Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 367 No. 3° : 1 s;c niclit das Bedürfnis nach der vollständigen Umgestaltung ihrer 1 ebensformen empfinden, sind sie bestrebt, den Zionismus in eine kulturelle Aufklärungs-Bewegung zu verwandeln, in welcher die breiten jüdischen Massen tätig sein sollen für die Befriedigung der traditionellen geistigen Interessen einer kleinen Minderheit in Palästina; im besten Falle sind i״e Barm- Herzigkeits-Zionisten (Rachmonus-Zionisteii) nrit einer beschrägten Engherzigkeit kleinlicher Ideale, welche darin bcstehen, einem kleinen Häuflein armer Brüder in Palastma oder Uganda zu helfen.- Wir zionistischen Sozialisten setzen uns als Endziel eine jüdische sozialistische Gesellschaft. Indem wir auf dem allgemeinen sozialdemokratischen Standpunkt stehen und den Kampf gegen die kapitalistische Geseliscliaitsbewegung führen, sind wir überzeugt, dass wir unser sozialistisches Ideal haben, verwirklichen können. In der allgemeinen zionistischen Masse nehmen wir, als klassenbewusstes Proletariat, das seine Klassenintercsscn und Ziele besitzt, eine selbständige Stellung ein. In den Diaspora-Ländern verteidigen wir zusammen mit den! allgemeinen Proletariat unsere Arlieiteiintcrcsscn, führen mit ihm den gemeinsamen Kampf gegen den Kapitalismus, auch gegen alle Institutionen, welche in den kapitalistischen Ländern als Erbschaft des Feudalismus sich erhalten haben (der russische Absolutismus usw.). — ־— — Unsere minimalen Forderungen im gegenw׳ ä r t i g e n politischen M o in c 111 c in Russland si n d: 1. Die sofortige Beendigung des Krieges mit Japan. 2. Volle Amnestie iiir alle ihre׳ religiösen und politischen Überzeugungen wegen Verhafteten und Verbannten. 3. Freiheit des Wortes, der Presse und des Gewissens. 4. Koalitionsrceht, Freiheit der Versammlungen und Unantastbarkeit der Person und des Domizils. 5. Die sofortige Einführung des S ständigen Arbeitstages. Cf., Die sofortige Einberufung der konstituierenden Vcrsaminiung der Volksvertreter, die nach dem Proportional- System von allen Bürgern ohne Unterschied des Standes. Geschlcclits. der Religion und Nationalität auf der Grundlage des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts gewählt werden müssen. 7. Aktives Wahlrecht aller Bürger, die das 20. Jahr überschritten haben. 8. Die vollständige Beseitigung der administrativen ücwalt in der Wahltcchnik. Forderungen, betreffs Programtnändcrung, gerichtet an den VII. Kongress: I. Das Ziel des Zionismus־ Der 7;<,״:$n1us erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für die• jüdischen Volkstnassen. II. Mittel zur Verwirklichung des Zionismus: 1. Förderung und Verbreitung der Überzeugung in den breiten jüdischen Massen, dass die ökonomische und politische Lage der indischen Nation in den Diaspora- Ländern anormal ist. 2. Organisierung der jüdischen Massen in den Diaspora- Ländern, um die sozial-politischen Kräfte, die zur Verwirklichung des zionistischen Ideals nötig smd, zu schaffen. 3. Freie Verhandlungen mit den politischen Vertreten! der Staaten, welche Kolonialpolitik treiben. *L Die Schaffung politischer und finanzieller Institutionen auf kollegialer Grundlage zur Leitung der zionistischen Tätigkeit. III. Die zionistische Organisation wird nach dem fördcrativen Prinzip konstruiert. —I Aus der Beweguijg Zur Beachtung In der Zeit des Kongresses befindet sich die Redaktion der JUEOISCHEN RUNDSCHAU in Basel im Kongresshause. Die Adresse der Redaktion ist: Redaktion der JUEDISCHEN RUNDSCHAU, Basel (Schweiz), Stadtkasino (Von Deutschland aus doppeltes Porto!) Alle für die Redaktion bestimmten Sendungen und Zuschriften sind von heute an dorthin zu richten bis einschliesslich Freitag, den 4. August 1905. Berlin. Die B. Z. V. wird die Gedenkfeier für D r. Theodor H e r z 1 mit der T i s c 11 a h b'A b hf e! c r Verbinden. Näheres w׳ird noch vcröffent•licht werden. Berlin. Der Verein Zoinistischcr Kauflcutc ״Theodor H e r z 1" veranstaltet am Donnerstag, dem 24. Tammuz, d. i. d. 27. Juli, abends 9 Uhr im Lokal des V. J. St., Gipsstr. 