Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 298 JÜDISCHE RUNDSCHAU No 25 and Tausenden von Raubvögeln wochenlang eine stets gedeckte Tafel bietet. *•Wie ich am Sitgoi und an der Noia war, zogen täglich neue Heuschrcckcnhcere über mir hin, und manchmal kamen sie in so dichten Scharen, dass sic wie Hagelwetter um unsere Köpfe sausten. An der Nzoia marschierte ich stundenlang über kahlgcfressene Grasflächen, auf denen eine grün und schwarz gefärbte Raupe ihr Zerstörungswerk vollendet hatte und vor dem Verkriechen in den Boden nun von einem nach Hunderttausenden zählend-״ Heere von Marabus und Hausstörche״ vertilgt wurde. Das diese gehässigen Stelzfüsscr nicht schon lange Herr geworden sind über dieses kleine Insekt, beweist nur, in welcher enormen Anzahl dieses letztere hier Vorkommen muss. Bei Schimoiii sah ich in einer Eucalyptus-Allee das Zerstörungswerk von Termiten, die hier die schönsten Bäume angegriffen und an ihrer Rinde Erscheinungen hervorgerufen hatten, wie etwa ein grosser Orasbrand sic anzurichten invstände wäre. Als ich auf der Farm des jüdischen Siedlers London am Ngare-Rogai war, klagte dieser über eine Motte, die ihm‘ das Negerkorn zerstört hätte und bei einem zweiten Besuche sah ich den reifenahen Mais durch ein Wurzelinsekt so sehr augegriffen, dass die stärksten Rohre über der Wurzel abbrachen und die Kolben auf diese Weise vor ihrer vollständigen Reife dem Verderben anheimnelen. Sehr wahrscheinlich kommen diese Insekten auch auf dem Guasso-Ngischit-PIateau vor, und wenn sie dort noch nicht heimisch sind, so wurden r.e jedenfalls durch die Kultur dorthin verschleppt. Ob ־auch die vielen Schnecken, deren leere Schalen man zur Trockenzeit auf den abgebrannten Grasebenen und im Buschwerke findet, als Schädlinge für den Ackerbau in Betracht kommen, vermag ich nicht zu beurteilen; jedenfalls waren sie aber den. Baumschulen schädlich, indem sic die jungen Pflänzlinge und die Früchte benagen- Ich habe früher bemerkt, dass die unzähligen Minierbauten der Erdferkel dem Ackerbau von grossem Schaden sein können; hier sei nur noch erwähnt, dass aucli Feldmäuse, Schweine, Antilopen und das nicht eingezäunte Vieh dem Landwirte empfindliche Verluste bringen können. Feldmäuse als Kulturschäd- Iinge habe ich fn grosser'Zahl in Sotiko, Lumbwa und Kaw.* rondo beobachtet und auf dem Guasso-Ngischu-Plateau sehr oft ihre Erdlöcher gesehen. Die Schweine sind auf dem Hochlande so sehr verbreitet, dass man sie dort überall und täglich ta grösseren und kleineren Rudeln antrifft. Antilopen kommen anf den Grasebenen zu Hunderttausenden vor, und es ist daher sehr zu befürchten, dass sie den Ackerbauern hier denselben Schaden zufügten, wie bei Nairobi, wo ihrer häufigen Besuche wegen diess Jahr z. B. der Weizen viel zu früh geschnitten werden musste. Als wir in Nakuro mit dem Commissioner Sir Donald Stewart über die Aussichten des Getreide- und Baumwollbaues in Britisch-Ostafrika sprachen, bemerkte er mit Recht, es sei immer ikxSi etwas Ungünstiges herum und man könne selbst auf die ersten Ernteproben solcher Kulturen noch kein volles Vertrauen haben. Die Bemerkung stimmt mit den schwachen Resultaten überein, welche die europäischen Farmen in Britisch- Ostafrika bis jetzt erzielt haben. Der Leiter der Gouvcrnements-Farm Makindu, der auf tiner 5—6 Morgen grossen Fläche die verschiedenartigsten Nutzgewächse augepflanzt hat, ist zum■ Schlüsse gekommen, dass der Anbau von Agaven und der Fang und Verkauf von wilden Tieren für ein ostafrikamsches Unternehmen wohl das Einträglichste wäre (man könne dazu vielleicht wohl das Hotelwesen rechnen, das auf dein häufigen Eintreffen der mit so grossen Glückgütern ausgestatteten Jagd- und Sportsleute basiert). Dabei liegt die Versuchsfarm auf dem fruchtbarsten Boden von Ukamba, nur eine Meile von der Eisenbahnstation Makindu entfernt, in einem von Nebel, Tau und Regenfall besonders begünstigten Gelände. Die־ europäischen