Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-07-28 · Heft 30 (28.7.1905) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651424--02607-2659499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 362 No. 30 JÜDISCHE RUNDSCHAU Paris. Kai dam: Ersatzmann Dr. Frank, Altona. Kowno: Delegierter Dr. Chain! Weitzrnann: Ersatzmann Dr. M. Buber. Suwalki: Rabbiner Jakob Samuel Rabinowitsch, Sapotzkin: Rossieni: Wolf Gluskjn. Bielsjcy: Litmann Rosenthal, ßiaiysicck. Pressburg: Samu Bettelheim; Ersatzmann Architekt Marmorek. Delegierter Hermann Steiner; Ersatzmann Dr* Leopold Kahn. V a s I u i: Ersatzmann יי- Piekarski, Wien. Bukarest: Delegierte AL Sch war zf cid, Dr. M. Metz Rer, S. Baruch; Ersatzmänner Dr. AL Gaste r, London, Meyersoha. Paris. Regensburger, Miiiichen. Gal atz: Delegierte S. Pineies. Galatz, Dr. Dreyfuss. Kaiserslautern, Arch. Marmnrck, Wien, Dr. Fr. Oppenheimer. Berlin. Charkow: Dr. Jakob polski. Rosch Pi nah: Sbnche W o l k o vv! t s c h, z. Bernstein-Kohan. Kiew: Delegierte! Hillel Zlato- Zt. Lausanne. Wilna: J. L. Goldberg. Dr. Arthur H a n t k e, Berlin. Smorgony: Dr. Schmaria Lewi n. L i d a: Drl P. Awino w i t z k y; Ersatzmann Naclium S 1 o\ls c h z, Paris. Wilna: Dr. Arthur Hantke, Ber- 1111. Simferopol: Dr. Viktor Jakob soll n. Bol- }ckoj-Tokmak: Dr. V. Jakobsohn; Ersatzmann Davis Trietsch. Jalta: Bcrthold F e i w e I, Berlin. D w i n s k; Dr. 0. KoLesch. Wien: Ersatzmann Dr. Deiches. Lida. K o p i s: Delegierter Ing. N. W i 11 b u s c h c w i t s c h; Ersatzmann stud. J. Ncifach, Konstantinopel. ZI ob in: Dr. Alfred Noss.ig. Berlin; Ersatzmann Dr. Soskin, Berlin. B o b r i n z : Wladimir T e tu k i n. Dubpsary: \VI. T e mk i n, Jekaterinoslaw. א o r dl o_s t b 0 s 11 i e n: Dr. V r u u z Oppenheimer, Berlin. Briefe Max Nordaus Zur Erklärung Herrn Dr. Nordaus. Herr Dr. Nordau richtete an das engere A.-K. zu Händen des Herrn Architekten Mar morek folgendes Schreiben: Paris, 20. Juni 1905. Hochgeehrter Herr und Freund! Als ich vor vier Wochen dem Andrängen der drei Freunde, die sich die grosse Miihe genommen hatten, mich in Karlsbad aufzusuchen, nachgab und gegen die •klarste Einsicht meiner Vernunft mir־ die Zusage abringen Hess, in einen leitenden Dreimännerausschuss cinzutretcn, da geschah es unter der ausdriiekliehen Bedingung, dass cs nur zur Ermöglichung eines Oberganges in geordnete Verhältnisse sein solle, und unter der stillschweigenden Voraussetzung, dass meine Gesundheit sich bessern würde. Diese Voraussetzung hat sich nicht erfüllt. Es geht mir heute schlechter als vor der Reise nach Karlsbad. Der kurze Aufenthalt in dem Kurorte war mir infolge der fortwährenden Belästigungen, denen ich ausgesetzt war, eher schädlich als nützlich. Mein Zustand ist jetzt derartig, dass es einfach mit einem Selbstmord ,und nicht einmal mit einem langsamen, gleichbedeutend wäre, wenn ich eine Verantwortung auf mich nehmen wiVde, die meinen Geist Tag und Nacht beschäftigen und mich in beständiger tödlicher Aufregung erhalten würde. Ich muss daher zu meiner tiefen Betrübnis meine Zusage zurücknehmen und Sie bitten, dies den Herren vom Aktionskomitee gütigst mitteilcn zu wollen, damit der betreiiende Kongressvorschlag noch rechtzeitig geändert werUcn kann. Ich bin überzeugt, dass mein von sciiwerer Krankheit verursachter notgedrungener Verzicht auf die Kandidatur keine störenden Folgen haben wird. Die zionistischen' Massen haben sich bereits allem Anscheine nach mit dem Gedanken eines Dreimännerausschusses befreundet und schreien^ nicht mehr nach einem Manne, nach einem