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Jüdische Rundschau · 1905-06-23 · Heft 25 (23.6.1905) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 299 .׳! t t * in grossen Quantitäten von den Wakawirondo angcpflanzt, aber apch von den Wakikuyu und anderen Ncgcrstünimen. Der Absatz ist ein fast unbeschränkter, denn'man braucht diese Hirsenart nicht nur als menschliches Nahrungsmittel, sondern fast ebensoviel auch zur Bereitung des Eingeborenen- Bieres und zu butterzvvecken. Die Elgeyo scheinen dieses Gc• treide nicht anzubaucn, denn die Guasso-Ngischu-Massai sagteil mir, dass sie das zur Bicrbcrcitung benötigte Quantum s»־'״ *an den Wakawirondo holten, ln Kikuyu wird die Mat (fimah fast nur von den Eingeborenen konsumiert und entsteht hier daher sehr oft eine grosse Nachfrage, die später gewohnlich durch Transporte aus detn Secgcbictc wieder gedeckt wird. Man bezahlt hier gewöhnlich 1s. lld. bis 2s. 6d. pro Last von 60 Pfund. Die kleine Hirse, Penisctutn spicatum, in Ostafrika gewöhnlieh Mawelc genannt, dürfte sich für den Ackerbau von curopaisehen Siedlern nicht eignen. Sic ist aber beliebt bei den Eingeborenen, und ich sah sic in kleinen Parzellen angebaut. Von grösserer Bedeutung wären für den Siedler wohl die Verschiedenen Bohnen- und Erbsenartcu, welche gegenwärtig in Kikuyu angcpflanzt werden und mit wenigen Ausnahmen wohl alle auf dem Guassn-N^schu-Plateau gedeihen v.iirüon. Besonders empfehlenswert wären die sogenannten Haricors oder White Cocoa Beaus, die sogar mit L. •1 $d. per Last von 60 Pfund bezahlt werden. , Der Kartoffelbau Hesse sich auf hiezu geeigneten Bodenflächen wohl ebenso gut ciniiihren und dürfte man von ihm dieselben guten Qualitäten erwarten, mit denen Kikuyu sich auszeichnet. Selbstverständlich kann es sich hier aber auch nur um Kultur für den Eigenverbrauch handeln, denn für einen Export, der nicht nur mit so hohen Transportspesen, sondern auch noch mit anderen Transportschwierigkeiteil zu rechnen hätte, blichen die Tore noch für lange Zeit hinaus geschlossen. Nairobi Wird seine Kartoffeln immer aus Kikuyu beziehen und von hier aus wird ohne Zweifel auch der ganze Konsum der Bahnzouc und von Mombasa gedeckt bleiben. Weizen, Hafer und Gerste lassen sich au den für Ackerbau geeigneten Ocrtlichkeiteu ebenfalls aubaucn, doch wird man mit diesen Getreidearten eher noch uuerhoffte Misserfolge erleben, als mit den früher, erwähnten Feldfrüchten. So sehen wir im Ackerbaue einstweilen nur eine nebensächliche, auf den Eigenkonsum abzielende Erwerbsquelle des Siedlcrtumes, und wenn die Grenzen des Territoriums diese!- ben bleiben und keine Erweiterung des Koiizcssiousgebictes nach Süden hin stattäudet, so wird dieser sonst so wichtige Zweig der Landwirtschaft auch schwerlich über dieses niedere Niveau heraus sich erheben. JÜDISCHE SIEDLER IN BRUISCH-OSTAFRIKA BND AUSSICHTEN EINER CHARTERED COMPANY. Seit Eröffnung der Uganda-Bahn macht die Besiedelung von Britisch-Ostafrika sehr grosse Fortschritte. Der Zuzug von Kolonisten wird aber auch mit bewährten Mitteln betrieben und man muss sich sagen, dass die englische Regierung und das Gouvernement fast keine Kosten scheuen, um der raschen Besiedelung des Landes in die Arme zu arbeiten. Dazu gcseilen sicli die zahlreichen Berichte, welche in die Ocffcntlichkeit gebracht werden und die Sicdelungsfähigkeit des Landes in allen Farbennuancen der Hoffnung und der Freude schildern. Wo früher nichts wie ödes Steppenland sich ausbrcitetc. da blicken uns heute die weissen NYcUbkchhäuscr der Balm- Verwaltung und der Siedler entgegen, umgeben von den unvermeidlichen Eucalyptusbäiimcn und geziert mit rankenden Schlinggewächsen. Wo man vor wenigen Jahren noch auf Löwen, Nashörner und Giraffen jagte, da dehnen sich nun &ngc geradlinige Strasscnzügc aus, mit luxuriösen Steinbauten, relativ gut eingerichteten Hotels und warengefüliten indischen f Vcrkaufslädcn. Es sind Beamte, Kaufleutc