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Jüdische Rundschau · 1905-06-23 · Heft 25 (23.6.1905) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 25 Seite 293 *JÜDISCHE RUNDSCHAU geschah gegen Abend. In dieser Gegend findet man Klee und eine ziemlich geschmacklose Himbeere und eine weisse, immerblühende Blume in grosser Fülle. Am 8. Februar verbrachte ich noch einen ziemlich langweiligen Tag im Walde. In zehn Stunden kamen wir ebensoviele Meilen vorwärts. Am Ende des Nachmittags stiessen wir auf einen schmalen Streifen offenen Landes, etwa eine Meile lang, und schlugen hier zur Nacht unser Lager auf. Am Mittag des felgenden Tages hatten wir den Wald durchschritten und etwa eine Meile weiter trafen wir auf die Farm von drei Südafrikanern, die Brüder Van Breda. Ihre Ochsen und Esel waren ein lebender Beweis der Vortrcfflic'nkeit des Weidelandes in dieser Gegend. Einer der Brüder sagte mir, dass vor einigen Nächten drei Ochsen aus den! an das Haus anstosser.den Kraal gestohlen worden waren, und dass später zehn Wilde sich dem Eingeborenen näherten, der binnen einer halben Meile vom Hause die Esel hütete, ihm sagten, er solle nach Hause gehen und sich dann daran machten, die Esel in den Wald zu treiben. Bis der Junge seine Herren von dem Raube unterrichten konnte, waren die Diebe entflohen, und alle Versuche, sie cinzuhorcn, stellten sich als fruchtlos heraus. Am folgenden Tage kamen wir zu einem trockenen, dürren Landstrich, wo die poröse Lava nur von einer dünnen Schicht Erde bedeckt war. Das Gras war spärlich und die wenigen Bäume, die von Zeit zu Zeit Wurzel gefasst waren alle verdorrt, nachdem sic eine Höhe von einigen Fuss erreicht hatten. Die Flussbetten waren trocken und \Vua3cr musste drei Meilen weiter geholt werden. Am folgenden Morgen kam mein Masaifiihrcr, der sich bis. dahin ausserordentlich unwissend über das Land gezeigt hatte, seit wir in dasselbe gekommen waren, zu mir und fragte mich, in welcher Richtung ich nun gehen wolle. Als ich ihm sagte, dass wir nach Norden gehen würden, antwortete er, dass die Leute in den Bergen uns töten würden, und schlug eine westliche Richtung vor. Darauf konnte ich natürlich nicht cingchcn und bestand aul dem nördlichen Weg’, worauf der Masai sich energisch weigerte, mich zu begleiten. Ich gab ihm also genügend Vorräte, um nach der Ravine zu kommen, und schickte ihn auf der Stelle aus dem Lager. Als die Lasten gepackt waren, gab Ich den Befehl zum Aufbruch, begegnete aber allgemeinem Widerstande, denn die Träger blieben alle datfei, dass sie nicht getötet werden wollten und dass ausserdem, nun wo der Masai uns verlassen hatte, wir niemand hatten, der uns führen konnte. Ich antwortete, dass ich der Führer sein könnte und dass ich sic alle lebend zurückbringen würde. Sic blieben aber bei ihrer Widerspenstigkeit. An Jenem Morgen hatte ich ״Posho“ für sechs Tage verteilt. Daran er- Innerte ich sic und fügte hinzu: ״Ihr habt gerade genug Vorrate, um nach Nakuru zu kommen. Alle, die sich meinem Befehle widersetzen, wurden sofort dem Masai folgen, und vergesset nicht, dass ihr keinen Pfennig Lohn bekommen werdet und kein Fahrgeld, um in eure Heimat zurückzukehren.“ Sic blieben auch darauf fest, Ich befahl also, mein Zelt aufzuschlagen und fügte hinzu: ״Ich kann sehr gut zwei Tage hier stillsitzen, nach Ablauf dieser Zeit werde Ich neue Träger aus dem Lager iu Sirgoi bekommen. Macht euch fetzt alle bis auf den letzten Mann davon.“ Dies brachte die Mombassalcute, von denen ich glücklicherweise etwra ein halbes Dutzend mit mir hatte, zur Besinnung Eine» von ihnen näherte sich mir und sagte, dass d׳e Mombassalcute gewillt seien, mir zu folgen, bat. mich aber, der Karawane mein weit vorauszugehen. Ich wusste nun, dass ich das FeDd gewonnen hatte, wandte mich also zu den Nairobi-Leuten und befahl ihnen, sofort das Lager zu verlassen und, wie ich erwartete hatte, teilten mir diese nun mit, dass sie mir auch folgen würden. Von nun an hatte ich keine weiteren Sghwierigkeiten mit meiner Karawane. "־־־ Als wir den Weg nach Norden