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Jüdische Rundschau · 1905-07-28 · Heft 30 (28.7.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 30 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 360 Leichenschau ausübt. auf Grund zwanzigjähriger Erfahrungen interessante Statistiken aufgcstclit. Kr bezeichnet als die gewöhnlichsten Veranlassungen zum Selbstmord chronische Krankheiten, Armut, Alkoholismus, unglückliche Liebe und dcrgU glaubt aber feststellen zu können, dass die Neigung zum S e b s t m 0 r d mit dem Bildungsniveau der Menschen zunehme; im besonderen findet er in Ländern mit weit verbreiteter Tagespresse, die eine ständige Selbstmordchronik führt, die Zahl der Lebensmüden höher als anderswo. Die Protestanten scheinen ihm leichter zur Begehung des Selbstmordes bereit zu sein als die Katholiken, und die griechisch-katholischen wiederum mehr als die römisch-katholischen. Am seltensten kommt dagegen der freiwillige Tod unter den Juden!vor. Unter den Weltstädten steht Paris an Zahl der Selbstmörder obenan; cs kommen ihrer dort jährlich auf jede Million Kinwohner an 400, in London dagegen nur 90. Unter Soldaten und Seeleuten ist Selbstmord häutiger ais unter Privatpersonen, unter Männern dreimal so häufig als unter Frauen. Der höchste Prozentsatz fällt auf das Lebensalter von *10 bis 50; nach dem 55. Jahre nehmen die Fälle sehr rasch ab. Unter dem Alter von 20 Jahren jedoch kommt der Selbstmord beim weiblichen Geschlecht öfter vor als beim männlichen. Die Kinderselbstmorde befinden sich zur Zeit im Zunehmen. Unter den Männern findet man mehr Selbstmorde bei den unverheirateten, bei den Frauen ist dieses Verhältnis umgekehrt. Ebenso legen Witwen öfter Hand an sich als Witwer, dagegen geschiedene Männer öfter als geschiedene Frauen. — Die verschiedenen zu dieser Statistik aufgcfükrten Tatsachen kontrastieren bisweilen merkwürdig mit derjenigen, dass der Selbstmord am seltensten unter den Juden vorkäme. Die Juden beispielsweise gehören doch im Allgemeinen den gebildeten Schichten an (besonders in Westeuropa, auf das sich die Statistik des Dr. Westcott wohl hauptsächlich bezieht), und doch sollen sie am seltensten Selbstmord begehen, während sonst in den gebildeten Kreisen der Selbstmord häufiger ist als in anderen. noch keine eigene Anstalt gründen konnte, er doch 14 unbemittelten Geisteskranken den Aufenthalt in der jüdischen Nervenheilanstalt Sayn hat möglich machen können. Der eben erschienene 72. Jahresbericht de»; Baruch Auerbach'schen NValsen-ErzIehungs-Anstalten (Schönhauser Allee 162) weist gegenüber dem in dem früheren Anstaltshause erreichten höchsten Bestand von 77 Zöglingsstellen jetzt 54 Knaben und 30 Mädchen auf. Die Zöglinge besuchen giossenteils höhere Schulen, besonders begabte und würdige Knaben sogar bis zur Maturitäts-Prüfung, welche im Berichtsjahre zwei, unter diesen einer als primus omnium des Sophiergymuasiums abge• legt haben; die Mädchen scheiden in der Regel erst nachdem sie für ihren Beruf vorgebildet und erwerbsfähig geworden sind, aus der Anstalt aus. Im ganzen haben bisher 592 Waisen in den Anstalten eine über das Mass der notdürftigen Fürsorge hinausgehende Pflege, Erziehung und Ausbi’dung gefunden. Für das Fortkommen der entlassenen Zöglinge, aus deren Kreise wieder manches Rühmliche und Erfreuliche berichtet wird, sorgen bis zur Selbständigkeit oder Verheiratung eine grössere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Diese erforderten einschliesslich Gottesdienst, Bureau, Renten u. a. Zuschüsse eine Gesamtausgabe von 76 194 Mk., die Bekleidung etwa 82 Mk. für jeden Zögling, die Verpflegung 50 Vf! Pi. für den Kopf und Tag. An Zinsen aus eigenem Vermögen und sonstigen bestimmten Einnahmen stehen nur etwa 58 000 Mk. zur Verfügung; im übrigen sind die Anstalten, die weder Stadt noch Gemeinde jemals in Anspruch genommen haben, zur Deckung ihrer Bedürfnisse und zur Tilgung der noch in Höhe von über 100000 Mark auf ihnen lastenden Bauschuld auf das Wohlwollen ihrer Gönner, an dem es ihnen auch in dem abgelauicnen Jahre nicht gefehlt hat, angewiesen. Vorsitzender des Vorstandes ist Herr JSerthuId Marckwalü, Direktor Dr. A. Strelitz. Ehrenmüttcr: Frau Rccha Marckwald und Frau I’rofcssur Cäcilie Liebermann. Die Religionen der Erde Eine neue Religionsstatistik der Erde ist in dem eben ersehieiicnen amerikanischen Missionsjahrbuch ״Blue Book 01 Mission‘‘ aufgesteilt worden. Die ganze zur Zeit lebende Menschheit wird auf 1 563 4-16 000 (etwa 1563L• Millionen) Köpfe berechnet. Davon sind Christen 558 862 000, nämlich Rönüsch-KathoÜsche 272 63$ 500, Protestanten 166 066 500, Griechisch-Katholische 120 157 000; Nichtchristen 1 001 5S4 00U und zwar: Juden 11222 000״ Muhammedaner andere Kulturrcligioncn 776 752 000: Buddhisten Hindus 209 659 01)0, Konfuzianer und Taoisten Shintodisten 24 900 000, Animistcn, Fetischanbeter 157 069 500, Sonstige 15 352 500. 