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Jüdische Rundschau · 1905-06-23 · Heft 25 (23.6.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 295 I In einer solchen Höhe unwahrscheinlich sind, ist über diesen Gegenstand nichts mehr za sagen. Es scheint also, dass die einwandernde weisse Bevölkerung erst alle die tausend und abertausend Krankheiten mit sich bringen muss, die in Europa sich entwickelt haben und durch unregelmässiges Leben und Verweichlichung grossgezogen werden sind, und die die Vorteile der reinen Platcauiuft neutralisieren würden; sonst wird der ärztliche Beruf in'Guas Ngishu nicht einträglich sein. 2. Der Boden des Plateaus besteht, zum grossen Teil aus lener reichen afrikanischen Erde, deren Fruchtbarkeit so bekannt ist. Jedoch an den Stellen, wo die Lava der Erdoberfläche nahe ist, ist der Boden reich mit zerstäubten vulkanisehen Bestandteilen durchsetzt Das ist besonders der Fall in der Ebene, die nahe beim Mount Sirgoi liegt und sich etwa zwölf Meilen westlich erstreckt; dasselbe gilt für den kleinen Landstrich östlich und nördlich von Karuna. In solchen Landstrichen, welche Jedoch nur einen kleinen Teil des ganzen Gebietes bilden, wächst gutes Gras, aber in Folge des porösen Charakters des Lavabettes verdorrt und verwelkt die Vegetation in der heissen Jahreszeit oder zu Zeiten der Dürre. Derselbe Umstand ist ohne Zweifel der Grund des mangelhaften Wasservorrats in lenen Landstrichen während der trockenen Jahreszeit, ein Umstand, der künstliche Bewässerung unmöglieh macht an Orten, wo sie am notwendigsten wäre, und wo die verhältnismässig ebene Oberfläche des Landes solche Vorrichtungen unter besseren Verhältnissen begünstigen würde. Diese Landstriche scheinen sich mehr für die Zucht von Scha• ten und Ziegen zu eignen, als für Viehzucht. Der bei weitem grösste Teil des Plateaus eignet sich Jedoch ausgezeichnet für Weideland, denn das Gras ist, was in Südafrika als ״Zuur Veldt” oder ״Sour Veldt" bekannt ist. Auf solcher Weiac gedeiht Vieh sowohl als Pierde und Esel, es eignet sich Jedoch weder für Schafe noch Ziegen. Da ich mehrere Strausse in ienem? inde sah, kann man annehmen, dass der zahme Strauss dort gedeihen würde. Das ostafrikanische Vieh ist klein und lohnt die Zucht nicht, oder nur in den ersten Jahren der Niederlassung. Vorteilhafte Viehzucht kann ohne importiertes Vieh nicht getrieben werden, was ein gewagtes Unternehmen ist, da nur zu oft verheerende Seuchen mit den Herden eingeführt worden sind. Ei־ ist nicht allgemein bekannt, dass nicht nur die Haut de.* eingeborenen Menschenrassen schwarz ist, sondern auch die fast der gesamten Fauna. Der eingcborene Ochse, der Büffel, der Löwe, alle Antilopen und Affen, die ich untersucht habe, haben eine schwarze Haut unter Ihrem Fell. Sogar das ״weisse״ Rhinoceros hat dne ganz ebenso schwarze Haut als sein schwarzer Vetter. Bei einer Antilope, dem Buschbock, habe ich unter dem Bauche weisse Haut bemerkt, aber auf dem Rest des Körpers ist seine Haut schwarz. Derselbe Umstand charakterisiert die Fauna, das Vieh und die eingeborene Bevölkerung von Indien. In Europa ist es anders. Alles ist dort weiss, ausser wo importierte Schweine ihrer Nachkommenschaft ihre Farbe hinterlasscn haben. Mir scheint, dass das Importieren von Vieh aus Indien mit weniger Bedenken verbunden wäre, als die Einführung von Vieh mit weisser Haut aus Europa. Europäisches Vieh und seine Nachkommenschaft sind in Südafrika immer dne Quelle von Enttäuschungen und Seuchen gewesen. Im Nordwesten von Rhodesia, wo das Importieren von Vieh aus dem Süden streng verboten ist, sind die cingeschleppten Seuchen des Südens noch unbekannt Dort ist jedoch ein recht guter Stamm von eingeborenem Vieh. In Bezug auf das Blühen dieses La wies, w׳as Viehzucht anbetrifft, muss also den einzuführenden Rassen von Vieh die grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nach den Erfahrungen zu urteilen, die in anderen afrikanischen Kolonien gemacht worden sind, ist kein Grund, anzunehmen, dass für Ackerbau auf diesem Plateau gute Aussichten vorhanden sind. Anderweitig ist ähnliches Land