Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 314 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 26 Zu beginnen wäre nach Proiessor Schatz’ Vorschlägen mit der Einrichtung einer Kunstgewerbeschule, sowie von Abendkursen für Handwerker zur Erhöhung der Qualität und damit puch des Wertes ihrer Arbeit Ausserordentlich zukunftsrcich ist vor allem die systematische Einführung der Teppichknüpferei m Palästina sowie verschiedener kleiner Hausindustrien. Um die Arbeit beginnen und drei Jahre durchführen zu können, sind nach sorgfältiger Berechnung etwa. •40 000 Mar!, erfordetlich, und es ist begründete Aussicht vorhanden, da*s ein beträchtlicher Teil dieser Summe durch Vereine beigesteuert werden wird, falls wir erst einen grösseren Fonds beisammen haben werden. Im Falle des Gelingens wird sich das Werk nach drei Jahren entweder selbst erhalten können, eventuell mit regelmässigen Zuschüssen der Vereine, oder cs wird mit Hilfe der bis dahin ausgebildctcn Kräfte in kaufmännischcr Weise weitergeführt werden, wozu die Palästina- Handelsgesellschaft in Hamburg und die Anglo - Palestinc- Co. in Jaffa und Jerusalem schon ihre Mitwirkung zugesagt haben. Für jeden, der jüdisches Interesse mit sozialem Verstandnis verbindet, ist hier eine schöne Gelegenheit zu nutzbringender Arbeit gegeben. Es soll nicht ein Almosen sein, das man mit abgewendetem Blicke hingibt um einer augenblicklichen Not zu steuern, sondern es soll eine lebenskräftige Organisation entstehen, die aus sich selbst heraus die Kräfte des gesunden Wachstums entfaltet, eine Organisation, in deren Schutze binnen kurzer Zeit Tausende, hoffentlich Zehntauscndc. aus nutzlosen Bettlern zu freien in Arbeit versittlichten Bürgern emporsteigen können. Hier die erste Hilfe zu gewähren, ist Pflicht und sollte Freude sein. Jacob Alexander, Hamburg: Prof. Badt. Breslau; Gehcimirit M. Barschall. Berlin; Siegtn. Berge!, Berlin: Jonas Bing; Hambürg; Rechtsanwalt Dr. Blau. Frankfurt a. M.; Justizrat Dr. H. Meyer Cohn, Berlin; Geheimrat Prot. H. Cohen. Marburg: Direktor M. Dorn, Berlin; Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Sofia; Dr. D. Fcitclberg. Berlin; Senator Leopold Fischer, Hannover; Sally Floershcim. Dortmund; J. Freimark, Berlin; Prof. F. Gernsheim. Berlin; Landrabbiner Dr. S. Gronemann, Hannover; Rabbiner Dr. Guttmann, Breslau; Fabriksbesitzer S. Hepncr. Charlottenburg: Sanitätsrat Dr. Hessberg. Essen; Dr. Hirsch Hildesheimer. Berlin; J. S. Hirschland, Essen; Rabbiner Dr Horowitz, Frankfurt a. M.: Bcrthold Israel, Berlin; Jozd Israels, Haag; Dr. A. Klee, Berlin; J. Krernenetzky, Wien; Kirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart; Prof. L. Landau. Berlin; Rabbiner Dr. Leimdörfer, Hamburg; Prof. L. Lewin. Berlin; Direktor P. Lewy, i. F. Gladenbeck. Berlin; Prof. Max Liebermann. Berlin; E. M. Lilien, •Berlin; Konsul Litten. Königsberg; i. Pr.. Willibald Loewenthal, Berlin; Ludwig Mathiason, Hambürg; Dr. E. Mittwoch, Berlin; Dr. Franz Oppenheimer, Bcrl.n: Direktor Dr. Pakscher, *Dresden; Simon Pfeffer. Breslau: Prof. M. Philippson. Charlottenburg: Rabbiner Dr. Porges. Leipz.g: Sartorius Reinliold, Hannover; Fritz