Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 296 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 25 starker Strom dem Bette eines Baches entlang, ganz in der Nähe seiner Quelle. Der Abhang des Landes vom Fusse dieser Gebirgskette in südwestlicher Richtung ist so steif — fast 1,000 Fuss in 25 Meilen — dass das Fliessen des Wassers fast überall sehr schnell ist, und infolge des steinigen Charakters der Flussbette ist das Wasser sehr klar. Die Ströme, die in den Abhängen des Mount Elgon entspringen, haben wahrscheinlieh denselben Charakter. ’ ' Bis ich den Nzoio-Fluss überschritt, sah ich keine Wasserkraft, die fähig gewesen wäre, mehr als eine beschränkte Menge elektrischer Kraft zu erzeugen, aber die Wasserfälle, die auf der Karte bezeichnet sind, wo mein Weg den Nzoio kreuzt, können in dieser Hinsicht wohl nutzbar gemacht werden. 4. Von der südöstlichen Seite, über die Ravine, ist das Land leicht für Verkehr zu Fuss zugänglich und liegt nur 55 Meilen von der Eisenbahn entfernt. Die Besteigung der Kamasia-Abdachung durch einen Urwald von 10 Meilen ist das einzige Hindernis für Fuhrwerke auf diesem Wege, denn der Weg von Nakuru nach der Ravine ist — für einen afrikanischen Weg — ausgezeichnet. Es liegt kein Grund vor, warum •nicht mit der Zeit ein guter Weg direkt durch den Wald angelegt werden könnte. Für Fuhrwerke weist jedoch der längere Weg via Kavirondo keine grossen Schwierigkeiten auf. Die Brüder Van Breda brachten ihre Karren auf diesem Wege. Lake Victoria ist vom Südwesten auch leicht erreichbar, und befindet man sich einmal auf dem Sec, so können sowohl die Hauptstation der Eisenbahn als auch die anderen an' diesem grossen Binnenmeer gelegenen Hafen leicht auf Dampf- oder Segelschiffen erreicht werden. Mir scheint jedoch, dass die jetzt existierenden Verkehrsmittel nicht die beträchtliche Aufmerksamkeit verdienen, die ihnen meistens zu Teil wird. Die schon existierenden Märkte werden gleichfalls so angesehen, als ob neue Möglichkeiten für den Handel sich m Zukunft nicht eröffnen Hessen. Die Erfahrung hat doch sicher gelehrt, dass fast gleichzeitig mit der Erlangung der Fähigkeit eines Landes Handelsartikel zu produzieren, Eisenbahnen ins Leben treten. Mit dem Wachsen der Produktivität setzen die Eisenbahnen In ihrem eigenen Interesse ihre Fahrpreise herab und die Schiffahrts-Gesellschaften tun dasselbe. Die Produzenten sehen also mit der Zeit, dass sie imstande sind, in vielen Märkten der Welt die Konkurrenz auszuhalten. ' Der Import von Korn aus den westlichen Staaten von Amerika nach England beweist diese Behauptung. Warum sollte Ostafrika mit weniger als 500 Meilen Eisenbahn-Verbindung mit dem Meere, mcht mit Produzenten konkurrieren körnten, die zwei- bis dreitausend Meilen vom Meere ansässig sind. In dieser Hinsicht muss die Geschichte sich früher oder später wiederholen, aber der Ansiedler muss das anfängliche Risiko nicht scheuen. 5. Es gibt keine ansässige Bevölkerung auf dem Plateau, ausser in der Höhicnregion auf den Höhen von Elgon, und In dem Chipchangwane-Gebirge. Banden von Jägern, die über die Elgeyo-Abdachung kommen,begegnen einem gelegentlich, ich glaube aber nicht,dass von dem Nandi-Bezirke im Süden bis zu den Bergen im Norden eine einzige Hütte gefunden werden könnte, vielleicht mit der Ausnahme eines vereinzelten Gras- Schuppens in den Tiefen des Waldes, der sich der östlichen Grenze entlang erstreckt. Es erscheint auf den ersten Blick unbegreiflich, dass ein so verlockendes Land unbewohnt sein sollte. Es wird dies jedoch dadurch erklärt, dass vor einigen Menschenaltern ein räuberischer Einfall der Masais das Plateau von allen Bewohnern, Männern, Frauen und Kindern entbiösste. Diejenigen, die mit dem Leben davonkamen, retteten sich in weniger offenliegende Gegenden, wo sic sich zu Zeiten der Gefahr in der Tiefe des Waldes verbergen konnten. Das Nandi-Land im Süden ist, wie ich fand, d'cht bevölkert, nach afrikanischen