216 630 000, 137 935 OQO. 231 816 000, und dcrgl. Ein gesetzestreuer Automat Das •H a nsa-Automatcn-Rcstaurantin Frankfurt am Main, AllcrlicLIigcnstrasse 89, dessen Eröffnung heute Nachmittag erfolgt, wird eine Spezialität erhalten, eine ״Abteilung für koschere belegte Brötchen“. Ein Buchmacher in der Synagoge Jacob Marks, der Rabbiner der Synagoge von Grande- Street in New-York, wurde am 28. Juni wegen Buchmachcns in der Synagoge vor Gericht gestellt. Es war der Polizei aufgefallen, dass der Gottesdienst in der Synagoge sich eines starken Zulaufes, auch von Seiten der Andersgläubigen, erfreute. Ein daraufhin in die Synagoge beorderter Detektiv entdeckte, dass die Gemeinde am Altar mit dem Rabbi Wetten abschloss. Die ganze andächtige Gemeinde w׳urde daraufh'n verhaftet und das angcsammclte Geld konfisziert. So erzählt der HAMBURUISCHE KORRESPONDENT, dem wir die Verantwortung für diese Nachricht voll! und ganz überlassen müssen. Die ״Juden“ auf dem ״Polemkin“. Matutschenko, der Führer der Revolutionäre auf dem ״Potemkm“, erlässt eine Erklärung, dass sich unter der Besatzung dieses Schiffes und des Aliiienbootes, das mit ihm zusammen meuterte, keine Juden befunden haben. Die von russischen Behörden mit unverkennbarer Absicht in Umiaui gesetzten Gerüchte sind also falsch. — Die Zahl der Ehea zwischen Juden und Christen, welche in Ungarn geschlossen werden, betrug bisher in einem Monat höchstens 4S. im verflossenen Mai erreichte sie jedoch die Ziffer 54. Im Briefkasten von ״Dr. Bloch’s Wochenschrift“ findet sich folgende Notiz: ״Phil, Kieferndorf in Jerusalem ist ein protestantischer Missionär. Das Übrige müssen wir Ihnen selbst überlassen.“ Warnung an diejenigen Juden, die gelegentlich für wohltätige Zwecke angcschnorrt werden. Rabbiner Professor Dr. Maybaum ist dem ״B. B. C.“ zufolge in Kissingen an einer Nierenentzündung schwer erkrarfkt. Professor Maybaum gedenkt übrigens, wie verlautet, am 11. September von seiner scelsorgerischen Tätigkeit zurückzutreten, die er dann gerade 25 Jahre verwaltet haben wird. Dar JödtnkBrfcvt bet Pahistaage«. (Berichte aus Hohenleuben.) Der Jödenkörfert, d. h. Judenkirchhof, ist eiie iroti* Wiese bei Pahnstangen, in deren Mitte sich ein Teich befindet. Nach der Sage sollen hier die Juden, welche im siebzehnten Jahrhundert hier an der Pest starben, begraben worden sei■. Aamerkung: ״Jöden" ist vielleicht von Jette, der Rie»«, abzuieiten. Seite 600. (Wir bemerken hierzu, dass auch in Buckau bei Magdeburg der frühere mittelalterliche Judenfriedhof noch heute im Volksmunde ״Judenkewer" heisst. (Red. der Rundschau.) Vorsicht beim Baden Die Badeverwaltung des Nordseebades La kolk a. Rom erklärt in einer Zuschrift an die STAATSBUERGERZFJTUNG, dass sie nach wie vor der Leitung des ״Alldeutschen Verbandes“ nahe stehe, und also antisemitisch sei, d. 11. Juden nicht dulde. Hoffentlich ist kein Jude so dunmi, sch in schlechte Gesellschaft zu begeben. Kleine Mitteilungen Der Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke (Eingetragener Verein) in Ems veröffentlicht seinen Bericht für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1904. Daraus geht hervor, dass, wenn auch der Verein in diesem seinem zweiten Berichtsjahr natürlich Antisemitische Bade-, Kur- und Erholungsorte Augustusbad bei Radelberg. Bansin. Hotel Aegir (Necker & Naumann). Konkordia (Naumann). Familien-Fension Strandliaus (Necker) nebst zugehörigen Villen, Pensionen und .Gartenhaus. Binz. Villa ״Glückspilz“. Villa «״Quisisanna“. Villa ״Seeblick“. Potenbergs Hotel. Villa ״Sonnenschein*‘. Bozen. ״Zur weissen Rosen". ״Zum Reussen“. Braunlage (Brauuschw’cig). I \ »

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