Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 282 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 24 seits aber scheint man in Bezug auf Palästina alle Ziffern beweisen zu können. In der von Dr. Alfred Nossig herausgegebenen ״Jüdischen Statistik“ ist die Zah! der Juden in Jerusalem von Dr. Moses Friedländer mit 28 518, von Dr. Saad mit 40000 angegeben; Baedeker führt die Ziffer 41 000, in einer Korrekturnotc nur 32 000 an. Schliesslich kommt Dr. Nossig selbst am Ende seines Werkes auf Grund von älteren Daten gar auf die Ziffer 13 000. Ähnlich ist es bei den anderen Städten. Während Suncz für Safed die Ziffer 7140 angibt, verzeichnet Baedeker 13000. und die von Suncz für Jaffa mit 2970 angegebene Ziffer wächst bei Baedeker gar auf 10000. Die einzige Person, die sich wirklich auskennt, ist offenbar Dr. Soskin. Er hat übrigens auch eigentümliche Informationen über das Areal von Palästina. Während ich in all meinen Büchern den Umfang von Palästina mit 10 000 Quadratmcilen angegeben finde, ist sein Palästina doppelt so gross. Selbst wenn Palästina zehnmal so gross wäre als die wilde Schätzung Dr. Scskins, es könnte nicht mehr als etwa drei Millionen Juden aufnehmen. Endlich die Kronländcr, von denen ich dachte, wir körnten sie vom Sultan erwerben, sind unglücklicherweise ungesund und ihre Erwerbung kostspielig. Und schliesslich bin nicht ich es, mit dem Dr. Soskin nicht iibereinstimmt, wenn er sagt, es wäre leicht, diese Sümpfe zu entwässern, sondern der patriotische Palästinenser Herr Ussischkin, dessen Broschüre ' ״Unser Programm" ich meine Informationen verdanke. Herr Ussischkin ist der erste Zionist, der dem Palästina- Problem aufrichtig gegenübertritt anstatt mit kindischer Rhetorik, und der sich das Land besieht, von dem er schreibt (pa:.:. 12): ״Dieses Land ist wegen seiner klimatischen Bedingungen am wenigsten für den Beginn einer Grosskolonisation geeignet . ... cs sind immense Vorausgaben für seine Sanierung notwendig . . . Zudem liegt dieses Land auch wüst da." Und da Ussisclikins ״Unser Programm" zufolge der einzige Weg zur Erlangung von Palästina ״nur der Ankauf sein kann, ist Dr. Soskins Behauptung, das Kronland könne nicht gekauft werden, der kräftigste Hieb von allen ״gegen Palästina". IsracI Za 11 gwiII. Zangwill für Palästina? Herr Zangwill ist mit meiner Berichtigung in No. 20 der WELT nicht zufrieden und bemüht sich, durch das Herausgreifen einzelner Angaben aus meinem Artikel zu bcweisen, dass unser beider Angaben sich so gut wie gar nicht widersprechen und eigentlich ich das ״Karnickel‘• sei, das angefangen hat und gegen Palästina das Bcweismateria! liefere. Ich werde mich bemühen, den scharfen persönlichen Ton zu vermeiden, der Herrn Zangwills Ausführungen eigen ist. In seinem Artikel in No. 17 der WELT hatte Herr Zangw׳ill Zahlen angeführt, die der Wirklichkeit nicht entsprechen, und aus ihnen den Schluss gezogen, das Palästina stark bevölkert sei, und dass wir deshalb auch mit dem Charter in der Hand uns darauf gefasst machen müssen, ״entweder die Stämme, die Palästina besitzen, nach dem Beispiel unserer Vorväter mit dem Schwerte in der Hand aus dem Lande zu jagen, oder wir mit dem Problem einer fremden Bevölkerung zu kämpfen haben werden" usw׳. Zu dieser Äusserung gelangte Herr Zangwill dadurch, dass er die Bevölkerung des Liwa Jerusalem mit 52״ Menschen pro Quadratkilometer" annahm. Freilich spricht er in seiner vorliegenden Erwiderung von 57 Menschen per (engl.) Quadrat m ei 1 e, w׳as nur 22 Seelen pro Quadratkilometer bedeutet. Er kennt also keinen Unterschied zwischen englischer Quadratmeile' und europäischem Quadratkilometer (l engl. Quadratmeile 2,59 Quadratkilometer); denn würde er von 22 Seelen pro Quadratkilometer gesprochen haben, so wäre er nicht zu der Behauptung gekommen, dass das Liwa Jerusalem so dicht bevölkert sei: 22 Menschen pro Quadratkilometer wäre für Nordskandinavien wohl eine dichte Bevölkerung, keineswegs aber iiir das Mittclmccrgcblet. Aber gewiss dünn gesät ist eine Be Volkerung. die in Wahrheit, wie ich des Genaueren in meinem Ar; tikel in No. 20 ausgefiihrt habe, nicht 22, sondern nur 15*1• Seelen pro Quadratkilometer aufweist. Dass Herrn Zangwill in der Tat auch jetzt noch nicht der Unterschied zwischen