efnschlugcn, blieb das wüste Land hinter uns zurück, und wir fanden eine Reihe von Bodenwellen, die etwa 400 Fuss höher lagen als unser letztes Lager. Eine Zelt lang stiegen wir allmählich abw’ärts, bis wir zu einer malerischen Schlucht kamen, die im Westen von Hügeln eingeschlossen wfar, welche sich bis zu 300 bis 500 Fuss erhoben, und im Osten von bewaldeten Abhängen. Diese Schlucht war In der Mitte von einem steinigen Bach durchflossen, etwa 30 Fuss breit, dessen Quelle augenscheinlich etwa 15 -Meilen nordöstlich lag. Dieser Strom umschlängelt den schon beschriebenen westlichen Gebirgsvorsprung, und schlägt dann eine westliche Richtung ein. Er ist zweifellos der Vaterstrom des Nzoio- Fluss-Sj'stems. Am Morgen des 11. erstieg ich den westlichen Hügel, auf dessen niedrigerem Abhang mein Zelt stand. Vom Gipfel aus hatte ich einen weiteren Blick über das umliegende Lnad. Int Norden bot sich ein wildes, rauhes Land meinen Blicken. Eine grossaröge Gebirgsmassc erstreckte sich meilenweit im Hintergrunde und schien an vielen Orten eine Höhe von 10 000 bis 12000 Fuss zu erreichen. Manche dieser Berge sind steil ut.d rauh, andere haben sanftere Abhänge. Eiivgc sind teilweise oder ganz mit dichtem Waide bedeckt, obgleich auf den meisten Gras wächst, ausser w0־ der nackte Fels hcrvorlritt. Im Nordosten und Osten scheint sich ein endloser Urwald auszudclmcn, der nur hin und wieder von kleinen Wiesen unterbrochen ist. Ich sah sofort ein. dass von keinem Versuche die Rede sein konnte, in dieser Richtung vorzudringen. Dazu hätte ich viel mehr Zeit gebraucht, als mir zu Gebote stand. Ich beschloss also, die Gebirgskette au ihrer westlichen Grenze zu umgehen. Ein anfangs sehr rauher Weg führte uns etwa 700 Fuss tiefer, und wir stiegen den steilen Abhang des Hügels hinab in ein wildes Tal. Einem kalten Bergstrom folgend, kamen wir schliesslich in ein enges Tal, das von allen Seiten von Bergen umschlossen war, und sich über fünfzehn Mellen nach Norden erstreckte. Dieses Tal könnte mit gutem Recht ״das Tal der Löwen" genannt werden. Niemals habe Ich an einem Ort so viel Löwen gehört, als während der zwei Nächte, die ich dort lagerte. Als Ich das Tal vcrliess, führte Ich die Karawane den äusseren Abhängen der Chipchangwanc Kette entlang. In diesem pfadlosen Lande mit seinen schroffen Abhängen und seinem langen Grase war das Vorwärtskommcn schwierig und langsam, besonders da die Flüsse, von denen wir täglich mchrere zu überschreiten hatten, stets von Streifen dichten Waldes begleitet sind, durch den wir einen Pfad zu hauen gezwungen waren, bevor wir unseren Weg fortsetzen konnten. Auf diese Weise drangen wir weiter vor bis zum 17 Februar. Von einem Hügel 1° 9’ 30” nördlicher Breite, den ich am Abend desselben Tages erstieg, hatte ich einen sehr schönen Ueberblick über das Land, das zwischen Mount Elgon und der Chipchangwanc״ Kette lag. Alles Land unmittelbar in meiner Nähe, von ungcfahr 1° 5' N. bis 1° 15* nördliche Breite, war offen. Der Rest war halb-offen, Grasland mit einer spärlichen Beimischung von Bäumen, was man am besten als spärlichen Savannenwald bezeichnen könnte. Mount Elgon schien mir der Chipchangwanc- Kette viel näher zu legen, als bisher angenommen worden ist. Die späteren Resultate zahlreicher Peilungen. \on vcrschfcdenen Punkten zu einem sehr ausgesprochenen Gipfel des Elgon gemacht, wiesen darauf hin, dass die Karten einer Abündcrung bedürfen. ' Wir w׳arcn nun durcli Zeitmangel gezwungen, die westliehe Richtung aufzugeben, Ich schlug also am IS. Februar eine süd-südöstliche Richtung ein. Während des grössten Teiles des •Tages wunderten wir über die oben beschriebenen schattenlosen Ebenen, und erst am Ende der Tagereisen erreichten wir das Savannenland. Am folgenden Tage richteten wir uns allmählich nach Süden und hielten diese Richtung ein, bis wir am 2L am Fusse einer Hügclgruppc unser Lager aufschlugen, von denen Itdalat der bedeutendste ist. Während der letzten Tage fanden wir nur fn dem Sinne eine Acnderung im Charak- C־ V v u

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