Namen. Sie werden es kaum merken, wenn die Liste der drei Erwählten ihre Physiognomie ein wenig ändert. Und es wird der Bewegung zum Heile gereichen, wenn an meiner Statt Herr Joseph Co wen, den ich dringeiKlst empfehle, als Kandidat aufgestellt wird. Es ist unerlässlich, dass ein Engländer oder Amerikanc׳ in der Leitung sitzt, und Herr Cowen ist geeigneter als irgend ein anderer, denn er ist hervorragend klug, energisch, der Bewegung Weil wie Gold, kinderlos, wirtschaftlich unabhängig und ein grosser Freund von Reisen. Ich werde mich über meine Krankheit weniger beklagen, wenn sie die Ursache wird, dass Herr Cowen mit an die Spitze der Bewegung tritt. Dass meine Mitorbe't der Leitung nach wie vor gesichert bleibt, solange ich lebe, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Herzliche zionistische (jriis.se Ihnen und den Herren vom A.-K- Ich bin stets ihr hochachtungsvoll ergebener Dr. M. Nor dau. * Dieser Brief ist am 23. Juni Herrn Architekten Marmorek zugtkomrucu. Der Umstand, dass ein Mitglied des engeren A.-K., Herr Ingenieur Krenvcnezky. von Wien abwesend wai und ein solch wichtiger Gegenstand doch nur bei Anwesenheit aller Mitglieder beraten werden konnte, brachte es mit sieb, dass die Sitzung des A.-K. erst am 27. Juni stattfand. Das Ergebnis der Erörterung war die einhellige Ansicht, dass die Sitzung des A.-K. gar nicht berechtigt sei, die Demission Dr. Nordaus zu: Kenntnis zu nehmen, sondern dass die Entscheidüng über dieses Schreiben dem grossen A.*K., welches Herrn Dr. Nordau für das Direktorium nominiert hat, zustehe. Herrn Architekten Maumorck fiel es zu, Herrn Dr. Nordau davon in Kenntnis zu setzen, zugleich noch einen Versuch zu machen, ihn vielleicht doch noch zur Rücknahme seiner Demission zu veranlassen. Inzwischen aber Lounte das Dentis* sionsschreiben nicht veröffentlicht werden. Bevor jedoch d t* Antwort des A.-K. Herrn Nordau /״gekommen war, hatte er bereits den in der letzten Nummer der WELT verö-feiitlichtc.i Brief an Dr. Werner gerichtet. Herrn Architekten Marmorek ist inzwischen von Herrn Dr. Nordau ein neuerliches Schreiben zugekommen, aus welchem folgender Passus die Oeffentlichkeit interessieren wird: ״Ich komme unbedingt zum Kongress, obschon ein zionistischer Freund mir gestern sagte: ״Das ist Selbstmord”. Um so schlimmer; soll es Selbstmord sein. Ich werde den Kongress eröffnen, unserem Toten die letzte Ehre erweisen, die Verhandlungen leiten, wenn ich dazu berufen werde. Es liegt mir daran, so viel wie an meinem Leben, dass dieser entscheidende Kongress sich nach unseren würdevollen Ueber« lieferungen abroüt und dass Ungebühr und minderwertige Formen vermieden werden. Mein Rat, meine Meinungen, meine technische Mitarbeit werden Ihnen selbstredend nie fehlen, so lange ich atme. Für Kampf und Polemik bin ich zur Zeit (wer weiss, vielleicht für immer) ein Invalide. Polemik und Kampf können Sie mir aber nicht fernhalten, wenn ich eine amtliche Stellung'anuehme.“ Das A.-K. Die akademische Freiheit Man behauptet, dass wir in einem Zeitalter leben, dem die Harmlosigkeit verloren gegangen ist. Ueberall Berechnung, Raffinement, Mangel an Idealismus, Ueberwiegen der Verstaudestäugkeit gegenüber dem Empfindungsleben. Selbst in die Studentenschaft, die intelligente Jugend, die Hoffnung des deutschen VoLes, ist dieser Geist übergegangen, der Geist der Selbstsucht, des Strebertums und des Materialismus. Aber wenn die Not am grössten, dann ist die Hilfe am nächsten. Inmitten der faulen Zeit ist der alte Geist der Un*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.