englischer Quadratrneilc und curopäischem Quadratkilometer auffällt, beweist seine neuerliche Äusserung: ״Während ich in allen meinen Büchern den Umfang von Palästina mit 10 0(״) Quadratmcilen angegeben finde, ist sein (Soskins) Palästina doppelt so gross." Mein Palästina bleibt 291 «>0 Quadratkilometer gross und mit Hinzurechming des Osti'ordanlandes und des Haurän schätzungsweise 35 inkj Quadratkilometer, während das Palästina des Herrn Zangwill ]1100!) englische Quadratmcilen, das heisst 259<>יי Quadratkilometer gross ist! Vollends unbegreiflich wird der nun folgende Satz: ״Selbst wenn Palästina 7 eh nnial so gross wäre als die wilde Schätzung Dr. Soskins, cs kümuc nicht mehr als etwa drei Millionen Juden atifiiehmen." Italien, das ganz ähnliche, wenn auch in mancher Beziehung weniger günstige Bedingungen aufweist, ist zufällig zehnmal so gross wie mein Palästina, das heisst: es hat 286(>S2 Quadrat- Kilometer und hat 33 Millionen Einwohner. Und wäre also Palästina so gross wie Italien, so wäre doch nur Raum für drei Millionen Juden — sic volo, sic jubco. Eine andere Bcgründung bleibt Zangwill schuldig. Wie überall, so bewahrheitet^ sich auch hier der Satz: ״Der Ton macht die Musik“. Zum Teile decken sich zufälligerweisc die Zangwill sehen Zahlen über die jüdische Bevölkerung Palästinas mit den mehligen. Während aber Herr Zangwill aus diesen Zahlen zu beweisen sucht, dass die Bcvölkerungs\crhält11isse Palästinas uns unüberwindliche Schwierigkeiten bei seiner Besitzergreifung bieten, und daraus das für das Ostafrikaprojekt nötige Kapital zu schlagen suciit. habe ich auf Grund von Zahlen, mit denen Herr Zangwill nach seinen letzten Ausführungen iiberciuzustimmcn glaubt. längs, an welches diese Zeitschriften allerdings abzugeben seien, so sei dessen Funktion sehr unregelmässig und langsam, CENTRALBLATT FÜR BIBLIOTHEKSWESEN. Jahrg. I, 4. Aufl. Bd. 1. Stuttgart 1872. Seite 124. genau gewusst habe, wio vor vielen hundert Jahren die Gegend beschaffen gewesen. J 0 h. A u g. Ernst Köhler: Voiksbranch. Aberglauben. Sagen . . . in! Voistlande. Leipzig 1867. S. 569. Der ewige Jude Im Voigtlande. (Carl Döhlcr im Illustrierten Familien-Journal.) Im Schilbachcr Walde hat sich einst an einem trüben Herbstabende der ewige Jude sehen lassen. Es war eine lange unheimliche Gestalt mit grossem eisgrauen Barte und Haar und eingewickeit in einen graubraunen, zerfetzten Mantel, von dem auch fast das ganze unheimliche, grässlich durchfurchte Gesicht verborgen war. In rauher, fremdklingender Sprache fragte er einen alten Vogelsteller nach diesem und jenem, nach einigen Familien und Döriern, die nicht mehr vorhanden sind, aber der Sage nach In früheren Jahrhunderten existiert hatten. Dann habe er ihm einige unbekannte Eigentümlichkeiten der dahängenden Vögel und einige heilende Kräuter, die draussen von der Waldliütte wuchsen, gezeigt, sei aber von deis Kreuz- Schnabel immer fern geblieben. Dem alten Vogelsteller wurde der Oast unheimlich, der, als er gefragt ward, ob ein guter Christ das alles wissen könne, plötzlich aufgestanden ־und ohne Oruss fortgegangen sei. Da sah der Vogelsteller dem Davongehenden nach und bemerkte plötzlich an seiner Spur, dass in Jeder Sohle fünf grossköpfige Nägel in Gestalt eines Kreuzes eingeschlagen gewesen seien, die dann bei jedem Schritte des Wanderers dieses heilige Zeichen dem Boden einprägten. Da nabe er erkannt, wer der uralte Wanderer gewesen sei, der so Aus einem Interview mit Sir Aloses Montefiore im Jahre 1863 .Die Antwort, die er mir auf meine Frage erteilte, ob er denn wirklich Hoffnung auf eine dereinstige nationale Selbständigkeit der Israeliten im heiligen Lande hege, charakterisiert den Mann aufs treffendste. Mit einem Lächeln, das seine Züge verklärte, antwortete er mir: ״Ich bin dessen ganz gewiss, es war dies mein beständiger Traum und ich hoffe, er tritt noch dereinst ins Leben, wenn ich nicht mehr darin bin. Ich verlange nicht, dass sämtliche Israeliten ihre Wohnsitze verlassen sollen, wo sie sich behaglich fühlen, gleichwie es ja Engländer in Ungarn, Deutschland, Amerika und Japan gibt. Aber Palästina soll den Juden gehören und in Jerusalem sei der Sitz eines jüdischen Reiches.“ (Allgem. Zeitung des Judcnthums Jahrg. 1863 p. 437 a)