Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Wahrheit ein Bibliothekskataiog ist. Das ist kein Vorwuri: Es kann nicht Jeder ein ״Mann von der Gasse“ sein und eben als solcher bibliothekarische Fachbildung besitzen. Statt uns auf müssigc Diskussionen über die Eignung und Befähigung ein* zelner Personen zur Leitung der Nationalbibliothek einzulas* sen, hielten wir es für geeigneter, positive Vorschläge zu machen, um dadurch die Sammlungen Chasanowiczs wirklc!* fcur Grundlage einer zukünftigen Nationalbibliothek des Jüdi* Sehen Volkes in Jerusalem auszugestaltcn. Aus der Bewegung ן Redner gab in knappen Worten ein Bild der schwierigen Si■ tuation des letzten Jahres und besprach eingehender die politischen Wirren in Russland in ihren Beziehungen zur Juden■ frage und zum Zionismus; er erwartet für die Juden wenig Vorteil von der Einführung einer Verfassung. Bei Darlegung der zionistischen Parteiverhaltnisse erwähnte er rühmend die einsichtsvolle Haltung der Misrachifraktion und ihre mannhafte Verteidigung gegen die neuesten Angriffe der kleinen Grupps orthodoxer Protestrabbincr in Deutschland. An der Debatte beteiligten sich Dr. med. Michelsohn, Estermann und E. Calmann. Zu Kongressdelegierten wurden gewählt; Gustav G. Cohen und Dr. med. Kalmus, zu Stellvertretern Dr Victor und Dr. med. Frau c k. Als Vertreter zum deutscher Delegiertcutage in Basel wurden gewühlt: Dr. Kalmus. Dr Victor. Julius Holländer und Moritz Gold sch midt; zu Stellvertretern: Lehrer St riebet und Frl. Hedwig Lübkc. Folgender Antrag gelangte zur Annahme: ״Die Hamburg-Altonaer Ortsgruppe beauftragt ihre Delegierten, au: dem Kongress nach Möglichkeit den Grundsätzen Geltung zt verschaffen, die in der Hamburger Resolution vom II. Mai v Js. (s. WELT No. 20) nicdergelegt sind.“ Duisburg. Zum Kongressdelegierten wurde einstimmig D. W o 1 f f s o h n aus Köln gewählt. Duisburg. Die Zionistische Vereinigung nahm am 22. Juni m.t sämtlichen Stimmen folgenden Beschlussantrag an: Die Z. V. Duisburg ist der Ansicht, dass die schlechte Entwicklung des rheinisch-westfälischen Gruppenverbandes ihre einzige Ur- Sache in der Teilnahmlosigkcit fast sämtlicher Gruppenvorsitzender und Vertrauensmänner hat. die nicht nur ihren aut den Sitzungen des Verbandes übernommenen Verpflichtungen nicht nachkommen. sondern sogar häufig der Verbreitung unserer Bew׳cgung schnurstracks entgegenarbeiten. Da dies״ Umstände auf die Arbeiten derjenigen Ortsgruppen schädigend einwirken, die eine gedeihliche Fortentwicklung erstreben, indes die Bemühungen der Z. V. Duisburg, die beteiligten Gruppen zur Mitarbeit zu veranlassen, an deren Gleichgültigkeit gescheitert sind, «o ersucht die Vereinigung ihre Delegierten, diese Verhältnisse auf dem Delegiertentag der Z. V. für, Deutschland zur Sprache zu bringen.“ — Rundschau יי■ Die Gemeindestube In der Sitzung der Rcpräsentanten-Versammlung der Jiidisehen Gemeinde Berlin, am 25. Juni, wurde u. a. die Delegation der Versammlung für die Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden“ gewählt. Von 20 Delegierten, durch die Berlin vertreten sein wird, entsendet die R.-V. die folgenden acht Herren: Sachs, Blumenthai. M. J. Friedlünder, Mann* heimer. Geiger. Blaschkc, Hirsch und BaginJ׳v. — Für die hohen Feiertage werden noch die Säle der Neuen Philharmonie gemietet. Dem Religionsverein Ahawat Torah wird eine Sub* vention von 1000 Mark, derm Religionsverein Rixdorf eine solche von 3-100 Mark (statt wie bisher 2200 Mark) bewilligt: letzterem wird ausserdem eine einmalige Zulage von 300 Mark gewährt für ausserordentliche Ausgaben. Fine Extra- Subvention von 200 Mark erhält der Verein ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek". In den Vorstand des Hospitals wird Repräsentant Mannheimer abgeordnet Die Bewilligung eines Extrazuschusses an die ״Jüdische R e f o r m g e m e i n d c“ ,wird merkwürdigerweise auf Antrag des Ausschuss-Referenten Bodenstein in die geheime Sitzung verlegt. Warum diese Gcheim-Reform? In Deutschland darf man doch öffentlich reformieren — und um eine Revolution wird sichs doch nicht etwa gehandelt