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Jüdische Rundschau · 1905-07-21 · Heft 29 (21.7.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 29 JÜDISCHE RUNDSCHAU Gotthard zu — und allen. Ruhenden und Wandernden, \viin־ sehen wir, dass der VH. Kongress, zu dem wir uns nun rüsten, ihnen dann angenehme und zukunftsfrohe Hoffnunge'n mitgegeben haben möchte! ib. In seinem diesjährigen Jahresbericht über den Handel von Palästina gibt der britische Generalkonsul Mr. D i c k s o 11 ausfiihrlichc und hochinteressante Daten über die jüdischen Kolonien in Palästina. Aus den interessanten Ausfiihrungcn, deren Tatsachen-Inhalt sowohl, wie die Meinung eines kompetenten Beurteilers fiir unsere Leser gleicher Weise von Interesse sein dürfte, geben wir folgenden Auszug wieder: Die Kolonien sind rein landwirtschaftlicher Art und vetdanken ihre Entstehung der in Ost-Europa seit mehr als 20 Jaheen herrschenden Judenverfolgung. Die zur Auswanderung gezwungenen Juden wandten sich zum Teil nach dem durch Tradition und Religion heilig gehaltenen Laude ihrer Väter, um sich daselbst unter dem milden Regime der Türkei als Landwirte, zu betätigen. Die Leichtigkeit, mit der in Palästina der Weinbau betrieben werden kann, hat einen grossen Teil der ursprünglich ackerbautreibenden Kolonisten sehr bald dazu geführt, sich ausschliesslich diesem Teil der Landwirtschaft zuzuwcndcu und so im heiligen Lande einen grossen, blühenden Industriezweig einzuiiihren. Der Ucbcrgang vom Getreidebau zum Weinbau konnte jedoch nicht ohne sehr gro^e Mittel vor sich gehen. Die Kolonisten, deren eigene mitgebrachte Mittel bei weitem nicht hinreichten, sahen sich gezwungen, die Hilfe jüdischer Philanthropcn in Anspruch zu nehmen. Ein solcher Philanthrop fand sich bald in der Person des Barons Edmund de Rothschild in Paris, der nach und nach in das ursprünglich im kleinen Mnssstabc inaugurierte Ko!onisat:onswcrk in Palästina viele!Millionen hineinstecktc. Die grossen Summen wurden zwar im wesentlichen produktiv angelegt. Weinplantagen wurden errichtet, grosse Obst- und Orangegärten angelegt und den Kolonfstcn gute, auf europäische Art gebaute Häuser gegeben. Daneben sind aber enorme Summen für Verwaltungszwecke gebraucht und weitere Summen in unrentablen Unernehmungcn wie die Glasfabrik bei Sichren Jakob, die Seidenspinnerei und die Rosincufabrlk in Rosch-Pinah und die Rosenparfumiabrik in Jessod Hamaaloh, fcstgelegt worden. Solche unproduktive Ausgaben!asteten schwer auf dem Unternehmen und machten das gesamte Kolonisationswerk im kaufmännischen Sinne unrentabel. Auf die einzelnen Kolonien übergehend, teilt , der General- Konsul Dicksou mit, dass die IS79 von Jerusalemer Juden bcgründete und 1882 durch Zuzug russischer Kolonisten sehr wesentlich verstärkte Kolonie P e t a c b‘־/T ii k w a!׳ ע I25U Hektar umfasst und 820 Seelen beherbergt. Die ganz nahe hei Jaffa gelegene. 