M. Rosenthal. i. F. Rosentha! & Tobias. Berlin; Rabbiner Dr. Rosenthal. Breslau; Rabbiner Dr. L. Rosenthal, Köln: Stadtrat Salomonsohn. Hohensaiza; Rabbiner Dr. Adolf Salvendi, Dürkheim; Prof. Boris Schatz. Sofia; Dr. P. Schottlacnder, Rittergutsbesitzer. Breslau; Fabrikbesitzer Dr. Ernst Schwerin, Breslau; Dr. S. Sosk.n. Chärlottenburg; Isidore Spielmann, London; Hermann Struck. Berlin; Gustav Tuch, Hamburg; Rabbiner Dr. Vogclstein. Stettin; Moritz Warburg, i. F. M. M. Warburg, Hamburg; Prof. O. Warburg, Chärlottenburg; Emil Wassermann. Bamberg; Rabbiner Dr. Werner, München; Joseph Wisloch, Frankfurt a. M.; Direktor D. Wolftsohn, Köln; Dr. Th. Zlocisti, Berlin. Beiträge sind mit der Bezeichnung ,.B e z a l c l“ an das Bankhaus Meyer Cohn, Berlin W., Unter den Linden 11. zu senden. Anträge für den Delegiertentag der Z. V. f. D. Es dürfte angezeigt sein, schon jetzt einige für den am 25, Juli in Basel zusammentretenden Delcgicrtentag der Z. V. f. D. bestimmte Anträge zur Diskussion zu stellen: I. Vielen Ortsgruppen, vor atlem kleineren und finanziell nicht günstig dastehenden, fällt es ungeheuer schwer, für ihre Versammlungen geeignete Redner zu finden. Und dies liegt oft nicht so sehr an wirklich vorhandenem Rednermangel wie an dem in manchen Ortsgruppen fast chronischen Geldmangel. Nun sei es zwar zur Ehre unserer ״redenden” Geshnungsgenossen anerkannt, dass sie sich wohl immer nur Spesen erstatten lassen, — der Rechnungsabschluss der Hamburg- Altouaer Ortsgruppe kennt allerdings auch den ominösen Poste.: ״Honorar der Redner‘*, das waren aber hoffentlich keine zionistischen. Doch sind diese Spesen den Ortsgruppen vor dem Vortrage in der Regel unbekannt — diesbezügliche Unterhandlungen sind ja nicht besonders angenehm — und. was noch viel schlimmer ist. die Spesen sind, weil in ihrer Höhe stark schwankend, auch nicht einmal annähernd im voraus bestimmbar und für manche Gruppe dann durch ihre bisweilen abnorme Höhe eine oft recht unangenehme Überraschung, und ihre Zahlung naturgemäss eine Schädigung anderer weit wichtigeier zionistischer Interessen. Die Redner standen bisher in der Regel auf dem Standpunkt dass man sich Auslagen ersetzen lassen dürfe, wie man sic zu machen pflegt, wenn man in eigenen Angelegenheiten reist Das ist nun nach meiner Ansicht nicht der richtige Standpunkt. Wir müssen immer bedenken, dass der Zionismus eine Volksbewegung ist, und dass keir Pfennig von zionistischen Geldern für Luxuszwecke Verwendung finden darf. Es dürfen deshalb von den Ortsgruppen nur normale Ausjagen ersetzt werden, Auslagen, wie sie unbedingt erforderlich sind. Da sich diese aber im einzelnen falle nicht gut ermitteln lassen, muss der Delegiertentag einen für alle Fälle u n b e d i n g t massgebenden Tarif festsetzen. Für einen solchen möchte ich iolgcnde Bestimmunger Vorschlägen: Ü I. Auswärtigen Rednern sind von den Ortsgruppen nur folgende Auslagen zu erstatten: a) Reisespesen Schnellzug 3. Klasse. b) Ein Tagegeld von 10 Mark. § 2. Kein Redner darf Ersatz höherer Auslagen vereinbaren; wohl aber kamt er sich eine bestimmte Summe (bis 50 pCt. der Auslagen) zugunsten des Nationalfonds oder der ölbanmspendc ausbedingen. If. Mein zweiter Vorschlag