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Jüdische Rundschau · 1905-07-21 · Heft 29 (21.7.1905) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 16)
Language
German
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JO n ISCHf:RUND SC H A U _ _ ...._ . _ ..No. 29 Seite 356 .,überrumpelt'* worden seien. Diese fordern nun zur Unterj Zeichnung euer Resolution auf. die besaut: ״.Wir erkennen jedem deutschen Studenten das Recht und die Freiheit zu. sich mit anderen aui dem Boden irgend welcher Weltanschauung zusaninienzuschliesscn, wir stellen •aber innerlich in» schärfsten Gegensatz zu jeder Verbindung, die unter dem Deckmantel der K o n i c s s יio 11 den Zweck verfolgt, das freie deutsche Geistesleben unserer Hochschulen zu untergraben. Wir erachten es für unsere natinna' e Pflicht, den Kampf gegen Verbindungen, die unser v a‘t e r lä n d i s c h e s Empfinden verletzen, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu;führen.*‘ ES muss schlimm um die Fähigkeit und Tüchtigkeit der deutschen Studentenschaft bestellt sein, wenn sie sich öffentlieh das testimonium paupertatis aussteüt, dass ein Dutzend katholischer Korporationen imstande seien -- wenn sie cs wollten — ..das freie deutsche Geistesleben*‘ der deutschen Hochschulen zu .,untergrab;:»“. Seid nur ein bischo: sonst auch auf der Hut, und kümmert euch gelegentlich auch um andere Dinge als ..Salamander“. . Bicrjungen", ״Schmisse*. Judenschimpferei und euer persönliches Carriere-maehcu. ihr Herren Studenten, und ihr werdet cs nicht nötig haben, c'uen Kampf gegen Kommilitonen zu führen, der wahrlich die Bekämpften mehr ehrt, als euch! Mit Recht lehnen es die ״Vereine jüdischer S t u d c n t c n“ ab. an diesem dmch und durch verlogenen , Kampf um die akademische Freiheit“ teilzuiichmcn. lehnen es ab eben vom Standpunkt der akademi- . sehen Freiheit! Der B. J. C. (Bund Jiid.scher Corporationea) übersendet uns folgende Resolution, die der Kartelltag des B. J. C. am 7. Juli J‘»5 einstimmig angenommen bat: ״Der Bund Jüdischer Korporationen, der Verband der Vereine jüdischer Studenten, ist Reiner ganzen Tendenz nach nicht konfessionell, wie in der Oefientlichke.t vielfach angenommen wird. Flr sucht vielmehr sc ne MitgUeder zur Stellungnahme zu allen k u 1 ־ turellen und sozialen Fragen innerhalb des Judentums anzuregen. Infolge der judenieindliehen Entwickelung die das deutsche Studentenwesen innerhalb der letzten Jahrzehnte genommen hat. ist die Existenz der V. J. St. mehr als berechtigt, sie ist einfach eine N o t - Wendigkeit. Was nun den sogenannten ..Kampf um die akademische Freiheit“ betrifft, so sieht der B. J. C. in ihm nur einen Versuch, im Namen der akademischen F r c i h c i t eines der wichtig- >5ten Rechte der Studentenschaft. die Koalitionsfreiheit, zu Ungunsten der katholischen Korporationen zu unterdrücken. Man mag sich zum Ultramontanismus stellen, wie man will, auf ieden Fall ist die gewaltsame Unterdrückung der hatlio-!:sehen Korporatonen ein Unrecht, und. wenn sic gar im Namen der akademischen Freiheit gesclreht. eine innere Unwahrheit. Zuiolgc der akademische״ Freiheit muss allen Studenten das Recht eingeräumt werden, sich auf Grund eines jeden Prinzips zusammenschliessen zu dürfen, gleichviel, ob die Majorität der Studentenschaft mit diesem sympathisiert oder nicht. Der B. J. C. lehnt es daher wie bisher ah, sich *u dem Kampf gegen die katholisch-ultramontauen Studenten- Verbindungen zu beteiligen." v. j. st. Die ganze erste Woche des Monats Juli stand für die Berliner jüdische' Studentenschaft unter dem Zeichen des IUjährigen Stiftungsfestes des Vereins J ü d i - scher Studenten, das in seinem ganzen glänzenden Verlauf gezeigt hat. welcher Sympathe sich der genannte Verein in allen Kreisen des Judentums erfreut und welche Wert* Schätzung er sich allmählich durch seine Arbeit errungen hat. Wenn man den Wert einer Tätigkeit nach ihrem äusseren Erfolge bemisst, so muss man sagen, dass der Verein Jüdischer Studenten einen ausserordentlichen Wert für das Judentum repräsentiert. Denn die Anerkennung, die man dem V. J. St. auf seinem Kommerse zur Fe'er seines!