1SS2 begründete Kolonie Rischon-Ie- Zion umfasst 615 Hektar; nebst zahlreichen sehr schönen Gebäuden, •einer Synagoge, einem Gemeindehaus und einem sorgfältig gepflegten Park, besitzt die Kolonie einen grossen, mit den modernsten Maschinen ausgestatteten Weinkeller, der mit den grössten Kellereien Frankreichs den Vergleich aushalten könnte. Die in diesem Keller erzeugten Weine und Cagnacsorten werden nach Europa und Amerika exportiert. Zu diesem Zwecke sind Gesellschaften begründet worden, deren ausschliesslicher Zweck es ist, den von den Juden in Palü« stina erzeugten Wein und Cognac zu vertreiben. Dieselben arbeiten überall mit wachsendem Erfolg. Namentlich prosneriert das im Hamburger Hafen vor einigen Jahren errichtete grosse Depot. Der P a 1 ä s t i n a w e i n . dem der Konsul das Prädikat ״exzellent" erteilt, gewinnt durch das Lagern in dem kühleren Hamburger Küma sehr an Wert und das Resultat ist. dass das Produkt von Rischon-Ie-Zion, welches vorher fast ausschliesslich von streng orthodoxen Juden für religiösc Zwecke verwandt wurde, allmählich den europäischen •Markt zu erobern beginnt. Die Kolonie E k r 0 n ist von Baron Edmund de Rot lisch i Id im Jahre ISS3 begründet und mit erfahrenen jüdischen Ackerbauern aus dem Gouvernement Gr odno besiedelt worden. Sie umfasst 38-1 Hektar und 5 zählt 250 Seelen. Das günstige Gedeihen der Kolonie wurde 1890 durch das Sch'mittah-Jahr uiO.erhrochen. das die Kolomsten als streng orthodoxe Juden durchaus feiern wollen, obgleich grosse rahbinische Autoi!täten in Russland erklärt hatten, dass das Gebot der Sch’mittah mit der Zerstörung des Tempels ausser Kraft getreten ist. Um der Wiederholung solcher Vorkommnisse aus dem Wege zu gehen, beschloss die Seite 353 RothscliikJsche Verwaltung, die bisher nur Getreide bauende 'Kolonie in eine Obstplantagc umzuwändcln. Dadurch sind die Kolonisten, die gleich nach ihrer Installierung sich selber ernähren konnten, wieder in Abhängigkeit geraten, aus der sie sich jezt noch nicht ganz be־'rcien konnten. Die Kolonie K a t r a 11 wurde 188•! von jüdischen Intcllektucllen errichtet, die ihr Studium aufgaben und nach Palästina auswanderten, um durch ihr Beispiel dem Kolonisationsgedanken im Judentum •Eingang zu verschaffen. Sie arbeiteten anfangs als Tagelöhner in Pctach-Tikwah und Rischon-Ie-Zion, worauf sic von den in Russland und in vielen Ländern West- Europas bestehenden Vereinen zur Kolonisation Palästinas im Dorfe Katrah angesiedelt wurden. Hier hatten sie in der ersten Zc:'t zahlreiche Attacken der /benachbartem Araber zurück- Zuschlägen. Die Kolonie umfasst 303 ha und zählt gegenwärtig 110 Seelen. Wie Katrah, verdankt auch die Kolonie Castinje ihr Entstehen den obenerwähnten Kolouisationsvereinen, welche 18S5 sich zu einem in Paris residierenden ZentraJ-Koaitcc der Clmwewc Zion vereinigt haben. Die Kolonie umfasst 506 ha und wird von 150 Juden bewohnt, welche vor ihrer Installicruug als Kolonisten jahrelang in den vcrschicdensten Kolonien als Taglöhner gearbeitet haben. Für eine weitere Reihe von Kolonien ist die Kolonie Rechoboth typisch geworden. Dieselbe wurde nämlich 1890 von 50 wohlhabenden Juden aus Warschau begründct. welche selber in Russland verblieben und ihre Anteile von jüdischen Tagelöhnern unter Leitung eines eingesetzten Admi- 11'strators bearbeiten liessen. Nach und nach siedelten jedoch •15 Besitzer nach Rechoboth über. Gegenwärtig weist die 950 ha umfassende Kolonie 250 Einwohner auf. An die Koloine Rechoboth schliesst sich die aus 5 Familien bestehende