Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-08-04 · Heft 31 (4.8.1905) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651425--02636-2659529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 382 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 31 Agitation auf .das ganze Land erstreckt und bereits schöne Erfolge aufzuweisen hat. ״, f Die deutsche Organisation hat ihr Wachstum der ausgezeichneten Tätigkeit der neugeschaficnen B e r 1 i n e r Zentrale zu verdanken und die Disziplin und Festigkeit der ganzen Organisation, ihre Rührigkeit und ihr Eifer sind besonders rühmend hervorzuheben. In der uns so gastfreundlichen Schweiz hat steh die Zahl der Schekclzahlcr zirka verdoppelt. Es gibt nach dem letzten Ausweise!360. Die schweizerische Federation besteht aus den Gruppen: Basel. Zürich, Bern, Luzern, Genf, St. Gallen, Biel. Baden. Endingen. Die grösste Gruppe ist Basel. Am 9. Ab fand bei allen Juden der Schweiz eine Sammlung iür den Nationalfond slatt, die so guten Erfolg hatte, dass die Tischah b’Aw-Sammlung als ständige Institution beibehalten werden soll. Die Sammlungen Iür den Nationalfond haben sich gegen das Vorjahr mehr als verdoppelt. Sic betragen 5000 Franken. Es verdient die Arbeit der schweizerischen Gesinnungsgenossen alles Lob. — . In Frankreich und Belgien, wo die Zahl der jüdischen Bevölkerung überhaupt gering ist. haben die autochthouen Juden, welche zumeist mit Glucksgütern gesegnet sind und iu hervorragender, gesellschaftlicher Stellung &icb beiinden, mit den eingewanderten armen russischen und polnischen Juden leider noch wenig Berührungs- und Vcrstiindigungspunkte gefunden. Die östlichen Juden aber sind zionistisch sehr rührig. Neben den Pariser Vereinen, welche alle Schattierungen int Zionismus repräsentieren, bestehen noch Vereine in Montpellier, Versailles und Nancy, und die Leistungen der Zionisten auf jüdisch sozialem Gebiete, wie der in Paris gegründete Mustercheöer, dessen Schüler hebräisch als lebendige Sprache lernen und die beiden Volks- Universitäten erregen schon heute die Bewunderung der berufenen jüdischen Amtskreise. Die durch die Trennung der Kirche vom Staate sich ergebende Auflösung der bisherigen Konsistorien wird die Vereinigung aller Jude,! vertebi:denen Ursprunges, auch verschiedener Anschauung zu gemeinsamer Tätigkeit zur notwendigen Folge haben. In Belgien sind die vor dem letzten Kongresse bestandene» zwei Vereine durch fiiju neue vermehrt worden, und die Zahl der Schekclzahlcr hat sich iast verdreifacht. In E n g I a n d verbreitet die zionistische Federation die zionistische Idee durch zahlreiche Volksversammlungen in wirkungsvoller Weise im ganzen Lande. Der in diesem Jahre eingegangene Schekel ist der grösste seit Beginn der. Organisatioru Das F r e rn d e n e i n w a n d e r u n g s v e r b o t ist zwar noch nicht Gesetz geworden, aber vorn Unterhausc bereits beschlossen, und dio Annahme durch das Oberhaus ist nur für kurze Zeit aufgeschoben. Eine vom englischen Unterhause einstimmig angenommene Resolution, welche die aus politischen oder religiösen Gründen Verfolgten ■von den Ein- Wanderungs-Beschränkungen ausnimmt, lasst zwar hoffen, dass die Juden nicht die ganze Schwere dieses Gesetzes zu tragen haben würden. Aber andererseits bildet ein Ausspruch des Premier-Ministers Balfour im Verlaufe einer seiner Auslassungen über das Fremdengesetz eine sehr ernstliche Warnung vor einer weiteren Zunahme der Einwanderung von Juden in England. Er meinte, dass die fortgesetzte Einwanderung von Juden, die sich mit der englischen Bevölkerung nicht mischen wollten, eine Gefahr fiir das Land hüte. Solch eine Bemerkung von solcher Stelle ausgesprochen, ist eine klare Weisung, dass selbst in einem Lande wie England die Möglichkeit von Ausbrjichen von Antisemitismus ein Faktor ist, mit den! die Juden in der Zukunft zu rechnen haben könnten. Die Tätigkeit des vom Kongress destngincrtcn Vertrauensmannes in den skandinavischen Ländern, die sich über alle Städte erstreckt, wo Juden wohnen, wird durch einen im Verhältnisse zu der dünnen jüdischen Bevölkerung sehr grossen Eriolg belohnt. In Italien entfaltet die dortige Federation eine stille, aber sehr energische Tätigkeit und der Zionismus hat in allen Hauptplätzcn der italienischen Juden seine Vereine. In Italien hat der Tod Herzls zahlreiche und überaus herzt che Trauerkundeebungen nicht nur der zionistischen Vereine, sondern auch der RdigionsccmcinJcit und ihrer offiziellen Vertreter hervorgerut?11. Die Federation umfasst heute 12 Vereine und ist im Begriffe, ihre Tätigkeit auf die bisher noch uiierobcrtcn Plätze auszudehnen; die Zahl der Schekclzahlcr hat sich seit dem letzten Kongresse verdoppelt und beträgt heute über 1200. eine Zitier, die besonders hoch erscheint, wenn man das Verhältnis zur gesamten jüdischen Bevölkerung in Betracht zieht. In Nordamerika hat sich der bisherige langjährige Leiter der Federation