12a eine Herzl-Ocdcnkfeier. Berlin. Der Verein Zionistischer Kauflcutc ״Tcodor Herz!*’ hält während der Kongresstage allabcndlieh Diskussionsabeitdc ab, um die Kongressbcrichtc entgegenztmehmcu und über sic zu diktieren. Es ergehen besondere Einladungen mit näherer Angabe von Lokal und Zeit. ־*“ Rundschau — Aus Russland Ein kleines Versehen Die OBERSCHLESISCHE GRENZZEITUNG berichtet aus Kl.-Dombrowka am IS. Juli: ״Ein 2.3jühriger Jude, offenbar Flüchtling, wurde in der Nähe von Millowitz von einem russisehen Grenzsoldaten erschossen. Er befand sich bereits auf preuss'schcni Gebiet, als ihm der Soldat zwei Kugeln nachjagte. Das eine Geschoss zerschmetterte dem Manne die linke Ferse, die andere Kugel drang dem Unglücklichen durch das Gesiiss bis in die Bauchhöhle ein. Der Mann schleppte sich noch 50 Meter weit und fiel dann tot zu Boden. Die Leiche schaffte man in das städtische Krankenhaus nach Myslowitz. Der Verunglückte hatte eine bedeutende Summe Geld bei sich. Eim? strenge Untersuchung ist cingelcitet. Der ganze Vorgang wurde von einem prcussischen Grenzbeamten und von Arheitern des an der Grenze gelegenen Wasserwerkes beobachtet. Der russische Posten wurde sofort abgelöst und nach Angabe des MUlowitzer Kapitäns in Untersuchungshaft genommen.“ Hoffentlich ist das kleine Versehen mit der Ablösung des russischen Postens niclit erledigt. Die prcussische Regierung pflegt ja an der Ostgrenzc sehr schneidig zu sein. Ein ehrenwertes Spitzelkomltee Nach Blättermelduiigcn aus Warschau schossen die Soldaten in Petrokow auf eine Schar jüdischer Sozialisten, welche einen Umzug veranstaltete. Zwei Personen wurden schwer, 15 leicht verwundet Die nichtsozialistischen Juden in Petrokow׳ bildeten ein Komitee, welches die Veranstalter des Umzuges der Po'izei anzefgte. Die Sozialisten rächten sich dadurch, dass se den Vorstand des Komitees durch einen Gewehrschuss töteten. — Dem Vorstand dieses ehrenwerten Spitzclkomitccs werden wir keine Träne nachweinen. Massenauswanderung Die Massenauswanderum! aus Russisch-Polen ist noch nicht zum St'llstand gekommen. Am Dienstag morgen trafen aus Galizien 150 arme russische Judcp in Wien ein, die aus Odessa. Warschau und kleineren Orten geflüchtet waren. Sie wollten In Budapest breiben. Der dortige Polizeikommissar Pawlik verweigerte ihnen aber den Aufenthalt dort und zwang sie. mH dem Zug nach Wien zu reisen. Bei den Abgcschohencn waren viele Frauen und Kinder, die von den Strapazen der langen Reise und durch Entbehrungen aller Art in traurigstem Zustand sind. Judonmassakre in einer Synagoge In der Vorstadt von Kiew, Denisko. drangen etwa J00 Arbciter in die Synagoge und veranstalteten regicrunesfeindliehc- Demonstrationen. Dos in der Synagoge befindliche Publikum suchte die Demonstranten hinauszudrängen. Es kam zu einem Zusammenstoss. wobei von den Eindring'iitgen viele Juden niedergeschossen wurden. Die herhcicijcndcn Kosaken gingen hauptsächlich gegen die Juden vor. In Kiew besteht das Gerücht, dass die Demonstranten von den geheimen Agenten der Polizei engagier! worden seien. Die Zahl der Opfer soll hoch sein. Neue dudenhotze Aus der Stadt, die den berühmtesten orientalischen Konimentator hervorgebracht und ilnn den Namen gegeben hat. wird neuerdings cuc Judenhetze berichtigt, die in Urmia stattgeiunden bat. Aus.Tibriz wird jetzt gemeldet, dass in Urmia — irrtümlicherweise haben verschiedene Blätter Urania geschlichen — bei einer Judenhetze über 20 Läden zerstört und über 50 Personen verwundet wurden. Ein Mann wurde getötet. Die Christen haben unter den Krawallen nicht gelitten. Die Verfolgung ״ahm einen so grossen Umfang an * 1 : < ו ׳ 1 * * * I; 1׳ p I I f : I ‘ i 1 i f V i ‘*‘'׳יייינרזס*