kleine Kolonie Esra an. Dieselbe wurde 1895 von dem deutscheu •Kolonisationsvercin ״Esra" für 5 Tagelöhner begründet, welche nach den Intentionen des Vereines auch nach ihrer Installierung fortfaliren sollten in Rechoboth als Tagelöhner zu arbeiten. Nach und nach gelang cs jedoch den Kolonisten durch eigenen Fleiss und mit Unterstützung des genannten Vereins, sich zu kleinen aber selbständigen Weinbauern hinaufzuarbeiten. Ebenfalls nicht weit von Rechoboth entfernt liegt die kleine J28 ha umiassendc und 120 Seelen belierbergende Kolonie W a d ־ c I ־ C 11 a n i n. Mit Ausnahme von einem einzigen Kolonisten, der zahireiche Bienenstöcke besitzt und den zu einiger Berühmtheit gelangten Orangenhonig c-rzeugt, müssen die übrigen Ansiedler wegen Landknappheit von der ICA unterstützt werden. Die Kolonie stellt einen einzigen blühenden Garten dar, da׳ von ihren 120 ha SO ha mit Wein und der Rest mit Orangen bepflanzt sind. Die kleine Kolonie M o z a h ist insofern in ausnahmsweise günstiger Lage, als sic sich fast vor den Toren Jerusalems befindet. Dadurch sind die 7 Familien 30 Seelen der Kolonie in der günstigen Lage, ihre aus Wein und Gemüse bestehenden Produkte jederzeit zu sehr guten Preisen zu verkaufen und sich, trotzdem sic nur 50 ha Land besitzen, auskömmlich zu ernähren. Die Kolonie ist mit Hilfe der B’ne Brit!1־L0ge im Jahre 1895 begiüindet w'orden. A r t u f wurde 1SS3 von einer englischen Missionsgcsellschaft begründet, in der Hoffnungf dadurch recht viele Juden in ihren Netzen zu fangen. Die Spekulation misslang jedoch vollständig und die Gesellschaft sah sich genötigt, die Kolonie an eine aus 50 Mitgliedern bestehende bulgarische jiid:sche Auswanderungsgcnossenschait zu verkaufen. Von dieser sii-d jedoch nur 19 ausgewandert, während der Rest in Bulgarien verblieb und sich um das Schicksal der Kolonie nicht weiter kümmerte. Artuf ist sehr günstig in der Nähe von Deir-Al'ban. «einer Station der Jana-Jcrusalcmer Eisenbahn, gelegen und umfasst 392 Hektar. Mi kwe-Israel ist eine von <Jer Alliance!870 bcgründete und 242 ha umfassende AckerbauscLmle. in welcher gegenwärtig 100 Zöglinge sich befinden. Der Konsul bebt hervor. dass von den 9 Kolonien in Judäa 3. nämlich Rischonle-Z ion. Pctach-Tikwah und: Ekron. von einem Privatmann, dem Banoii Edmund de Rothschild, weitere 3. und zwar Katrah, Castinje und Mikwe Israel von jüdischen Vereinen und weitere 3. nämlich Rechoboth, Mozah und Artuf. von jüdischen Genossenschaften begründet wurden. Zum auswärtigen Handel übergehend, betont Mr. Dickson* dass der Export und Import seit 1901) im bestäiidigen Wachsen begriffen ist. Derselbe ist von 13 2*101X10 Mk. im Jahre 1900 auf 15 5-17 01)0 Mk. im Jahre 1903 und 15 680 000 Mk. im Jahre 19(M gestiegen. Die Zahl der Schiffe stieg gegen das Vorjahr um 5. ihr Tonncngehalt um 10.7 Prozent. Der Löwenanto t an dem Palästinaliandcl. nämlich 17.6 Prozent, entfiel auf England, welches Waren für S77 200 Mk. eingeführt und fiir 1 876 S00 Mk. ausgcfiihrt hat. Den Grund für das Aufblühen des Pakistinahnndels sucht Generalkonsul Dickson in dem Bau der Eisenbahnen Jaffa-Jerusalem Die jüdischen Kolonien in Palästina t

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