Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 24 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 281 7ug im' islamitische» Vordcrasicii. Wenn aber auf der dereinstige» Hochschule in Jerusalem, bevor dort das Hebräische cingcfilhrt sein kan», Collegia in deutscher Sprache gelesen werden, was für die eiste Zeit, wie gesagt, gar nicht anders möglich sein dürfte, würde damit auch der deutsche Einfluss in diesem Teile des Orients iniplicitc sichergestcllt sein. Wenn also der Zionismus sc'11 Endziel erreicht so wird er sicher nicht Verkleinerung, sondern Verstärkung de1־ deutschen Machtsphäre zu Wege bringen und cs wäre kurzsichtig, wenn ein deutscher Staatsmann den oben beregten Ausführungen unseres assimilatorischen Gegners auch nur int geringsten Gels׳jr schenken würde. D r. Ludwig Löwe. Polemik Zangwill—Soskin o In No. 21 unseres Blattes hatten wir einen Artik:?i um.ircs verehrten Dr. Soskin, des bekannten verdienten Mitgliedes unserer Palästinakommission, zum Abdrucke gebracht, der eine ■ Berichtigung verschiedener Behauptungen in Bezug auf Pa* j I a s t i 11 a darstelbc, die Israel Zangwill in der WELT vorgetragen haue. Zangwill antwortet mm diirauf in No. 23 der WELT, und Soskin dient ihm an gleicher Steile [ mit einer Duplik. Wir unsererseits möchten zu der Polemik, über; die unsere l.eser sich ihr Urteil wohl selbst bilden werden,! mir bemerken, dass, wem! Herr Zangwill in stark ironischem; Tone von Pr. Soskin spricht, als der ״einzigen Person, die sich wirklich auskeimt". schliesslich doch wirklich hier j Soskin der Eachmami ist. der doch nach einem gründlichen j Sach- und Fachstudium auf Pcutschlands Hochschulen lauge j Jahre hindurch Land und Leute Palästinas wie wei.i•־ andere j europäische Juden vorher in gründlichster wissenschaftlicher j Weise studiert hat - gegenüber Herrn Zangwill, der das Land einmal während der Zwischentage eines Pessachfestes durchreist hat. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes und bei der Be- 'iel'thcii. deren sich miscr Soskin gerade in Deutschland erlaut, geben wir diese Polemik wörtlich wieder und hssen nunmehr die beiden Artikel folgen: Dr. Soskin gegen Palästina Herr Pr. Soskin war so freundlich, die von mir in Bezug auf die Einwohnerzahl Palästinas gemachten Argabcn, die sich ״gegen Palästina richteten*•, zu berichtigen. Welch seitsame Form der Bezichtigung zionistischer Illoyalität! So hätten denn auch die Japaner durch eine Prüfung der Verteidigung Port Arthurs dem Mikado gegenüber illoyal gehandelt. Und in welcher Weise suchte Herr Pr. Soskin die Schwierigkeiten zu verkleinern, denen wir Zionisten entgegengehen? Ich sagte, die jüdische Bevölkerung Palästinas bctrage nur 12%; Herr Dr. Soskin sagte, 12גי % der gegenwärtigen Bevölkerung Palästinas seien Juden. Das heisst mit anderen Worten: 83% der gegenwärtigen Bevölkerung würde durch uns mit einem ״Frcmdenproblcm“ beschwert werden, selbst für dett Fall, als wir den Charter erlangen sollten. Ich sagte, im Paschalik von Jerusalem seien nicht 25% der Bcvölkcrung jüdisch; Herr Dr. Soskin sagt 20%. Ich setzte die Grenze״ in dem Bemühen, das Bild so rosig als möglich zu malen, mit 25 % fest; Herr Dr. Soskin setzt sic gestrenge auf 20 % herab. Ich sagte, der grösste Teil des Bodens in Palästina sei im Privatbesitz, und werde auch nicht, selbst für den Fall der Erlangung des Charters, in unseren Besitz gelangen, bis nicht der gesamte dem Sultan gehörende Boden von uns cn bloc erworben würde; Herr Dr. Soskin erzählt uns, der Sultan werde seinen Teil überhaupt nicht verkaufen, aber wir könnten ihn von ihm zu pachten versuchen. Ich sagte, es werde uns schwer gelingen, die Mohammedaner, die uns zu verachten gewohnt sind, zu beherrschen; Herr Doktor Soskin erwidert, die Mohammedaner verachten uns nur in den Städten (wo sie und wir dicht ancinandergcdrüngt sind). Um sein Werk zu krönen, findet Doktor Soskin eine neue, den gegenwärtigen Bewohnern erwachsende Schwierigkeit in der Konkurrenz der einw ändernden Tschcrkessen. von denen ich gar nicht gesprochen hatte. Aus welchen! Grunde unterzog sich Herr Pr. Soskin dem! der Aufgabe, ״mit dieser Fabel einfür allemal aufzuräumen”? Ich