bezieht sich auf die Agitat'on. Durch Agitationsversanunlüngeu lassen sielt in aller Regel nur äussere Erfolge erringen, bestenfalls Zahler gewinnen. Wirkliche Zionisten wird mau wohl immer nur durch Agitation von Mann zu Manu und durch zionistische Schriften machen können. Die persönliche Agitation kann sich naturgemäss bloss auf bestimmte einzelne Personen erstrecken, und auch sie muss durch aufklärende Schriften unterstützt werden. Die Verteilung von Broschüren und Flugblättern ist hier äusserst nützlich und müsste noch in viel grösserem Umtange geschehen. Aber weit wichtiger noch ist d e Aufklärung durch unsere Presse. Denn diese ist eine fortdauernde. Während eine Broschüre — wenn überhaupt gelesen — nach der LcKtüre beiseite gefegt, ihr Inhalt ohne Auffrischung bald wieder vergessen wird und sicher nur da wirkt, wo schon eine gewisse ״Disposition“ für den Zonismus vorhanden ist, wird duich regelmässige Zusendung eines guten zionistischen Blattes immer und immer wieder an unsere Bewegung erinnert Mit der Zeit wird eine gewisse Vertrautheit mit unserer Bewegung, nicht nur ihren Zielen entstehen und von selbst eine vernünftige, nicht voreingenommene Stellungnahme erfolgen. In vielen Fällen werden wir Anhänger gewinnen, in den übrigen -- mit wenigen Ausnahmen — mir ehrliche Gegner. Vor allem wüsste ich zur Bekämpfung des Indifferentismus unter unseren Volksgenossen kein besseres Mittel als unsere Presse. Zahlreiche Stammesgenosscn haben ja aus a'.llen mögliehen Gründen noch rrle einer zionistischen Versammlung beigewohnt, noch nie, sich Mühe gegeben, ihrerseits Schritte zu tun. um unsere Bewegung kennen zu lernen. Alle diese können nur durch unsere Presse belehrt werden, denn Zeitungen werden ja immer gelesen. Und. was die Hauptsache ist. die Zeitung schafft sich ihr Publikum: die Beeinflussung durch sie ist die nachhaltigste, weil am wenigsten aufdringliche. Wir können das ja täglich beobachten. Um nun unserer Presse — ich habe speziell unsere JÜDISCHE RUNDSCHAU im Auge — eine möglichst grosse Verbreitung unter unseren Volksgenossen zu verschaffen, möchte ich vorläufig Folgendes Vorschläge״: 1. Die JÜDISCHE RUNDSCHAU ist allen jüdischen Restaurants etc., die sich verpflichten, dieselbe wie jede andere Zeitung ihren Gästen zugänglich zu machen, gratis zu liefern. Das Bestellgeld ist von der am Niederlassungsorte des Restaurants> bestehenden Ortsgruppe zu tragen. Für Orte ohne Ortsgruppen hat die Z. V. f D. das Bestellgeld zu ersetzen. 2. Drei Monate im Jahre — vielleicht Oktober bis Dezember — erscheint die JÜDISCHE RUNDSCHAU in einer vielmals stärkeren Auflage. Jede Ortsgruppe stellt eine Liste von Nichtzionisten ihres Bezirks zusammen, an d e sie Zu- Sendung der RUNDSCHAU für dienlich hält. Hierbei wären insbesondere die ״Nochnichtzionisten“ und alle diejenigen, die für jüdische Fragen noch warmes Interesse haben, zu berücksichtigen: dann aber auch die Indifferenten. Nach Bekanntgäbe der von den einzelnen Gruppen gewünschten Zahl von Exemplaren erfolgt die Zuteilung derselben, ev. unter verlüiltnisnuLssigcr Reduzierung, durch das Zentralbureati. Hierauf bestellen die Ortsgruppen bei der Post die ihnen zuge-