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Jüdische Rundschau · 1905-06-16 · Heft 24 (16.6.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 24 Seite 280 ־ wie diese Mietspartei befinden wir Juden uns unseren Christliehen Mitbürgern gegenüber. NVir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen, trotzdem sind wir bestgehasst, mau würde uns mit Freuden austreiben, wenn man nicht die daraus 1 jsultierendcn Schaden fürchtete. Diejenigen Juden, die sich in dieser Lage als überschwängliche Deutsche aufspielen, sind entweder Lügner, oder sic ermangeln des Gefühls der Selbstachtung. Mit Recht wenden sich unsere christlichen Mitbürger von solch widerwärtigem Schauspiel, dessen Minder- Wertigkeit so offen zu Tage liegt, ab. Umsoirehr, als cs gar nicht nötig ist, unsere Anhänglichkeit an das deutsche Land noch extra zur Schau zu tragen. Die versteht sich für Leute, die wie wir seit vielen Jahrhunderten in diesem Lande wohnen und infolgedessen mit ihm aufs innigste verwachsen sind, ganz von selbst. Dies natürliche, deutsch-vaterländische üeiüiil darf uns aber nicht von dem Versuch ahhaltcn, die zerstreuten Glieder unseres eigenen Stammes zu sammeln und sie der schmählichen Knechtschaft und dem z.im Himmel schreienden Martyrium, dem sic in Russland und Rumänien verfallen sind, zu entreissen. Das Bemühen, die jaden zu einem Volksganzen zusammen zu schwcissen. ist speziell vom dcutsch-vatcrländischen Standpunkt aus um so berechtigter, als diese Be- Strebungen notwendigerweise zu einer ansehnlichen Vertu.11ruug und Vertiefung des deutsch-völkischen Ku'.turkreiscs und — falls Palästina jüdisch wird -- auch zu einer bedeutenden Vergrößerung des Einflusses des Deutschtums im Orient führen muss. Ich meine folgendes: Die Judenscliaft besitzt nur ein einziges, aber vollkommen zur Erreichung ihrer politisehen Ziele ausreichendes Mittel, das ist die Presse, Nun können wir uns unserer eigentlichen Nationalsprache, des Hebräischen, nur i״ sehr beschränktem Masse zur Agitation bedienen, denn die allerwenigsten von uns i'eherrscheu dieses Idiom so. dass sic imstande wären, ihre Gedanken darin j schriftlich niedcrzulegen. Dagegen ist das Deutsche, speziell das Jüdisch-Deutsche, die eigentliche Volkssprache der 10 j bifi 11 Millionen russischer, österreichischer, rumänischer, deutscher und cingcwanderier amerikanisch-englischer Juden, die den Kern des heutigen Judentums ausmacltcn und die Träger der Einigungsbewegung s»״.d. Infolgedessen existiert bereits heute im Deutschen und namentlich im Jüdisch-Deutschen eine reichhaltige und wertvolle spezifische Literatur. Sic muss in gleichem Schritt mit dem Wachst: m der Nationalbewegung, das ja tägluh unter unseren Augen beobachtet wird, amblühen und gedeihen. Die reicher Schätze wehmütigen Humors. tiefen, sittlichen Ernstes und unübertrefflicher Innerlichkeit adeln diesen auf fremdem Stamm erblühten Zweig des deutsehen Schrifttums umsomehr, als sic sich noch dazu in den Dienst einer berechtigten, politischen Aufgabe gestellt haben, die an Grösse des Zieles, an Schwierigkeit des Probie ns bisher noch niemals ihresgleichen gehabt hat. Es ist 5i־׳!’.cr nicht zu viel' gesagt, wenn matt behauptet, dass hier ein in seiner Art ebenso wertvoller Abschnitt des deutschen Kuiturkrciscs ins Leben zu Leie!! im Begriff ist, wie er in den Werken der plattdeutschen Schriftsteller bereits gegeben vorüegt. Sollte aber die zionistische Bewegung zum Ziele führen, so wird unzweifelhaft auch die deutsche Sprache mindestens die erste Zeit in Palästina die Volkspraclic bleiben müssen. Es ist wohl möglich, die in Palästina geborene Jugend dem Hebräischen wieder ztrzuführen und so letzteres allmählich in seine Rechte als jüdisches Idiom wieder cinzusetzen. Man hat ja nach dieser Richtung hin bereits einige von Erfolg geklönte Anfänge zu verzeichnen. Aber immerhin ist cs von diesen Anfängen bis zu dem Endziele, dass das ganze jüdische Volk hebräisch sprich.