wünsche mir. klüger zu sein, um das zu verstehen. Ich habe die Empfindung, als sei er mehr ״gegen Palästina" als ich. Pr. Soskin tut überdies so. als entstammten die von mit angeführten Daten meiner Phantasie. Ich arbeitete aber nach den besten politischen Informationen, die cs in England gibt. ״The States!!!;!!! Ycar B״ok". letzte Ausgabe, und dieses Werk gibt die Bevölkerung des als Paschalik von Jerusalem bekannten Teiles von Palästina mit 57 pro Qiiaörutnieilc an. was mehr als das Doppelte des in den Vereinigten Staaten bestellenden Verhältnisses ist. Doktor Soskin beschuldigt mich des Spieles mit Ziffern und des Zusammenfassens der schütter und dicht besiedelten Gebiete. Ja, weiss er denn nicht, dass dies die einzige Möglichkeit ist. den Durchschnitt zu bcstimmen? Ich dachte, jeder Schuljunge wisse cs^ dass man nicht sagen wolle, auf jeder Quadratmeile wohnen 57 Menschen, wenn man von eit!’er Diciitigkeit von 57 pro Quadratmeile spricht. Dies ist die einzige Art. die Bcvölkcrungsdichtigkcit abzuschätzen, indem man das Verhältnis zwischen der Bodenfläche und der Bevölkerung, die sic zu erhalten imstande ist aufstellt. Sie ist nicht immer imstande mehr zu erhalten, einfach weil einzelne Gebiete verhältnismässig unbevölkert sind. St» beträgt beispielsweise die Dichte von Schweden und Norwegen 25 pro Quadratmeiie. wohl weil dies das Maximum ist. das die natürlichen Quellen des Landes ertragen können. Herr Dr. Soskin stellt diese 57 natürlich in Frage, aber woher er seine statistische Unfehlbarkeit hat, ist mir unerfindlich. Wir wissen, dass man mit Ziffern alles beweisen kann; andrer- An die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU ״Ganz Berlin erzählt sich, dass du schmollst Und dem Herrn SCHLEMIEL;111 Herzen grollst, Weil das kleine Hühnchen dich verschnupfte. Das der Wochenschautc mit dir rupfte. Wenn das nun die reine Wahrheit ist, Dass du diescrhalb beleidigt bist. Dann war's wirklich eine Wohltat, Dass der W'ochenschautc dich verkohlt hat“ Wir fügen auch unsere Antwort an den Herrn SCHLEMIEL bei. wenn wir auch auf dem Pegasus leider nicht ganz so sattelfest sind: Wie woh könnten dem SCHLEMIHL w ir grollen, Dessen Witze gern wir hören wollen. Wenn er seinen SIS 2; ו besteigt Und auch uns einmal die Wahrhe t geigt. Doch den Schauten, der mit Massaimördern Sich bis Merkas Küste traute. Wollen gern wir nach Verdienst befördern: Wir ernennen ihn zum 0 b c r s c 11 a u t e. Lesefrüchte ״Und nun ein paar Worte über unsere Nachbarn daheim und ausserhalb der Grenzen, über Katholiken und Juden, Frauzosen und Engländer. Ich war gegen unser neues Judeu-Gcsctz, das die Heirat zwischen beiden Glaubensverwandtcn gestattet; •ch meine, der Generalsuperi11le11da-1t müsse eher sein Amt nieiicrlegen. als dass er die Trauung einer Jüdin im Namen der heiligen Dreieinigkeit dulde; jede Verachtung der religiösen Gefühle im Volke bringt Unheil. Aber ich hasse die Juden nicht. Was sich in meiner frühen Jugend als Abscheu gegen die Juden in mir regte, war mehr Scheu vor dem Rätselhaften, vor dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Männer und Frauen. Erst später, als ich viele geistbegabte. fcinfiil'.Iigc Männer dieses Stammes keimen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferische Volk liege, und für den Dichter, der das hohe Liebeslied gesungen." Meine Religion. Mein politischer Glaube. Vertrauliche Reden von J. \V. v. Goethe. Zsgest. von WGl heim Bode. 2. A110. Berlin 1902. S. 96/97. ״Auch in Frankreich empfindet man da.? Unzureichende der bisherigen finanziellen Ausstattung der Bibliotheken, namemtlieh der ßibliothcquc nationale; Ein Herr Drumont') bcklagt sich in der LIBERTE: ״Für den Ankauf von Büchern, welche in ganz Europa erscheinen, sind 80 000 Francs bestimmt; was kann Herr Dehsle. so erfahren und hingebend er auch in seinem Amte ist. mit einer solchen Summe machen? Kann er im Lcscsaal d»»ch nicht einmal von französischen Zeitschriften alle die zur Disposition stellen, welche ein wirkliehes Interesse haben, z. B. den CORRESPONDENT und die REVUE DES F.TUDF.S JUIVES**. Was das d£pot lögal an- •) Leider ist der Vorname des. p. D r u m 0 n t nicht angegeben. %