Farmer in Kikuyu und im Rifz-Valley sind zur Zeit noch so unbedeutend, dass sie ausser Mais, Bohnen und Kartoffeln und grünen Gemüsen noch fast gar keine Feld fr&chtc produzieren. Wenn man nach den Ernten dieser Farmen fragt, so hört man mit Erstaunen, dass sie auch quantitativ noch sehr gering seien, dass die Sache aber schon kommen werde, wenn Nairobi und die Eisenbahnzone sich einmal besser entwickelt hätten und die Frachtsätze für Exportgüter reduziert seien. Man sucht die Preise dieser Farmen durch Zukunftsmus:k möglichst hoch hinaufzuscliraubeii und die Landbesitze dann im günstigen Momente mit gutom Profite wieder loszuschlagen. Die Farmen, die ich in Kikuyu sali, finden sich nur aasnahmsweisc auf frisch gerodetem Waldbodcn, meist aber aui altem Farmlandc, von welchem die Eingeborenen m!t einer Entschädigung von 2 s. 8 d. per Acre ausgelöst wurden. Ihr« Bearbeitung kommt noch um so billiger, als die Arbeitslöhne noch sehr geringe und für 30 Arbeitstage nur 5 s. zu bezahlen sind. Der Arbeiter übernimmt dabei seine Verpflegung meist selber, kann im anderen Falle aber mit ca. 2 s. pro Monat ernährt werden. Für das Guasso-Ngischu-Plateau kämen wohl nur fremde Landarbeiter in Betracht, da die Elgeyo und Maraguetti nur ein minderwertiges .Arbeitsmaterial liefern können. Sehr wahrscheinlich würden die Wakav. irondo und andere See- Völker sich dazu eignen, und ihre Arbeit käme wohl nicht höher zu stehen, als im Kikuyu-Lande, wo für 5—7 s. pro Monat gearbeitet wird. Eitle Bodenbearbeitung mit dem Pfluge wird sich auf dem Guasso-Ngischu-Plateau ebensoschwer ciniiüm• lassen, wie in Kikuyu, wo zur Zeit erst 20—25 Pflüge in Tätig- Reit sind; und der Hacke immer noch der Vorzug cingeräumt wird. Als Hauptprodukte des Ackerbaues würden im Territorium ungefähr dieselben in Betracht kommen, wie aut dem Kikuyu- Hochlande: Mais, Negerkorn, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Weizen, Gerste und Hafer. Der Maisbau ist in ganz Afrika in steter Zunahme begriffen und verdrängt an manchen Orten sogar die von altersher beliebte Hirscnkuitur. Ich finde cs für sehr begreiflich, dass die neu ankommenden Farmer zu allererst auf Maisbau sich werfen, denn er beansprucht kc'nc bcsondere Pflege und liefert eine ziemlich sichere und meist gute Ernte. Dass er nicht immer eine starke Bewässerung erfordert, beweist die Maiskultur in Marokko, wo die Ent- Wicklung hauptsächlich auf den Taufall angewiesen ist, und wo sogar erst nach dem Regen die Saat ausgelegt wird. Es iss freilich zu beachten, dass die Maiskultur den Boden stark aussaugt und in späteren Jahren auf demselben Felde meist nur noch Fruchtwechsel betrieben werden kann. Als Konkurrentin des Inlandes wird im Matsbau allmäiig das Küstengebiet in den Vordergrund treten, doch ist von dieser Konkurrenz heute noch wenig zu befürchten, da der Konsum noch sehr erweitcrungs fähig ist, und es immer noch Zeiten gibt, wo trotz des höchsten Preisangebotes nicht ein Lot Mais aufzutreiben ist. Die gewölinlichen Maispreisc unter den Eingeborenen sind l Pesa für einen Milchbecher voll, auf dem Nairobi-Markte aber wird er zu 2—4 Schilling pro Last von 60 Pfund Gewicht verkauft. Man unterscheidet gewöhnlich drei Sorten, den weissutta scliwarzgefärbten, minderwertigen Eingeborenen-Mais (Nativegrown Mealis), den weissen Hikory-King und den Gelbmais, welch letzterer noch 1Yc kleinste Verbreitung!tat. Nativc-grown Mealis kostet per Last I s. Ild. bis 2s. 3d. Hikory-King 2 ״ ״ ״s. 6d. 4 ״s Od. Yellow Mealis 2 ״ ״ ״s. 6d. 3 ״s. 2d. Der grosse amerikanische Mais beansprucht eine viel längere Vegetationsdauer als der kleinkörnige Native-Mais, und es dürfte bei der Kultur dieser sonst besseren Sorte, zumal bei dem Systeme der Doppclernten, sehr leicht Vorkommen, dass die Körner infolge Wassermangels nicht ausreifen und der Ertrag dann ein geringerer ist als bei dem schlechten Fingeborenen-Mais. Das Negerkorn oder die sog. Matammah wird 1O