Begriffen. Sie sind gegenwärtig, und waren es seit unserer ersten Berührung mit ihnen — ein unruhiger Stamm, wie ich am Anfang dieses Berichtes mit Bezug auf meine Erfahrungen mit ihm schon gesagt habe. Jedoch ist kein afrikanischer Stamm, nicht einmal die Masai, fähig, ernstliche und andauernde Unruhen hervorzurufen. In diesem Teile von Afrika gibt es keine grossen, eingeborenen, kriegerischen Stämme, wie z, B. die Zulus, Matabelcs usw., die in der Geschichte einen Platz gefunden haben. Die geographische Lage des Landes kommt nicht in d:e Grenzen dieser Beobachtungen, ist aber dennoch von grossem Interesse.* Das Plateau hat vor allen Dingen seine jetzige Lage durch eine grosse vulkanische Umwälzung erhalten. Deshalb, während das felsige Bett des Plateaus aus Lavaformationen besteht, die meistens der sekundären und tertiären Periode angehören, so finden sich dort auch kleine Blöcke, die älteren Formationen angehören. Sirgoi ist ein Granitblock, die Ildaiatgruppe ist reich mit Eisen durchsetzt, und zwischen beiden liegt eine Ebene, die von einem Ende zum anderen ein Dutzend Meilen misst, wo die Lava der Erdkrume ganz nahe liegt. Wenn also zu irgend weicher Zeit in der Zukunft nützliches Erz dort entdeckt werden sollte, so ist es unwahrscheinlich, dass dessen Feld mehr als beschränkt sein würde. (Etwas gekürzt). Rösu md Das Land, das den Gegenstand des ursprünglichen Angebotes der königlichen Regierung bildete, hat von Osten nach Westen eine Länge von 70 Meilen*) im Durchschnitt, und 91׳ Meilen von Süden nach Norden. Dies ergibt ein Gebiet von etwa 6,300 Quadratmcilen. Die von Sir Harry Jolmstone vorgeschiagene Alternative umschiiesst ungefähr dasselbe Areal, hat aber den Vorteil scharf bezeichnter Grenzen im Süden und Westen sowohl wie im Osten, und bietet den weiteren Vorteil der Ausschliessung des Nandi-Gebietcs, an dessen Stelle eine nördliche Ausdehnung gesetzt, welche, da sie sich zu einer Höhe von 4,000 Fuss senkt — welche Höhe noch immer eine gesunde ist —- ein Feld für den Bau von Tabak, Baumwolle und anderen Produkten, die Nachtfröste scheuen, eröffnen könnte. Obgleich das Gebiet auf ungefähr 6,300 Meilen geschätzt werden kann, so wäre es irrtümlich, anzunehmen, dass dieses ganze Areal sich für Zwecke der Niederlassung eignet. Etwa 400 Quadratmeilen sind von undurchdringlichem Walde bedeckt, während der höher gelegene Teil des Eigon und seine Ausläufer mit der Chipchangwane-Kettc (welche ein viel grösseres Gebiet einnimmt als nach den veröffentlichten Karten der Fall ist) wahrscheinlich weitere 2,000 Meilen in Anspruch nehmen. Es bleiben also etwa 4,000 Quadratmcilen übrig. Der grösste Teil dieses Gebietes ist vorzügliches Land, die nördliche Hälfte ist gut bewässert, aber während zweifellos eine gewisse Anzahl von Meilen zum Ackerbau verwendbar ist, welches Areal ganz vom Regenfall abhängig ist, der sich auf 50 bis 60 Zoll jährlich schätzen lässt, so ist dieses Land ohne Frage eher für Viehzucht geeignet. Wenn wir annehmen, dass von den 4,000 Meilen, die uns zu Gebote stehen, 1,000 zum Ackerbau verwendbar sind, und die übrigen 3,000 in kleine Viehfarmen eingeteilt werden können, so würde ich sagen, dass wir sehr zu Gunsten des Ackerbaues gerechnet haben. In Südafrika gelten 5,000 Morgen (Acres) als viel zu klein für eine Viehfarm, aber das Weideland auf dem Guas Ngishu Plateau ist besser als das südafrikanische Veldt, mit Ausnahme nur seines besten Teiles; ich erfahre auch, dass es nicht im Plane des Komitees liegt, die Ansiedler mit Gelegenheiten zur Ansammlung von Reichtümcrn zu versorgen, sondern im Gegenteil jedem das kleinste Stück Land anzuweisen, auf dem er sich seinen Lebens- •) Hier, wie überall vorher und im Folgenden, sind natürlich englische Meilen gemeint. Eine englische Meile gleich 1.609 Kilometer. Das ganze Gebiet hat also etwa die Grösse des Grossherzogtums B a d e n, d. h. etwas mehr als die Hälfte Palästinas. (Anin. d. Red.) ׳יייי׳יוי"