und Landspekulanten, die dieses Leben hervorbrir.gcn, und r.ur an wenigen Stellen sicht mau auch schon Landwirte, die auf diesem neueröffneten Sicdclungsbodcn ihre Arbeit eingesetzt haben. Hie und da trifft mau auch schon auf industrielle Unternehmungen, auf einzelne Werkstätten von Handwerkern, auf Mühlen und Holzsägewerke. Alle diese Neusicdclungcn umgehen das Städtchen Nairobi, das als Gouvernementssitz des British East Afrika Protektorates und als Hauptstadt der siedcluiigstahigcn Ukamba-Provinz nun ein immer grösser werdender Attraktronspunkt für Neu- Siedler wird. Wir waren mehrere Tage in diesem Städtchen, aber ich muss sagen, dass es in Bezug auf seine Produktionsfähigkeit und seinen Handel nur ehten sehr schlechten Eindruck bei mir hintcrlicss. Man sicht überall grosse Kapitalwertc festgenagelt, und neue Kapitalien auf diesem unwirtschaftlichen Steppenboden sich verlieren. Der fruchtbarere Farmhoden von Kikuyu liegt mehrere Meilen von hier ab, und was an Grün hier spriesst, das beschränkt sich auf die schon erwähnten, auch unter den ungünstigsten Verhältnissen gedeihenden Eucalyptus• t.ünmc. auf einige Akazien und andere anspruchslose Blattpflanzen. Der Kleinhandel mit geringen Waren, au denen relativ und absolut aber am meisten zu verdienen ist, liegt i.1 den Händen der Inder, der Viehhaudcl in denjenigen der Soti t:Iis, und d e europäischen Verkaufende:», welche bessere Waren führen, haben’ sehr hohe Betriebsspesen und kleinen Umsatz. Schon die Bauplatzpreisc und loch mehr die Grundsteuern, sind im Verhältnis zu den Umsätzen viel zu hohe. Man machte mir diesbezüglich tolgerde Angaben: An der Vik* toria-Strcct kosten Bauplätze von 75 F'uss Frontlänge und IW) Fuss Tiefe 200—700 Rupies L. 7Is*~26 und 15 Rupia oder L. I monatliche Grundsteuer. Die Steuer kommt also einer Grundkapitalverzinsung von 25 bis 90 Prozent gleich. Ar. der Market Street kosten gleich grosse Bauplätze i«J0 Rupies und 2 Rupies monatliche Grundsteuer. An der neuen Gouverncmcnts-Road, wo die Plätze nur 50 Fuss Frontseite und 75 F’uss Tiefe haben, kosten sic 200 bis 1100 Rupies und 4 Rupies monatliche Steuer. Im indisehen Bazar, bei 28 Fuss Frontseite und 75 Fass Tieie, schwa׳!- ken die Preise zwischen 100 und 1100 Rup. und die Grund- -Steuer beträgt 2 Rup. per Monat. Farmland in der Umgebung von Nairobi, dessen Grundsteuer eine sehr minimale Ist, kam in der letzten Zeit zu folgenden Preisen zum Verkanf: 57 Acres, zwei Meilen von der S* dt und mit einer wertlosen Hütte darauf 7500 Rup., 250 Acres 4500 Rup.. 500 Acres 7500 Rup., und 500 Acres zu 3000 Rup. Die Transportkosten sind, wie wir das früher gesehen, immer noch viel zu hohe, als dass ein erträglicher Hendel bctrieben werden könnte, namentlich von Seite der Europäer, deren Unterhalt hier so viel mehr kostet, als derjenige der li'dci und Goanesen, die, wie früher die Araber, über das ganze Land sich verbreiten, nirgends eine Konkurrenz aufkotmi.cn lassen und jeden Erwerb a!1 sich reissen, der noch einigen Vtrdienst ermöglicht. Die Kartoffel-Ausfuhr, auf welche man so grosse Hoffnungen setzte, und die eine wichtige Erwerbsquelle der europäischen Farmer hätte werden sollen, ist luum: fast zur U11• möglichkeit geworden, da in den ehemaligen Absatzgebieten, den südafrikanischen Kolonien, nun selber vic'e Kartoffeln produziert werden und die Handels- und Zahluiigsvcrhältnissc von Südafrika sich zudem so sehr verschlimmert haben, dass nur noch mit der grössten Vorsicht Geschälte nach dorthin abzuscltlicssen sind. Die Bohnen-Ausfuhr, au» die mau jetzt die neuen Hoffnungen setzt, wird wegen der Konkurrenz anderer Produktionsgeschäfte ebenfalls eine beschränkte bleiben, und so findet der Farmer denn nur im Lokalhaudel den Absatz für seine Landesprodukte. Hier selbst aber noch entstehen ihm gefährliche Rivalen in den allmählich einer produktiveren ׳»1 *י. יי*""

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