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Jüdische Rundschau · 1905-06-09 · Heft 23 (9.6.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 268 No. 23 JÜDISCHE RUNDSCHAU Auf viele Anfragen erklärt das Aktionskomitee: Das Aktionskomitee hat nur den kleineren Teil der Galerie für solche Gesinnungsgenossen reserviert, die aus weiter Ferne kommen, um an dem Kongresse teilzunehmen, dazu aber nicht immer gelangen konnten und sich schon vor einiger Zeit an das Kongressbureau um Eintrittskarten gewendet haben. Diesen Gesinnungsgenossen, die auch dem Nationalfond Spenden zufiihren, soll bei rechtzeitiger Anmeldung Gelegenheit geboten werden, den Verhandlungen des Kongres>ses beizuwohnen. Im übrigen steht nach wie vor der grösste Teil der Galerie dem Publikum kostenlos zur Verfügung. Mitteilungen des Zentralbureaus j der Zionistischen Vereinigung für Deutschland j 1. Im Aufträge des Zentralkomitees der Zionisti- | sehen Vereinigung für Deutschland teilen wir mit. dass j der diesjährige Delcgiertentag der Zionistischen Verei-; nigung für Deutschland am 25. Juli, Nachmittags 4 Uhr ■ in Basel Zusammentritt. Zum Delegiertemag entsendet! jede Ortsgruppe einen Vertreter. Ortsgruppen von mehr als 50 Schekelzalilern entsenden zwei Delegierte, J Ortsgruppen von mehr als 100 Schekelzalilern einen! für jedes w eitere Hundert. Die Wahlen werden zweck-! massig gleichzeitig mit den Wahlen zum Kongress vorj genommen werden. Ueber die Einzelheiten werden | noch nähere Bekanntmachungen erscheinen. j 2. Schekelgelder und Landesbeiträge sind nur an unseren Schatzmeister, Herrn Max W 011 s te i n e r, Berlin N.W, 23. Holsteiner U f c r 10, zu senden. Auf verschiedene an unsern Schatzmeister Herrn Max Wol Ist einer gerichtete Anfragen bezüglich des Mosses Hess-Buches teilen wir mit, dass dasselbe in einem stärkeren Umfange als ursprünglich beabsichtigt erscheinen wird; es ist daher in der Drucklegung eine Verzögerung eingetreten, doch hoffen wir. das Buch in drei Wochen an die Subskribenten zur Yer- Sendung bringen zu können. Aufruf Das in Shitomir zur Unterstützung der von den Exzessen hart betroffenen• Volksgenossen gegründete Komitee erlässt folgenden Aufruf: ״Schreckliche, grauenvolle Tage haben wir Juden in Shitomir erlebt, die Tage vom 23. ibs 26. April, Tage voll Mord, Verwüstung und Zerstörung. Mengen von bewaffneten Ruhestörern überfielen die jüdischen Einwohner und übten an ihnen die verruchtesten Greueltaten, beraubten, verwundeten und töteten sclior.ungslos die ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung. Wohl haben sich die Juden zur Wehre gesetzt; unsere Jugend hat einen seltenen Heldenmut an den Tag gclegt und opferte ihr Leben, um ähnliche Szenen w ie in Kischenew zu verhüten, allein die Exzesse hatten doch einen sehr traurigen Eriolg: Gegen 20 Tote und 100 Verwundete fielen .ihnen zum Opfer. Aehnliehe Exzesse fanden in der Umgebung von Shitomir statt: In Trojanow wurden zehn junge Leute getötet und mehrere Juden wurden in Doriern neben Shitomir ermordet. Gross ist das Unglück und ebenso gross die in dessen Folge Platz greifende Not! Wenn auch mir einige Dutzende Häuser und Läden . gänzlich vernichtet wurden, so ist die Lage der hinterbliebeuen Witwen und Waisen eine trostlose, und die traurigen Ereignisse haben eine fürchterliche Stockung des ökonomsiehen Lebens hervorgeruien, so dass an eine Linderimg des Elends durch heimische Abhilfe nicht zu denken ist. Hilfe, rasche Hilfe tut not! Es muss den Hinterbliebenen derjenigen geholten werden, die in der heldenmütigen Selbstverteidigung den Tod gefunden haben; es muss den zahlreichen Familien der Gen')- teten und Verwundeten geholfen werden, die ihrer Ernäh rer beraubt wurden; es muss auch den ausgeraubten brotlos gewordenen kleinen Leuten, die infolge der Exzesse stark gelitten haben, rasche Hilfe geleistet werden. Wir wenden uns alle, die Mitleid mit ihren ungüickliehen Brüdern empfinden, an alle, denen das Andenken datnpfer vor Anker gehen müssen, passierten wir rasch, durchfuhren etwa 1 Stunde lang iti einem 1891 vollenderen Kanal die sanfte Bucht El Bahiro und konnten um 8-ג nach mitteleuropäischer, um •17־ naclt der in Tunis geltenden Pariser Zeit, an Land gehen, nicht 01m.: die lächerliche Formalität, dass wir uns von Ober-Steward durch rote Marken unsern guten Gesundheitszustand bescheinigen und von Zollbeamten kontrollieren lassen mussten. Für diejenigen Leser, denen die Tunesische Geschichte nicht mehr recht gegenwärtig sein sollte, will ich hier einige wichtige Daten derselben einfiigen. Die alte Geschichte von Tunis fällt zusammen mit der von Carthago, in dessen wechselvolles und allgemein bekanntes Geschick Tunis wegen der ausserordentlichen Nähe der Stadt — die noch vorhandenen Ruinen Cartliagos liegen nur wenige Kilometer entfernt —- naturgewiss mitvenloclitcu wurde. Mit dem Jahre 6*17 heginnt der, wenn man so will, mittelalterliche Teil der tunesischen Geschichte. In diesem Jahre erschienen die Araber zuerst in diesem Teile von Afrika. Sic waren vom Kalifen Allmton ausgesendet und setzten sich im Anfang etwa 60 Kilometer südöstlich von Tunis fest in ■ Kcronan, welches noch bis heute eine heilige Stadt und im Rang die dritte nach Mekka geblieben ist. Trotz dieser Heiligkeit ist sie die einzige Stadt in der ganzen Regentschalt, in der es den Ungläubigen erlaubt ist, das Innere der Moscheen zu betrete״. In der Stadt Tunis selbst ist das so unmöglich, dass unser dort geborener und das Arabische von Kindheit an sprechende jüdische Führer weh niemals eine Moschee anders als von aussen gesellen hatte. Im Jahre 691 erstürmten die Araber Carthago. das bis dahin seit!1•s Jahrhunderten in! Besitz der Oströmer gewesen war und machten edem Erdboden gleich. Von der Konkurrenz der weit wichtigeren Nachharstadt befreit und durch seine ansgezeichnete Lage in unmittelbarer Nähe des Meeres begiaistigt, entwickelte sich Tunis schnell zur bedeutend• steil Stadt des Landes und wurde bald die Residenzstadt der regierenden Fürsten. 1545 kam Tunis durch Sultan Selim II. unter türkische Herrschaft, unter der es über ein Jahrtausend bis zum Jahre 1694 verblieb. Die folgenden Jahrhunderte sind aUjSgcnült von einer nicht abbrechengen Kette von meist sehr blutigen Revo- Imionen, die sich zwar grössten Teils auf die Paläste der Beys und deren Minister beschränkten, aber das Land nicht zur Ruhe kommen liessen. Dazu gesellte sich von der Mitte des verflossenen Jahrhunderts an eine Finanzmisswirtsehatt, die in der Geschichte ihres- /

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