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Jüdische Rundschau · 1905-06-30 · Heft 26 (30.6.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 26 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 313 and workshops) reiches und wertvolles Material für das längst ׳bekannte Gesetz zusammengetragen. Darum habe ich von jeher die Eingliederung der Industrie, namentlich in Gestalt des Hausfleisscs, in meinen genossenschaftlichen Ackerkolonien auch für Palästina in Aussicht genommen. Sie erhöhen nicht nur den Wohlstand und Intelligenz, sondern vervielfachen auch die Zahl der Menschen, die eine gegebene Bodenfläche zu beherbergen vermag: eine gerade für unser Werk äusserst wichtige Tatsache. Hier setzt der ״Bezatcl“ mit einer unschätzbaren Hilfeleistung ein. Er will den Hausfleiss in Gestalt des höchstentwickelten Kunstgewerbes einführen, d. h. eine Organisation schaffen, die gleichzeitig die höchsten Kulturwerte pflanzt und den höchsten wirtschaftlichen Reinertrag gewährleistet. Teppichknüpferci, Holz- und Stcinbitdhaucrei, Metallkunst in edlen und unedlen Stofien und in ihren unzähligen Varianten: all das und mehr hat Schatz in seinen Herstellungsmcthodcn und Stilarten genau erforscht und ist befähigt und gewillt, als technischer Lehrer und entwerfender Künstler die jüdische Bevölkerung Palästinas darin zu unterweisen. Ein unendlich ausgedehnter und sehr kaufkräftiger Markt ist diesem Hauskunstfleiss von vornherein gesichert, weil Palästina als heiliges Land der drei grossen Religionen seinen Erzeugnissen einen besonderen Affektionswert verleiht, und vor allem, weil die heiligen Stätten eine sehr grosse und jährlich anschwelicndc Zahl frommer Pilger aufsucht. die sämtlich geneigt sind, kirnstlerische Andenken und Geschenke, namentlich iiir ihre heimischen Gotteshäuser, mitzunehmen. Da Boris Schatz sich seinem Werke gänzlich ohne Ent- Schädigung zur Verfügung stellen will, ist mit winzigen Mitteln das Anfangsstadium zu überwinden, nach dessen Ablauf das Unternehmen sich selbst zu unterhalten und aus eigenen Kräften auszubreiten verspricht. Wenn diese geringen Mittel — und dazu muss der Appell an das jüdische Herz und das Nationalgefühl ausreiehen, wie er auch ausgereicht hat, uns für unsere ״Probebauten“ die Mittel zu schaffen — wenn diese geringen Mittel aufgebracht sein werden, dann wird unsere Probekolonisation fest auf zwei Beinen stehen. Wir werden in jeder unserer Musterkolonien, sobald die ersten technischen Schw ierigkeiten der agrarischen Anfänge überwunden sein werden, eine oder mehrere Werkstätten mit von Schatz ausgebildctcn Werkmeistern und Arbeitern einsetzen und derart nicht nur Kultur- Zentren höherer Art schaffen, sondern auch unseren freien Bauern und ihren Familien für die Saison morte der Land- Wirtschaft einen hoch entgoltenen Nebenerwerb schaffen. Und darüber hinaus werden wir von vornherein in jede Siedlung eine Anzahl gewerblicher Elemente einnlh1;en können, die in kleinerem Haus- und Gartenbes^z ihr wirtschaftliches Rückgrat haben, aber im Haupterwerbe vom Kunstfleiss existieren, und es hiessc Eulen nach Athen tragen, wollte man des breiten auseinandersetzen, welche sittlichen, geistigen und vor allem wirtschaftlichen Vorteile die Angliederung solcher Elemente für jede Dorischaft besitzt Sie bilden einen kaufkräftigen Nahemarkt für die Produkte der Landwirtschaft, deren vollen Preis sie bezahlen, ohne dass Transportkosten in Abzug zu bringen wären; sie liefern Dünger und in drängender Zeit billige Hilfs- Kräfte iiir die Erntearbeiten; sie verstärken alle Genossenschäften für Ein- und Verkauf, Kredit und Bautenbeschaffung etc.; sie ermöglichen jene Verdichtung der Bevölkerung, des Marktes, ohne die das isolierte Dorf der meisten Errungenschäften der Kultur entbehren muss. Für uns aber, deren Aufgabe unter allen Umständen darin bestehen wird, grosse Menchentncngen auf verhältnismässig engem Raum anzusicdeln. gibt diese Kombination die unschützbare Möglichkeit, die bei rein agrarischer Kolonisation doch immerhin beschränkte Dichtigkeit der Bevölkerung fast ins Grenzenlose zu vermehren. Es ist nicht viel Zeit zu verlieren, wollen