Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1905)
- Date
- 1905-08-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 377 No. 31 , 1 in allen Widerwärtigkeiten aufrecht, mit ihr 15t •er gestorben ä- und wir haben( sic von ihm geerbt. Herzl war ein Willensgenie; sein Wille war das ־Grösste in sclier grossen Natur; nichts konnte diesen diamantenen Willen״abm1tzen, nichts seine unwidersteh־ liehe Spitze abstmupfen. Dieser Wille, von einem erhabenen Glauben, einer unerschütterlichen, fast nwstischen Zielsicherheit geleitet, hätte Berge versetzt, wenn ihm dazu Zeit gelassen worden wäre. Der Tod hat ihn zu früh gebrochen und dadurch das jüdische Volk eines unersetzliehen Bau^eräts iür seine Wiederaufrichtung beraubt. Sein Glaube, seine Zielsicherheit, sein Wille gaben ihm immer neue Kombinationen ein. Schlug eine fehl, nicht durch ihre Mangelhaftigkeit oder seine Schuld, immer nur durch Mangel an Unterstützung, so ersetzte er sic sofort durch eine aridere, und die folgende war jedesmal überraschender, kühner, geistreicher als die vorherige. Was er in den netto Jahren seiner Volksführung an Staatsgedanken und diplomatischen Plänen hervorbrachtc, das würde genügen, um zehn Ministern eingerichteter Normalstaaten die Unsterblichkeit zu sichern. Nun ja, er war eben ein fruchtbarer Märchendichter, spotten die Gegner. Ich aber wiederhole mit ihm: ,.Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.‘■ Un;er Volk hat einen Herzl gehabt, aber unser Herzl hat kein Volk gehabt. Das verkleinert nicht ihn, nur itos. Das allein ist daran schuld, dass die ungeheure Anstrengung, die ihm däs Leben kostete, Verhältnismassig geringe sachliche Ergebnisse schuf. Umso reicher aber sind ihre moralischen Ergebnisse. Herzl war ein Vorbild und ein Erzieher. Er hat ein gebrochenes Volk gerade gerichtet. Er hat ihm Hofinungen geschenkt und Wege gezeigt. Er hat mit grossartig weitem Schwünge gesät und die Saat wird aufgehen und sein Volk wird ernten׳. Ich aber glaube nicht passender schliessen zu können als mit diesen Strophen einer Trauerkantate, die ich iür dien Tondichter verfasst habe: ״Ewig in des Volks Gedächtnis Lebt ,dein Werk und bebt dein Bild. Sich! Wir hüten dein Vermächtnis Treu, den stolzen Davidsschild.“ ״In der Zionsfalme Falten Wird dereinst dein Sarg gehüllt, Was du schwurst, wir werden’s halten. Und dein Schndi wird erfüllt . . Die Rede Nordati's wurde in atemloser Stille angchört. , Unmittelbar nach' der Rede wurde die Sitzung von Nordau zum Zeichen der Trauer für geschlossen erklärt. II. Sitzung Nachmiitagssltzung, Donnerstag, 27. Jul% Beginn 4.30 Uhr. Dr. Nordau. von nicht enden wollendem Beifall be-?nisst, betritt die Tribüne. Er erteilt Herrn Dr. Alex. Marniorck als Berichterstatter des Pernianenzaussclitisses das Wort. Dr. Alexander Atarmorek. Geehrter Kongress! Im Namen des PermaueuzausscUusses habe ich die Ehre. Ihnen tolgende Vorschläge zur Konstituierung des Bureaus zu machen. Der Permanenzausschuss schlägt Ihnen eine Liste von Mitgliedern des Bureaus vor und bittet Sie gleichzeitig, dieselbe per Akklamation anzuuelitneii. Zum Präsidenten schlägt der Permanenzausschuss Ihnen vor Dr. Max Nordau. (St. Beifall, der sich immer wieder erneuert.) Dr. Nordau. Sie haben den Antrag des Permanenzausschusses. was die Wahl des Präsidenten anbetrifft. angenommen.! Dr. M a r m o r e k. Als Vize-Präsidenten schlägt Ihnen der Permanenzausschuss vor die Herren David Wolffsohn, Dr. Alexander Marmorck. Herrn Ingenieur Temkin. Herrn Dr. Kohau-Bernstein und Sir Francis Montfiore. (Die Delegierten nehmen den Voschlag mit Beifall auf.) Dr. Nordau. Die Wahl der Vizc-Präsidcntcn ist angenommen. Dr. Marmorck. Als Beisitzer werden vorgcschlagen die Herren Ussischkin. Dr. O. Kokesch. Dr. Tschlcnow, Prot. Warburg. Dr. Harry Friedenwald. Jakobus Kann, Dr. Jassinowsky, S. Pineies, Gustav