Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 25 Seite 297 t 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU unterhalt erwerben kann. Unter günstigen Umständen sollten; 2,000 Morgen dazu einer Banernfamilic genügen, wenn ausser Viehzucht kleine Landstücke als Acker bebaut würden, und wenn die Ansiedler ihre Handlangerarbeit verrichten, wie dies i n Südafrika geschehen wäre, wenn dort keine eingeborene Bevöikerung gewesen wäre. denken ist und an den Maragolia-Hügeln ihr Ende erreicht, im Süden bildete der Aequator die Grenzlinie bis zum Hauptabfalle nach dem sog. Rifz-Valley. der grossen ostafrikanischen Orabetiversenkung, von wo dann die Ostgrenze in ziemSic:• genau nördlicher Richtung dem Elgcyo-Escarpment entlang bis zum oben genannten Kerembi-Bachc hin weiterverlief. 2,000 Morgen sind ungefähr drei Meilen, so dass nach dieser Rechnung die 3,000 Meilen Weideland 1 000 Familien erhalten würden. Mit der Verbesserung des Weidelandes, wenn die Erfahrung lehrt, dass der Regcnfall reichlich genug und zuverlässig ist, um Ackerbau ohne künstliche Bewässerung vorteilhaft zu machen, so würden die Nachkommen der ersten Ansiedler die Bevölkerung vermehren, ohne dass sich ein Bediirfnis nach Ausdehnung des Gebietes füHbar macht. . Hinsichtlich des Landes, das für Ackerbau verwendbar izi nehme ich an, dass möglicherweise alluviale Ebenen und solche der niederen Bodenwellen, über welche Wasser ohne grosse Bewässerungskosten geleitet werden kann, in Verbindung mit der tiefer liegenden nördlichen Region, 1,000 zu diesem Zwecke passende Meilen ausmachen würden. Wenn eine solche Ausdehnung von Ackerbauland existiert, was ich bezweifle, so müsste es mit der Zeit 15 bis 20 tausend arbeitende Ansiedler mit Arbeit versorgen. Es ist jedoch unmöglich, die Bevölkerungsmöglichkciten dieses Landes anders als hypothetisch zu behandeln, da wir keinen Präzedenzfall haben, nach dem wir uns richten können. Wie oben ausgeführt, sind bisher alle ähnlichen Landstriche in Afrika als Weidegründe für Pferde und Vieh behandelt worden. Mir scheint, dass es nur eine Methode gibt, nach der wir eine überzeugende Probe anstellen können, ob die grossen Ausgaben eines solchen Kolonialplans sich rechtfertigen lassen. Ein Sachverständiger für Ackerbau sollte mit einer kleinen Anzahl von intelligenten praktischen Ackerbauern — sagen wir zehn — ausgesandt werden; dieser Gesellschaft sollten 100 Bauern folgen. Dann müssten zehn kleine Landstriche ausgewählt werden, ein Ackerbauer sollte, zum Zwecke von Experimenten die Oberaufsicht über jeden Landstrich übernehmen, und unter seiner Leitung sollte je 10. Bauern ein kleiner Landstrich angewiesen werden. Das zweite Jahr würde einen sehr guten Ueberbiick über die Möglichkeiten des grossen Planes geben. Unterdessen sollte eine kleine Viehfarm unter der Oberaufsicht des sachverständigen Leiters nützliche Erfahrungen zur Folge haben und ein Feld für Experimente er öffnen. B u d e, 22. April 1905. A. ST. H. GIBBONS. Bericht Von Dr. Alfred Kaiser, Arbon. (Auszug.) GRENZEN Wie es bei Verleihung von ausscrcuropäischen Konzessionsgebieten und bei der Aufte’lung‘ von unokkupiertem Freilande zwischen zwei verschiedenen Nationen fast immer der Fall ist, so waren auch bei der Grenzbestimmung des von der britischen Regierung den Zionisten zugesicherten Territoriums in Britisch- Ostafrika gedachte, nicht in ihrem ganzen Verlaufe von naturliehen Grenzobjekten bestimmte Grenzlinien in Anwendung gekommen. Das den Zionisten zur Verfügung gestellte Areal war zum grössten Teile von derartigen künstlich konstruierten Linien begrenzt. Es umfasste dabei einen Flächenraum von ca. 6,000 QuadratmerltMt und war im* Norden begrenzt durch ,eine zum Aequator parallel laufende Linie, die beim Kcremki-Bache, einem