Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651419--02492-2659379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 292, JÜDISCHE RUNDSCHAU No 25 mit dem grösste« Teil der Ausrüstung dcrv Expedition zurückgeblieben war. Jedocb, um Zeitverlust zu vermeiden, sandte ich am folgenden Morgen 15־ Träger mit ihren Lasten nach der Ravinestation, unter Aufsicht des Karawancnführers. Als sic vier Tage später zurückkehrten, hatten wir die fehlende Ausrüstung wicdcrerlangt und von neuem in Trägcrfasten eingeteilt, so dass wir Nakuru am folgenden Morgen verlssen konnten. (Am 22. Januar.) Durch Mr. Foakcs, den obersten Verwaltungsbcamtcn des Bezirkes, nahm ich drei Masai- Führer und noch fünf Träger an. ׳ Zwei Ochsen und einige eingeborene Schafe wurden durch Mr. Foakcs erworben. Dadurch, dass wir sie in einem Hauptlager licssciL, das in der Nähe von Mount Sirgoi eingerichtet werden sollte, hofften wir, den Wert des Weidelandes in dieser Gegend einer praktischen Probe zu unterwerfen. Mr. Foakcs lieh uns auch zwei oder drei alte Snidcr-Gewehre, die vom Karawancnrührer und von einigen auserwählten Eingeborenen getragen wurden. Der Ruf von räuberischen Angriffen auf kleinere Karawanen, den sich die Wanandi um1! die Waldbcwohncr erworben haben, machte ein gewisses Zurschautragen von Waffen notwendig. Die Ochsen brachen leider durch ihren Kraal und waren am Morgen so weit gewandert, dass die Eingeborenen, die auf ihre Fährte gesandt wurden, sie nicht wieder ciufangcn Komiteil. Sie wurden jedoch später Mr. Foakcs durch örtliche Eingeborene wieder ausgeliefcrt. ’ Die Ravinc-Station, die auf dem Gipfel• eines kleinen, steilen Hügels steht, vier Meilen nördlich vom Aequator, hat eine Höhca von etwa 7000 Fuss*) über dem Meeresspiegel und gewährt einen herrlichen Blick über die Kamassi-Gcbirgskctte, welche wir auf dem Wege nach dem jenseits liegenden Plateau überschreiten sollten. Diese Berge sind fast gänzlich mit dichtem Urwald bedeckt und erstrecken sich vom südöstlichen Winkel des zu erforschenden Gebietes zuerst in östlicher und daun in nördlicher Richtung. Ein gut angelegter Pfad, der nur zu Fuss gangbar ist, führt eine Tagereise lang durch einen Streifen von welligem und rasch steigendem bewaldeten Land, dessen Charakter an den des die ESgcyo-Abdachung überragenden Landes erinnert, das die östliche Grenzlinie der In Aussicht genommenen Niederlassung' bildet Mitten in dem grossartigen Gewirr von tauähnlichcn Reben, Lianen« Riesendistein und sonstigem Dickicht ragen mächtige Bäume, manche von ihnen mehrere Fuss im Durchmesser,• in einer Höhe von 80 Fuss und mehr, hervor. An den Strömen, die sich durch diese sonnenlosen Bodenwellen himlurcliwinden, wachsen zahllose Farnkräuter, manche von ihnen gehören den Riesengattungen an, das genaue Abbild derer, die wir in den Gewächshäuscrn in Europa sehen; am häufigsten findet man verschiedene Arten von Frauenhaar-Farnkraut, ln den höheren Regionen, namentlich am südöstlichen Ende der Elgcyo-Abdachung, findet man häufig Bambuswüldchcn. .Es wurde uns gesagt, dass viele dieser Waldbäume gutes, brauchbares Bauholz *liefern. Beim Verlassen des Waldes erschliesst sich ein schönes, welliges Land, das zum grössten Teil mit recht guten» Weidegras bedeckt ist; unterbrochen hie und du durch kleine Flecken von Wald. Diese Region ist unmittelbar innerhalb der in Aussicht genommenen Grenze des in Frage kommenden Gebietes. Diese Ebenen liegen durchschnittlich 8000 bis 8500 Fuss über dem Meeresspiegel. Am Abend des 22. Jänner lagerten wii in der Nähe der Quellen des Samabula-Fiusscs, gegenüber einer Waldstrecke, die mehrere tausend Morgen (Acres) cinnahm. Dies schien ein sehr geeigneter Ort, von dem aus ein Teil der Karawane zurückgesandt werden konnte, utn den grössten Teil der Lebensmittel für die Träger f״Poslto“), die in der Ravine ausgespeichert waren, zu holen. Am