immer, als Weideland benützt worden. Während meiner ganzen Reise sah ich nur zwei kleine Ebenen, die künstlich bewässert werden können. In beiden Fällen ist die beständige Wasserversorgung gut, und könnte leicht über das Land geleitet werden. Im allgemeinen besteht das Land aus ziemlich steilen Bodenwellen, um! wo Flüsse vorhanden sind, fliessen sie zwischen zwei derselben. Das Bett Ist fast überall steinig, und es ist kein alluviales Tal vorhanden, wie in andern Teilen von Afrika. Ein solches Land zu bewässern Ist nicht unmöglich, es ist wegen der grossen Kosten, die solche Arbeiten mit sich bringen würden, unausführbar. An verschiedenen Orten müssten Aquädukts gebaut werden, über die Lücken in den Bodenwellen, und Wasser, welches das Niveau des zu bewässernden Landes erreichen soll, muss diesem notwendigerweise aus grosser Ferne zugeführt werden. Dennoch, obgleich grossenteils durch die Ungewissheit der Regenperiode in Südafrika solche Hoch-!ander in den Kolonien nicht als Weizeniand benutzt worden sind, liegt doch keine Notwendigkeit vor, darauf zu bestehen, dass nicht auf diesem Plateau, im Falle eines bedeutenderen und weitreichenderen Regenfalles, manche seiner Teile zum Ackerbau verwendbar sind. In Folge seiner grossen Höhe und der Nachtfröste sind Baumwollen- und Gummibäumc und andere tropische und halb tropische Pflanzen ausgeschlossen. In vielen Gegenden würden jedoch manche Obstbäume gut gedeihen. Orangen- und Zitronenbäume halten einige Grad Frost aus, sind aber ais Junge Pflanzen für den Einfluss einer sehr niedrigen Temperatur empfindlich. Die meisten curopäisehen Obstbäume sollten gedeihen. Wenn auch der afrikanische Boden meistens höchst fruchtba! ist, so müssen doch die Ucbelstände nicht aus dem Auge verloren werden. Dürren kommen in Hochländern seltener vor als■ anderswo. Heuschrecken können eine ganze Ernte in einem Tage zerstören. Dieser grösste aller Feinde des Ackerbaues erscheint plötzlich in grosser Zahl und jeder Bezirk wird der Reihe nach verwüstet, wenn die mächtigen Wolken von Heuschrecken über denselben ziehen. In geringeren Massen erscheinen sie Jährlich, bis sie nach etw׳a sechs oder sieben Jahren der Zerstörung fast verschwinden. Während meiner Reise sah ich zwei kleine Heuschreckenzuge. Raupen sind fast ebenso grosse Zerstörer alles Grünen, das ihnen in den Weg kommt, kommen aber zum Glück weniger häufig vor als die Heuschreckenplage. Millionen dieser kriechcnden Insekten scheinen wie durch einen Zauberschlag ins Leben zu kommen. Nur zweimal sah ich das Resultat ihrer Verwüstungen, einmal am Nil im Jahre 1900, wo sie die Felder dem Erdboden gleichgemacht hatten, was Jedoch so früh im Jahre geschehen war, dass es nicht zu spät w׳ar, die Felder wieder zu besäen. Ich sah etwas Achnliches, als ich im Januar auü unserem Wege zu Nairobi durch die Athi-Ebeoc reiste. Mehrere Meilen ringsum waren ohne jegliche Spur von grüner Vegetation, und es wurde mir gesagt, dass die Raupen eine so dicke Schicht auf den Eisenbahnschienen bildeten, dass ihre zermalmten Körper die Räder der Lokomotive völlig ausser Stand setzten, die Schienen beim Ersteigen der steileren Hügel zu fassen. In mehreren Fällen wurde der Zug zum Stillstehen gebracht, bis Sand angewandt werden konnte. Dennoch, trotz gelegentlicher Katastrophen solcher Art, ist die Fruchtbarkeit des Bodens, wo ihm Wasser zugeführt werden kann, so gross, dass die Verhältnisse sich zum grossen Teil als günstig für den sorgfältigen Ackerbauer erweisen werden, namentlich wenn er wohlhabend genug ist, um gelegentlich ein ungünstiges Jahr überleben zu können. 3. Mit Ausnahme des südlichen Teiles des Gebietes ist die Wasserversorgung ausgezeichnet, und selbst dort Ist das Wasser für Zwecke der Kolonisation genügend. Das Nzoio- System, sogar zu der Zeit als ich meine Reise der Wasserscheide mehrerer seiner Nebenflüsse machte -- nämlich am Ende der trockenen Jahreszeit — war reichlich mit gutem Wasser versorgt Die grössere Anzahl dieser Nebenflüsse entspringen in der Chipchangwane-Kette, und häufig fllesst ein '\ \ / V

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