lt wird, werde ich diesen Platz sofort räumen (Heiterkeit und grosser Beifall). Dr. Syrkin: Ich danke dem Herrn Präsidenten sehr, dass er mir das formelle Mittel in die Hand gegeben hat, das zu sagen, was ich eigentlich wollte Nun muss ich doch dieses Misstrauensvotum begründen. Ich gehe a!so über zur Beantragung eines Misstrauensvotums. (Rufe: Pfui! pfui! Herunter von der Tribüne! Sie haben uns versprochen, nicht zu reden.) Ja. meine Herren, von mir ist dieser Antrag nicht ausgegangen, sondern von unserrn verehrten Herrn Präsidenten. Es entsteht ein Tumult, der von den Territorialisten und au! der Tribüne von den Bundistiitnen organisiert wird. Endlieh fährt Dr. Syrkin fort, indem er sich gegen Ussischkin .wendet: Das war ein Versuch des Staatsstreiches, und meine Damen und Herren, zu unser aller Freude war es ein sehr plumper Versuch. Diesem Herr Ussischkin. dem so manches bei veränderter Situation im Zionismus gelungen ist. ist cs nicht gelungen, so ohne weiteres e:11c grosse Strömung im Zionismus, die so alt ist. wie der politische Zionismus, zu hintertreihen (Bravo). Nach dieser meiner kurzer. Charakterisierung des Verfahrens des Herrn Ussischkin glaube ich. dazu beigetragen zu haben, dass eine regelmässige Diskussion in Bezug aui dien Rechenschaftsbericht, zu we'chem ich persönlich keine Stellung nehme, eingelcitet werde. (Heiterkeit.) Hierauf spricht Schabotinsky. S c h a b o t i n s k y will besprechen, was das sei: politischer Zionismus. Wir haben ein Programm: ,.Der Zionismus”. Halien wir aber politisch gehandelt? Um politisch zu handeln, muss man Kräfte besitzen. Das hat Hcrzl bewiesen, der trotz aller Genialität, wie Dr. Nordau heute selbst sagte, aus Mangel vorhandener Kräfte ■nicht sein Ziel erreichen konnte. Wir müssen erst stark werden im eigenen Lande. Das sei seine Überzelt ung da er nicht ein Chowewe-Zion, RUNDSCHAU No. 31 sondern ein polit scher Zionist sei. Der Zionismus muss alle Interessen des Jüdischen Volkes umfassen. Redner bespricht das Ostafrikaprojekt und erklärt, dass Palästina mir aus eigener Kraft erreicht werden müsse, nicht als Geschenk. Krcmcnctzky: ..Ich werde mich in kerne Kritik einlassen, aber auf die zwei Icizteu Redner zurückkonunend, muss ich Ihnen sagen, dass beide ziemlich grosse Programme entwickelt haben. Zu diesen ist Geld notwendig, und nur zwei Vereine hahen sich gemeldet, die je!0 Pfund für den Nationalfond nach Basel sandten. Das wichtige Mittel, um unsere Sache weiter zu bringen, :st das Geld, das bitte ich sich strenge vor Au *ןןנ zu halten.“ Nach einer Rede Rüben sch iks und einigen geschältliehen Mitteilungen wird die Sitzung geschlossen. Die Trauerfeier in der Baseler Synagoge Um 12 (Uhr mittags begann der Akt in der Synagoge, wo sich bereits eine Stunde vorher viele hundert Personen. zumeist Delegierte von der Zione-Zion-Gruppc versammelt batten, in der Baseler Synagoge, wo eine Gedenk־ feier iiir Theodor Hcrzl 2! gehalten wurde. Das grosse A..K. war korporativ erschienen. Unter Leitung des Hr. Oberkantors Kaim (Mülhausen) wurden die Trauergesiinge evckut'crt. Nach dem Vortrag des Baseler Teuipclchores hielt Rabb. Dr. Niemirower eine kurze Trauerrede, in der er den toten Führer als den Mann feierte, der den Juden die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland gepredigt habe. ..Merket auf und rufet die Klagtfranen'־. iuhr der Redner dann fort. ״d׳e irdischen Mutter, 'die es ihm zu danken haben, dass ihre Söhne, die sich schon aui dem Wege zur Abkehr vom Judeatume befanden, wied.r zttriickkelirteti. Sie sollen sein Andenken heilig halten in unserem Volk«;!־' Nach der Trauerrede wurde das erschütternde ל “לא.% unter dem Weinen und Schluchzen der Anwesenden gesungen und hierauf das Kaddisch gesnmehen. Nach den; anschhess.:;;- den Müichagtbet wurde noclnrals das KadJfschgebc; \י Rabb. Dr. Niemirower gesprochen, das die Trauervcrs׳j;!:mhing mitsprach. III. Sitzung Freitag 2S. Juli (vormittags). Bericht der Ostafnka ־ Kommission, erstattet von Professor O. W a r b u r g. Auf dem Vf. Zionistetikongress gelangte folgender Antrag des A. K. zur Annahme: ..Zur Prüfung der Frage der Ansiedlung des von der engfischen Regierung so hochherzig in Aussicht gestellten Geb cters bescltliesst der Kongress, eine Kommission einzusetzen. Diese Konimission hat aus neu״. Mitgliedern zu bestehen, und cs ist ihre Auf! ■ahe. dem engem A. K. mit lediglich beratender Stimme zur Seife zu s'ehen hei Entsendung einer Expedition nach den zu erforschenden Gebieten. In d e Kommission gewählt wurden die Herren: Ingen. Kessle r. Ing. E 11 i n g e r in Soroki, Prot. W'arburg. Dr. Oppenheimer. Dr. W e i z m a 1! n . Cowen. O r e e n b e r g . Prot'. Dr. D e s s a u (Bologna) und Dr. A. M a r 11t o r e k (Paris). Als Vorsitzender dieser Kommission, erlaube mir. Ihnen über die Tätigkeit derselben einen kurzen Bericht zu erstatten. Vorher aber noch eine Bemerkung. Aus dem obigen Beschluss des V|. Kongresses geht nicht ganz klar hervor, ob die Konimission auch die Frage der Ansiedelung selbst prüfen oder ob sie nur bei der Entsendung der Expediton dem A.K. zur Seite stehen solle. Die Kommision selbst ist der Ansicht gewesen, dass nur letzteres gemeint gewesen sei. im Sinne der Auslegung von Dr. Hcrzl. der nach dem Protokoll erläuternd sagte: ..Endlich möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieser Antrag einen Antrag auf Erforschung und nicht mehr dars'ellr.“ Die Täti^eit der Kommission begann nun damit, dass die einzelnen Mitglieder derselben die ihnen bis dahin tinbekannte Literatur über die in Betracht kormmiide Gegend Ostafrikas studierten und eine Korrespondenz über die wichtigeren Fragen eingeleitei wurde. I ber die Zusammensetzung der Forsehungsexpedikoii gingen die Ansichten zuerst etwas aus-

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