{, ein weiter Weg', zu dessen Zurücklegutig selbst unter dut günstigsten Umständen unbedingt eine längere Zeit erforderlich ist. Während derselben dürfte notgedrungen die von Europa herübergebrachte Volkssprache, das Deutsche resp. das Jüdisch-Deutsche auch das allgemeine Yerstäi'digungsniitiel des neu palästinensischen Judäas sein müssen. Nun werden in dem i cugcl ildeteii Gemeinwesen in Bezug auf die deutsche Sprache vurawssichtlich diesc'hen Vorhältiiisse cintreten, wie sie über;*!! in deutschen DialektUindcrn beobachtet würden sinJ. dass nämlich neben dem zur gewöhnliehen Umgangssprache dienenden Volksdialekt auch noch das Hochdeutsche in seine Rechte tritt resp. als offizielle Sprache der Behörden einen hervorragenden Platz cinnimmt. Mindestens dürfte es. wenn es auch nicht uie otiizieüc Regieruugssprache werden sollte, doch von jedem Gebildeten verstanden und gesprochen werden. Mit der deutschen Sprache muss dann aber auch deutscher Eiuüuss in Palästina zur hervorragenden Geltung kommen. Wir alle wissen, dass die Machtstellung, die Frankreich heute dort wie in allen orientalischen Ländern ciiminunt. wesentlich auf die Präpouderanz des französischen Idioms unter den gebildeten Orientalen zuriiekzutühren ist. Die herrschenden Kreise des nuihamcdanischcn Orients holen sich in Paris ihre moderne Bildung, und mit der französischen Sprache hält auch •der französische Kaufinaiui und die französische Ware ihren Ein aitnalmi. Die Juden, stolz auf eine so glänzende Bekehrung überhäuften ihn mit Schätzen, die er in Ruhe bis an seinen Ted genoss. Er scheint ein Philosoph gewesen zu sein. Denn seine von ilnn selbst verfasste Grab-Inschrift lautet: Hier liegt das Nichts vom Nichts, Joseph Medina. Die Tracht der jüdischen Männer ist die kleidsame arabische, Kniehose, Burnus (ein aus weissem Flanell- Stoff bestehender weiter Mantel), Fez und Turban. Die Farbe des letzteren darf nur blau oder schwarz sein, während die weissc und grüne Farbe den Mohamcdauern Vorbehalten ist. Der Anblick der Frauen und Mädchen ist ein sehr überraschender und von manchen Reisenden nicht mit Unrecht mit dem unserer Balletteusen verglichen worden. Weissc, weite Pumphosen bedecken die Beine, der ganze Körper ist mit einer grösseren Anzahl seidener Tücher umhüllt und den Kopf krönt eine ziiekerhutförmige d. 11. unten breite und oben spitz zutaufende, ans weissem seidenem Stoffe bcstehende Mütze. Im Gegensatz zu den Araberinnen gehen sie uuverschleiert und lassen meist wenig anziehende, aufgeschwemmte Gesichter sehen; deren Reiz nicht dadurch erhöht wird, dass sie, den orientaiischen Schönhcitsbcgrifien entsprechend, einem durch Mästung künstlich iettgemachteri Körper angeboren. Nur unter den ganz jungen Mädchen trifft man einzelne von einer zarten, oft rührenden Schönheit. Leider stellen auch in Tunis, wie in den meiden andern ortentalischcn Hafenstädten, jüdische Frauen das grösste Kontingent zur Prostitution, eine Tatsache, durch die das Elend unseres Volkes eine furchtbare Beleuchtung erfährt. Auch in den Cafes chantants, deren Programme übrigens neben der französischen und arabischen die hebräische Sprache aufweisen, sind die auftretenden ..Künstlerinnen“ fast ausschliesslich Jüdinnen, die durch einen geradezu hässlichen Gesang und durch die widerliJie Procedur des Bauchtanzes ihre bunt zusammen־ gewürfelte Gästeschar zu unterhalten versuchen. Vielleicht ist es einmal dem Zionismus vergönnt, auch dieser jüdischen Not und Schande ein Ende zu bereiten. Vom SCHLEM1EL SCHLEMIEL. Illustriertes jüdisches Witzblatt. Hcrausgcgcbcn von Dr. Max Jmigrnann, Berlin. N u m 111er (i - Juni 1905. Statt einer Besprechung der vorzüglichen Nummer wollen wir unser» Lesern nur eine Brieikastcmtotiz geben, die der SCHLE'AIEL an unsere Redaktion richtet:

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