(»jährigen Stittungsfestes gezollt hat, übersteigt wirklich das Muss blosser offizieller Lobhudeleien. Ganz besonders hervorzuheben ist da die Rede, die Herr Justizrat Dr. T i tn e n d o r f f e r als Vertteter der jüdischen Gemeinde und der Logen im Anschluss an die Festrede des A. H. Dr. E m i I C o h n und die weihevoll י Fahnenweihe, hielt. Es konnte und musste n'cht nur jeden V. J. St er. sondern auch jeden wirklich bewussten und selbstbewussten Juden erheben, wie der Redner ciugestand, dass er sich allmählich von einem Gegner des unsympathischen V. .1. St. zu dessen Freund und Förderer entwickelt habe. Aber auch schon der ganze äussere Anstrich des Festes machte einen frohen, festlichen Eindruck. Die von den Chargierten samtlicher im Bund jüdischer Korporatonen vereinigten Vereine jüdischer Studenten flankierte Tafel durfte sich der Gegenwart hervorragender Vertreter des Judentums, wie Prof. Rosin. Rabbiner l)r. E s c h e 1 b a c h e r. A. Lcvy u. a. erfreuen. Den gleichen würdigen, frohen Verlaut nahm auch der am Donnerstag erfolgte Dampicrausilug nach G r ii n a u, der unter reger Beteiligung von statten ging. Alles in allem, nicht nur der V. J. St. und der B. J. C., dessen Kartelltag gleichzeitig ׳n Berlin tagte, sondern das gesamte bewusste Judentum darf mit Stolz auf diese Ehrentage des Vereins Jüdischer Studenten ziuüekb'.icken. G. H. Ein jüdischer Universitäis-Rektor Ein nicht unbedeutendes Ereignis hat sich au der Czcrnowitzer Universität vollzogen. Bei der atu 24. v. Mts. ybgehaltcnen Rektorswald' wurde der Professor der allgemeinen Geschichte Dr. Sigmund Hcrzhcrc-Fränkcl, ein Jude, zum Rektor für das Studienjahr 19t»5/06 gewählt. Es ist dies ein Fall, der sich nicht allzuoft an einer österreichischen, namentlich aber nicht an der Czernawitzer Universität ereignet. Denn obwohl an dieser Universität die Juden So pCt. ,der gesamten Hörerschaft atismachen und diese ihre n deutschen Charakter nur den Juden zu verdanken hat. weil unter den 361 Hörern deutscher Mutterspräche nur SO Arier sind, während die übrigen 2M Juden sind (weil die Nation den Juden nicht anerkannt wird), so kann doch das Verhalten dfeser Universität in manchen die Juden betreffenden Fragen niclits weniger als j'tidemrciindüch genannt werden. — Dr. Sigmund Herzberg-Fränkel ist am 7. März. 1857 zu Brody als Sohn des Handelskamme :Sekretärs Leo Herzherg-F'rüukel. des Verfassers der ..Jüdischen Erzähl!!!!- gen aus Gaüzien", geboren. Seit 1874 studierte er Jura an der W iener, dann Geschichte au der Leipziger und Berliner Universität. Nach Erhalt des Doktordiploms im Jahre l׳"־• wurde er Mitglied des Instituts für österreichische Geschi-'htsforschung. Nachdem er sich im Jahre 1887 als Privat J-׳zeut für Geschichte des Mittelalters an der Wiener Universität hihilitiert hatte, wurde er im Juii 1.893 zum ausserordentlichen und im November 1895 zum ordentlichen Professor für aligcrnane Geschichte an der Franz Josef-Universität in Czeruowitz ernannt. Pariser Ghetto Es bestellt in Paris ein eigenartiges J u d c ד v i e r t e I. dessen kosmopolitische Bewohner jeden lag .־«!:wachsen und aus allen Teilen der Erde aniangen, meist aus Russlan d. Ihre ganze Habe besteht aus einem Schnupftuch, in das die wenigen Mühseligkeiten gebunden sind, die sic ihr eigen nennen. Aber bei ihrer Ankunft in dieser!) Ghetto linden sie bei . hren Stammcsgeuossen Unterkunft, zwar eng. aber hcrzjich. Und wo man in einem oder wei Ziuuuerclieu zu sieben oder ׳acht bereits auf winzigen Matratzen auf dem Fussboden schläft, findet sich auch noch Platz iiir einen Neuangekommenen, der am nächsten Tage manchmal noch einen Kameraden heran־ schleppt. Dieses Ghetto, das sich sozusagen frei gebildet hat. ohne dass es jemals Ketten abschlossen, wie in Rum. befindet sich am üussersten Ende des M a r a i s - V i c r t e I s mitten im Herzen des alten Paris, in der R t! e des Rosicrs. des Ecouffcs. Ferdinand Duval, de!’Motel de Villc und ein wenig weiter in der Rue Francois-,Miron, Geoffroyl’Asnicr. Sa'nt-Paul. du Figuler und andern. Die Seine zieht an der einen Seite den Schluss־;»rieh mit ihrem Wasserbande. Sie kommen aus Galizien. Polen, Russland. Pa- I ii s t i n a , Deutschland, die Bewohner dieses cigc״- artigen Viertels. Auf den meisten der kleinen Schenken sieht man hebräische Inschriften. Mau hört 11‘cr fast alle Sprachen, hauptsächlich deutsch und russisch, wenig französisch. Ohne jeden Zwang, lediglich auf Grund der Stammeszusammcngehörigkeit hat sich hier seit langem .inmitten des Seinehabels eine jüdische Bevölkerung isolieren können, de das Hauptkontingent der Hausierer auf den jahraus jahrein um Paris herumziehendeu Jahrmärkten und auf den Rennplätzen stellen. Und die sind natiirlieh am Tage in alle vier Winde zerstreut und kommen erst spät nachts heim. Was daheim sitzt, das sind Mützenarbeiter, Schneider und Kiirsctuiec. Das sind die drei hauptsächlichste•!! Gewerbe, die fn diesem Viertel ausgeübt zu werden scheinen. Nur wenige Kneipwirte gehören nicht der jüdischen Religion an. Ucbrigcns fehlt cs hier auch nicht au solchen, die wie ihre christlichen Kollegin vom Montmartre den Ver- ־brecheru nüchtUchcu Unterschlupf gewähren oder ihre Kasse mit den reichen Erträgn'ssen des Mädchenhandels füllen. Die algerischen Juden trifit mau hauptsächlich in einer Bar der Rue Francois Miron, deren Besitzer gerade keine zärtlichen Gefühle iiir sie hegt. Sic machen wenig Lärm, aber sie sitzen phlegmatisch in ihrem Winkel, rollen ihre Zigaretten

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