haben?!. Aus Russland י Die sommerlichen Brände / Mit Begin des Sommers stellen sich die Brande i m Ansiedlungsrayon in Russland vermöge der unzulänglichen Bauverhältnisse regelmässig ein. Gegenwärtig kommen noch häufig Brandstiftugcn. behufs besserer Gelegenheit zur Plünderung durch die christliche Bevölkerung vor. So sind in der vergangenen Woche eine Reihe von jiidisehen Gemeinden in der Nähe von K o w n o durch Feuersbrunst gänzlich vernichtet worden: Janowo, Bobt, Soslau. Kurschani usw. Fast 10 000 Juden sind obdachlos, der Hilfsverein der deutschen Juden hat sofort 10 000 Mark zur Materialschaden wird auf eine Million Rubel geschätzt. Der Verteilung unter die abgebrannten Gluubengcnnssen nach Kowno überwiesen, zu denen das Frankfurter Hilfskomitee 5000 Mark beigesteuert hat. Juden und Volksvertretung Zu der Meldung betreffend die Ausschlicssung der russischen Juden von der Wahl in die Gosudarstweimaja Duma, erfährt DIE POST von gut informierter Seite, dass das russische Mi* nistcrkomitec soeben beschlossen hat, sofort eine besondere Kommission zu ernennen und ihr aufzutragen, baldigst die wichtigsten Momente der J ud e 11 f r a g e fesz.ustellen, die die Grundlage zur Revision der gesamten Gesetzgebung, betreffend die Juden, geben könnten. Die Arbeit der Kommission soll alsdann der einzuberufenden Volksvertretung vorgelegt werden, die eine sofortige Entscheidung darüber zu treffen bat. (??) Jüdische Studenten Petersburg. Zur Aufnahme jüdischer Studierender an der Universität wird mitgeteilt, dass der Unterrichtsminister den Gesuchen mehrerer Aspiranten entsprochen und der Uaivcrsttätsobrigkeit anheimgestellt hat, denjenigen jüdischen Aspiranten. die schon jahrelang den Zutritt zur Universität vergebens erstrebt ,haben, in diesem Jahre bei der Aufnahme lieueintreten* der Studierender den Vorzug zu geben. — Wie wir hören, ist sogar bereits ein jüdischer P r i v a t d o 7. e 111 der .Medizin an der Petersburger Universität zugelassen worden, nachdem der Versuch, ausländische Professoren heranzuziehen, so kläglich gescheitert ist. wie zu erwarten war. Radikale Lösung Petersburg. Die jüdischen Stadtverordneten h?b״n sich fast allenthalben infolge des Gerüchts vorn Aus- Schluss der Juden von der Volksvertretung von der Ausübung ihres Mandats in den Stadtverwaltungen losgesagt. Besonders fühlbar ist der dadurch im kommunalen Leben der Städte gvscliaffene Ausfall in den Städten, wo die Bevölkerung zum grössten Teile aus Juden besteht. Der Versuch des Wilinc« Gouverneurs. Grafen Palt len. auf die örtliche Bevölkerung durch einen Kompromiss einzuwirken, hat keinen Erfolg gehabt. Graf Fahlen hatte nämlich vierzig Vertreter der Juden- Schaft zu sich berufen und ihnen vorgeschlagen, unmiizielle Wahlen von Stadtverordneten aus der jüdischen Bev1״t-״nmg vorzunehmen. Die Juden bestehen aber, w׳ie die NOWOSTI bemerken, auf einer radikalen Lösung der Judenfrage, die nur in der Erfüllung des Wunsches hestehen kann, den hunderte von jüdischen Versammlungen in letzter Zeit formuliert haben. Barrikadenkämpfe in Lodz Bei den Barrikadenkämpfen in Lodz, bei dem insgesamt etwa 1000 Menschen das Leben verloren und ebensovicle schwer verwundet wurden, sind naturgemüss die jüdischen Arbeiter sluik beteiligt gewesen. Dass sie ihren Mann ge* standen haben in dem Kampfe gegen eine vertierte Soldateska beweist die hohe Ziffer, mit der sic unter den Opfern figurieren. Fast drei Viertel der Getöteten und Verwundeten sind Juden. Einem jüdischen Mädchen wurden von den Kosaken erst beide Arme, dann der Kopf abgehackt und so die Leiche w׳eggeworten. Viele Wagen mit giiedloscn Leichen wurden auf die Friedhöfe gebracht. Juden als Handwerker Ein New־-Yorker Blatt hat jüngst mitgeteilt, dass im vorigen Jahre 407$ jüdische Zimmerleute. 1970 Maler und 133? Schlosser aus Russland auf Ellis Island gelandet und dass von diesen wahrscheinlich 90 Prozent in New-York geblieben sind. Aut diese Weise sind im Baugewerbe viele Juden beschäftigt. Auf der Ostseitc wurde der grössere Teil der Gebäude von Juden hergestellt und tatsächlich seien alle Zimmerleute. Maler und