infolge Krankheit, die ihn lange Zeit von seiner Heimat ferne hielt, gezwungen gesehen, seine Stelle nipdcrzulcgen. Die neue Leitung hat die erste Periode ihrer Tätigkeit mit dem Erfolge abgeschlossen, dass sich der Zionismus intensiv und extensiv ausgebreitet hat: allein in diesem Lande, das die grösste jüdische Gemeinde de! Welt und aller Zeiten in sich birgt, ist noch enorm zu tun. um sagen zu können, dass sie den gebührenden Platz erhalten hat. In Kanada hat die Federation fast in allen Städten, in dea.m Juden wohnen, zionistische Vereine ins Leben gerufen'. Die Zionisten gemessen i!n ganzen Lande einen grossen Respekt, der sich bei den letzten Jahreskonvention äusserlich darin bekundete, dass die nicht jüdische Bevölkerung und die öffentlichen Behörden den Zio!u§t;n lnbhaite Sytnpathiekundgebungen darbrachten. Besonders zu erwähnen und zu rühmen ist die Fürsorge der kanadischen Juden iür ihre eingewanderten Brüder. Die von Mrs. de Sola gegründeten und energisch geleiteten Damenvereine sind besonders rühmlich zu erwähnen, wegen der Fürsorge, die sie den Neueinwanderem zuwenden. Der Präsident der Federation wurde von den massgebenden Stellen verständigt, dass er von ihnen als Repräsentant der kanadischen Juden angesehen wurde. Die südafrikanische Organisation leistet ausserordentlich viel. Sie steuert zu ,de״ allgemeinen Institutionen unserer Bewegung in reichster Weise hei. sie beschränkt sielt aber nicht auf dies? äussere Tätigkeit, sondern bildet das Zentrum iiir alle jüdischen Bestreitungen, sie sorgt fiir die Ausbildung der Eingewanderten, fiir Aufklärung und Erziehung der Jugend, nimmt sich der politischen Rechte der Juden im ganzen Lande in energischer Weise an und trachtet, dvit Einwandernden nach Möglichkeit Verdienst zu schaffen und ihnen de Existenzmögüchkeit zu bieten. Von Interesse dürfte cs sein, dass in Nairobi, der Hauptstadt des englisch,;!! Osiafrika-Prmektorates. also jenes Landes, in dessen Bereiche das Gebiet liegt, das von der englischen Regierung den Juden zur Siedejung angehoten wurde, die wenigen dort lebenden Juden sich unserer Bewegung mit ganzen Her/.vit »!!geschlossen haben und der dort eingetroffeuen Erforschungsexpedition mit Rat und Tat beizt!- stehen sich die grösste Muhe ״aben. Solange der Zionismus nicht bestand, waren die in die ferne W elt zerstreuten Juden für das Judentum verloren. Der Schekel bildet gegenwärtig den Ausdruck der Volkszugehorigkeit, mit dem sieb auch der kleinste Splitter des Judentums der grossen Masse des Volkes anglicdert. Rührend sind die kleiust?!! Zeichen der Volkstrcue dieser fernen Brüder, wie z. B. die Sendung von Marken für den Nationalfond, daun von Geldspenden iiir diesen und andere Zwecke. In Nagasaki. Ycddo. Shanghai, Hongk o n g. Singanore und auf den P h i 1 i ס p i n n cn bcstehen zionistische Vereine. In Australien bestehen vier zionistische Föderationen und zwar in Ncu-Süd- Wales in Viktoria. S ü d - A u 51 r a 1 i e n und West -Austra- I i c!!: ferner ist eine zionistische Föderation in Brisbane auf Queensland in Bildung begriffen. In Viktoria bestehen 4 Vereine, welche sich kürzlich erst unter der Präsident- Schaft des Herrn א a t h a n i e I Cohen, zu einer Federation vereinigt haben. Der Sitz der Zentrale ist Milbourne lind diese Föderation verspricht grosse Dimensionen anzuneimien. ln Neu-Sfid-Walcs gibt es über •100 Schekelzahler: auf Neu-Zecland gibt es 2 zionistische Vereine, in Wel* l i!1 g t o n und in Duncdin. deren Vereinigung zu einer gemeinsamen Föderation bevorstebt. In Australien gibt es insgesamt heute über .WO Schekelzahler: ein Prozentsatz der bei kaum 15 000 Köpfe zählenden jüdischen Bevölkerung recht ansehnlich ist. Alle australischen Vereine hab.11 einen gemeinsame:! Delegierten gewählt, welcher sie auf diesem Kongresse vertritt. Die argentinische Föderation besteht aus 4 Vereinen in Bueuos-Avres. je einem in den Kolonien in Entre Rios. .Moisesville und Mauriti״. ferner in Coroned Guarez Parana und Yilla־Mas׳a. Von den zionistischen Organen heisst das. eine El Gionista (spae״io!i!ch); das andere ..Der Zionist“ (Jargon). Demnächst findet die zweite Landeskonferenz statt. Eür die zionistischen Fonds wird stark gesammelt, die En- Wanderer werde« «ach MogUchkeU unterstützt (die Federation hat ein Informationsbureau). Die Federation hat es siel! 7!1r Hauptaufgabe gestellt, starken moralischen Einfluss auf das jüdische Leben in Argentinien zu üben. Trotz der starken assimilatorischen Gegnerschaft ist ein steter Fortschritt zu verzeichnen. Die vollständige Einigung der Gruppen wird bei der zweiten LamLskonterenz sicher erreicht werden. : Auf dem VII. Kongress sind 22 verschiedene Staaten aller Weltteile durch Delegierte vertreten, deren Zahl trotz des verdoppelten Zensus grösser ist. als in den früheren Jahren.; ein Zeichen des lebhaften Interesses fiir unsere Bewegung, das;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.