G. Cohen. Dr. Edmund Wormser, Clarcnce de Sola und Dr. Fclioe Ravenna. Auch dieser Vorschlag wird per Akklamation angenommen. Nur gegen die Wahl Usiäsclikins werden von Seite der Territorialsten, die schon vor dem Kongress ganz, offen das ,terroristische Prinzip erklärt haben. lebhafte Proteste laut. Die Gegner Ussischkins bleiben aber in der Minorität. Hierauf ergreiit Dr. Kokcsch das Wort: Hoher Kongross! Der Permanenzausschuss hat mir die Ehre zu teäl werden lassen, mich als Beisitzer in das Präsidium vorzuschlagen. Nachdem ich jedoch dem engern Aktionskomitee angehöre, halte ich das für imkompatibel und bi'te votvmeiner Wahl abzusehen. Da sich die Proteste gegen Ussischkins Wahl trotz der bereits criolgtcn Emmciatiou des Präsidenten erneuern, erklärt Dr. N o r d a 11. Wenn Sie wünschen, dass ich den Vorsitz erspriesslich iühre. müssen Sie mir Gelegenheit geben, gehört zu werden. Meine Stimme ist ohnehin krank. Wenn Sie mich zwingen, fortwährend mit äusserster Heftigkeit zu schreien, wird rminc Stimme voraussichtlich nach der ersten Sitzung niederbrechen, und ich werde daun mit dem besten Willen nicht in der Lage sein., dem Vertrauen, das Sie mir cntgegciigchraclit haben, zu entsprechen. Das beste Mittel, ruhig, zweckdienlich und iruchtbar zu verhandeln, ist, dass Sie fortwährende Stille beobachten, jedem Redner erinögliehen, das was er zu sagen hat. ruhig vorzutragen. Wir gewinnen die Hälfte der Zeit, wenn Sie es sich abgewinnen können, mit Ruhe dem jeweiligen Redner zuzuhören. Nach dieser Bemerkung gestatten Sie mir zu erwähnen, dass eine Anzahl Delegierter gegen die Annahme en bloc der Vorschlage des Permanenzausscnusscs Einspruch erhebt. Ich erlaube mir zu bemerken, dass nach meinem Eindruck eine Abstimmung kein anderes Ergebnis liefern würde, als der Zuruf, und wir würden, wenn wir einzeln abstiinmen, urigeheuer viel Zeit verlieren. Ich bitte Sic also, es bei der Annähme cn bloc bewenden zu lassen. (Beifall.) Um allen gerecht zu werden, halte ich es iür richtig, dass die Liste der zu ernennenden Vorstandsmitglieder nochmals vorgelesen werde. Bei jedem einzelnen Namen werden Sie sich zu äussern haben, ob Sie ihn annehmen oder nicht Wenn bei einem Namen heftig protestiert würde, würden wir zur Abstimmung über־ diesen Namen schreiten. Dr. Marmorck liest die Liste der Vorgeschlagenen nochmals ab. Sämtliche werden mit Akklamation angenommen. Nur bei der Wahl des Herrn Dr. Kohan-Bcrnstcin zum Vize-Präsidenten erheben sich einige Stimmen auf der G a 11 e r i c . die von Bjmdistcn und anderen Terroristen überfüllt ist. Dr. Nordau sagt, dass er. wenn von der Galerie her Kundgebungen ktatt finden. von seinem Rechte, che Galerie sofort räumen zu lassen, Gebrauch machen müsste. Dr. Marmorck. Die Wahl des Herrn Kolian-Bcrnstein ist mit grosser Mehrheit angenommen. Als Schriftführer werden Ihnen vorgcschlagen: für hebräisch Dr. Levin, Dr. Josef Klausner* für deutsch: (Dr. A'doli Friedemann. Berthokl' Feiwel: für Jargon: Dr. Weitzmanu: für russisch: Dr. Victor Jakobsohn. Dr. Alexander Ideslohn: iür französisch: Dr. Hillel Joffe: für englisch: Dr. Magnes (Brooklyn), Percy Baker und L. J. Greeiiberg; für italienisch: Dr. Dessau: für polnisch: Ado[r. Stand. Dr. Nordau. Ich bitte die Gewählten .Ihre Plätze einzunehmen. — (Geschieht.) Geehrte Versammlung! Es hat Ihnen gefallen, nach zum ersten Vorsitzenden des siebenten Kongresses zu wählen. Empfangen Sic meinen Dank für Ihr Vertrauen. Ich empfinde freilich die Auszeichnung als eine schwere Pflicht, <iic Sie mir aufcrlegcii. Ich glaube indes mich ihr diesmal, trotz des drückenden Bewusstseins meiner Unzulänglichkeit, nicht entziehen zu dürfen. Ich habe weder den Ehrgeiz noch die Hoffnung, meinen Vorgänger vergossen zu machen. Mein ganzes Streben ist darauf gerichtet. Ihre Beratungen in seinem Geiste zu leiten, ihnen die Würde