folgenden Tage wurde dieser Plan ausgeführt und darauf verlicss Herr Wilbusch das Lager mit einem kleinen Gefolge von neun Trägern, um eine Reise von fünf oder sechs Tagen über die Ebenen nach Westen zu unternehmen, mit der Absicht, einen Umweg nach Norden zu machen und eine Woche später ein Zusammen• treffen mit Herrn Kaiser in Sirgoi herbeizuführen. Am 4. Februar kam der Karawanenführer mit einem Vorrat von ״Posho" und der englischen Post zurück. In der Zwischenzeit hatte Herr Kaiser gelegentlich tägliche Exkursionen in den Wald und das umliegende Gebiet unterm,mmen, zum Zwecke der Untersuchung der Bäume und Pflanzen. Ich konnte mehrere wichtige Vermessungen von den verschiedenen Hügeln aus vornehmen und das südliche Ende der Elgcyo- Abdachung besuchen. Am 5. Februar brachen wir unsere Zelte ab und setzten unsere Reise nach Norden fort. Ich ••»achte Herrn Kaiser den Vorschlag, er möchte sich nach den Sirgoi-Bergen bcgeben — die eine ausgezeichnete Landmarke bilden, welche meilenweit nach allen Richtungen sichtin» ־ ist — dass er dort einen passenden Ort für ein Mauptlagcr :•.uscrwühlcu möchte, und nachdem Herr Wilbusch sich ihm zngcsc'.it haben würde, die unteren Abhänge des Mount Elgoa; csuchcn sollte, entweder mit Herrn Wilbusch oder allem, um dann auf einem anderen Wege nach dem Hauptlager zurilekzukehren. Meine eigene Absicht war, die genaue Lage der Elgoyo-Abdacliung festznstellen, da diese die östliche Gienze des Gebietes sein soll, daun östlich von der Chipchangv.me-Kelte weiter vorz!!dringen, um von dort, wenn׳möglich, in westlicher Richtung die nördlicjien Regionen des Gebietes zu erreichen. D:c Widerspenstigkeit meines Masaifiihrcrs trag jedoch von vomherein dazu bei, meine Plaue zu vereiteln, denn am Ende der ersten Tagereise befand ich mich :1i; Herrn Kaiser am Naibiri-Fluss. Mein Führer zog das weniger beschwerliche Wandern über Ebenen dem mühseligen und langwierigen Durchdringen der Waldesticfen vor. Am folgenden Tage bestand ich darauf, dass er mich zu der Abdachung führte, und wir schlugen demgemäss eine nordöstliche Richtung ein. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren wir gezwungen, uns durch eine fast undurchdringliche Wildnis Bahn zu brechen, ausser wenn wir Elcphantenspuren fanden, was gegen Abend häufig der Fall war. Einige Minuten nach Sonnenuntergang stiessen wir glücklicherweise auf eine kleine Lichtung, und es wurde uns dadurch die Notwendigkeit erspart irn Walde zu kampieren. Unser Zelt stand auf einer Höhe von 8500 Fuss. einen Bergstrom und parkähnliclie Bodenwellen überragend, die sich nach allen Richtungen ausdclmten. Am nächsten Tage, kurz nach 6 Uhr morgens, musste ich fast einen Viertelzoll Fis zerbrechen, bevor ich meine Waschungen vornehmen konnte. Unglücklicherweise hatte sieh der Spiritus im Minimal-Thcrmomcter abgelöst, so dass ich die niedrigste Temperatur nicht feststellen konnte; zwanzig Minuten nach Sonnenaufgang zeigte jedoch der gewöhnliche Thermometer .30 Grad Fahrenheit*). An jenem Tage begab ich mich auf die Suche nach der Abdachung, die ich denn auch schliesslich erreichte, an einer Stelle, von wo aus kein Ausbbck über ihre nördliche Ausdelmnug möglich war, aber durch die überbängeiiden Bäume konnte ich scnkiccht auf das grosse Ta! nicderbückcn. das sich wie eine Landkarte 3000 Fuss tief unten erstreckte. Nachdem wir einige Meilen in nordwestlicher Richtung zurückgelegt hatten, trafen wir auf einen Pfad, der zu einer HalblicUUmg führte. Von dort aus konnte ich eine Reihe von K«m1passpeilungcn vornehmen und auf diese Weise eine ziemlich genaue Kenntnis vieler Meilen nach Osten gewinnen. Ich kehrte zur Halbliclitung zurück und schlug etwa zwei Meilen nördlich von unserem vorigen Lager unsere Zelte auf. Dies *) 30 Grad Fahrenheit gleich —0,89 Grad Röaumur. (Anmerk. d. Red.) *) Ein engl. Fuss gleich 30,5 Zentimeter. (Anm. <L Red.)