w׳ir diese höchst nützliche, ja unentbehrliche Parallelaktion ins Werk setzen. Es werden einige Jahre darüber hingehen, bis aus der in Jerusalem geplanten Schule die ersten selbständigen Zeichner, Pärber und erfahrenen Vorarbeiter hervorgehen werden. Und ungefähr ebensolange wird es dauern, bis die ersten Siedlungsgenossenschaftcn drüben genügend erstarkt und gesichert sein werden, um gewerblichen Elementen einen sturmfreien Hafen zu bieten. Sorgen *wir dafür, dass das eine Glied der Kette das andere fertig vorflndet. Ohne feste agrarische Organisation bringt der Schatzsche Plan auf die Dauer nur das kapitalistische Elend in das Land unserer Väter; und ohne eine genügende gewerbliche Vorbereitung kann die agrarische Organisation den urad des Wohlstandes und der Kultur nie herbeiführen, den wir erreichen wollen und müssen. Es ist klare .Pflicht aller Zionisten, den ״Bezale 1“ zu fördern. Bezalel Komitee zur Begründung jüdischer Hausindustrie und Kunstgewerbe In Palästina. Nicht Almosen, sondern Arbeit, das ist heute die anerkannte Richtschnur iiir jeden Einsichtigen, der an der Hebung grösserer Volksmassen mitarbeiten will. Nicht Almosen, sondern Arbeit, das muss der Wahlspruch werden auch bei dem Hilfsdienst an den palästinensischen Juden. Denn eines ist klar: Dass die ..Chalukkah.“ der Zufluss von milden Gaben aus der ganzen Welt, so sehr sie aeu: jüdischen Herzen zur Ehre gereicht und die Ehrfurcht vor dem alten Lande der Bibel bezeugt, unsere Stammesbrüder ':י Palästina nicht wirtschaftlich iördert, sondern geradezu systematisch der kraftvollsten wirtschaftlichen Antriebe beraubt. Schaffung von Arbcitsmög<lichkcit, Er- Ziehung zur Arbeit und Selbsthilfe durch wirtschaftliche Organisation, das muss das Programm der zukünftigen jüdischen Hilfstä t i g kc 11 in Palästina sein. Ein erster Schritt sind die jüdischen Kolonien, in dene־! ein kräftiger und arbeitsfreudiger Bauernstand sich entwickelt. Allein es liegt in der Natur der Sache, dass die landwirtschaitliehe Kolonisation nur langsam einen Teil der laudausüssigeu Juden aus den überfüllten Städten heraus in Licht und Luft zu produktiver Arbeit zu bringen vermag. Dagegen kann ein anderer Weg schneller zu dem Ziele führen. Tausenden Brot zu schaffen: Die Einführung von Hausindustrien und die Entwicklung eines palästinensischen Kunsthandwerkes. Kaum irgend ein anderes Land bietet solche Aussichten für das׳ Gedeihen eines Kunsthandwerkcs wie gerade Palästina. Im Lande selbst sind tausende von Pilgern und Reisenden, die es in immer wachsender Zahl besuchen, sichere Abnehmer kunstgewerblicher Erzeugnisse. Und das ganze Abendland, das in Palästina die Geburtsstätte dreier Weltreligionen vetehrt, bietet ein unbegrenztes Feld des Exportes für künstlerisch gearbeitete Gegenstände für den Gebrauch der Gottesdienste und den Schmuck von Gotteshäusern, Friedhöfen und Privathäusern. Für die Künstler selbst wird cs wahrlich nicht an Anregungen fehlen *in einem Lande, in dem jeder Fussbreit Bodens ein Dokument uralter Traditionen und versunkener Kulturen ist! Zur Verwirklichung dieser Gedanken bietet sich gerade jetzt eine Gelegenheit, wie sie kaum sobald wieder sieb er• stellen dürfte. Professor Boris Schatz aus Sofia, ein bekannter Bildhauer. Schüler von Antokolsky. ist im Begriff, aut mchrero Jahre zu künstlerischen Studen nach Palästina zu 'gelten. Von ihm geht die Anregung zu unserem Plan aus. und er ist mit freudiger Begeisterung bereit, dier Einrichtung und Oberleitung des Werkes ohne Entschädigung, nur aus Interesse au der Sache, selbst in die Hand zu nehmen. Professor Schatz!3t auch im Kunstgewerbc ein Fachmann im besten Sinne des Wortes; er hat schon in Bulgaren durch ein gleiches int Auftrage der Regierung ausgeführtes Werk sich ein bleibendes grosses Verdienst um das Land erworben. Auch hat er sowohl wie andere Künstler dem Unternehmen eine grosse Kollektion künstlerischer und gewerblicher Vorwürfe, Bilder. Skulpturen. Gravüren. Antiquitäten. Bücher etc. schenkweise zur Verfügung gestellt. Benutzen wir ajso die selten günstige Geiegenheit!

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