Nebenflüsse, des in den Rudolf-See eüimündenden Kerio-River ihren Ausgangspunkt hatte, im Westen durch die Meridianlinie, weiche 70m Klsimchanga-Berge nach dem Aequator hin zu Solche konstruktionell gezogenen, gedacht*־.! Linien ermögliehen rieht immer eine exakte Orientierung «!Der die Zugehörigkeit der in Fiage kommenden Grenzgebiete, und so lange sie nicht durch feste und deutlich rsc״i!.are Marken in ihrem ganzen Verlaufe bestimmt sind, was sehr kostspielige geometrische Arbeiten voraussetzt, führt dieses künstliche Grenzsystem nachträgiieh oft zu sehr unliebsamen Streitfragen. Marksteine, die in Europa sich als sehr praktisch erweisen, bieten in Afrika nicht dieselbe Sicherheit. Sie werden von Eingeborenen mutwillig entfernt, von Wafferflutcn unterspült und weggerissen oder von Waldbränden und Unkrautwucherungen begraben. Ganz anders aber ist es bei natürlichen Grenzlinien, die zwar selten den langen Verlauf einer geraden Linie aufweisen, dafür aber durch eine Reihe von weithin erkenntlichen und mit Namen belegten Punkte bestimmt sind. Sic entsprechen einer den wirt• schädlichen und politischen Verhältnissen angepassten Abgrcn* zung und gewähren jedem eine rasche und sichere Orientierung über den Grenzvcrlauf. Es ist daher sehr zu begrüssen, dass schon vor der Ucbernahme des Territoriums durch die Zionisten diesem Umstande ein gebührendes Augenmerk gewidmet und die Grenzen des Territoriums, so weit es anging, durch natürliche Linien neu bestimmt wurden. ACKERBAU In Bezug auf agrikuiturelle Aussichten ist das Ouasso- Ngischu-Platcau von der Natur sehr stiefmütterlich behandelt. Wir haben zwar gesehen, dass die alten Moguan-Erbauer neben Viehzucht auch etwas Ackerbau trieben und dass heute die Elgeyo, Maraguetti und Wakuafi auf ihren Bergen den Boden bebauen. Von Bedeutung waren und sind diese Kulturen aber niemals, denn cs fehlt hier nicht nur an genügenden Nieder- Schlägen und hinlänglicher Bodenfeuchtigkeit, sondern auch an jenen fruchtbaren Schwemmlandgebieten, die anderorts am Fusse hoher Bergketten in die Ebenen hineinreichen und dort jene kultunähigcn Bodenflächen darstellen, welche die Leute der Küstenzone gewöhnlich als ״Kitivos“ bezeichnen. An den Anbau von ertragreichen Plantagengewächsen ist unter diesen ungünstigen Auspizien gar nicht zu denken, und für lohnenden Obst- und Gemüsebau, auf den man Wer vielleicht hoffen möchte, snd die Absatzverhältnisse viel zu ungünstig, als dass der Siedler sich damit abgeben könnte. In viel höherem Masse wie an der Küste oder auf dem bereits In Kultur sich befindenden Kikuyu-Plateau wird im Territorium für den Anbau von gewöhnlichen Feldfrüchten nur eine einzige Saison, die Regenzeit zwischen April und Juli, von Bedeutung sein. In der Nachtregen7.eit sind die Nieder- Schläge schon viel zu unsicher, als dass mau bei einer zweiten Feldbestellung noch auf einen der aufgewendeten Ai beit entsprechenden Ertrag rechnen dürfte. Wie ich in Nairobi erfahren habe, ist die sogenannte ״zweite Saison“, die dort in die Monate November bis Januar fällt, auch schon so unbedeutend, dass man in jener Zeit die Felder viel besser in Ruhe Hesse und auf eine zweite Jahresernte vollständig verzichtete. Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis des Ackerbaues werden auf dem Quasso-Ngischu-Hochlande die zahlreich vorkommenden KuUurschädltngc bilde.!. Die Insektenwelt ist hier zwar arm an Arten, um so reicher aber an Zahl. Die gefrässige Wanderheuschrecke, die in anderen ostafr'- kanischen Kulturgebieten fast gar keinen Schaden anrichtet und nur in versprengten Schwärmen hie und da über die heisse Steppenwüste hinaus in bebaute Areale sich verfliegt, ist hier ‘ so häufig, dass sie oft meilenweit alles Buschwerk überzieht r \» ז■■״«■*■-*״ *t